Rubriken
Aus Nr.10 - 2011


JAHR DES GLAUBENS 2012-2013

Das Christentum ist in drei Worten eingeschlossen: „Jesus ist auferstanden“


<I>Der ungläubige Thomas</I>, Caravaggio.

Der ungläubige Thomas, Caravaggio.

Im Corriere della Sera vom 17. Oktober standen breite Auszüge aus dem Vortrag zu lesen, den Vittorio Messori vor dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung gehalten hat. Hier der Anfang: „Wir müssen uns wieder der Tatsache bewusst sein, dass das, woran wir glauben, also das, von dem alles andere herrührt, (wie uns Paulus lehrt) in drei Worten eingeschlossen ist: “Jesus ist auferstanden”. Daher die Schlussfolgerung: “Folglich ist Jesus der Christus, den die Propheten verkündigt haben und auf dessen Kommen Israel gewartet hat”. Es ist das, was die ersten Christen kérygma nannten, also der Ruf des Boten, der dem Volk auf den Straßen und Plätzen die wichtigsten Neuigkeiten mitteilte. Ich glaube, dass die Wiederevangelisierung des Westens, die Johannes Paul II. und Benedikt XVI. von uns verlangt haben, nicht in komplexen Lehren besteht, sondern in einem Neubeginn, der vom kérygma ausgeht, also von der Basis, auf der alles ruht. Wir müssen wieder dazu übergehen, die einfache und Anstoß erregende Feststellung herauszurufen: Iesùs estì kyrios, Jesus ist der Herr.“
In Erinnerung an die Zeit des II. Vatikanischen Konzils schreibt Messori: „Man diskutierte über die Institution Kirche, über die Rolle des Papstes, der Bischöfe, der Priester, der Laien, der Frauen, der Liturgie. Niemand sprach vom Glauben, und schon gar nicht von seinen Gründen, man nahm ihn als eine Selbstverständlichkeit hin. Hitzig diskutiert wurde dagegen darüber, was für einen Katholiken Dinge wie Ethik, politisches, soziales, wirtschaftliches und kulturelles Engagement bedeuten müssten. Aber das waren nur die Folgen einer ersten Ursache, dem Ja zur Wahrheit des Glaubensbekenntnisses, das zu überprüfen und analysieren sich niemand die Mühe machte.“
Messori schließt mit folgenden Worten: „Man prägt die Gesellschaft oder die Kultur nicht dadurch, dass man die evangeliumsgemäße Perspektive wieder vorschlägt, wenn man nicht zuvor das Problem Christi und der Wahrheit seines Evangeliums angeht. Die Probleme, mit denen sich die Katholiken heute befassen müssen, haben eine oft uneingestandene, überaus dramatische Wurzel: den Niedergang des Glaubens, die Verkürzung Jesu auf einen Sittenlehrer, des Neuen Testaments auf ein dunkles Pastiche jüdischer und heidnischer Elemente, des Wunders auf einen Mythos, der eschatologischen Hoffnung auf ein säkulares Engagement. Vor jeder institutionellen Reform, vor jeder moralischen oder sozialen Predigt müssen wir zunächst einmal das Glaubensbekenntnis wieder zurückgewinnen – das, das wir bei der Messe beten, und zwar im vollen Sinne.“





WUNDER UND MARTYRIUM

„Wie Schafe mitten unter die Wölfe“. Das Schwert des hl. Paulus


Paulus.

Paulus.

