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Aus Nr.01/02 - 2011


JUNGFRAU VON ORLÉANS

Das Geheimnis der Liebe der Jungfrau von Orléans


Lesen Sie hier Auszüge aus der Katechese von Papst Benedikt XVI. über Jeanne d’Arc (Generalaudienz vom Mittwoch, 26. Januar 2011)

 


Der alte Marktplatz in Rouen: Hier stand der Scheiterhaufen, auf dem die Jungfrau von Orléans verbrannt wurde.

Der alte Marktplatz in Rouen: Hier stand der Scheiterhaufen, auf dem die Jungfrau von Orléans verbrannt wurde.

„Liebe Brüder und Schwestern! Heute möchte ich zu euch über die hl. Jeanne d’Arc sprechen, eine junge Heilige am Ende des Mittelalters, die 1431 mit 19 Jahren gestorben ist. Diese französische Heilige, die im Katechismus der Katholischen Kirche mehrmals zitiert wird, steht der hl. Katharina von Siena, Patronin Italiens und Europas, über die ich kürzlich in einer Katechese gesprochen habe, besonders nahe. […] Der Name Jesu, der von unserer Heiligen bis zum letzten Augenblick ihres irdischen Lebens angerufen wurde, war gleichsam der unablässige Atem ihrer Seele. Er war gleichsam ihr Herzschlag, der Mittelpunkt ihres ganzen Lebens. “Jeanne d’Arcs Geheimnis der Liebe”, das den Dichter Charles Péguy so sehr fasziniert hatte, ist diese vollkommene Liebe zu Jesus und zum Nächsten in Jesus und für Jesus. […]
Mit dem Versprechen der Jungfräulichkeit weiht Jeanne ihre ganze Person ausschließlich der einzigen Liebe zu Jesus: “Es ist ihr Versprechen gegenüber unserem Herrn, die Jungfräulichkeit des Leibes und der Seele stets zu bewahren”. Die Jungfräulichkeit der Seele ist der “Stand der Gnade”, der höchste Wert, der für sie kostbarer ist als das Leben: Sie ist ein Geschenk Gottes, das mit Demut und Vertrauen empfangen und bewahrt werden muss. Bei einem der bekanntesten Texte aus dem ersten Prozess geht es genau darum: “Befragt, ob sie wisse, dass sie in der Gnade Gottes sei, antwortet sie: ‘Falls ich nicht in ihr bin, wolle Gott mich in sie versetzen; falls ich in ihr bin, möge Gott mich in ihr bewahren’” (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 2005). Unsere Heilige lebt das Gebet in Form eines ständigen Dialogs mit dem Herrn, der auch ihren Dialog mit den Richtern erleuchtet und ihr Frieden und Sicherheit schenkt. Sie bittet mit Vertrauen: “Gütiger Gott, zu Ehren Eures heiligen Leidens bitte ich Euch, wenn Ihr mich liebt, mir zu offenbaren, was ich diesen Männern der Kirche antworten soll”. Jesus wird von Jeanne als der “König des Himmels und der Erde” betrachtet. So ließ Jeanne auf ihre Standarte das Bild “unseres Herrn, der die Welt in Händen hält” malen:
[…] Ich erinnere gern daran, dass die hl. Jeanne d’Arc einen tiefen Einfluss auf eine junge Heilige der Moderne ausübte: Theresia vom Kinde Jesu. In einem völlig anderen Leben, einem Leben in der Klausur, fühlte sich die Karmelitin von Lisieux Jeanne sehr nahe, da sie im Herzen der Kirche lebte und an den Leiden Christi für das Heil der Welt teilhatte. Die Kirche hat beide als Patroninnen Frankreichs vereint, nach der Jungfrau Maria. Die hl. Theresia hatte den Wunsch ausgesprochen, wie Jeanne zu sterben, mit dem Namen Jesu auf den Lippen (Handschrift B, 3r), und war von derselben, in der geweihten Jungfräulichkeit gelebten großen Liebe zu Jesus und zum Nächsten beseelt.“





ÄGYPTEN.

