Rubriken
Aus Nr.05 - 2009


KIRCHE.

Die Beziehung Israel-Kirche: die drei Schritte, die Geschichte geschrieben haben und die Priorität der Diplomatie


Benedikt XVI. und Schimon Peres im Präsidentenpalast (Jerusalem, 12. Mai). [© Osservatore Romano]

Benedikt XVI. und Schimon Peres im Präsidentenpalast (Jerusalem, 12. Mai). [© Osservatore Romano]

Der Besuch Benedikts XVI. in Israel? „Ich würde ihn als wichtig, wenn auch nicht sehr wichtig bezeichnen [...]. Es gab andere Schritte, die grundlegend waren, und damit meine ich vor allem: das 1965 vom Zweiten Vatikanischen Konzil herausgegebene Dokument Nostra aetate, das der Kultur der Missachtung der ‚treulosen Juden‘ ein Ende setzte; den ersten Besuch eines Papstes, Pauls VI., in Israel 1964; die Anknüpfung diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Vatikan dank Johannes Paul II. Das sind historische Schritte.“ So Avraham Burg, Sohn eines der Gründer des Staates Israel, Präsident des israelischen Parlaments und Gründer von Peace now, in einem Interview mit Elena Loewenthal (La Stampa, 13. Mai). Im Schlussteil des Interviews äußerte sich Burg zu den wichtigsten Etappen des Besuches von Benedikt XVI., bzw. der Begegnung mit dem israelischen Präsidenten Schimon Peres und dem Besuch des Yad Vashem: „Dieses Mal wurde der Besucher aus dem Ausland zuerst in die Residenz des Präsidenten gebracht, und danach zur Shoah-Gedenkstätte [...]. Und diese protokollgewollte Reihenfolge nimmt eine wirklich grundlegende Bedeutung an, wenn wir bedenken, dass Israel als nationales Staatswesen schon seit dem Altertum – mit der Eroberung Jerusalems und der Zerstörung des Salomonischen Tempels durch die Römer und der allgemeinen Durchsetzung des Christentums – eine theologische und dogmatische Herausforderung darstellt. Und dies lässt Raum für Hoffnung nicht nur für Israel und die Grenzen seiner Identität, sondern auch für den interreligiösen Dialog.“




KULTUR.

Amato, die Kirche und Manzoni


Alessandro Manzoni.

Alessandro Manzoni.

„Wer glaubt, hat den anderen etwas voraus. Und das gilt heute, wo wir unser ethisches Baryzentrum verloren haben, mehr denn je. Die katholische Kirche hat sich von der Suggestion des fundamentalistischen Gedankengutes einlullen lassen, obwohl wir doch ein Christentum des Dialogs gebraucht hätten. Manzoni hat mir mit Don Rodrigo und dem Ungenannten über viele Glaubensdinge die Augen geöffnet. Und auch die Gestalt Marias, die selbst im Koran eine Rolle spielt, lässt mich auf die katholische Religion stolz sein, wie ein Italiener stolz ist auf seine Fußballelf oder auf Totti [Kapitän der italienischen Nationalmannschaft].“ So der ehemalige Ministerpräsident Giuliano Amato in einem Interview (La Stampa, 23. Mai).





Barack Obama in Kairo 
(4. Juni 2009). [© Associated Press/LaPresse]

Barack Obama in Kairo (4. Juni 2009). [© Associated Press/LaPresse]

Nahost/1
Grossman und das Binom Al-Qaeda-Siedler

„Die einzigen, die Obama nicht gutgeheißen haben, sind Al-Qaeda und die israelischen Siedler. Und ich muss zugeben, dass ich von diesem Binom peinlich berührt bin.“ So der Kommentar David Grossmans (la Repubblica vom 5. Juni) zu der denkwürdigen Ansprache, die US-Präsident Barack Obama in Kairo gehalten hat.


Nahost/2
Yehoshua: Der Frieden und das Verschwinden der jüdischen Identität aus Israel

„Was wirklich Kopfzerbrechen bereitet und nur schwer zu akzeptieren ist, ist der Umstand, dass die fortwährenden Niederlassungen [der israelischen Siedler, Anm.d.Red.] die Zwei-Staaten-Lösung in immer weitere Ferne rücken lassen und früher oder später zwischen Jordanien und dem Mittelmeer ein einziger Staat entstehen wird mit einer aus zwei Ethnien bestehenden Bevölkerung. Ein Staat, der sich aufgrund des demographischen Wachstums Palästinas nach und nach in einen Staat mit palästinensischer Mehrheit verwandeln wird. Und dann ist es mit Israel endgültig vorbei.“ So Abraham B. Yehoshua in einem Editorial (La Stampa, 5. Juni) nach der Ansprache von US-Präsident Barack Obama vom 4. Juni.