„Im Evangeliumsabschnitt, den wir gehört haben, sendet Jesus 72 Jünger aus in die große Ernte, die Welt, und fordert sie auf, den Herrn der Ernte zu bitten, es nie an Arbeitern in seiner Ernte fehlen zu lassen (vgl. Lk 10,1–3).
Er sendet sie jedoch nicht mit Machtmitteln aus, sondern “wie Schafe mitten unter die Wölfe” (V. 3), ohne Geldbeutel, Vorratstasche und Schuhe (vgl. V. 4). Der hl. Johannes Chrysostomus kommentiert in einer seiner Predigten: “Solange wir Lämmer sind, siegen wir. Mögen auch unzählige Wölfe uns umgeben, wir siegen doch und gewinnen die Oberhand. Wenn wir dagegen selbst zu Wölfen werden, unterliegen wir; es fehlt uns dann eben die Hilfe des Hirten” (In Matthaeum homiliae 33,1: PG 57,389). Die Christen dürfen nie der Versuchung nachgeben, Wölfe unter Wölfen zu werden; Christi Reich des Friedens breitet sich nicht durch Macht, durch Kraft, durch Gewalt aus, sondern durch die Selbsthingabe, durch die Liebe, die bis zum Äußersten geht, auch gegenüber den Feinden. Jesus überwindet die Welt nicht mit Waffengewalt, sondern durch die Kraft des Kreuzes, die wahrhaft den Sieg gewährt. Und für den, der Jünger des Herrn, sein Gesandter, sein will, hat dies zur Folge, dass er auch zum Leiden und zum Martyrium, zur Hingabe des Lebens für ihn bereit sein muss, damit das Gute, die Liebe, der Frieden in der Welt triumphieren können. Das ist die Voraussetzung, um beim Eintritt in jede Wirklichkeit sagen zu können: “Friede diesem Haus!”(Lk 10,5).
Vor dem Petersdom befinden sich zwei große Statuen der hll. Petrus und Paulus, die leicht zu erkennen sind: Der hl. Petrus hält die Schlüssel in der Hand, der hl. Paulus dagegen hält ein Schwert in Händen. Wer seine Geschichte nicht kennt, könnte meinen, es handle sich um einen großen Feldherrn, der mächtige Heere geführt, mit dem Schwert Völker und Nationen unterworfen und sich mit dem Blut anderer Menschen Ruhm und Reichtum verschafft hat. Genau das Gegenteil ist jedoch der Fall: Das Schwert, das er in Händen hält, ist das Werkzeug, mit dem Paulus hingerichtet wurde, durch das er das Martyrium erlitt und sein eigenes Blut vergoss. Seine Schlacht war nicht die der Gewalt, des Krieges, sondern die des Martyriums für Christus. Seine einzige Waffe war es, “Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten” zu verkünden (1 Kor 2,2). Seine Verkündigung gründete nicht auf “Überredung durch gewandte und kluge Worte, sondern war mit dem Erweis von Geist und Kraft verbunden” (V. 4).“ […] „Dieselbe Logik gilt auch für uns, wenn wir Boten des Friedensreiches sein wollen, das der Prophet Sacharja verkündigt hat und das von Christus verwirklicht wurde: Wir müssen bereit sein, persönlich dafür einzustehen und Unverständnis, Zurückweisung, Verfolgung am eigenen Leib zu erleiden. Nicht das Schwert des Eroberers errichtet den Frieden, sondern das Schwert des Leidenden, der sein Leben hinzugeben weiß“. So Papst Benedikt XVI. bei der Generalaudienz vom Mittwoch, den 26 Oktober 2011.

 


Membra Christi et corpus sumus omnes simul; non qui hoc loco tantum sumus, sed et per universam terram; nec qui tantum hoc tempore, sed quid dicam? Ex Abel iusto usque in finem saeculi / Wir alle zusammen sind Glieder und Leib Christi: nicht nur wir, die wir uns hier an diesem Ort befinden, sondern wir alle auf der ganzen Welt. Und nicht nur wir, die wir in dieser Zeit leben – nein! – von Abel, dem Gerechten, bis an die Enden der Welt“, Augustinus, Sermones 341, 9, 11; vgl. Lumen gentium, Nr. 2.





SYNODE

Wuerl, Generalrelator


Kardinal Donald William Wuerl. [© Getty Images]

Kardinal Donald William Wuerl. [© Getty Images]

Im Hinblick auf die XIII. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode zum Thema „Die neue Evangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens“, die vom 7. bis 28. Oktober 2012 stattfinden wird, ernannte der Papst Kardinal Donald William Wuerl (71), seit 2006 Erzbischof von Washington, am 22. Oktober zum Generalrelator. Sondersekretär wird der Erzbischof von Montpellier (Frankreich) sein: Pierre-Marie Joseph Carré (64).