Arrigo Levi und die Illusionen Israels


Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz in Kairo. <BR>[© Associated Press/LaPresse]

Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz in Kairo.
[© Associated Press/LaPresse]

In der italienischen Tageszeitung La Stampa (2. Februar) steht ein Editorial von Arrigo Levi zu lesen. Titel: Vorbei mit den Illusionen Israels. Hier der Schlussteil: „Israel, oder besser das Israel des Bündnisses zwischen der politischen und religiösen Rechten unter der Leitung Netanjahus, könnte auch meinen, die diplomatische Taktik des Nichthandelns und die Fortsetzung der Expansion in den besetzten Gebieten stelle eine bequeme, relativ risikoarme Politik einer geteilten palästinensischen Welt gegenüber dar, die mit keiner wirklichen Unterstützung seitens der arabischen und islamischen Welt rechnen kann: vorausgesetzt allerdings, dass man nicht zu weit in die Zukunft blickt und sich auch weiterhin der Illusion hingibt, dass sich ein immer schwächeres Palästina letztendlich mit einem bedingungslos auferlegten Frieden zufriedengeben müsse. Wenn die Enthüllungen Al Jazeeras stimmen, hat die kompromissbereite Haltung der palästinensischen Verhandlungspartner diese Illusionen noch genährt. Aber das Bündnis mit Ägypten war die notwendige Voraussetzung für diese Politik, die in Wahrheit dem palästinensischen Volk gegenüber ungerecht und von Seitens des Staates Israel kurzsichtig war, der die letzte Garantie seiner historischen Zukunft erst mit der Geburt eines Palästinensischen Staats finden wird, der die Beweggründe des palästinensischen Volkes anerkennt. Wenn die Juden zwei Jahrtausende lang gesagt haben „nächstes Jahr in Jerusalem“, warum sollten die Palästinenser, gestützt von einer starken arabischen und islamischen Welt, den Traum von einer Heimat dann so schnell ausgeträumt haben? Was also kann Israel tun? Die ägyptische Revolution hat bewirkt, dass sich verschiedene Beobachter fragen, ob nicht vielleicht gerade das Fehlen der „Friedenssäule“, deren Basis Kairo war, Israel aus Furcht vor der Isolation dazu bewegen könnte, die aufgeschobenen Verhandlungen mit den Palästinensern wiederaufzunehmen. So könnte man die Bereitschaft zeigen, jene Zugeständnisse zu machen, die notwendig sind für ein Abkommen über das Verbot neuer Siedlungen und die Anerkennung einer palästinensischen Hauptstadt in den von Arabern besiedelten Zonen Großjerusalems. (Außerdem befinden sich hinter den antiken Mauern der Jerusalemer Altstadt weder ein Parlament noch ein Präsident, und auch keine Regierungsorgane des Staates Israel). Aber das ist im Moment noch Wunschdenken. Auch der instinktive Opportunismus eines fähigen Politikers wie Netanjahu scheint keine solche politische Wende herbeiführen zu können. Die Hoffnung, dass die ägyptische Revolution eine weltliche ägyptische Demokratie entstehen lassen könnte, ist vielleicht noch realistischer als die Annahme, dass die aus Kairo ergehende Ankündigung einer neuen Ära der Instabilität und Ungewissheit in der gesamten islamisch-arabischen Welt (wir wissen nicht, ob und wo die Revolutionswelle nach Tunesien und Ägypten zum Stillstand kommt) die israelische Regierung eine überraschende Initiative ergreifen lassen könnte, die die Verhandlungen mit den Palästinensern erfolgreich macht. Weniger optimistische Beobachter fürchten, dass der Schuss nach hinten losgehen und sich Israel weiter der Illusion hingeben könnte, hinter dem Sicherheitszaun tatsächlich Sicherheit und Schutz zu finden.“





DON GIUSSANI/1.

