Rubriken
Aus Nr.10 - 2010


BENEDIKT XVI.

Gebet in Capaci.


Benedikt XVI. in Capaci. BR[© Osservatore Romano]

Benedikt XVI. in Capaci. BR[© Osservatore Romano]

Am 3. Oktober legte Benedikt XVI. am Ende des Pastoralbesuches in Palermo einen kurzen Stopp in Capaci ein, um an dem Ort zu beten, wo Richter Giovanni Falcone, seine Frau und seine Leibwächter am 23. Mai 1992 einem Mafia-Anschlag zum Opfer fielen.




NAHER OSTEN.

Yehoshua, das Gedenken an Rabin und die wackelige israelische Demokratie


Benjamin Netanyahu bei einer Gedenkfeier für Jitzhak Rabin 
(Jerusalem, 30. Oktober 2010). [© Associated Press]

Benjamin Netanyahu bei einer Gedenkfeier für Jitzhak Rabin (Jerusalem, 30. Oktober 2010). [© Associated Press]

„Wir leben in einer Zeit, die von konservativen politischen Strömungen geprägt ist. Und das gilt nicht nur für die USA, sondern auch für viele europäische Staaten. Die mit den nationalen Identitäten verbundenen Ängste (Aufnahme von Immigranten und Fremdarbeitern, der Globalisierungsprozess) werden immer größer, und die verständliche Reaktion darauf ist eine Hinwendung zu konservativen und nationalistischen Prinzipien. Es war daher eine willkommene Gelegenheit, den Jahrestag der Ermordung von Jitzhak Rabin am 4. November 1995 in den vergangenen Jahren in einer anderen Form zu begehen: Von einem Tag der Erinnerung an den Verstorbenen und der klaren Verurteilung der Tat des Attentäters und seiner Hintermänner (wobei das linke Lager die nationalistische religiöse Rechte zur Gewissenserforschung aufrief wegen der Hetzkampagne gegen Rabin vor dessen Ermordung), wurde er zu einem Tag der Reflexion, mit der das Demokratiebewusstsein des Landes gestärkt werden soll. Diese Entwicklung ist gut und nützlich. Da mittlerweile sogar Likud-Führer Benjamin Netanyahu und Oppositionsführer Tzipi Livni – in den neunziger Jahren erbitterte Gegner Rabins – in der Knesset verkünden, das politische Denken des Staatsmannes fortführen zu wollen, der den Prozess der Anerkennung des palästinensischen Volkes einleitete, wäre es sinnlos, die Meinungsverschiedenheiten der Vergangenheit wieder aufleben zu lassen. Stattdessen sollte dieser Jahrestag dazu genutzt werden, das Demokratiebewusstsein in Israel zu festigen, was dringend nötig ist“. Diese Überlegungen Avraham Yehoshuas standen in der La Stampa vom 30. Oktober zu lesen (Titel: Die wackelige Demokratie in Israel). Der israelische Schriftsteller schreibt weiter: „Bedroht wird die Demokratie in Israel vor allem durch die im Heer und in den Siedlungen im Westjordanland stark vertretenen religiösen Nationalisten, und durch die konservativen Ultraorthodoxen (mit ihren Gemeinschaften und Talmud-Akademien). Ihrer Ansicht nach sollte die Staatsregierung mehr auf die Regeln der Halachà (Gesamtheit der Verhaltensregeln des jüdischen Gesetzes) und auf die Anweisungen der Rabbiner hören als auf die Beschlüsse des Parlaments und des Obersten Gerichtshofes [...]. Zweitausend Jahre lang waren die Juden in der Diaspora nicht der Gewalt ihrer Mitbrüder unterworfen, sondern der der Heiden, und sie hatten auch keine oberste religiöse Autorität, wie sie etwa der Papst bei den Katholiken ausübt. Such dir einen Lehrer und meide den Zweifel, steht in der Mishna geschrieben. Die auf der ganzen Welt verstreuten Juden haben sich immer eine religiöse Autorität gesucht, auf die sie hören konnten. Das politische System in Israel, das auf den im 20. Jahrhundert entstandenen Regeln der Demokratie basiert, ist somit etwas vollkommen Neues für die Juden, und die Möglichkeit, dass die von der Mehrheit (zu der auch israelische Araber gehören) verabschiedeten parlamentarischen Gesetze über die Thora oder die Richtlinien der Rabbiner gestellt werden könnten, betrachten Beobachter als schlichtweg revolutionär“.





Fresko in der Kirche „San Pietro“ am Berg Pedale, Civate (Lecco) mit der Darstellung von Kapitel 12 der Apokalypse.

