DIE AFROAMERIKANISCHEN KATHOLIKEN
Geschichte einer ungewöhnlichen Treue
Jamie T. Phelps von der Xavier Universität Louisiana über die black catholics.
von Jamie T. Phelps
![Die traditionelle Mississippi-Segnung. <BR>[© Magnum/Contrasto]](http://www.30giorni.it/upload/articoli_immagini_interne/01-06-07-011.jpg)
Die traditionelle Mississippi-Segnung.
[© Magnum/Contrasto]
Die farbigen Katholiken in den Vereinigten Staaten, die black catholics, sind die Protagonisten einer vergessenen Geschichte. Der Geschichte von Personen, die vom Glauben berührt wurden und nach und nach in der Geschichte und Kultur der USA eine eigene Identität erlangen konnten. Die Geschichte dieser Menschen ist auch die Geschichte einer ungewöhnlichen Treue zur Kirche, obwohl sie stets deutlich hinter den anderen Katholiken und den Protestanten zurücktreten mussten. Nicht umsonst sind die Vereinigten Staaten „WASP“ – d.h. w eiß, a ngelsächsisch und p rotestantisch – ein Land also, in dem es schon immer mehr Protestanten als Katholiken gegeben hat. Wir schwarzen Katholiken fühlen uns ausgegrenzt: selbst unsere eigenen „Religionsgenossen“ wissen eigentlich so gut wie nichts über uns. Wenn ich als kleines Mädchen jemandem sagte, dass ich katholisch war, wurde ich sogar von anderen Katholiken überrascht gemustert und gefragt: „Müsstest Du nicht eher protestantisch sein?“. Das werde ich nie vergessen. Es war damals in der Tat üblich, Farbige, die sich an eine katholische Pfarrei annähern wollten, automatisch an die protestantische Gemeinde „weiterzureichen“. Es war eine Zeit, in der man den Slogan extra Ecclesiam nulla salus nicht sehr elastisch interpretierte – und uns sozusagen gleich zweimal ausgrenzte.
Wer als black catholic in einer strukturierten katholischen Gemeinde lebt, z.B. der irischen, feiert unweigerlich den „St Patrick’s Day“, lernt die irischen Tänze und übernimmt deren Kultur. Das ist auch mir passiert. Ich habe nach und nach Teile des Katholizismus verschiedener Nationen angenommen – von den Italienern z.B. das Festmahl zu Ehren des hl. Josef, anderes wieder von den Polen, den Deutschen, usw. – und das alles einfach nur, indem ich zur Schule ging.
Eine „nicht unbedeutende“ Minderheit
Erst ab den 1960er Jahren haben wir damit begonnen, den negativen Eindruck zurechtrücken zu wollen, den die anderen von uns hatten. Wir waren der Meinung, dass wir uns als Gemeinde einen Namen geben, dass wir nicht nur zu unserer Hautfarbe stehen, sondern sogar stolz darauf sein sollten. Wir haben entdeckt, dass unsere christlichen Wurzeln in Nordafrika zu finden sind, ja sogar bis in die ersten Jahrhunderte der Geschichte des Christentums zurückreichen! Diese Geschichte mussten wir uns unbedingt wieder zueigen machen!
Geholfen haben uns dabei die Statistiken. Die Zahl der Katholiken afrikanischer Herkunft beläuft sich heute auf 270 Millionen, das ist mehr oder weniger ein Fünftel der Katholiken weltweit. In den USA leben drei Millionen afroamerikanische Gläubige des römisch-katholischen Ritus. Manch einer mag uns black catholics als „statistisch unbedeutend“ betrachten – dabei gibt es uns in einigen Staaten bereits in der dritten oder vierten Generation, beispielsweise in New Orleans, Baltimore oder Chicago! Drei Millionen der insgesamt 60 Millionen Katholiken in den USA sind Farbige – aber drei Millionen ist auch die Zahl aller Gläubigen in Irland! In Amerika gibt es ca. 1300 katholische Kultstätten, die vor allem von Farbigen oder anderen ethnischen Gruppen frequentiert werden. Wie viele von uns in den vorwiegend weißen Pfarreien die Sakramente empfangen, ist nicht bekannt. Es gibt 250 afroamerikanische katholische Priester, 380 ständige Diakone, 300 Ordensfrauen. Die genaue Zahl der Laienbrüder und freiwilligen Helfer in der Kirche ist unbekannt – und ich könnte auch nicht genau sagen, wie viele von uns aus der „afrikanischen Diaspora“ – Priester, Diakone, Ordensmänner und -frauen, kontinentalafrikanische, afrikanisch-karibische oder afro-lateinamerikanische Laien – heute im Dienst der Kirche stehen.
