Rubriken
Aus Nr.02/03 - 2008


FRANZ VON ASSISI.

Die sichtbare Herrlichkeit der Demut


Franziskus, Kapelle St. Gregor, Benediktinerkloster Sacro Speco, Subiaco (Rom).

Franziskus, Kapelle St. Gregor, Benediktinerkloster Sacro Speco, Subiaco (Rom).

„Auf die Frage, wie man die Gewalt des Bösen besiegen könne, gab Franz von Assisi einmal folgende Antwort: ‚Warum sollte man die Finsternis angreifen? Man muss nur ein Licht anzünden, und die Finsternis ergreift die Flucht.‘ Man muss also mit diesem ‚Angriff auf die Finsternis‘ aufhören, und zwar auf allen Gebieten. Von Angriffen, Kreuzzügen und Gegenkreuzzügen, haben wir genug!.“ So beginnt ein Artikel in der la Repubblica vom 27. Februar, wo dann noch zu lesen steht: „Aber sein Genius erweiterte den Horizont der Erkenntnis, schloss darin die Werte der Dinge mit ein, und erweiterte das Organ der Erkenntnis, indem er das Herz einfügte. Der Gesang auf die Schöpfung geht weit über das Gefühl der Verbrüderung mit der Gesamtheit der Natur hinaus. Wir können darin heute eine glückliche und vertrauensvolle Bewunderung für das erkennen, was das Sichtbare ankündigt. Nicht aber für die Sichtbarkeit des öffentlichen Lebens, der Plätze, der polis. Nicht in dieses Sichtbare übersetzt sich der Unsichtbare: das zu glauben war der schreckliche Fehler, der der Welt die Theokratie bescherte, und Italien die neuwelfische Ideologie. Und der im vergangenen Jahrhundert die rein atheistischen Formen der Theopolitik nährte: einen pragramatischen Nihilismus, der alles auf brutale oder raffinierte Machtbeziehungen verkürzt, und tatsächlich letztendlich die Kategorien des Politischen auf eine barbarische Simplifizierung mit mafiösem Anstrich reduziert hat: Freund-Feind. Etwas ganz anderes ist das Sichtbare, das von Franziskus verherrlicht wird, das des schlichten Lebens eines jeden Geschöpfes.“




ÖKUMENE.

Die Poesie des Glaubens und die Krämer des Sinngehalts


Rowan Williams, 
ILa dodicesima notte/I, 
Ancora, Mailand 2008, 
160 SS., Euro 13,00.

Rowan Williams, ILa dodicesima notte/I, Ancora, Mailand 2008, 160 SS., Euro 13,00.

Im Ancora-Verlag erschien unlängst die italienische Übersetzung eines Gedichtbands des anglikanischen Primas Rowan Williams. Titel: Die zwölfte Nacht. In der Buchrezension vom 17. März schreibt Alberto Melloni (Corriere della Sera): „Durch eine paradoxe Metamorphose wird die Bedeutung des Wortes ‚Tradition‘ in der allgemeinen Sprache der christlichen Erfahrung dafür missbraucht, für statisches Erbe, verstaubte Museumsstücke, Arroganz in der Selbstevidenz zu stehen: dabei vergisst man jedoch, dass die Kommunikation im Akt des Glaubens kein Blendwerk ist, sondern Substanz [...] Es ist also nicht aus einer schlechten Angewohnheit heraus, wenn sich im vergangenen Jahrhundert eine ‚Theologie‘ der literarischen Erfahrung entwickeln konnte, die sich, wie Jean-Pierre Jossua lehrte, auf ein dem religiösen Universum fremdes Wort konzentriert, das aber fähig ist, in den Stein der Existenz jene Inschrift zu meißeln, in der der Glaube das Geheimnis Gottes nicht als Krämer des Sinngehalts liest, sondern als Annahme einer jeden Entfernung. Und es kommt nicht von ungefähr, wenn das Wort des Glaubens – fast wie um der opportunistischen Vulgarität der ‚religiösen‘ Rede zu entfliehen – auch in dieser Zeit flieht, indem es versucht, aus jenem poetischen Register zu schöpfen, das im Laufe der Jahrhunderte die dominierende Karnalität eines Johannes vom Kreuz verwandelt oder die musikalische Perfektion eines Ephrem, des Syrers, geschmückt hat.“




POLITIK.

Die neocons, Erben von 1968


Angloamerikanische Bombenangriffe auf Bagdad 
(19. März vor fünf Jahren).

Angloamerikanische Bombenangriffe auf Bagdad (19. März vor fünf Jahren).