Ein „Mailänder“ Nachruf von Kardinal Tettamanzi



„Meine Lieben, wir feiern heute das Gedächtnis des dies natalis von Don Giussani, den Tag seiner definitiven und ewigen Begegnung mit Christus, Höhepunkt jener Begegnung, die das Geheimnis, die Leidenschaft, die Kraft und die Freude seiner Tage war [...]. Seit dieser Begegnung war Don Giussani fasziniert, überwältigt, hat nichts anderes getan in seinem Leben, als demütiger und mutiger “Diener” dieser Begegnung zu sein. Und seither hat er allen Menschen, die seinen Weg kreuzten, diese Faszination, dieses Überwältigtsein von Christus vermittelt. Wie der damalige Kardinal Joseph Ratzinger schon vor sechs Jahren – genau hier in diesem Dom – sagte: “Schon als junger Mann hat er zusammen mit anderen Jugendlichen eine Gemeinschaft gegründet, die sich Studium Christi nannte. Ihr Programm lautete: Von nichts anderem als von Christus reden, weil ihm alles andere wie vergeudete Zeit vorkam”. Mit diesen Worten beginnt die Predigt in der Seelenmesse, die Kardinal Dionigi Tettamanzi am 28. Februar zum Gedenken an Don Luigi Giussani – “unseren Bruder und Vater” – im Mailänder Dom zelebriert hat. Im Schlussteil der Predigt heißt es: „In seiner Ansprache beim Nationalen Kongress der katholischen Kirche in Verona kommentierte Benedikt XVI. das Pauluswort: “Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir” (Gal 2, 20) wie folgt: “So ist meine wesentliche Identität durch die Taufe eine andere geworden, und ich fahre nur in dieser veränderten Identität fort zu existieren. [...].So werden wir “einer in Christus” (Gal 3, 28), ein einziges neues Subjekt, und unser Ich wird aus seiner Isolierung befreit. “Ich, aber nicht mehr ich”: das ist die Formel des christlichen Lebens, das in der Taufe gründet, die Formel der Auferstehung in der Zeit, die Formel der “Neuheit” des Christentums, die aufgerufen ist, die Welt zu verändern” (19. Oktober 2006). Das schreibt Don Giussani in seinem Buch Si può vivere così und lüftet so das Geheimnis der religiösen Erfahrung im Leben in Gemeinschaft mit Jesus. Worin liegt das Geheimnis? Seine Antwort lautet: “Im Leben mit Ihm. Wie legt man Zeugnis ab für Ihn? Indem man mit Ihm lebt. Jemand, der jeden Tag das Evangelium liest, jemand, der jeden Tag die Kommunion empfängt, jemand, der sagt: “Komm, Herr!”, jemand, der seine Kameraden anblickt, und für den das nur normal ist, der kann auch beginnen zu verstehen, was es heißt, mit Ihm zu leben. Mit Ihm leben kann man auch anders ausdrücken: wie Er leben.“





DON GIUSSANI/2.

Ein „römischer“ Nachruf von Kardinal De Paolis



„In der Kirche [nach dem Konzil, Anm. d. Red.] werden neue Versuche unternommen, die nicht immer geglückt sind. Es kristallisieren sich vor allem zwei Strömungen heraus, die beide gleichermaßen schädlich sind: die Traditionalisten und die Progressisten. [...] In der Annahme der Tradition der Kirche wird Don Giussani nicht zum Gefangenen der Schemata der Vergangenheit. Vielmehr spürt er intuitiv, dass man, anstatt sich in die Suche nach neuen lehrmäßigen Wegen zu verrennen, nach denen er kein Bedürfnis verspürt, sich den lehrmäßigen, philosophischen und theologischen Reichtum der Kirche zunutze machen kann. So kann man nämlich die persönliche Begegnung des Menschen mit Christus vertiefen, die ursprüngliche Botschaft mit neuer Kraft darlegen, die Basis für einen Dialog mit der Kultur unserer Zeit und eine sichere Antwort auf die tiefsten Bedürfnisse des Menschen finden.“ So Kardinal Velasio De Paolis, Präsident der Präfektur der wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhls, in der Predigt bei der Seelenmesse für Don Luigi Giussani am 22. Februar in Rom. Abschließend sagte er: „In seinem Buch Si può vivere così lüftet Don Giussani das Geheimnis der religiösen Erfahrung im Leben in Gemeinschaft mit Jesus. Worin liegt das Geheimnis? Seine Antwort lautet: “Im Leben mit Ihm. Wie legt man Zeugnis ab für ihn? Indem man mit Ihm lebt. Jemand, der jeden Tag das Evangelium liest, jemand, der jeden Tag die Kommunion empfängt, jemand, der sagt: “Komm, Herr!”, jemand, der seine Kameraden anblickt, und für den das nur normal ist, der kann auch beginnen zu verstehen, was es heißt, mit Ihm zu leben. Mit Ihm leben kann man auch anders ausdrücken: wie Er leben”. Das ist die alte und doch stets neue Erfahrung, die uns Don Giussani hinterlassen hat. Bewahren wir sie uns. Sie ist das Geheimnis eines christlichen Lebens in Fülle.“