Woran glauben die black catholics?
Doch woran glauben die farbigen Katholiken Amerikas eigentlich? Sie glauben an das, woran die römisch-katholische Kirche glaubt, wenn auch mit jeweils verschiedenen besonderen Merkmalen, die schließlich jede Gemeinschaft von Gläubigen aufweisen kann.
Die am meisten praktizierte Frömmigkeitsübung der black catholics ist das tägliche Gebet. Afroamerikanische Gemeinschaften sind ausgesprochen gastfreundlich. Sie schätzen und lieben die Menschlichkeit der Personen, weil es dieselbe Menschlichkeit ist, die auch Jesus hatte, und in dieser „alltäglichen“ Heiligkeit dürfen wir nicht nachlassen! Wir nehmen alle mit offenen Armen auf: unsere Erinnerung an das Amerika des 19. Jahrhunderts ist noch allzu lebendig – die Erinnerung aneine Zeit, in der Kultur und Gesetz vorschrieben, dass die Kirche der Weißen von der der Schwarzen getrennt sein müsse; in der die Messe zwar für alle im lateinischen Ritus zelebriert wurde, sich die Versammlungen der Gläubigen aber nach ethnischen Kriterien zusammensetzten.
Konzilsdokumente wie Gaudium et spes stehen in tiefem Einklang mit dem Empfinden der black catholics. Das Bedürfnis der Kirche, auf die Welt zuzugehen, haben wir schon vor dem Konzil verspürt: wir haben schon immer alle unsere Mitmenschen eingeladen, Teil der Kirche zu werden. Meine protestantischen Freunde laden mich oft zu ihren Gottesdiensten ein, und manchmal nehme ich diese Einladung auch an. Als ich noch ein kleines Mädchen war, konnte auch ich die Spannung wahrnehmen, die in meinem „ökumenischen“ Viertel herrschte, in dem es nicht nur zwei protestantische Kirchen gab – eine für die Presbyterianer im Osten und eine für die Baptisten im Westen –, sondern auch zwei katholische Kirchen – eine im Norden und eine im Süden. Mein Weg zur Messe war weiter als der meiner Altersgenossen, und das war sehr mühsam. Ich habe nie wirklich verstanden, warum sich manche Katholiken so unchristlich, viele Protestanten dagegen sogar sehr christlich benahmen, und auch die vorherrschende Auslegung des extra Ecclesiam nulla salus konnte ich nicht wirklich nachvollziehen. Gott sei Dank hat sich inzwischen einiges geändert.
Ein anderer grundlegender Text für uns black catholics ist Justice in the World – ein Dokument über die Gerechtigkeit in der Welt, das die Weltbischofssynode 1971 herausgegeben hat. Mein Herz hüpfte förmlich vor Freude, als ich dort lesen konnte, dass „das Wirken für die Gerechtigkeit und die Teilhabe an der Veränderung der Welt eindeutig als konstitutive Dimension der Verkündigung des Evangeliums erscheinen, also Teil der Sendung der Kirche sind für die Erlösung des Menschengeschlechts und die Befreiung von jedem Zustand der Unterdrückung“. Wer als Farbiger aufwächst, der weiß, was Ausgrenzung und Geringschätzung sind. Uns war nur allzu bewusst, wie wenig Bedeutung uns die kulturell dominanten Gruppen beimaßen. Als uns die Kirche nun erneut lehrte, dass die Gerechtigkeit ein zentrales Element des Evangeliums ist, war es natürlich tröstlich für uns zu wissen, dass nur die Kirche, die die Gerechtigkeit sucht, die wahre Kirche ist. In unserer Eigenschaft als missionierende Kirche ist unsere Dimension die Evangelisierung und die soziale Gerechtigkeit.
Wir haben Respekt vor dem Leben und sind wie alle katholischen Gläubigen engagierte Abtreibungsgegner. Schließlich betrifft das Problem der Abtreibung in den USA hauptsächlich afroamerikanische Kinder.