Am 29. Februar stand in der la Repubblica ein Artikel des bulgarischen Philosophen und Essayisten Tzvetan Todorov zu lesen, der nach Abschluss seiner Studien in seiner vom ‚Realsozialismus‘ regierten Heimat 1963 nach Frankreich ausgewandert war. Hier ein Auszug daraus: „Die politischen Parteiprogramme lassen sich in zwei große Gruppen gliedern. Die ersten versprechen das Heil. Als profaner Ersatz der Religionen sind sie der Meinung, dass die Welt, diese erbärmliche Welt, durch und durch schlecht ist und daher von einer anderen ersetzt werden muss, in der alles bestens funktionieren würde. Die anderen geben sich damit zufrieden, verschiedenste Stufen der Anpassung vorzuschlagen: die uns umgebende Welt ist – wie sie zugeben – alles andere als perfekt; daher muss man zwar hie und da etwas reformieren, aber doch auch den ein oder anderen Kompromiss hinsichtlich ihrer ehrgeizigen Hoffnungen eingehen.
Die politischen Reden von 1968 fallen eindeutig in erstere Kategorie: zum Glück war unter diesen potentiellen Revoluzzern kein zweiter Lenin. Der Plan einer radikalen und gewalttätigen Veränderung der Gesellschaft wurde jedenfalls ein paar Jahre später in anderer Form wieder ‚ausgegraben‘, im Rahmen einer zu Unrecht als ‚Neo-Konservatorismus‘ bezeichneten Doktrin, obwohl es sich doch eigentlich um ‚Neo-Revolution‘ handelt. Nur dass man dieses Mal nicht länger dem eigenen, sondern einem fremden Land das Heil garantieren wollte. Diese Doktrin wird manchmal als ‚Recht auf Einmischung‘ definiert: beschlossen wird, dass es zum Zweck, den anderen das Heil zu bringen – bzw. in diesem Fall die Demokratie und die Marktwirtschaft – legitim, bzw. sogar lobenswert ist, ihnen mit Militärgewalt ein neues Regime aufzuzwingen.“




WIRTSCHAFT.

Pinochet, der Superkapitalismus und die letzten dreißig Jahre


Auguste Pinochet.

Auguste Pinochet.

„Der freie Markt ist nicht länger Vorläufer der Demokratie, wie Milton Friedman zur Unterstützung Pinochets behauptete. Adam Smith sah dagegen die Notwendigkeit einer staatlichen Kontrolle des Marktes voraus. Laut einer Hypothese von Robert Reich, die auch in seinem Buch über den Superkapitalismus enthalten ist, gab es vor Ende der siebziger Jahre einen demokratischen Kapitalismus. Danach begann der Superkapitalismus, eine Zeit, in der der hemmungslose Wettbewerb trotz der Preissenkungen nicht nur die Demokratie schwächte, sondern auch die Freiheitsrechte, die Sicherheit am Arbeitsplatz und den Umweltschutz. Alles war dem Willen der großen Konzerne und Banken unterworfen, die allein mehr Umsatz machten als ganze Nationen.“ So Guido Rossi in la Repubblica vom 18. März.





Chiara Lubich.

Chiara Lubich.

Kirche/1
Nachruf auf Chiara Lubich

Am Dienstag, dem 18. März, fand der Trauergottesdienst für Chiara Lubich, Gründerin der Fokolar-Bewegung, statt. Sie war in der Nacht vom 13. auf den 14. März verstorben. Hier ein Auszug aus der im L’Osservatore Romano veröffentlichten Predigt des vatikanischen Staatssekretärs, Kardinal Tarcisio Bertone: „Wie soll man also die Liebe leben? Nach dem Letzten Abendmahl, beim bewegenden Abschied von den Aposteln, betete Jesus darum, dass ‚alle eins seien‘. Es ist also das Gebet Christi, das den Weg seiner Freunde in einer jeden Epoche möglich macht [...] Das 20. Jahrhundert wurde von vielen strahlenden Sternen dieser göttlichen Liebe erhellt [...] Es war auch das Jahrhundert, in dem die neuen kirchlichen Bewegungen geboren wurden, und hier ist vor allem Chiara Lubich zu nennen, mit ihrem so ganz besonderen Charisma und ihrer apostolischen Aktion. Die Gründerin der Fokolar-Bewegung, die in aller Stille und Demut wirkte, schuf keine Hilfsinstitutionen oder solche zur Förderung des Menschen, sondern war allein darum bemüht, das Feuer der Liebe Gottes in den Herzen zu entzünden.“


Kirche/2
Der tragische Tod von Msgr. Rahho

In einem Beileidstelegramm an Patriarch Emmanuel III. Delly von Bagdad bekundete Papst Benedikt XVI. (13. März) seine Trauer und seinen Schmerz über den Tod des chaldäischen Bischofs von Mossul, Paulos Faraj Rahho. Die Entführung und den Tod Rahhos bezeichnete er als inhumanen Gewaltakt, der die Menschenwürde beleidige und dem friedlichen Zusammenleben des irakischen Volkes schweren Schaden zufüge. Der Papst schrieb an den chaldäischen Kirchenführer, dass er darum bete, dass dieses tragische Ereignis dazu diene, in dem gemarterten Land Irak eine Zukunft des Friedens aufzubauen.