DIPLOMATIE

Neue Nuntien in der Tschechischen Republik, Peru, USA und auf den Antillen


Carlo Maria Viganò <BR>[© Romano Siciliani]

Carlo Maria Viganò
[© Romano Siciliani]

Am 15. September ernannte der Papst den sizilianischen Erzbischof Giuseppe Leanza (68) zum neuen Nuntius in der Tschechischen Republik; seit 2008 war er Nuntius in Irland.
Am 15. Oktober erfolgte die Ernennung des amerikanischen Erzbischofs James Patrick Green (61) zum neuen Apostolischen Nuntius in Peru; er war seit 2006 Nuntius in Südafrika, Namibia, Swasiland und Lesotho und seit 2009 auch erster Nuntius in Botswana.
Am19. Oktober wurde Erzbischof Carlo Maria Viganò (70) zum neuen Apostolischen Nuntius in den USA ernannt; seit 2009 war er Generalsekretär des Governatorats des Staats der Vatikanstadt.
Am 29. Oktober wurde Erzbischof Nicola Girasoli (54) zum Apostolischen Nuntius in Antigua und Barbuda, Bahamas, Dominica, Jamaika, Grenada, Saint Kitts und Nevis, Santa Lucia, Saint Vincent und Grenadine, Suriname, der Kooperativen Republik Guyana und zum Apostolischen Delegaten auf den Antillen ernannt. Seit 2006 war er Päpstlicher Repräsentant in Sambia und Malawi.





Kurznachrichten


Sonntag, 30. Juni 1968: Paul VI. verliest zum Ausklang des Jahrs des Glaubens das <I>Credo des Gottesvolkes</I>.

Sonntag, 30. Juni 1968: Paul VI. verliest zum Ausklang des Jahrs des Glaubens das Credo des Gottesvolkes.

Papst/1

Jahr des Glaubens 2012-2013

 

In der Predigt bei der Messe im Petersdom vom Sonntag, 16. Oktober, kündigte Benedikt XVI. an, ein Jahr des Glaubens ausrufen zu wollen. Beginnen wird es am 11. Oktober 2012, dem 50. Jahrestag der Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils; ausklingen wird es am 24. November 2013, Hochfest Christkönig, Herr des Universums. Am 17. Oktober wurde das Motu proprio Porta fidei veröffentlicht, mit dem der Papst diesen Beschluss schriftlich definiert hat.

 

 

Papst/2

Drei neue Heilige

 

Am 23. Oktober sprach Benedikt XVI. die folgenden drei Seligen heilig: Bischof Guido Maria Conforti, den Priester Luigi Guanella und die spanische Ordensfrau Bonifacia Rodríguez de Castro. In seiner Predigt sagte er, es handle sich um „drei neue Heilige, die sich von der göttlichen Liebe verwandeln ließen und ihr ganzes Leben nach ihr ausgerichtet haben.“

 

 

Begegnung von Assisi: rechts, auf dem Weg zur Krypta mit dem Grab des hl. Franziskus, durchquert Benedikt XVI. mit einigen Vertretern der Kirchen, der kirchlichen Gemeinschaften und der Weltreligionen die Franziskuskirche (27. Oktober 2011). [© Osservatore Romano]

Begegnung von Assisi: rechts, auf dem Weg zur Krypta mit dem Grab des hl. Franziskus, durchquert Benedikt XVI. mit einigen Vertretern der Kirchen, der kirchlichen Gemeinschaften und der Weltreligionen die Franziskuskirche (27. Oktober 2011). [© Osservatore Romano]

Papst/3

„Gott ist kein Besitztum der Glaubenden“

 

