Rubriken
Aus Nr.09 - 2008


NAHOST.

Olmert und das Jahr 1978


Sadat, Carter und Begin. [© AP/LaPresse]

Sadat, Carter und Begin. [© AP/LaPresse]

„Wenn Israel Frieden schaffen will, muss es sich aus den entscheidenden Gebieten zurückziehen.“ Diese Worte äußerte der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert in einem der New York Times gewährten Interview. Der ausscheidende Premier zieht darin eine Art Bilanz über seine politische Aktivität. In der italienischen La Stampa (30. September) wird das wie folgt kommentiert: „Mit seiner extremen Selbstkritik hat er bis zum Schluss gewartet. Ein umfassendes mea culpa, das bis ins ferne 1978 reicht, als sich der damalige Likud-Parlamentarier gegen den Handschlag zwischen Ministerpräsident Begin und dem Ägypter Sadat aussprach.“




SERAPHICUM.

Internationales Symposium über das II. Vatikanische Konzil und Johannes Paul II.


Karol  Wojtyla beim II.   Vatikanischen Konzil. [© AP/LaPresse]

Karol Wojtyla beim II. Vatikanischen Konzil. [© AP/LaPresse]

Die Päpstliche Theologische Fakultät San Bonaventura-Seraphicum in Rom wird vom 28.-30. Oktober ein internationales Symposium zum Thema „Christus-Kirche-Mensch. Das II. Vatikanische Konzil im Pontifikat von Johannes Paul II.“ abhalten. An dem Ereignis werden neben dem Generalminister der Minoriten (Pater Marco Tasca) und dem Dekan (Pater Zdzislaw J. Kijas) auch zahlreiche Kardinäle teilnehmen (Bertone, Levada, Caffarra, Ruini, Poupard und Rylko), sowie Erzbischöfe und Bischöfe (Pieronek, Sanna, Piero Marini, Amato), Geistliche (Giertych, Miranda, Augé, Iammarone, Szostek, Oder) und Akademiker (Buttiglione, Tortorella, Cangiotti, Borghesi, Weigel, Waldstein, Siviglia).





Giulio Tremonti und unser Chefredakteur beim Meeting von Rimini 2008. [© Grazia Neri]

Giulio Tremonti und unser Chefredakteur beim Meeting von Rimini 2008. [© Grazia Neri]

FINANZKRISE/1
Tremonti, die Krise und die Techno-Finanz

„Um zu verstehen, was passiert ist und weiter passiert, müsste man Goethes Faust wieder (oder endlich einmal!) zur Hand nehmen: jene phantastische Geschichte über die Verwandlung des Reichtums, seinen Übergang vom Materiellen zum Immateriellen.“ So Wirtschaftsminister Giulio Tremonti in einem Interview mit Il Foglio am 23. September. Weiter heißt es darin: „Im Namen der Globalisierung hat man einen mephistotelischen Wechsel unterschrieben; und wie alle Wechsel, selbst der des Mephisto, wird nun auch der Wechsel der Techno-Finanz fällig.“


FINANZKRISE/2
Panebianco und die schöpferische Zerstörung

Der Corriere della Sera hat sein Editorial vom 18. September (aus der Feder von Angelo Panebianco) der internationalen Finanzkrise gewidmet. Darin steht zu lesen: „Ein neudimensioniertes Amerika wird letztendlich das Zepter der Supermacht abgeben und sich mit der Rolle einer Großmacht unter anderen Großmächten (China, Russland, Indien, vielleicht noch andere mehr) zufriedengeben müssen. Einer anderen – genau entgegengesetzten – Interpretation zufolge, wird die für die Vorgangsweise des Kapitalismus so typische ‚schöpferische Zerstörung‘ (so der Wirtschaftswissenschaftler Joseph Schumpeter), die alles eliminiert, was nicht mehr vital ist, und das Finanzsystem wieder saniert, der amerikanischen Macht letztendlich neuen Aufschwung geben.“