Fresko in der Kirche „San Pietro“ am Berg Pedale, Civate (Lecco) mit der Darstellung von Kapitel 12 der Apokalypse.

Papst/1
Die gute Erde und der einfache Glaube
In seiner Ansprache vor der Sonderversammlung der Bischofssynode für den Nahen Osten (11. Oktober) kommentierte Benedikt XVI. unter anderem Kapitel 12 der Offenbarung des Johannes: „Diese Ideologien, die vorherrschen und sich so mit Macht aufdrängen, sind Gottheiten. Und im Schmerz der Heiligen, im Schmerz der Gläubigen, der Mutter Kirche, zu der wir gehören, müssen diese Gottheiten gestürzt werden, muss das umgesetzt werden, was in den Briefen an die Kolosser und an die Epheser steht: die Herrschaften, die Mächte werden gestürzt und dem einzigen Herrn Jesus Christus unterworfen. Von diesem Kampf, in dem wir uns befinden, von dieser Entmachtung der Gottheit, von diesem Sturz der falschen Götter, die gestürzt werden, weil sie keine Gottheiten sind, sondern Mächte, die die Welt zerstören, spricht die Offenbarung im 12. Kapitel – durch ein geheimnisvolles Bild, für das es, wie ich meine, jedoch verschiedene schöne Auslegungen gibt. Es wird gesagt, dass der Drache einen großen Strom von Wasser hinter der fliehenden Frau herspeit, damit sie von den Fluten fortgerissen werde. Und es scheint unvermeidlich, dass die Frau in diesem Strom ertrinkt. Aber die gute Erde verschlingt diesen Strom, so dass er keinen Schaden zufügen kann. Ich glaube, dass der Strom leicht zu interpretieren ist: Es sind die Strömungen, die alle beherrschen und die den Glauben der Kirche verschwinden lassen wollen, für die es keinen Platz mehr zu geben scheint angesichts der Kraft dieser Strömungen, die sich als das einzig Vernünftige aufdrängen, als einzige Lebensweise. Und die Erde, die diese Strömungen verschlingt, ist der Glaube der einfachen Menschen, der sich nicht von diesen Strömen fortreißen lässt und die Mutter rettet und den Sohn rettet. Daher heißt es im Psalm – dem ersten Psalm der Tageshore –, dass den Unerfahrenen Einsicht geschenkt wird (vgl. Ps 119, 130). Diese wahre Einsicht des einfachen Glaubens, der sich nicht von den Fluten verschlingen lässt, ist die Kraft der Kirche.“


Papst/2
Karl Borromäus, die Liebe, die anzieht, und das „Setzen“ auf das Evangelium

Lumen caritatis. Das Licht der Liebe des hl. Karl Borromäus hat die ganze Kirche erleuchtet und dadurch, dass es die Wunder der Liebe Christi, unseres Höchsten und Ewigen Hirten, erneuert hat, der Herde Gottes, die schmerzliche und schwierige Zeiten durchmachte, neues Leben und neue Jugend gebracht. Daher schließe ich mich von ganzem Herzen der Freude der Mailänder Erzdiözese an, die den 400. Jahrestag der Heiligsprechung dieses großen Hirten begeht, welche am 1. November 1610 erfolgte.“ Mit diesen Worten beginnt das Schreiben, das Benedikt XVI. zum 400. Jahrestag der Heiligsprechung des Karl Borromäus an den Erzbischof von Mailand, Kardinal Dionigi Tettamanzi, geschickt hat. Weiter heißt es dort: „Während des Episkopats des hl. Karl fühlte sich seine ganze weitreichende Diözese von einer Strömung der Heiligkeit erfasst, die sich im gesamten Volk verbreitete. Auf welche Weise ist es diesem so anspruchsvollen und strengen Bischof gelungen, das Volk der Christen zu begeistern und zu erobern? Die Antwort ist einfach: der hl. Karl hat es mit der Glut seiner Liebe erleuchtet und mitgerissen. Deus caritas est, und wo die lebendige Erfahrung der Liebe ist, da offenbart sich das tiefe Antlitz Gottes, der uns anzieht und zu den Seinen macht. […] Man könnte jedoch die Liebe des hl. Karl Borromäus nicht verstehen, wenn man seine leidenschaftliche Liebesbeziehung mit dem Herrn nicht kennen würde. Diese Liebe hat er in den heiligen Geheimnissen der Eucharistie und des Kreuzes betrachtet, die er in enger Verbindung mit dem Geheimnis der Kirche verehrt hat. Die Eucharistie und der Gekreuzigte haben den hl. Karl in die Liebe Christi eintauchen lassen, und das hat sein ganzes Leben verwandelt und mit Glut entzündet, seine im Gebet verbrachten Nächte erfüllt, sein ganzes Handeln beseelt, die mit dem Volk gefeierte feierliche Liturgie angeregt und seine Seele so berührt, dass er häufig Tränen vergoss.“ Abschließend schreibt der Papst: „Liebe Jugendliche, lasst Euch durch diesen Aufruf erneuern, der mir sehr am Herzen liegt: Gott will, dass Ihr heilig seid, weil er Euch zutiefst kennt und Euch mit einer Liebe liebt, die jedes menschliche Verständnis übersteigt. Gott weiß, was in Eurem Herzen ist, und er wartet darauf, jenes wunderbare Geschenk blühen und Früchte tragen zu sehen, das er in Euch gelegt hat. Wie der hl. Karl könnt auch ihr Christus und Euren Brüdern und Schwestern Eure Jugend anbieten. Wie er könnt Ihr in dieser Zeit Eures Lebens beschließen, auf Gott und auf das Evangelium zu ‘setzen’. Ihr, liebe Jugendliche, seid nicht nur die Hoffnung der Kirche; Ihr seid bereits Teil ihrer Gegenwart! Und wenn Ihr die Kühnheit besitzt, an die Heiligkeit zu glauben, werdet Ihr der größte Schatz eurer Mailänder Kirche sein, die auf den Heiligen erbaut wurde.“


