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Aus Nr.06/07 - 2009


„Das Sakrament des Armen“ und „die kleinste Gabe der Gnade“


Benedikt XVI. unterzeichnet die neue Enzyklika ICaritas in veritate/I (29. Juni 2009). [© Osservatore Romano/Associated Press]

Benedikt XVI. unterzeichnet die neue Enzyklika ICaritas in veritate/I (29. Juni 2009). [© Osservatore Romano/Associated Press]

„Der hl. Johannes Chrysostomus sagte zum Beispiel, daß das Sakrament des Altares und das ‚Sakrament des Bruders‘ oder, wie er es nennt, das ‚Sakrament des Armen‘ zwei Aspekte desselben Geheimnisses darstellen. Die Liebe zum Nächsten, die Aufmerksamkeit gegenüber der Gerechtigkeit und den Armen sind nicht allein Themen einer Sozialmoral; sie sind vielmehr Ausdruck einer sakramentalen Auffassung der christlichen Moralität.“ So Papst Benedikt XVI. bei der Generalaudienez vom 1. Juli. Und weiter: „Liebe Brüder und Schwestern, angesichts so vieler Ungewißheiten und Ermüdungserscheinungen auch in der Ausübung des priesterlichen Dienstes ist die Wiedererlangung eines klaren und eindeutigen Urteils hinsichtlich des absoluten Vorranges der göttlichen Gnade notwendig, dies eingedenk dessen, was der hl. Thomas von Aquin schreibt: ‚Die kleinste Gabe der Gnade übertrifft das natürliche Gut des gesamten Universums‘.“ Zum Abschluss betonte er die Wichtigkeit des Gebets: „Wer betet, hat keine Angst; wer betet, ist nie allein; wer betet, wird gerettet werden. Vorbild eines Lebens, das zum Gebet wird, ist zweifellos der hl. Jean-Marie Vianney.“




ANGELUSGEBET.

Ein Netz des Gebetes für den Unfall des Papstes


Der Papst im Aosta-Tal. [© Associated Press/LaPresse]

Der Papst im Aosta-Tal. [© Associated Press/LaPresse]

„In diesem Moment möchte ich allen von ganzem Herzen danken: So viele haben mir in diesem Augenblick ihre Nähe, ihre Sympathie, ihre Zuneigung gezeigt und für mich gebetet, und so ist das Netz des Gebetes gestärkt worden, das uns überall auf der Welt vereint.“ Mit diesen vor dem Angelusgebet vom Sonntag, 19. Juli, an die Gläubigen gerichteten Worten kommentierte der Papst seinen Unfall: in der Nacht vom 16. auf den 17. Juli hatte er sich das Handgelenk gebrochen.




TETTAMANZI.

Die Begegnung zwischen Benedikt XVI. und Obama hat uns Hoffnung gemacht


Benedikt XVI. mit dem Ehepaar Obama (10. Juli 2009). BR[© Paolo Galosi/Vatican pool]

Benedikt XVI. mit dem Ehepaar Obama (10. Juli 2009). BR[© Paolo Galosi/Vatican pool]

„Der G8-Gipfel in L’Aquila und die Begegnung zwischen Benedikt XVI. und Obama haben ein Klima der Hoffnung geschaffen. Eine Gelegenheit, die wir nicht ungenutzt lassen dürfen, weil wir nur so weiterkommen. Die Wirtschaftskrise ist schlimm, aber Klagen bringt uns nicht weiter; es deprimiert uns nur [...] Wir brauchen keine Verzweiflung, sondern Hoffnung.“ So der Erzbischof von Mailand, Dionigi Tettamanzi, in einem Interview in der La Stampa vom 17. Juli. Dann ging er noch auf das Einwanderer-Problem ein: „Wenn man die Gastfreundschaft verweigert, igelt man sich ein und meint, die ganze Welt drehe sich nur um das eigene Ich.“ Und weiter: „Die jungen Menschen fordern – auf eine manchmal ungehobelte oder übertriebene Weise – Dinge, die wir ignorieren. Der wahre Erziehungsnotstand liegt nicht bei den Jugendlichen, sondern bei uns Erwachsenen. [...]. Ich fühle mich jungen Menschen gegenüber wie ein Bettler.“




Paulus ruht vor den Mauern


Das Paulusgrab unter dem Hochaltar der Basilika St. Paul vor den Mauern, Rom. [© Paolo Galosi]

Das Paulusgrab unter dem Hochaltar der Basilika St. Paul vor den Mauern, Rom. [© Paolo Galosi]

Zum Ausklang des Paulusjahres (28. Juni 2009) führte Papst Benedikt XVI. den Vorsitz bei der ersten Vesper zum Hochfest Peter und Paul in der Basilika St. Paul vor den Mauern. Hier ein Auszug aus der Predigt: „Wir sind beim Grab des Apostels versammelt, dessen Sarkophag, der unter dem Papstaltar aufbewahrt wird, kürzlich einer sorgsamen wissenschaftlichen Untersuchung unterzogen wurde: In den Sarkophag, der so viele Jahrhunderte hindurch niemals geöffnet worden ist, hat man ein winziges Loch gebohrt, um eine Spezialsonde einzuführen. Mit ihrer Hilfe wurden Spuren eines kostbaren, purpurfarbenen und mit feinstem Gold laminierten Leintuches sowie eines blauen Stoffes mit Leinenfasern festgestellt. Auch wurden Körner von rotem Weihrauch sowie proteinhaltige und kalkhaltige Substanzen nachgewiesen. Darüber hinaus wurde an winzigen Knochensplittern der Karbon-14-Test vorgenommen, und zwar von Experten, die über deren Herkunft nicht informiert waren. Sie kamen zu dem Ergebnis, daß es sich um Knochen eines Menschen handelt, der zwischen dem 1. und dem 2. Jahrhundert gelebt hat. Das scheint die einmütige und unbestrittene Überlieferung zu bestätigen, der zufolge es sich um die sterblichen Überreste des Apostels Paulus handelt. All das erfüllt uns mit tiefer Ergriffenheit.“




DON GIUSSANI.