Lassen Sie mich noch etwas zum Thema Homosexualität sagen. Die schwarze Gemeinde hat die Homosexuellen nie ausgegrenzt: die Kirche sagt uns, dass homosexuelles Verhalten sündhaft ist, und obwohl wir das schon als Kinder gelernt haben, haben wir dabei niemals die Menschlichkeit aus den Augen verloren. Homosexuelle Jugendliche aus unserer Nachbarschaftwaren uns stets willkommen, konnten an unserem Gemeinschaftsleben genauso teilnehmen wie Heterosexuelle. Und ich glaube, dass es genau das ist, was die Lehre der Kirche besagt.
Die Kirche sagt uns auch, dass wir uns um die Armen kümmern müssen. Die meisten amerikanischen Schwarzen sind Niedrigverdiener – und das gewiss nicht, weil sie faul sind, sondern weil ihnen dieser Status ganz einfach zugeteilt wurde. Uns fällt es also besonders leicht, diesem Gebot der Kirche zu folgen, denn oft ist der Arme unser Bruder, unsere Schwester, unsere Tante oder einfach nur der Farbige am Ende der Straße. Wir haben einen stark ausgeprägten Familiensinn und das gilt keinesfalls nur für unsere leiblichen Verwandten: für uns sind alle, die in unserem Viertel leben, unsere Brüder und Schwestern. Wenn eine Familie ein Picknick plant, dann weiß sie schon von vornherein, dass auch alle anderen Kinder aus der Nachbarschaft kommen werden. Wir betrachten uns als eine Art Großfamilie… Und es ist nur natürlich, dass eine der Lehren der kirchlichen Soziallehre, von der wir uns besonders angesprochen fühlen, die der Menschenwürde ist.
![Pater Herbert Vaughan, Gründer der Missionsgesellschaft „Saint Joseph of Mill Hill“, Foto Mitte, mit Missionaren und Mitarbeitern. In der ersten Reihe kann man zwei Afroamerikaner erkennen, die einen Rosenkranz in der Hand halten (Baltimore, 1870). [© Archiv „Mill Hill Missionaries“]](http://www.30giorni.it/upload/articoli_immagini_interne/02-06-07-011.jpg )
Pater Herbert Vaughan, Gründer der Missionsgesellschaft „Saint Joseph of Mill Hill“, Foto Mitte, mit Missionaren und Mitarbeitern. In der ersten Reihe kann man zwei Afroamerikaner erkennen, die einen Rosenkranz in der Hand halten (Baltimore, 1870). [© Archiv „Mill Hill Missionaries“]
Doch kommen wir auf unsere Wurzeln zu sprechen. Unsere Geschichte beginnt in Afrika, wo das Christentum im 3. und 4. Jahrhundert seine Blüte erlebte. Die christliche Gemeinde Nordafrikas war nicht nur von der römischen und mediterranen Kultur geprägt, sondern auch von der „schwarzen“ Kultur der Berber. Wir sind sehr stolz auf „unsere“ Kirchenväter Origenes, Augustinus, Cyrill von Alexandria, auf die heiligen Märtyrerinnen Perpetua und Felicitas, den hl. Antonius von Ägypten, den hl. Wüstenmönch Abba Mose, die heiligen afrikanischen Päpste Viktor, Melchiades und Gelasius: wir beanspruchen sie voller Stolz für uns, empfinden sie als einen Teil von uns – so wiewir auch die Geschichte der Kirche Ägyptens oder Äthiopiens als etwas empfinden, das zu uns gehört. Teil dieses Gedächtnisses ist auch der Kongo des 16. Jahrhunderts, in dem König Alfons die portugiesischen Missionare aufforderte, das Christentum zu verbreiten. Sie waren dem Sklavenhandel aber nicht abgeneigt – und weil so das Gute vom Bösen begleitet war, hat dieser Teil der Geschichte einen bitteren Beigeschmack bekommen. Doch wenn uns die Missionare auch nicht die Wertschätzung entgegenbrachten, die wir gewollt hätten, haben sie uns doch den Glauben gebracht.