FINANZKRISE/3
Ciampi und die Bankenrettung

Muss man in Schwierigkeiten geratene Banken retten? Laut Carlo Azeglio Ciampi, ehemaliger italienischer Staatspräsident, ist das eine „natürliche Reaktion, solange sie mit Transparenz erfolgt“, wie es in Italien der Fall war. „Als es notwendig wurde, kam es zu einem transparenten, gezielten Einschreiten. Ich denke da beispielsweise an die Rettung der Ambrosiano-Bank zu der Zeit, als ich Präsident der Italienischen Zentralbank war.“ Überlegungen Ciampis in einem Interview mit La Stampa (6. Oktober).


VEREINIGTE STAATEN
USA: Offen für die Taliban

„Die Vereinigten Staaten sind bereit, die Verhandlungen zwischen Kabul und den Taliban zu unterstützen, werden aber nie mit al-Qaeda sprechen. So US-Verteidigungsminister Robert Gates beim NATO-Gipfel der Verteidigungsminister in Budapest. Eine Aussage, mit der er klarmachte, dass sein Land bedingungslos hinter dem Appell steht, mit dem der afghanische Präsident Karzai Mullah Omar jüngst von der Notwendigkeit eines Dialogs überzeugen wollte.“ So der Auftakt eines Artikels der italienischen Tageszeitung la Repubblica (10. Oktober).


ENGLAND
Brown: Offen für die Katholiken

Großbritannien: Eine historische Wende. Unter diesem Titel kündigte La Stampa am 26. September einen Gesetzesentwurf des englischen Premierministers Gordon Brown an, der auch Katholiken auf dem englischen Königsthron erlaubt. „Ja zu Katholiken,“ heißt es im Untertitel des besagten Artikels. „Gleiches (Thron-)Recht für alle: Brown schlägt eine Gesetzesänderung vor. Seit drei Jahrhunderten sind Englands gekrönte Häupter ausschließlich Anglikaner.“


ITALIEN
Crociata neuer Generalsekretär der CEI

Am 25. September ernannte der Papst den neuen Generalsekretär der italienischen Bischofskonferenz. Der Sizilianer Mariano Crociata (55), seit Juli 2007 Bischof des süditalienischen Noto, wird sein neues Amt am 20. Oktober antreten.


KARDINÄLE
Kardinal González Zumárraga verstorben

Am 13. Oktober verstarb der ecuadorianische Kardinal Antonio José González Zumárraga. Der Erzbischof von Quito (1985 – 2003) wurde 2001 von Johannes Paul II. zum Kardinal kreiert. Am 15. Oktober setzte sich das Kardinalskollegium aus 192 Kardinälen zusammen, 116 davon wahlberechtigt.


KURIE/1
Neuer Prälat an der Akademie für Theologie und neue Konsultoren für das Büro des Päpstlichen Zeremonienmeisters

Am 24. September wurde der französische Karmelit François-Marie Lethel zum Sekretär der Päpstlichen Theologischen Akademie ernannt. Es war auch der Tag der Ernennung der neuen Konsultoren des vatikanischen Amtes für die liturgischen Feiern: Msgr. Nicola Bux, Dozent an der Theologischen Fakultät Apulien; Don Mauro Gagliardi von der Päpstlichen Hochschule „Regina Apostolorum“; Don Juan José Silvestre Valor von der Päpstlichen Universität vom Heiligen Herzen; Pater Uwe Michael Lang, Oratorianer, Beamter der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung; Pater Paul Gunter, Benediktiner von der Päpstlichen Hochschule Sankt Anselm.


