Kain gründet den Staat, Abel bietet das an, was Gott ihm schenkt
von Lorenzo Cappelletti

Der thronende Christus, der dem Konzil von Nizäa vorsteht.
In der jüngsten Zeit hat Papst Benedikt mehrfach Passagen aus der Enzyklika Ecclesiam Suam von Paul VI. zitiert. So sagte er am Sonntag, den 25. September, bei der Begegnung mit in Kirche und Gesellschaft engagierten Katholiken im Konzerthaus von Freiburg im Breisgau, dass wenn die Kirche „danach trachtet, sich selbst nach dem Typus, den Christus ihr vor Augen stellt, zu bilden, dann wird sie sich von der menschlichen Umgebung tief unterscheiden, in der sie doch lebt oder der sie sich nähert“ (Enzyklika Ecclesiam Suam, 60). Am darauffolgenden Sonntag erinnerte er beim Angelusgebet an das Gleichnis von den untreuen Winzern und beschrieb, wie das Wesen einer solchen Art von Kirche aussieht: „Allein in ihm, durch ihn und mit ihm wird die Kirche errichtet, das Volk des Neuen Bundes. Hierzu hat der Diener Gottes Paul VI. geschrieben: "Die erste Frucht der Vertiefung des Bewusstseins der Kirche von sich selbst ist die erneute Entdeckung ihrer lebendigen Beziehung zu Christus. Eine sehr bekannte Tatsache, aber eine grundlegende, unerlässliche, nie genug gekannte, bedachte und betonte Tatsache" (Ecclesiam Suam 37).“
Auf das augustinische Konzept von den beiden Staaten übertragen (und gemäß diesem verstanden, denn normalerweise übersieht man, dass die beiden Staaten auf dieser Erde koexistieren), entspricht diese Art Kirche dem Staate Abels im 15. Buch des De civitate Dei. „Es steht nun geschrieben von Kain, dass er einen Staat gründete; Abel dagegen als Fremdling gründete keinen.“ Wobei es hier aber nicht so sehr darum geht, ob gegründet wurde oder nicht, sondern vielmehr darum zu wissen, wer gründet und wie er das tut. So fährt Augustinus ja auch fort, indem er sagt, dass wir es mit zwei Formen von Staaten auf dieser Welt zu tun haben: „Einen, der (laut einer bedeutungsvollen Übersetzung, die Del Noce in einem Artikel des Jahres 1986 im Corriere zum Jahrestag der Bekehrung des Augustinus geprägt hat) seine Gegenwart unter Beweis stellt, der andere, der durch seine Gegenwart als Zeichen für den Gottesstaat dient.“ Einen, der das Problem hat, sich unter Beweis zu stellen (suam praesentiam demonstrantem), der andere, der wegen eines Anderen einfach da ist (sua praesentia servientem).
Dieser Typus bringt die mens des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Kirche zum Ausdruck, wie Pater Cottier in einer Reflexion zu Lumen gentium meint, die er erst unlängst für 30Tage geschrieben hat: „Das letzte Konzil erkennt an, dass der Ursprung der Kirche nicht in der Kirche selbst liegt, sondern in der lebendigen Gegenwart Christi, der in eigener Person die Kirche aufbaut. Das Licht, das Christus ist, spiegelt sich in der Kirche wie in einem Spiegel wieder. Das Bewusstsein dieser elementaren Tatsache (die Kirche ist der Widerschein der Gegenwart und des Wirkens Christi in der Welt) erhellt alles, was das letzte Konzil über die Kirche gesagt hat.“
Allgemeiner gesprochen bringt diese Art Kirche jedoch die apostolische Tradition zum Ausdruck, die vor allem im ersten Jahrtausend der ungeteilten Kirche leuchtend und unangetastet geblieben ist (wie man immer häufiger bei verschiedenen Autoren lesen kann – von Messori zu Morini, Magister zu Melloni). Genau genommen zeigt sie sich aber auch in den kritischen Momenten des zweiten Jahrtausends. Man muss nur auf das Dekret über die Rechtfertigung des Konzils von Trient verweisen, das – kein Zufall – in unseren Tagen eine solide und fruchtbare Grundlage für den Dialog mit den Lutheranern dargestellt hat. Und das gerade deshalb, weil es nicht in erster Linie antiprotestantisch, sondern antipelagianisch ist. Aber wir könnten hier auch das Erste Vatikanische Konzil heranziehen: dort, wo es sich darauf beschränkt, zu sagen, dass „die Glaubenslehre, die Gott geoffenbart hat, dem menschlichen Verstand nicht als ein zu vervollkommnendes philosophisches System vorgeschlagen wurde, sondern dass es der Braut Christi anvertraut worden ist, damit sie es getreu bewahre und unfehlbar verkünde“ (Dei Filius).
Der nachfolgende Artikel zeigt, welch konkrete Bedeutung diesem Standpunkt in den Stellungnahmen Papst Cölestins I. (422-432) in denselben Jahren und gemäß derselben mens zukam, mit der Augustinus sein De civitate Dei geschrieben hat. Aber er zeigt uns auch heute ein einfaches und schönes Bild der Kirche, die sich nicht selbst macht, um es mit den Worten der Enzyklika Ecclesiam Suam zu sagen, die uns Papst Benedikt XVI. in diesen Tagen wieder vorgeschlagen hat.
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