Da wir so lange Sklaven gewesen sind, ist es nicht weiter verwunderlich, dass es auf der ganzen Welt schon immer römische Katholiken afrikanischer Herkunft gegeben hat: Benedikt den Mohren in Italien beispielsweise oder den hl. Martin von Porres in Peru. Wahrscheinlich würden sich die meisten aus dieser „Diaspora“ in der Definition black catholics nicht wieder erkennen, und wir würden – wie es beispielsweise mit unseren afro-karibischen Brüdern und Schwestern geschieht – wieder einmal über die Grenzen dieses Begriffs und das, was er bedeutet, diskutieren. Wenn ich mich nämlich einem Kontinentalafrikaner als Afroamerikanerin vorstellen würde, würde das unsere Unterschiede herausstellen. Mich dagegen einfach nur als „Schwarze“ zu bezeichnen, wäre ein Verweis auf unsere unbestreitbare gemeinsame afrikanische Herkunft – und „schwarz“ würde dann zu einem wunderschönen Willkommenswort werden…
Laut der von dem Benediktiner Cyprian Davis verfassten Geschichte der black catholics war der erste afroamerikanische Katholik Esteban, ein in Spanien getaufter Sklave, der 1536 mit einer Gruppe spanisch-sprachiger Forscher nach Amerika kam. Zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert konnten afrikanische Sklaven nur mit Genehmigung ihrer Herren getauft werden. Den Sklaven, die aus den englischen Siedlungen in North und South Carolina und in Georgia flohen, gaben die Spanier den Rat, nach Florida zu gehen. Dort waren sie nicht nur frei, sondern hatten auch die Möglichkeit, den römischen Katholizismus anzunehmen. Wie offizielle Dokumente belegen, kamen zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert viele Afrikaner nach Saint Augustine in Florida, wo sie als Sklaven, Freigelassene oder Soldaten lebten.
Vor dem amerikanischen Bürgerkrieg gab es viele Hindernisse, die ein intensives Missionswerk zugunsten der Schwarzen, egal ob Freie oder Sklaven, schwierig gestalteten. Evangelisierung und Taufe von Farbigen stellten die Missionare oft vor große Probleme. Wir wurden sozusagen „einzeln“ bekehrt, nicht als Gruppe oder Gemeinde: der Grundsatz cuius regio eius religio wurde auf uns nie angewendet. Erschwerend kam noch hinzu, dass man als Katholik in den Vereinigten Staaten ohnehin schon suspekt war. Die „Gründung“ des Staates – in Anführungszeichen wohlgemerkt, schließlich war Amerika ja bereits von den Indianern bewohnt – war ein Werk der WASPs, und die eingewanderten Katholiken waren nicht gern gesehen. Man verdächtigte sie, Emissäre des Papstes zu sein, die die Autonomie untergraben sollten, die Amerika Europa gegenüber hatte erlangen können. Um die angelsächsischen weißen Protestanten, die auch den Sklavenhandel kontrollierten, nicht vor den Kopf zu stoßen, war die Kirche wenig geneigt, die Sklaverei anzuprangern. Sich offen gegen die eingerichtete Ordnung zu stellen, wäre zu riskant gewesen.
Der Katholizismus, der mit den verschiedenen ethnischen Einwanderer-Gruppen in die Vereinigten Staaten kam, konnte sich vor allem dank der Iren, der Deutschen, der Polen und der Litauer durchsetzen. Jede Ethnie brachte ihre eigenen Priester mit und respektierte das bereits festgesetzte Modell der „kulturellen Trennung des Pfarramtes“. Davon zeugt die Tatsache, dass es noch heute auf gewissen Plätzen der amerikanischen Städte vier verschiedene katholische Kirchen gibt, für jede Ethnie eine. Dass sich irgendwann auch eine Gemeinde der black catholics herausbilden würde, war eigentlich nur eine Frage der Zeit.
Sklaverei und „farbige Ordensfamilien“
Man kann aber nicht leugnen, dass das Verhältnis des Katholizismus zu den farbigen Katholiken kein einfaches war. Im 16. bis 19. Jahrhundert betrachteten die Bischöfe, der Klerus und die katholischen Laien die Sklaverei als „legale sozioökonomische Institution“. In der dem amerikanischen Bürgerkrieg vorausgehenden Kolonialzeit bekämpfte die Kirche die Sklaverei zwar nicht, setzte sich aber zumindest dafür ein, sie „humaner“ zu gestalten. Erst 1839 verurteilte Papst Gregor XVI. – sich auf Brasilien beziehend – „den unwürdigen Menschenhandel und die Versklavung der Neger“. Die Debatte des 19. Jahrhundert drehte sich um die moralische Dimension des Sklavenhandels. Dabei waren manche für Neutralität, andere für die Abschaffung, andere wieder dagegen – und manche einfach nur der Meinung, die Tage der Sklaverei wären früher oder später ohnehin gezählt. Es gab hie und da Bischöfe und Priester, die – wenngleich umständehalber auch nur sporadisch – Sklaven tauften, sie am sakramentalen Leben teilhaben ließen und ihnen eine religiöse Bildung gaben. Vor dem Bürgerkrieg befürwortete der Episkopat die Schaffung von zwei „Kongregationen farbiger Ordensfrauen“, die Sklaven und Freigelassene unterrichteten und so das diesbezügliche Verbot umgingen. Der Bischof von Charleston in South Carolina, John England, und der Bischof von Saint Louis, Peter Kenrick, ließen Schulen für farbige Kinder bauen und unterstützten 1829 die Gründung des Frauenordens der Oblatenschwestern der Vorsehung in Baltimore, der 1831 anerkannt wurde. Ein paar Jahre später entstand die Ordensfamilie der Schwestern von der Heiligen Familie.