„Gott ist kein Besitztum der Gläubigen: Benedikt XVI. spricht zu den 300 Repräsentanten der verschiedenen Weltreligionen, die er nach Assisi geladen hat: 25 Jahre nach der ersten, von Wojtyla gewollten Begegnung“. So beginnt der Artikel von Gian Guido Vecchi (Corriere della Sera, 28. Oktober) zum „Tag der Reflexion, des Dialogs und des Gebets um Frieden in der Welt“ in Assisi am 27. Oktober. In dem Artikel heißt es weiter: „Benedikt XVI. fand lobende Worte für die denkenden Agnostiker, jene, die „das Wahre suchen“ und mit ihrem Beispiel den „kämpferischen Atheisten“ ihre „falsche Gewissheit“ nehmen, aber gleichzeitig auch einen „Anfruf an die Glaubenden“ ergehen lassen, damit sie „Gott nicht als ihr Besitztum“ ansehen, etwas, „das ihnen gehört.“ Wenn die Menschen, die das Wahre suchen, „Gott nicht finden können, liegt das auch an den Gläubigen mit ihrem verkleinerten oder auch verfälschten Gottesbild.“ So spielen die Agnostiker eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung des „Verfalls des Menschen und der Menschlichkeit.“ Vecchi schließt mit folgenden Worten: „Wie angekündigt, gab es kein gemeinsames Gebet. Und doch musste man sie nur sehen, wie sie sich alle gemeinsam in die Krypta unter der Basilika begeben haben, um dem Grab des hl. Franz die Ehre zu erweisen“. Titel des Artikels: Der Papst lobt die Agnostiker: Eine Hilfe für die Gläubigen.

 

 

Kirche/1

Tettamanzi: Jesus ist das Buch des Lebens

 

„“Das Buch des Lebens”, sagt der hl. Bernhard, “ist Jesus; selig sind jene, denen es gegeben ist, in diesem Buch zu lesen”: es wird ihnen große Freude und Frieden bringen.“ So die Schlussworte des Beitrags, den Kardinal Dionigi Tettamanzi anläßlich der Veröffentlichung des neuen ambrosianischen Evangeliars für den Corriere della Sera geschrieben hat (2. November).

 

 

Kirche/2

Martini und die Bewegungen

 

„Die Bewegungen können der Kirche viel geben. Das sieht man vor allem an der ökumenischen Bewegung und an der biblischen Bewegung. Aber wenn in ihnen die Dynamik der Macht und des Profits überwiegt, kann die Gnade verloren gehen und dann wird die Kirche keine neue geistliche Energie schöpfen, sondern einen massiven Kräfteverlust erleiden“. So die Antwort von Kardinal Carlo Maria Martini (Corriere della Sera, Sonntag, 30. Oktober) auf einen Leserbrief in seiner Rubrik, die monatlich in der Mailänder Tageszeitung erscheint.

 

 

Kardinäle/1

Kardinal Bernard Francis Law wird 80

 

Am 4. November wurde der amerikanische Kardinal Bernard Francis Law, Erzpriester der Päpstlichen Basilika Santa Maria Maggiore, 80 Jahre alt. An besagtem Datum setzte sich das Kardinalskollegium aus 193 Purpurträgern zusammen, 112 davon sind bei einem eventuellen Konklave wahlberechtigt.

 

 

Kardinäle/2

Kardinal Rosales zurückgetreten

 

Am 13. Oktober nahm der Papst das Rücktrittsgesuch von Kardinal Gaudencio Borbon Rosales (79) an. Der neue Erzbischof von Manila (Philippinen) heißt Luis Antonio Tagle (54), seit 2001 Bischof von Imus.

 

 

Taufe in Moskau. [© National Geographic/Getty Images]

Taufe in Moskau. [© National Geographic/Getty Images]

Russland/1

Die Gaben des Geistes oder ein hohler Trommelwirbel

 

„Die Welt braucht keine “politische Kirche “. Die Verkürzung der Kirche Christi im vergangenen Jahrhundert auf diese Dimension hat dazu geführt, dass eine große Zahl von Personen auf Abstand zu ihr gegangen ist. [...] Wenn die Christen nicht nach den wahren Gaben des Geistes streben, und in erster Linie nach Heiligkeit, wird ihre Verkündigung nicht mehr sein als hohler Trommelwirbel.“ Ein Auszug aus dem Vortrag des Direktors der Zeitschrift des Moskauer Patriarchats, Sergej Capnin, bei einer Studientagung an der Katholischen Heilig-Herz-Universität (4. November, Osservatore Romano).