Kirche/3
Bruder von Papst Luciani verstorben

Am Montag, dem 10. März, verstarb Edoardo Luciani, genannt Berto, der Bruder von Papst Johannes Paul I. In dem Beileidstelegramm an den Bischof von Belluno-Feltre schrieb der Heilige Vater, nachdem er an die „herzliche Begegnung in Lorenzago di Cadore“ erinnert hatte: „Der erlesenen christlichen und menschlichen Tugenden gedenkend, insbesondere der vorbildlichen Hingabe an die Familie, des großherzigen Dienstes für die Kirche und des intensiven zivilen Engagements, erhebe ich inständige Gebete zu Gott, dass der Verstorbene, zusammen mit der geliebten Frau und dem geliebten Bruder und Papst, die ewige Seligkeit und den ewigen Frieden mit dem auferstandenen Herrn teilen möge“ (Übersetzung 30Tage).


Kardinäle
Kardinäle Dery und Suarez Rivera verstorben

Am 6. März verstarb der Afrikaner Peter Poreku Dery, emeritierter Erzbischof von Tamale, in Ghana. Er wurde 2006 von Benedikt XVI. zum Kardinal kreiert. Im Mai wäre er 90 Jahre alt geworden.
Am 22. März verstarb der mexikanische Kardinal Adolfo Antonio Suarez Rivera, Erzbischof von Monterrey von 1983 bis 2003. Zum Kardinal kreiert wurde er 1994 von Johannes Paul II.
Am 25. März setzte sich das Kardinalskollegium also aus 197 Kardinälen zusammen, 119 davon Wähler.


Dialog
Qatars erste Kirche

„Gestern wurde die erste Kirche in Qatar geweiht. Einige Tausend Gläubige nahmen an der ersten Messe teil. Zelebriert wurde sie vom indischen Kardinal Ivan Dias, Gesandter des Hl. Stuhls, der ‚Gott und dem Qatar für dieses große Geschenk‘ dankte.“ So La Stampa am Montag, 17. März. Die Rosenkranzkirche wurde auf dem Terrain erbaut, das der Emir von Qatar, Shaikh Hamad Bin Khalifa al-Thani, gestiftet hat.


Kurie/1
Untersekretär bei der Kongregation für die Institute geweihten Lebens

Am 28. Februar wurde der Zisterzienser-Pater Sebastiano Paciolla zum Untersekretär der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens ernannt. Paciolla, der bisher als Gerechtigkeitspromotor des Tribunals der Römischen Rota tätig war, wird somit der zweite Untersekretär dieses Dikasteriums – neben Sr. Enrica Rosanna.


Kurie/2
Ernennungen in der Kommission „Ecclesia Dei“
Am 13. März ernannte der Papst Msgr. Camille Perl zum Vizepräsidenten der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“, deren Sekretär er war. Am selben Tag ernannte der Papst auch Msgr. Mario Marini zum Sekretär dieses Dikasteriums, dessen beigefügter Sekretär er war.


Vatikan
Ernennungen am Institut für die religiösen Werke

Der L’Osservatore Romano veröffentlichte (am 24. Februar 2008) auf der Titelseite, aber nicht in der offiziellen Rubrik „Nostre informazioni“, die Nachricht, dass Benedikt XVI. die aus Kardinälen zusammengesetzte Aufsichtskommission des Instituts für die religiösen Werke erneuert. In ihrem Amt bestätigt wurden die Kardinäle Tarcisio Bertone, Staatssekretär und Camerlengo, sowie Attilio Nicora, Präsident der Apsa. Ex novo ernannt wurden dagegen die Kardinäle Jean-Louis Tauran (Franzose, Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog), Telesphore Placidus Toppo (Erzbischof von Ranchi, Indien) und Odilo Pedro Scherer (Erzbischof von São Paulo, Brasilien). Danach wurde dann im Bulletin Nr. 1-3 der Variazioni dell’Annuario Pontificio 2008 bekannt gegeben, dass Kardinal Bertone zum Präsidenten genannter Kommission ernannt wurde. Nichts Neues: schon Kardinal Jean Villot war gleichzeitig Staatssekretär, Camerlengo und Präsident der Aufsichtskommission der Vatikanbank IOR.