Was genau aber ist eine „Kongregationen farbiger Ordensleute“? Sowohl aufgrund der damals geltenden Gesetze als auch des Brauchtums wurden farbige Männer und Frauen, die sich dem geweihten Leben widmen wollten, normalerweise grundsätzlich abgelehnt. Zwar gab es keine kanonische Norm, die diese Zurückweisung gerechtfertigt hätte, aber es war allgemein üblich, einen plausiblen Vorwand zu finden: so lehnte man sie beispielsweise mit der Begründung ab, dass sie nichtaus kanonischen Ehen stammten – oder weil es keine Gewissheit gäbe, dass sie wirklich schon immer Katholiken waren. Hindernisse, bei denen man normalerweise ein Auge zudrückte, wurden wenn es sich um Gläubige afrikanischer Herkunft handelte, schier unüberwindlich. Das Ergebnis waren die „getrennten Kongregationen“. In Wahrheit nahmen die Oblatenschwestern der Vorsehung aber auch Kinder europäischer Einwanderer auf, die keine Schwarzen waren.
![Die hl. Katharine Drexel mit zwei Franziskanerpatres bei den Navajo in Lukachukai, Arizona (1927). [© Archiv „The Sisters of the Blessed Sacrament“]](http://www.30giorni.it/upload/articoli_immagini_interne/04-06-07-011.jpg)
Die hl. Katharine Drexel mit zwei Franziskanerpatres bei den Navajo in Lukachukai, Arizona (1927). [© Archiv „The Sisters of the Blessed Sacrament“]
Nach dem Bürgerkrieg und zur Zeit der Entstehung des Bundesstaates wurde den ehemaligen Sklaven beim zweiten (1866) und dritten (1884) Plenarkonzil von Baltimore und beim Ersten Vatikanischen Konzil (1870) eine neue Aufmerksamkeit entgegengebracht. Dank der diesbezüglichen Debatten wurden sich die Vereinigten Staaten nun allmählich ihrer Pflichten bewusst. Eine kleine Gruppe von Diözesanpriestern und Ordensfrauen arbeitete bereits mit emanzipierten Farbigen. Die bedeutendsten Kongregationen, die sich dem Dienst an den Schwarzen widmen, wurden nach dem Ersten Vatikanischen Konzil ins Leben gerufen – und in ihnen waren viele „weiße“ Priester, Ordensfrauen und Laien unermüdlich am Werk. Zu diesen neuen Kongregationen gehörte die Ordensgemeinschaft der Josephiten, die dank einer Initiative von John Slattery aus den englischen Mill-Hill-Missionaren entstanden waren. John war ein irisch-stämmiger junger Mann aus New York, der in Großbritannien in der Missionsgesellschaft vom hl. Joseph von Mill Hill Priester wurde. Nach seiner Rückkehr nach Amerika gründete er dort die Josephiten, die sich – einem religiösen Gelübde entsprechend – vor allem dem Dienst an den Farbigen widmen sollten. Pater Slattery war der – überdies auch von seinen Schriften bezeugten – Meinung, dass wenn sein Institut nicht nur farbige, sondern auch aus Europa stammende Priester aufnehmen würde, letztere früher oder später ihre eigenen Leute bevorzugen und die Farbigen vernachlässigen würden. Daher die „Vorzugsoption für die Schwarzen“ der Josephitenpater. Noch heute arbeiten sie fast ausschließlich mit Afroamerikanern. Ihre „St. Augustine“-Schule in New Orleans gibt es noch immer, und sie kann auf eine ruhmreiche Geschichte zurückblicken.