 

 

Russland/2

Medwedew und das Wunder des Glaubens

 

„Wenn wir von dem sprechen, was in den letzten 20 Jahren passiert ist, kann ich von meiner Warte eines orthodoxen Christen nur sagen, dass es ein Wunder ist. Vor 15, 20 Jahren hätte ich nie gedacht, dass die Wiedererlangung, das Wiederfinden des Glaubens durch eine so große Zahl von Mitbürgern so schnell gekommen wäre“. So der Präsident der Russischen Föderation, Dmitrij Medwedew, bei einer Studientagung, an der auch der Patriarch von Moskau, Kyrill, und andere namhafte Vertreter der orthodoxen Kirche teilgenommen haben. Die Worte des russischen Präsidenten wurden von dem Vatikanisten Marco Tosatti in seinem Blog San Pietro e dintorni [St. Peter und Umgebung] (7. November) wiederaufgegriffen.

 

 

Gläubige bei einer Sonntagsmesse in der Pfarrei. <BR>[© Romano Siciliani]

Gläubige bei einer Sonntagsmesse in der Pfarrei.
[© Romano Siciliani]

Italien

Mehrheit der Katholiken findet katholische Partei schädlich

 

Im Corriere della Sera (23. Oktober) analysierte der bekannte Meinungsforscher Renato Mannheimer, was die italienischen Katholiken über die Hypothese einer neuen katholischen Partei denken. Hier seine Schlussfolgerung: „Ein gutes Viertel (26%) der praktizierenden Katholiken (also jener, die wenigstens zweimal im Monat zur Messe gehen) sind der Meinung, eine politische Präsenz der Gläubigen würde eine Stärkung des Landes bedeuten. 44% dagegen halten es für schädlich oder für wenig angebracht. Bei den “sporadischen Kirchgängern” (die weniger als einmal im Monat in die Kirche gehen) sind noch weniger (22%) für eine größere Beteiligung der Katholiken.

 

 

Nahost/1

Angriff auf den Iran hätte katastrophale Auswirkungen

 

Israel ist bereit, den Iran zu bombardieren. Diese Presse­indiskretionen wurden von dem israelischen Präsidenten Shimon Peres bestätigt, der bei verschiedenen öffentlichen Anlässen bestätigt hat, dass es einen militärischen Plan gibt, die iranischen Atomenergieprojekte behindern zu wollen. Ein Artikel im Corriere della Sera (5. November) verwies darauf, dass die Hypothese eines Blitzangriffs auf die iranischen Atomreaktoren die israelische Regierung spalten würde, und fuhr fort: „Drei ehemalige Geheimdienstchefs – Efraim Levy, Yuval Diskin e Meir Dagan [...] – raten offen davon ab: der Iran stellt noch keine Bedrohung dar, Ahmadinedschad ist kein Saddam und auch kein Assad. Überraschungsangriffe würden „eine Katastrophe auslösen, deren Folgen ein Jahrhundert lang spürbar wären“.

 

 

Gilad Shalit. [© Associated Press/LaPresse]

Gilad Shalit. [© Associated Press/LaPresse]

Nahost/2

Segev: Shalit und die Geschichte der Verhandlungen mit der Hamas

 

„Die große geschichtliche Neuigkeit ist, dass die Hamas und Israel ein Abkommen abgeschlossen haben. Und dass die Welt am Tag darauf nicht eingestürzt ist. Sie haben einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, und die Sonne ist trotzdem wieder aufgegangen. Die beiden Parteien haben gesehen, dass es möglich ist, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und miteinander zu reden. Dieser kleine Schritt kann vielleicht bewirken, dass man in Zukunft etwas vernünftiger sein wird; ja wer weiß, was uns die Zukunft bringen kann… zwar nicht morgen, aber vielleicht schon übermorgen!“ So der israelische Historiker Tom Segev in einem Interview für den Corriere della Sera am Tag nach der Befreiung des Soldaten der israelischen Verteidigungsstreitkräfte (Tsahal), Gilad Shalit, durch die Hamas im Austausch gegen 1.027 palästinensische Gefangene.