Irak
Pannella: Krieg im Irak sollte Friedensprozess behindern
Das über Tareq Aziz, früherer Außenminister Saddam Husseins, verhängte Todesurteil hat in der ganzen Welt Polemiken ausgelöst. Besonders bitter äußerte sich der radikale Leader Marco Pannella, für den der Krieg im Irak „angezettelt wurde, um das Exil Saddams und den Frieden zu verhindern“ (il Fatto quotidiano, 27. Oktober).


Kirche/1
Kardinal Martini: Das Zweite Vatikanische Konzil und die Tradition
In einem Artikel im Corriere della Sera (31. Oktober) hat Kardinal Carlo Maria Martini eine Frage zum Zweiten Vatikanischen Konzil wie folgt beantwortet: „Wir müssen zwischen Kontinuität und Diskontinuität unterscheiden. Die Verfechter einer strikten Interpretation, die alles Neue mit Misstrauen betrachten, haben aus dem Blick verloren, dass es in der Kirche Neues geben kann. Sie ist ein lebendiger Organismus, der klein geboren wird, mit der Zeit aber größer wird wie ein menschlicher Körper, der wächst und eine andere Gestalt annimmt. Diese Sicht der Kirchengeschichte wurde seit dem 5. Jahrhundert vom hl. Vinzenz von Lérins vertreten. Er behauptet, dass es im Lauf der Jahre in der Kirche gewiss auch sehr auffällige Fortschritte geben wird. Das darf uns nicht erschrecken. Erst wenn sich ein Organismus in einen anderen verwandelt, muss man von Veränderungen sprechen und diese entschieden ablehnen.“


Kirche/2
Raúl Castro und das Seminar in Havanna
„Am Mittwoch, den 3. November, weihte der Erzbischof von San Cristóbal de la Habana, Kardinal Jaime Lucas Ortega y Alamino, das neue katholische Seminar San Carlos y San Ambrosio ein. Anwesend waren der kubanische Staatspräsident Raúl Castro, der Präsident der kubanischen Bischofskonferenz, Msgr. Dionisio Guillermo García Ibáñez, sowie zahlreiche namhafte Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Kirche“ (L’Osservatore Romano vom 5. November). Papst Benedikt XVI. sandte ein Glückwunschtelegramm.


Kurie/1
Neuer Präfekt der Kongregation für den Klerus und neuer Präsident von „Cor Unum“
Am 7. Oktober ernannte der Papst den neuen Präfekten der Kongregation für den Klerus: Erzbischof Mauro Piacenza (66) aus Genua, seit 2007 Sekretär besagten Dikasteriums. Damit wird er der Nachfolger von Kardinal Cláudio Hummes (76). Piacenza ist einer der neuen Kardinäle, die beim Konsistorium vom 20. November kreiert wurden.
Am 7. Oktober erfolgte auch die Ernennung des Präsidenten des Päpstlichen Rates „Cor Unum“. Es handelt sich um den afrikanischen Erzbischof Robert Sarah (65), seit 2001 Sekretär von Propaganda Fide und zuvor Metropolit von Conakry in Guinea. Er tritt an die Stelle von Kardinal Paul Josef Cordes (76). Auch Sarah ist einer der Neu-Kardinäle des Konsistoriums vom 20. November.