„Einen Augenblick vor allem kommt Christus“


Petrus und Johannes eilen zum Grab.

Petrus und Johannes eilen zum Grab.

Ein schmeichelhaftes Porträt von Giancarlo Cesana, der unlängst zum Präsidenten der Mailänder Policlinico-Stiftung ernannt wurde, erschien im Il Foglio vom 16. Juli. Über den historischen Leader von Comunione e liberazione wird vor allem berichtet, wie gut er Don Luigi Giussani kannte; eine Bekanntschaft, die auf die Jahre der Jugendproteste zurückgeht. So steht in der Tageszeitung von Giuliano Ferrara zu lesen: „Cesana erzählte oft, wie Giussani seine Jugendlichen dafür rügte, auf die Protestler der Staatlichen Schule Mailand reagiert zu haben. Cesana gehörte damals zu jenen, die die Initiative ergreifen und sich mit der Linken auf deren eigenem Boden messen wollten. Giussani hat bei verschiedenen Gelegenheiten folgende Provokation an sie gerichtet: ‚Einen Augenblick vor allem kommt Christus. Aber das ist euch egal‘.“




ORTHODOXIE.

Kyrill bei Bartholomaios


Kyrill mit Bartholomaios. BR[© Associated Press/LaPresse]

Kyrill mit Bartholomaios. BR[© Associated Press/LaPresse]

Vom 4.-6. Juli reiste Seine Heiligkeit Kyrill in die Türkei. Es war seine erste Reise nach seiner Wahl zum Patriarchen von Moskau und ganz Russland. Bei diesem Besuch traf er auch Seine Heiligkeit Bartholomaios I., Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel. Die Zeitung der italienischen Bischofskonferenz, Avvenire (17. Juli), veröffentlichte auch die Erklärung des Erzbischofs von Volokolamsk, Ilarion, Chef des Außenbüros des Moskauer Patriarchats: „Der Besuch von Patriarch Kyrill bezeichnet den Übergang von einer Zeit der Gegensätze zu einer auf gegenseitigen Respekt und Verständnis gegründeten Zeit der Zusammenarbeit.“





Das Antlitz des Paulus. Das Bild wurde am 19. Juni 2009 
in einem Cubiculum der Thekla-Katakomben an der Via Ostiense, in Rom entdeckt. [© Osservatore Romano/Päptlische Kommission für sakrale Archäologie]

Das Antlitz des Paulus. Das Bild wurde am 19. Juni 2009 in einem Cubiculum der Thekla-Katakomben an der Via Ostiense, in Rom entdeckt. [© Osservatore Romano/Päptlische Kommission für sakrale Archäologie]

Paulus
Das älteste Bild des Völkerapostels

„Die vatikanischen Archäologen haben in den Katakomben der hl. Thekla das Antlitz des Apostels Paulus entdeckt. Der L’Osservatore Romano enthüllt das älteste Bild des Heiligen, das im Rahmen einer ‚sensationellen, laut Expertenaussagen verblüffenden Entdeckung‘ wiedergefunden wurde.“ So der Anfang eines Artikels der italienischen Tageszeitung La Stampa (28. Juni). Im Untertitel heißt es: „Alles andere als ein stattlicher Kämpfer: Er war klein, buckelig, wahrscheinlich krank.“


„Cappella Paolina“
Petrus sucht das Gesicht des Paulus

Am 4. Juli stand der Papst der Feier der Vesper anläßlich der Wiederöffnung der „Cappella Paolina“ vor. In seiner Predigt sprach er über die beiden die Kapelle schmückenden Fresken des Michelangelo. Auf diesen Fresken sind die Apostel Petrus und Paulus dargestellt; der erste bei seiner Kreuzigung, der zweite im Moment seiner Bekehrung auf der Straße nach Damaskus. „Der Blick wird vor allem von den Gesichtern der beiden Apostel angezogen [...]“, erklärte der Papst. „Die beiden Gesichter, die wir betrachtet haben, befinden sich einander gegenüber. Man könnte sogar meinen, daß das Gesicht des Petrus dem Gesicht des Paulus direkt zugewandt sei, während dieser wiederum nicht sieht, sondern das Licht des auferstandenen Christus in sich trägt. Es ist, als suchte Petrus in der Stunde der höchsten Prüfung jenes Licht, das Paulus den wahren Glauben geschenkt hat.“


Kardinäle
Marchisano und Castrillón werden achtzig, Margéot verstorben

Am 25. Juni wurde der piemontesische Kardinal Francesco Marchisano 80 Jahre alt. Dasselbe Alter erreichte am 4. Juli auch der kolumbianische Kardinal Darío Castrillón Hoyos. Am 17. Juli verstarb Kardinal Jean Margéot, emeritierter Bischof von Port-Louis auf der Insel Mauritius. Damit setzte sich das Kardinalskollegium aus 185 Kardinälen zusammen, 113 davon wahlberechtigt.


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