Kurznachrichten


Papst/1
Die Einheit der Christen liegt im Gebet


In der Generalaudienz vom Mittwoch, 19. Januar, sagte Papst Benedikt XVI.: „Der Weg zur sichtbaren Einheit aller Christen liegt im Gebet, weil im Grunde nicht wir die Einheit “bauen”, sondern Gott sie “baut”: Sie kommt von ihm, vom dreifaltigen Geheimnis, aus der Einheit des Vaters mit dem Sohn im Dialog der Liebe, dem Heiligen Geist, und unser ökumenisches Bemühen muss sich dem göttlichen Wirken gegenüber öffnen, es muss zur täglichen Bitte um Gottes Hilfe werden. Es ist seine Kirche und nicht unsere.“


Benedikt XVI. <BR>[© Romano Siciliani]

Benedikt XVI.
[© Romano Siciliani]

Papst/2
Der kleine Junge und der Papst


„Es dauerte nur einen Augenblick, und passiert ist es bei der gestrigen Generalaudienz, am Ende der Katechese: die Versuchung, den Papst einmal aus nächster Nähe zu sehen, war zu groß für den kleinen Jungen im Ringelpulli: er löste sich aus der Menge und lief einfach an den Gendarmen vorbei, denen Msgr. Georg Gänswein mit einem Lächeln zu verstehen gab, ihn durchzulassen. Benedikt XVI. war sichtlich gerührt, als der kleine brasilianische “Ausreißer” die Stufen zu seinem Thronsessel emporstieg, vor ihm niederkniete und seinen Ring küsste“ (Corriere della Sera, 3. Februar).


Nasrallah Pierre Sfeir <BR>[© Reuters/Contrasto]

Nasrallah Pierre Sfeir
[© Reuters/Contrasto]

Rücktritte und Ernennungen
Agnelo, Husar, Sterzinsky und Sfeir zurückgetreten. Nachfolger Ouellets in Québec ernannt


Am 12. Januar nahm der Papst das Rücktrittsgesuch von Kardinal Geraldo Majella Agnelo an. Zu seinem Nachfolger in der Leitung der Erzdiözese São Salvador da Bahia in Brasilien wurde Erzbischof Murilo Sebastião Ramos Krieger ernannt. Der Dehonianer (68) war seit 2002 Metropolit von Florianópolis. Am 10. Februar gab der Papst dem Rücktrittsgesuch von Kardinal Lubomyr Husar (78) statt, Großerzbischof von Kyiv-Halyc der Ukrainer. Am 24. Februar nahm der Papst das Gesuch von Kardinal Georg Maximilian Sterzinsky um Niederlegung der pastoralen Leitung des Erzbistums Berlin an; am 26. Februar das von Kardinal Nasrallah Pierre Sfeir (91) vom Amt des Patriarchen von Antiochien der Maroniten.
Am 22. Februar ernannte der Papst Msgr. Gérald Cyprien Lacroix vom „Institut Séculier Pie X“ (54) zum Erzbischof von Québec (Kanada). Lacroix war seit April 2009 Weihbischof am Sitz von Kardinal Marc Ouellet, dem die Leitung der Kongregation für die Bischöfe übertragen wurde.


Ernennungen/1
Kardinal Nicora zum Leiter der Behörde für Finanzaufsicht ernannt


Am 19. Januar ernannte der Papst Kardinal Attilio Nicora zum Präsidenten der Finanz­aufsichtsbehörde, die am 30. Dezember 2010 eingerichtet wurde. Nicora war bisher Präsident der Verwaltung der Güter des Apostolischen Stuhls. Der Papst ernannte auch die Mitglieder des Leitungsrats besagter Behörde: Prof. Claudio Bianchi, Rechtsanwalt Marcello Condemi, Prof. Giuseppe Dalla Torre und Dr. Cesare Testa.


Ernennungen/2
Neuer Präfekt bei der Kongregation für die Ordensleute und die Institute des geweihten Lebens; Vize-Camerlengo; Sekretär beim Rat für die Migranten;Untersekretär bei „Cor Unum“ und neuer Glaubensanwalt bei der Kongregation für die Selig- und Heilig­sprechungsprozesse