KURIE/2
Neuer Relator bei der Kongregation für die Selig -und Heiligsprechungsprozesse

Am 10. Oktober wurde der neue Generalrelator der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse ernannt: Pater Vincenzo Criscuolo (58), Kapuziner aus der italienischen Provinz Salerno, kann ein an der Gregoriana erworbenes Doktorat sowie Gastsemester in München und Moskau vorweisen. Bisher war er Konsultor besagten Dikasteriums. Er tritt an die Stelle des deutschen Dominikaners Ambrosius Eszer (76), der seit den 1980er Jahren Relator war.


DIPLOMATIE/1
Montemayor Nuntius in Guinea-Bissau

Am 17. September wurde der argentinische Erzbischof Luis Mariano Montemayor, seit Juni Nuntius in Senegal und Kap Verde, sowie Delegat in Mauretanien, auch zum Päpstlichen Vertreter in Guinea-Bissau ernannt.


DIPLOMATIE/2
Neue Botschafter Bosniens und der Tschechischen Republik beim Hl. Stuhl

Am 18. September nahm der Papst das Akkreditierungsschreiben der neuen Botschafterin von Bosnien-Herzegowina beim Hl. Stuhl entgegen. Es handelt sich um Frau Jasna Krivosic-Prpic (59), in den letzten zwei Jahren Vizedirektorin der Agentur zur Förderung ausländischer Investments in Bosnien-Herzegowina.
Am 27. September war der neue Repräsentant der Tschechischen Republik an der Reihe: Pavel Vosalik (45) war in den letzten vier Jahren Botschafter in Kanada.




BENEDIKT XVI.

Papst Luciani und die Demut


Papst Luciani mit Kardinal Ratzinger. [© AP/LaPresse]

Papst Luciani mit Kardinal Ratzinger. [© AP/LaPresse]

Beim Angelus vom Sonntag, 28. September, wollte Benedikt XVI. zum 30. Todestag von Papst Johannes Paul I. seines Vorgängers gedenken: „Er wählte als Bischofswahlspruch denselben wie der hl. Karl Borromäus: Humilitas. Ein einziges Wort, welches das Wesentliche des christlichen Lebens zusammenfasst und auf die unverzichtbare Tugend dessen verweist, der in der Kirche zum Dienst der Autorität berufen ist. In einer der vier Generalaudienzen, die er während seines so kurzen Pontifikats hielt, sagte er unter anderem mit jenem vertraulichen Ton, der ihn auszeichnete: ‚Ich will hier nur eine Tugend empfehlen, die dem Herrn sehr teuer ist. Er hat gesagt: Lernt von mir, denn ich bin freundlich und von Herzen demütig… Auch wenn ihr Großes geleistet habt, sagt: Wir sind unnütze Knechte‘. Und er merkte an: ‚Bei uns allen geht die Neigung in die entgegengesetzte Richtung: hervortreten zu wollen‘ (Insegnamenti di Giovanni Paolo I, SS. 51-52). Die Demut kann als sein geistliches Testament betrachtet werden.
[...] So ist er ein unvergleichlicher Katechet gewesen auf den Spuren des hl. Pius X., seines Landsmannes und Vorgängers, zuerst auf dem Bischofsstuhl des hl. Markus und dann auf dem des hl. Petrus. ‚Vor Gott müssen wir uns gering vorkommen,‘ sagte er in derselben Audienz. Und er fügte hinzu: ‚Ich schäme mich nicht, mich wie ein Kind vor seiner Mutter zu fühlen; der Mutter glaubt man. Ich glaube an den Herrn, der sich mir geoffenbart hat‘ (op.cit., S. 49). Diese Worte zeigen die ganze Tiefe seines Glaubens. Während wir Gott dafür danken, dass er ihn der Kirche und der Welt geschenkt hat, wollen wir uns sein Vorbild zueigen machen und uns so darum bemühen, wie er jene Demut zu pflegen, die es ihm ermöglichte, zu allen zu sprechen, besonders zu den Kleinen und den sogenannten Fernstehenden. Darum bitten wir die seligste Jungfrau Maria, die demütige Magd des Herrn“ (nach L’Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 40/2008. S. 1).


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