Rubriken
Aus Nr.12 - 2007


PAPST

„Der Himmel ist auf die Erde gekommen “


Benedikt XVI. bei der Christmette.

Benedikt XVI. bei der Christmette.

Lesen Sie hier die Schlussworte der Predigt der von Papst Benedikt XVI. zelebrierten Christmette: „Im Stall zu Bethlehem berühren sich Himmel und Erde. Der Himmel ist auf die Erde gekommen. Deswegen kommt von dort Licht über alle Zeiten hin; deswegen entzündet sich dort Freude; deshalb wird dort Gesang geboren. Ich möchte am Schluß unserer Weihnachtsbetrachtung ein erstaunliches Wort des heiligen Augustinus zitieren. Bei der Auslegung des Vater-unser-Anrufs: ‚Vater unser in den Himmeln‘ fragt er: Was ist das – der Himmel? Und wo ist der Himmel? Darauf folgt eine überraschende Antwort: ‚… der du bist im Himmel‘, das heisst: in den Heiligen und Gerechten. Wohl ist der Himmel der erhabenste Körper des Weltalls, aber ein Körper, der nur im Raum sein kann. Glaubt man aber, dass Gott im Himmel, also im obersten Teil des Weltalls wohnt, dann sind die Vögel besser daran als wir, da sie dann in unmittelbarerer Nähe zu Gott leben würden als wir. Aber es steht nicht geschrieben: ‚Der Herr ist nahe denen, die auf Höhen oder Bergen wohnen‘, sondern: ‚Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind‘ (Ps 34 [33], 19), was sich auf die Demut bezieht. Wie der Sünder ‚Erde‘ genannt wird, so kann man im Gegensatz dazu den Gerechten ‚Himmel’ nennen‘ (Serm. in monte II 5, 17). Der Himmel gehört nicht der Geographie des Raums, sondern der Geographie des Herzens zu. Und das Herz Gottes hat sich in der Heiligen Nacht in den Stall herabgebeugt: Die Demut Gottes ist der Himmel. Und wenn wir auf diese Demut zugehen, dann berühren wir den Himmel. Dann wird auch die Erde neu. Brechen wir mit der Demut der Hirten in dieser Heiligen Nacht auf zu dem Kindlein im Stall. Berühren wir die Demut Gottes, das Herz Gottes. Dann wird seine Freude uns berühren und die Welt heller machen. Amen.“




WEIHNACHTEN

Der Pfarrer von Gaza, der Papst und die Tragödie der Palästinenser.


Palästinensische Kinder und Frauen in Gaza.

Palästinensische Kinder und Frauen in Gaza.

Manuel Musalam, einziger katholischer Pfarrer in Gaza, und Jamal N. El Khoudary, unabhängiger Parlamentarier im Gaza-Streifen und Vorsitzender des Volkskomitees gegen den Belagerungszustand haben zum Weihnachtsfest einen Appell an Papst Benedikt XVI. gerichtet. Darin bitten sie ihn, zu der Situation am Gaza-Streifen Stellung zu nehmen, die sich nach der Schließung der Grenzen durch den Staat Israel noch dramatischer gestaltet. Hier ein Auszug: „Diese unrechtmäßige Besatzung hat schwerwiegende Folgen, die haarsträubenden Verbrechen gegen die Menschenrechte wollen kein Ende nehmen. Den Menschen hier wird es nicht gestattet, sich Medikamente zu beschaffen oder sich im Ausland behandeln zu lassen! Auch die einfachsten medizinischen Geräte sind inzwischen nicht mehr zu gebrauchen, und die Israelis lassen keine Ersatzteile nach Gaza einführen. Das hat viele Patienten in eine verzweifelte Lage gebracht, zu einem inakzeptablen Medikamentenmangel geführt. Bis zum heutigen Tag sind 51 Patienten aufgrund dieser von Israel angeordneten Schließung gestorben. Mehr als 1.500 Personen schweben aus oben genannten Gründen in Lebensgefahr, bei anderen wieder hat sich der Gesundheitszustand drastisch verschlechtert, vor allem bei chronisch Kranken, Neugeborenen und alten Menschen.
Und als wäre das alles noch nicht genug, wurden nun auch alle Bau-, Entwicklungs- und Infrastruktur-Projekte auf Eis gelegt! Die dafür nötigen Hilfsgüter dürfen nicht eingeführt werden. Mehr als 3.900 Kleinbetriebe mussten inzwischen schließen, was 140.000 Menschen den Arbeitsplatz gekostet hat! Die Statistiken zeigen, dass immer mehr Menschen am Rande des Existenzminimums leben. Die humanitäre Krise nimmt immer schlimmere Ausmaße an.
Wir appellieren daher an Sie, Heiliger Vater, in der Hoffnung, dass Sie uns Gehör schenken mögen, unseren Schmerz und unser Leid mildern und sich für ein Ende der Besatzung einsetzen. Wir appellieren an Sie, damit Sie mit Ihren Predigten, die doch so sehr die Herzen und die Gewissen der Menschen rühren, ein Ende dieses Belagerungzustands fordern. Der Belagerungszustand ist eine offensichtliche Verletzung der Gesetze über die Menschenrechte, der Genfer Konventionen, ja einer jeden internationalen Menschenrechtscharta.“





Mahmud Ahmadinejad.