Am 4. Januar nahm der Papst das Rücktrittsgesuch von Kardinal Franc Rodé an. Der neue Präfekt der Kongregation für die Ordensleute und die Institute des geweihten Lebens ist Msgr. João Braz de Aviz (64), der der Fokolar-Bewegung nahesteht und 2004 Erzbischof von Brasilia wurde.
Am 22. Januar ernannte der Papst den spanischen Erzbischof Santos Abril y Castelló (76) für ein Triennium zum Vize-Camerlengo der Heiligen Römischen Kirche. Santos Abril y Castelló war zuvor Apostolischer Nuntius in Slowenien.
Am 22. Februar ernannte Benedikt XVI. den Inder Joseph Kalathiparambil (59), seit 2002 Bischof von Calicut, zum Sekretär des Päpstlichen Rats der Seel­sorge für die Migranten und Menschen unterwegs. Am 5. Januar ernannte der Papst Msgr. Segundo Tejado Muñoz aus der Diözese Rom zum Untersekretär des Päpstlichen Rats „Cor Unum“. Er war schon zuvor im besagten Dikasterium als Beamter tätig.
Am 9. Februar ernannte der Papst Luigi Borriello von den Unbeschuhten Karmeliten zum Glaubensanwalt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse. Er war bereits Konsultor dieses Dikasteriums.


Mariano Crociata <BR>[© Romano Siciliani]

Mariano Crociata
[© Romano Siciliani]

Kirche
Crociata und die christliche Sektiererei


„In der Zeit der Identitätskrise, des Expressivismus und der Authentizität kann man eine fließende, intermittente und schwache kirchliche Zugehörigkeit erleben, oder aber auch in derselben Situation das genaue Gegenteil wählen: man kann sich für die Zugehörigkeit zur eigenen Kirchengruppe, zur eigenen Bewegung entscheiden, zur eigenen “Erfahrung”, als wäre es die einzig mögliche Art, Kirche zu sein.“ Das sind die „zwei Seiten der Medaille [...]. Schon allein die Tatsache, dass unser Sprachgebrauch die Möglichkeit eines Glaubens ohne Zugehörigkeit oder einer Zugehörigkeit ohne Glauben kennt, spricht dafür, dass die kirchliche Zugehörigkeit ihre eigene Besonderheit hat. Sie hat mit dem Glauben zu tun; und wenn der Glaube nicht in einer sichtbaren äußeren Zugehörigkeit Ausdruck findet, kann er auch nicht als rein innerliches, unsichtbares Faktum verstanden werden, wenn er als Glaube an den “fleischgewordenen” Jesus Christus bewahrt werden soll.“ Diese Überlegungen stellte Msgr. Mariano Crociata, Generalsekretär der italienischen Bischofskonferenz, bei der Eröffnung der Theologischen Woche an, einer Initiative der sizilianischen Diözese Messina (8. Februar). Die italienischsprachige Ausgabe des Osservatore Romano ­fasste den Beitrag Crociatas wie folgt zusammen: „Die kirchliche Zugehörigkeit “ darf niemals sektiererisch sein”, sie ist “strukturell offen”. Folglich “kann kein Modus den Anspruch stellen, die Zugehörigkeit zur Kirche voll und ganz zum Ausdruck zu bringen”. Noch weniger darf versucht werden, “auszugrenzen, und das gilt nicht nur jenen gegenüber, die keine Christen sind, sondern auch denen gegenüber, die Christen sind wie wir und die ihre Zugehörigkeit zur Kirche nur anders leben als wir selber”.“

 

 

Nahost
Fahne Palästinas in den USA gehisst


„Zum ersten Mal wurde auf dem Sitz der PNA-Mission in Washington die palästinensische Fahne gehisst (mit ausdrücklicher Genehmigung Obamas). Eine symbolische Geste: die Behörde drängt auf Anerkennung des Palästinensischen Staats, mit oder ohne Frieden. Russland ist der Meinung, dass die Palästinenser das Recht auf einen Staat haben. Und auch mehrere Länder Südamerikas haben Palästina anerkannt“ (Corriere della Sera, 20 Januar).


Vereinigte Staaten
Giffords: Juden, Kompromisse und Wunder


Das Attentat auf die demokratische Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords am 8. Januar in Tucson, Arizona, hat hohe Wellen geschlagen. Bei dem Attentat, das sechs Menschen das Leben kostete, darunter auch ein kleines Mädchen, wurde Giffords schwer am Kopf verletzt. Der Corriere della Sera vom 9. Januar hat die Politikerin mit ihrem Wahlmotto beschrieben: „Wenn ihr Resultate sehen wollt, dann setzt auf mich: Wir jüdischen Frauen haben uns schon immer auf Kompromisse und auf Wunder verstanden.“ Der Gesundheitszustand von Frau Giffords hat sich inzwischen verbessert.