 

 

Nahost/3

Die UNESCO erkennt den Palästinenser-Staat an

 

„Über eines müssen wir uns einig sein: Wenn die Palästinenser aufrüsten, rufen immer alle empört, dass die Gewalt dem Frieden im Weg steht. Wenn die Palästinenser den Weg der Diplomatie einschlagen wollen, wie sie es gestern getan haben, heißt es gleich, diese “unilateralen” Initiativen würden dem Frieden im Weg stehen. Wir wüssten also wirklich gern – vor allem von Israel, den Vereinigten Staaten und von Italien –, was die Palästinenser nun eigentlich konkret tun sollen – außer sich diskret in Luft aufzulösen, wie in dem Film Das Wunder von Mailand. Gestern wurde Palästina in die UNESCO aufgenommen. Nichts Neues zwar – immerhin bitten die Palästinenser jedes Jahr darum, aufgenommen zu werden –, aber mit einem neuen Resultat: 107 zu 14, bei52 Stimmenthaltungen. Die Zustimmung blieb dieses Mal nicht aus – vor allem dank des Konsenses der neuen Front, die die Weltentwicklung lenkt, der BRICS-Länder: Brasilien, Indien, die afrikanischen und arabischen Länder, China, Russland und einige wichtige europäische Länder wie Frankreich und Belgien“ (Lucia Annunziata, La Stampa, 1. November 2011).

 

 

Rachid Ghannouchi, Parteiführer der islamischen Ennahda. <BR>[© Associated Press/LaPresse]

Rachid Ghannouchi, Parteiführer der islamischen Ennahda.
[© Associated Press/LaPresse]

Tunesien

Islamische Partei vergleichbar mit Aldo Moros DC

 

„Ennahda kann mit der Christdemokratischen Partei Italiens zu Zeiten Aldo Moros verglichen werden. Und es gibt nicht nur einen Islam, wie es auch nicht nur einen Kommunismus gab. Wir können die radikalen Extremisten nicht mit den gemäßigten Islamisten über einen Kamm scheren. Das wäre, als würde man Pol Pot mit Berlinguer gleichsetzen“. So eine Erklärung von Moncef Marzouki, Parteichef der CPR (Kongress für die Republik) (Corriere della Sera, 27. Oktober) als Kommentar zu den Wahlen in Tunesien Ende Oktober, bei denen die islamisch inspirierte Partei Ennahda unter Rachid Ghannouchi den Sieg davontragen konnte.

 

 

Diplomatie/2

Neue Botschafter am Heiligen Stuhl

 

Im den letzten Monaten überreichten folgende neue Botschafter beim Heiligen Stuhl Benedikt XVI. ihre Akkreditierungsschreiben:

Am 9. September der Botschafter Großbritanniens: Nigel Marcus Baker (45). Der Karrierediplomat war in den letzten 4 Jahren als Botschafter in Bolivien tätig.

Am 21. Oktober der neue Repräsentant des Königreichs der Niederlande: der Karrierediplomat Joseph Weterings (62) war zuvor Botschafter von Libyen und Simbabwe.

Am 31. Oktober der neue Repräsentant Brasiliens: Almir Franco de Sá Barbuda (68), Karrierediplomat, war bereits Botschafter Belgiens und Großkonsul in Washington.

Am 4. November der neue Botschafter von Elfenbeinküste: der 63jährige Karrierediplomat Joseph Tebah-Klah war zwischen 2003 und 2006 Berater und Attaché ad interim an der Botschaft beim Heiligen Stuhl.

Am 7. November der neue Botschafter Deutschlands: Reinhard Schweppe (62), Karrierediplomat, bereits Botschafter in Warschau und zuletzt Repräsentant der Bundesregierung am UNO-Sitz Genf.



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