Kurie/2
Einrichtung des Rates zur Neuevangelisierung
Am 12. Oktober wurde das motu proprio Ubicumque et semper veröffentlicht, mit dem der Päpstliche Rat zur Förderung der Neuevangelisierung eingerichtet wird. Mit der Leitung des neuen Rates wurde Erzbischof Rino Fisichella betraut (30. Juni).


Kardinäle
Kardinäle von Guatemala, Turin und Cebu zurückgetreten
Am 2. Oktober wurde das Rücktrittsgesuch von Kardinal Rodolfo Quezada Toruño (78), Erzbischof von Guatemala (seit 2001), angenommen: sein Nachfolger heißt Oscar Julio Vian Morales. Der 63jährige Salesianer wurde 2007 zum Erzbischof von Los Altos ernannt und war bereits Apostolischer Vikar von El Petén.
Am 11. Oktober wurde dem Rücktrittsgesuch des Erzbischofs von Turin, Kardinal Severino Poletto (77), stattgegeben, der dieses Amt seit 1999 innehatte. Zu seinem Nachfolger wurde Cesare Nosiglia (66) ernannt. Der aus der Provinz Genua, Diözese Acqui stammende Kardinal war in der Vergangenheit bereits Stellvertreter des Kardinalvikars von Rom und seit 2003 Erzbischof-Bischof von Vicenza.
Am 15. Oktober wurde das Rücktrittsgesuch des philippinischen Kardinals Ricardo J. Vidal (79) angenommen: das Amt des Erzbischofs von Cebu, das Vidal seit 1982 innehatte, übernimmt Jose Serofia Palma (60), seit 2006 Metropolit von Palo und zuvor Calbayog (seit 1997) und Weihbischof in Cebu (seit 1999).




IRAK.

Die teuflischen Attentate und unsere muslimischen Brüder


Emmanuel III. Delly, Patriarch von Babylonien der Chaldäer (Bagdad), feiert die Eucharistie im chaldäischen Ritus in aramäischer Sprache (der Sprache Jesu) in der römischen Basilika St. Laurentius vor den Mauern, am Samstag, 16. Oktober 2010. BR[© Paolo Galosi]

Emmanuel III. Delly, Patriarch von Babylonien der Chaldäer (Bagdad), feiert die Eucharistie im chaldäischen Ritus in aramäischer Sprache (der Sprache Jesu) in der römischen Basilika St. Laurentius vor den Mauern, am Samstag, 16. Oktober 2010. BR[© Paolo Galosi]

„Die Opfer wurden von der Hand des Teufels umgebracht, aber wir fürchten uns weder vor dem Tod, noch lassen wir uns von den Drohungen Angst einjagen. Wir sind Söhne dieses Landes, und wir werden auch weiterhin bei unseren muslimischen Brüdern bleiben.“ So Kardinal Emmanuel III. Delly, Patriarch von Babylonien der Chaldäer (Bagdad), beim Totengebet für die zahlreichen Gläubigen, die beim Attentat am Sonntag, 31. Oktober, in der syrisch-katholischen Kathedrale von Bagdad ums Leben gekommen sind ( la Repubblica, 3. November).




MUSLIMBRÜDER.

Schutz der Heiligen Stätten aller monotheistischen Religionen


Kardinal Emmanuel III. Delly am Schauplatz des Attentates vom 31. Oktober. [© Associated Press]

Kardinal Emmanuel III. Delly am Schauplatz des Attentates vom 31. Oktober. [© Associated Press]

„Die Muslimbrüder möchten alle Menschen, und vor allem die Muslime, daran erinnern, dass der Schutz der Heiligen Stätten aller monotheistischen Religionen der Sendungsauftrag der Mehrheit der Muslime ist“. Mit diesen Worten haben die Muslimbrüder in Ägypten zu dem Blutbad Stellung genommen, das am vergangenen 31. Oktober in einer syrisch-katholischen Kirche von Bagdad unter christlichen Gläubigen angerichtet wurde. Abdel Fattah, ägyptischer Abgeordneter und Mitglied besagter Gruppe, erklärte der Online-Zeitung ilsussidiario.net gegenüber: „Wir sind bereit, Al Qaeda entgegenzutreten, um die Kirchen in Ägypten zu verteidigen. Die religiöse Vielfalt gehört zur Geschichte unseres Landes und die Verteidigung der christlichen Kultstätten ist für uns gleichbedeutend mit der Verteidigung unseres Vaterlandes“.


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