Diplomatie/1
Neue Nuntien in Kroatien, Irland, Bolivien, Ghana und in der Slowakei

Am 14. Februar wurde der sardische Erzbischof Roberto Cassari (65) zum Nuntius in Kroatien ernannt. Cassari, der 1969 die Priesterweihe empfing, ist seit 1999 Bischof und war seit 2004 Nuntius in Elfenbeinküste, Burkina Faso und Niger.
Am 22. Februar wurde der sizilianische Erzbischof Giuseppe Lenza (65) zum Nuntius in Irland ernannt. Der Priester (seit 1966) steht seit 1972 im diplomatischen Dienst des Hl. Stuhls. Stationen seiner Laufbahn als Nuntius waren: Haiti, Sambia und Malawi, Bosnien, Slowenien und Mazedonien, und – zuletzt – Bulgarien.
Am 22. Februar wurde der aus den Abruzzen stammende Msgr. Luciano Suriani (51) zum Erzbischof und apostolischen Nuntius in Bolivien ernannt. Suriani, der 1981 die Priesterweihe empfing, steht seit 1990 im diplomatischen Dienst und war in den päpstlichen Vertretungen in Elfenbeinküste, in der Schweiz, der zweiten Sektion des Staatssekretariats und – zuletzt – in der Nuntiatur in Italien tätig.
Am 1. März wurde Msgr. Leon Kalenga Badikebele (52), aus der Demokratischen Republik Kongo, zum Erzbischof und Nuntius in Ghana ernannt. Der Priester (seit 1982) ist seit 1990 im diplomatischen Dienst tätig. Stationen seiner Laufbahn waren die Nuntiatur von Haiti, Guatemala, Sambia, Brasilien, Ägypten, Simbabwe und – zuletzt – Japan.
Am 15. März wurde der aus dem Piemont stammende Erzbischof Mario Giordana (66) zum Nuntius in der Slowakei ernannt. Der Priester (seit 1967) ist seit 1976 im diplomatischen Dienst tätig. Erzbischof ist er seit 2004, dem Jahr seiner Ernennung zum Nuntius in Haiti.


Diplomatie/2
Neue Botschafter Serbiens, der USA, Boliviens und Griechenlands beim Hl. Stuhl

Am 21. Februar nahm der Papst das Akkreditierungsschreiben des neuen serbischen Botschafters beim Hl. Stuhl entgegen. Es handelt sich um Prof. Vladeta Jankovic (68), bereits Botschafter Belgrads in Großbritannien von 2001 bis 2006.
Am 29. Februar überreichte die neue Botschafterin der Vereinigten Staaten ihr Akkreditierungsschreiben. Frau Prof. Mary Ann Glendon (69) war ordentlicher Professor für Recht an der Harvard Law School von Cambridge (Massachusetts) und Präsidentin der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften.
Am 14. März überreichte der neue Botschafter von Bolivien sein Akkreditierungsschreiben: Carlos Federico de la Riva Guerra (59) war Präsident des Direktoriums des „Centro de investigación y promoción del Campesinado“ (Cipca) und Generaldirektor des Jesuitenkollegs San Calixto in La Paz.
Am 15. März wurde der neue Botschafter Griechenlands vorstellig: Miltiadis Hiskakis (58), Karrierediplomat, bereits Generalkonsul in Neapel von 1992 bis 1997, in den vergangenen zwei Jahren Generaldirektor am griechischen Außenministerium.


Diplomatie/3
Abkommen zwischen Hl. Stuhl und Andorra

Am 17. März unterzeichnete der Hl. Stuhl im Vatikan ein Abkommen mit dem Fürstentum Andorra. In einem vom Presseamt des Hl. Stuhls vorgestellten Kommuniqué wird daran erinnert, dass: „sich das Fürstentum 1993 eine Verfassung gab, die das System des Co-Fürstentums aufrecht erhält, das auf 1278 zurück geht, auf das Pontifikat von Martin IV., das die ‚paretage‘ (Abkommen oder Pakt) bestätigte. Die Co-Fürsten – der Bischof von Urgell und der französische Staatspräsident – üben die Funktion des Staatschefs in unteilbarer Form gemeinsam aus.“ „Das zwischen dem Hl. Stuhl und dem Fürstentum Andorra unterzeichnete Abkommen,“ heißt es in der vatikanischen Note weiter, „ist aus einer Präambel und 16 Artikeln zusammen gesetzt, eingeteilt in sechs Teile zu den folgenden Themen: der Bischof von Urgell, der Rechtsstatus der katholischen Kirche in Andorra, die kanonische Eheschließung, der Religionsunterricht in den Schulen, das Wirtschaftssystem der katholischen Kirche in Andorra. Abschließend sind einige Schlussverfügungen aufgelistet.“


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