Mahmud Ahmadinejad.

Weihnachten/1
Schreiben des iranischen Präsidenten Ahmadinejad an den Papst

„Unter den Weihnachtsgrüßen an Benedikt XVI. befand sich überraschenderweise auch ein Schreiben von Präsident Ahmadinejad. Der iranische Leader gibt darin seiner Hoffnung Ausdruck, dass das Jahr 2008 der internationalen Gemeinschaft Ruhe und Frieden bringen möge, auf der Grundlage von ‚Gerechtigkeit und Spiritualität‘, und dass es gelingen möge, Unterdrückung und Diskriminierung unter Achtung des Völkerrechts auszuräumen. In seiner Botschaft erinnert er auch daran, dass Jesus Christus für die Muslime einer der wichtigsten Propheten ist. ‚Die Welt muss den Weisungen der göttlichen Propheten folgen – heute mehr denn jemals zuvor in der Geschichte,‘ schließ Ahmadinejad“ (la Repubblica, 27. Dezember, Artikel von Marco Politi).


Weihnachten/2
Das Jesuskind und der Weihnachtsmann

„Wenn es in meiner Macht stünde, würde ich das Bild und den Begriff des Weihnachtsmannes gesetzlich verbieten lassen. Es verletzt nämlich die pietas einer Tradition, die so viele Generationen von Kindern spüren ließ, wie eng das Heilige, das Fabelhafte und das Familiäre miteinander verflochten sind. Auch der Säkularisierung sind Grenzen des guten Geschmacks gesetzt. Das Geheimnis der Menschwerdung – der Ewige, der in die Geschichte eintritt, die Flüchtigkeit der Zeit, das verwundbare, vergängliche Fleisch – oder auch nur die Dichtung um das Jesuskind oder den Engel, die Geschenke bringen in der Gestalt eines dickbauchigen Greises mit stumpfsinnig-heiterem Gesichtsausdruck, ist nun doch ein bisschen zu viel!“. So Claudio Magris in einem Editorial vom 24. Dezember (Corriere della Sera).


Weltgeschehen/1
Hu Jintao und die Hilfe für Gläubige in Schwierigkeiten

„Vielleicht ist es nur ein schwaches, bruchstückhaftes Zeichen der Öffnung, aber das, was letzten Mittwoch in Peking geschah, ist zumindest etwas Neues: Zum ersten Mal in der Geschichte hat das Politbüro eine Begegnung zum Thema Religion anberaumt, ja sogar zwei Experten eingeladen, die über Geschichte und Situation der Religion in China sprechen sollen.
Der chinesische Präsident Hu Jintao betonte bei einer Versammlung des Politbüros der kommunistischen Partei Chinas höchstpersönlich, dass Peking die ‚Religionsfreiheit‘ unterstützt, und erklärte sich bereit, ‚den Gläubigen aller Religionen zu helfen, wenn sie sich in Schwierigkeiten befinden sollten‘.“ So der Beginn eines Artikels der Zeitung der italienischen Bischofskonferenz, Avvenire (21. Dezember 2007).


Weltgeschehen/2
Walesa und die Grenze zwischen Polen und Russland

Seit dem 21. Dezember gehören neun neue Länder, fast alle in Osteuropa, zum so genannten „Schengenraum“, der die Abschaffung systematischer Grenzkontrollen (und anderes) in den Mitgliedstaaten vorsieht. Zu diesen neun Ländern gehört auch Polen. Darauf angesprochen, erklärte der ehemalige Leader von Solidarnosc, Lech Walesa: „Für uns ist es eine Freude und eine Verantwortung. Aber auch ein mentales Problem. Unsere Ostgrenze ist nun die Grenze der gesamten Union, und dieser Standard muss aufrecht erhalten bleiben. Das versprechen wir. Wir können und dürfen aber nicht versprechen, dass diese Grenze zu einem höher und immer besser gehüteten ‚gläsernen Vorhang‘ wird. Es ist unsere Aufgabe, ihn in verantwortlicher und systematischer Weise verschwinden zu lassen. Die Stacheldrahtzäune zur Abgrenzung gegen unsere Nachbarn zu verstärken, wäre nämlich einer Nation wie der unsrigen, die Jahre lang für die Freiheit gekämpft hat, mehr als unangenehm“ (Interview: la Repubblica, 22. Dezember).


Diplomatie
Neue Nuntien in Australien und Simbabwe ernannt

Am 22. Dezember wurde Erzbischof Giuseppe Lazzaretto (65) zum Apostolischen Nuntius in Australien ernannt. Lazzaretto war seit 2000 Päpstlicher Repräsentant in Irland, und zuvor (seit 1994) Apostolischer Nuntius in Jordanien und im Irak.
Am 22. Dezember wurde auch der Apostolische Nuntius in Simbabwe ernannt: es handelt sich um den indischen Erzbischof George Kocherry (62), seit 2000 Päpstlicher Repräsentant in Ghana.


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