Danach wurde die „Society of the Divine Word“ gegründet, die Kongregation der „Fathers of the Holy Spirit“ und die „Edmondites“. Die „Fathers of the Holy Spirit“ machten in Rockcastle, Virginia, eine Schule für Knaben auf: die „Saint Emma Military Academy“; die Gesellschaft vom Göttlichen Wort errichtete das Knabenseminar “St. Augustine” in Mississippi.
Viele der zahlreichen Männer- und Frauenkongregationen, deren ursprüngliche Sendung der Dienst an den Schwarzen gewesen war, wandten sich schon bald allen Bedürftigen zu, unabhängig von deren Hautfarbe.
Ihrem Mandat treu blieb die Kongregation der „Schwestern vom Allerheiligsten Sakrament“, die von der vor 11 Jahren heiliggesprochenen Katharine Drexel gegründet wurden und die sich hauptsächlich um die Förderung von Pfarreien und Schulen für Farbige und Indianer kümmern. Auch die „Xavier University“ in Louisiana, an der ich unterrichte, wurde von der hl. Katherine gegründet.
Unsere Laien-Initiative
Es gibt eine Laien-Initiative der black catholics, die ich noch erwähnen möchte. Es gab sie schon bevor der Begriff „Laienamt“ in den kirchlichen Dokumenten zu einem vielstrapazierten Modewort wurde – was es in den USA noch immer ist. Ins Leben gerufen hat diese Initiative Daniel Rudd. Und er war es auch, der das Modell der europäischen katholischen Organisationen im 19. Jahrhundert in die USA brachte und 1889 den „National Black Catholic Congress“ gründete. Im Laufe seines Lebens berief er fünf Kongresse ein, in denen farbige Bischöfe, Priester und Laien – im Archiv habe ich die Fotos dieser Begegnungen, bei denen man ehrlich gesagt nicht viele Frauen sieht … – versuchten, eine gemeinsame Plattform einzurichten. Es war ein Versuch, im allgemeinen kirchlichen Dienst mehr Gehör zu finden – und was wäre naheliegender gewesen als eine Zusammenarbeit mit Pater Slattery? Genau das geschah.
Anfang des 20. Jahrhunderts gründete Thomas Wyatt Turner eine Föderation farbiger Katholiken: die „Federated Colored Catholics“. Er war verbittert über die anhaltenden Rassenunruhen, hatte er doch 75 Mal miterleben müssen, wie Schwarze ohne Prozess gelyncht wurden. Wenn ein krankes und rassistisches System keine Veränderung akzeptieren will, ist unvermeidbar, dass es früher oder später zu Ausbrüchen von Gewalt kommt. Wyatt wollte konstruktive Lösungen, und seine Föderation versuchte, der Kirche unter die Arme zu greifen.
Als wir in den 1960er Jahren vor dem Problem standen, mit den Veränderungen umzugehen, die nicht nur den kirchlichen Bereich betrafen, sondern auch den der Bürgerrechte, haben wir die Tradition der Kongresse wieder aufgegriffen und sie in den darauffolgenden Jahrzehnten auch beibehalten. So blieb das Erbe des 19. Jahrhunderts auch im 20. Jahrhundert noch lebendig, ja führte 1970 sogar zur Schaffung des Nationalbüros der farbigen Katholiken, des „National Office for Black Catholics“. Dazu gehört auch der „Catholic Interracial Council“, in dem Weiße und Schwarze gemeinsame Projekte vorantreiben. Zur Zeit der Bürgerrechtskämpfe wurde der „National Black Catholic Clergy Caucus“ gegründet, eine Bruderschaft afroamerikanischer Priester, deren Sendung es ist, sich untereinander und dem gesamten Klerus zu helfen. Zu klären, wie wir uns und den anderen helfen können, war schon immer eines unserer größten Anliegen, und das gilt auch für das „Institute for Black Catholic Studies“ der Xavier University. Zu Anfang wurde es von Personen besucht, die – egal ob weiß oder schwarz – an der Geschichte der black catholics interessiert waren. Heute ausschließlich von Afroamerikanern. Ich würde allen Priestern und Personen geweihten Lebens, die ihre Arbeit in die Vereinigten Staaten führt, den Rat geben, es zu besuchen. Es ist ein Missionszentrum, das Nicht-Farbigen die Möglichkeit gibt, sich uns anzunähern und sich davon zu überzeugen, wie viel die schwarze Gemeinde unserer Kirche gegeben hat und noch immer gibt.
(zus.gestellt von Giovanni Cubeddu, vom Autor durchgesehen)
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