Hl.Stuhl
Baldelli Großpönitentiar

Am 2. Juni nahm der Papst das Rücktrittsgesuch des amerikanischen Kardinals James Francis Stafford (77) von seinem Amt als Großpönitentiar an. Zu seinem Nachfolger wurde der aus Umbrien stammende Erzbischof Fortunato Baldelli (74) ernannt, seit 1999 Apostolischer Nuntius in Frankreich.


Kardinäle
Kardinal Kitbunchu zurückgetreten

Am 14. Mai nahm der Papst das Rücktrittsgesuch von Kardinal Michael Michai Kitbunchu an. Der neue Erzbischof von Bangkok heißt Francis Xavier Kriengsak Kovithavanij (60) und war seit 2007 Bischof von Nakhon Sawan. Kitbunchu konnte im Januar seinen 80. Geburtstag feiern. Seit 1972 war er Erzbischof der Hauptstadt Thailands, 1983 wurde er zum Kardinal kreiert.


Römische Kurie
Ein slowakischer Jesuit Sekretär bei der Kongregation für die Orientalischen Kirchen

Am 7. Mai ernannte Benedikt XVI. den slowakischen Jesuiten Cyril Vasil’ (44) zum neuen Sekretär der Kongregation für die Orientalischen Kirchen. Pater Vasil’, der 1987 die Priesterweihe empfing, trat 1990 in die Gesellschaft Jesu ein und legte 2001 die feierliche Profess ab. 1994 habilitierte er sich im Fach Kirchenrecht am Päpstlichen Orientalischen Institut (PIO), an dem er 2002 Dekan der Rechtsfakultät und Prorektor wurde. 2007 war seine Ernennung zum Rektor erfolgt.


Waffen/1
Das SIPRI, die Finanzkrise und der Boom der Militärausgaben

„Die Ausgaben im Militärbereich sind weltweit um 4% gestiegen und haben eine Rekordsumme von 1.464 Milliarden Dollar erreicht, mehr als 900 Milliarden Euro. Das sind 45% mehr als vor 10 Jahren.“ So fasste der L’Osservatore Romano in einem Artikel auf der Titelseite den Bericht des Internationalen Forschungsinstituts für den Frieden (SIPRI) zusammen. Er betonte auch, dass diese Zunahme der Militärausgaben in einer Zeit erfolgt, in der wir eine besonders dramatische weltweite Wirtschaftsrezession erleben.


Waffen/2
Israel: Absage an den Atomwaffensperr-vertrag

„Spannungen zwischen Israel und den Vereinigten Staaten in der Atomfrage. Die Autoritäten des jüdischen Staates haben einen aus Washington ergangenen Appell um Unterzeichnung des Atomsperrvertrags unmissverständlich abgelehnt. Der Atomsperrvertrag ist ein internationales Abkommen, mit dem die atomare Aufrüstung eingedämmt werden soll“ (Avvenire, 7. Mai).


Diplomatie
Acht neue, nicht in Rom residierende Botschafter beim Hl. Stuhl

Am 29. Mai nahm der Papst die Beglaubigungsschreiben von acht neuen Botschaftern entgegen, die ihre Residenz nicht in Rom haben, da sie auch an einem anderen europäischen Sitz akkreditiert sind. Es handelt sich um die Repräsentanten der Mongolei (Danzannorov Boldbaatar, Residenz Schweiz), Indien (Chitra Narayanan, Residenz Schweiz), Benin (Charles Borromée Todjinou, Residenz Belgien), Neuseeland (Robert Carey Moore-Jones, Residenz Spanien), Südafrika (George Johannes, Residenz Schweiz), Burkina Faso (Beyon Luc Adolphe Tiao, Residenz Frankreich), Namibia (Neville Melvin Gertze, Residenz Deutschland), Norwegen (Rolf Trolle Andersen, Residenz Schweiz).


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