Ägypten
Riccardi: „Der Revolutionsgedanke ist mit dem Jahr 1989 und mit Wojtyla gestorben“


Im Corriere della Sera (4. Februar) erschien ein Interview mit Andrea Riccardi über die Revolten im Maghreb. Dem Gründer der Gemeinschaft Sant’Egidio nach müsste der Westen „seinen Beitrag zur “Demochristianisierung” der Muslime leisten, nach dem türkischen Modell Erdogans. Das ist nicht die arabische Revolution. Der Gedanke der Revolution, der sich 200 Jahre lang halten konnte, ist mit dem Jahr 1989 und mit Wojtyla gestorben.“


Werner Arber <BR>[© Romano Siciliani]

Werner Arber
[© Romano Siciliani]

Akademie der Wissenschaften
Erstmals ein Protestant zum Präsidenten ernannt


Am 15. Januar ernannte der Papst den Protestanten Werner Arber (82) zum Präsidenten der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften. Der Schweizer ist emeritierter Professor für Mikrobiologie an der Universität Basel. Gemeinsam mit Hamilton O. Smith und Daniel Nathans wurde ihm 1978 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen.


Diplomatie/1
Wechsel in der Nuntiaturbesetzung und zwei neue Nuntien


Am 5. Januar ernannte der Papst Erzbischof Luigi Travaglino (72) zum Ständigen Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisationen der Vereinten Nationen (FAO, IFAD und PAM). Travaglino war in der Vergangenheit Nuntius in Afrika und Nicaragua, und seit 2001 in der Abteilung für die Beziehungen mit den Staaten des Staatssekretariats tätig.
Am 8. Januar ernannte Benedikt XVI. den neuen Titularerzbischof von Sutri: Msgr. Antonio Guido Filipazzi, Nuntiaturrat, und übertrug ihm auch das Amt eines Apostolischen Nuntius. Filipazzi (48), der aus Melzo (Mailand) stammt, ist somit der jüngste Bischof Italiens. Nach der Priesterweihe 1987 wurde er in Ventimiglia inkardiniert und trat 1992 in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls. Etappen seiner Laufbahn waren die Päpstlichen Vertretungen in Sri Lanka, Österreich, Deutschland, und zuletzt die Abteilung für die Beziehungen mit den Staaten des Staatssekretariats.
Ebenfalls am 8. Januar ernannte der Papst den Venezolaner Msgr. Edgar Peña Parra (51) zum Titularerzbischof von Telepte. Bisher war er als Nuntiaturrat in Mexiko tätig. Gleichzeitig erfolgte auch seine Ernennung zum Apostolischen Nuntius. Am 2. Februar wurde Msgr. Parra zum Nuntius in Pakistan ernannt.
Am 13. Januar ernannte der Papst Erzbischof Leopoldo Girelli (58), seit 2006 Apostolischer Nuntius in Indonesien, zum Apostolischen Nuntius in Singapur, Apostolischen Delegaten in Malaysia und in Brunei, und zum nicht residierenden Päpstlichen Vertreter für Vietnam. Girelli ist nach wie vor auch Nuntius in Ost-Timor. Das Mandat dafür erhielt er 2006.
Am 10. Februar ernannte Benedikt XVI. den polnischen Erzbischof Juliusz Janusz (67), seit 2003 Apostolischer Nuntius in Ungarn, zum Apostolischen Nuntius in Slowenien, und übertrug ihm auch das Amt des Apostolischen Delegaten im Kosovo.
Am 19. Februar ernannte der Papst den slowenischen Erzbischof Ivan Jurkovic (59), seit 2004 Apostolischer Nuntius in der Ukraine, zum Apostolischen Nuntius in der Russischen Föderation.
Am 22. Februar ernannte Benedikt XVI. den amerikanischen Erzbischof Edward Joseph Adams (67), seit 2007 Apostolischer Nuntius auf den Philippinen, zum Apostolischen Nuntius in Griechenland. Erzbischof Luigi Gatti (65), seit 2009 Päpstlicher Repräsentant in Athen, ist nun als Nuntius mit Sonderaufgaben in der Zweiten Sektion des Staatssekretariats tätig.


Diplomatie/2
Neuer Botschafter Österreichs beim Heiligen Stuhl


Am 3. Februar nahm der Papst das Akkreditierungsschreiben des neuen österreichischen Botschafters beim Heiligen Stuhl entgegen. Alfons M. Kloss (58) war von 2001 bis 2007 Botschafter in Italien, und in den letzten vier Jahren an der österreichischen Präsidentschaftskanzlei als Berater für europäische und internationale Angelegenheiten tätig.



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