Kurznachrichten
LA DOCUMENTATION CATHOLIQUE.
Ratzinger und das liebliche Frankreich

Titelbild von Nr. 1/2005 der französischen Zeitschrift La documentation catholique.
La documentation catholique, die bekannte und namhafte katholische Zeitschrift Frankreichs unter der Leitung von Pater Vincent Cabanac, hat dem neuen Papst Benedikt XVI. eine Sondernummer gewidmet. Darin findet sich eine Reihe von Texten Joseph Ratzingers: vom Katholikentag in Bamberg 1966, als er noch ein einfacher Professor war, bis hin zu dem, den er in Subiaco verlesen hat, kurz vor dem Tod von Johannes Paul II. Oder der Bericht über die Ansprache, die Kardinal Ratzinger im Mai 1998 in der Villa Bonaparte hielt, Residenz des Botschafters von Frankreich beim Hl. Stuhl, wo ihm der damalige Botschafter Jean-Louis Lucet die ihm von Präsident Jacques Chirac verliehenen Insignien des „Commandeur de la Légion d’honneur“ überreichte. Bei dieser Gelegenheit gestand der damalige Präfekt des ehemaligen Heiligen Offiziums, schon immer, seit seiner Jugend ein glühender Verehrer des lieblichen Frankreich gewesen zu sein und auch ein begeisterter Leser der großen zeitgenössischen Autoren dieses Landes wie Bernanos, Mauriac, Péguy, aber auch von Laien wie Anouilh und Sartre. Nach einem Lob auf die großen französischen Theologen Congar, Daniélou und Chenu, sowie den Jesuiten de Lubac, schloß Ratzinger seine kurze Ansprache mit einem bedeutungsvollen: „Es lebe die Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland, vive la France!“.
30TAGE IN DER WELT

Titelbild des Buches von Benedikt XVI., La rivoluzione di Dio.
Die Verheißung und die Weisungen des Herrn
Bei der Eröffnung der Arbeiten der Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode, Montag, 3. Oktober 2005, hielt der Heilige Vater eine Meditation, deren Hauptteil wir hier veröffentlichen: „Hier die Frage: Ist diese Verheißung an die Weisungen gebunden? Das heißt, ist dieser Gott des Friedens nur insofern mit uns, als wir diese Weisung verwirklichen können? Welche Beziehung besteht zwischen Weisung und Verheißung? Ich würde sagen, daß es zweiseitig ist, das heißt, daß die Verheißung den Weisungen vorausgeht und diese realisierbar macht und zugleich der Verwirklichung der Weisungen nachfolgt. Das heißt, bevor wir etwas tun, ist der Gott der Liebe und des Friedens für uns offen, er ist mit uns. In der Offenbarung, die im Alten Testament begonnen hat, ist Gott uns durch seine Liebe, seinen Frieden entgegengekommen.
Und in der Menschwerdung ist er der ‚Gott mit uns‘, der Emmanuel, geworden, er ist mit uns, dieser Gott des Friedens, der unser Fleisch und Blut angenommen hat. Er ist mit uns Mensch und umfängt das ganze Menschsein. Und in der Kreuzigung und im Abstieg in das Reich des Todes ist er ganz einer von uns geworden, er geht uns mit seiner Liebe voraus, er umfängt vor allem unser Handeln. Das ist für uns ein großer Trost. Gott geht uns voraus. Er hat schon alles getan. Er hat uns Frieden, Vergebung und Liebe geschenkt. Er ist mit uns. Nur weil er mit uns ist, weil wir in der Taufe seine Gnade, in der Firmung den Heiligen Geist, im Weihesakrament seinen Sendungsauftrag empfangen haben, können wir jetzt mit seiner Gegenwart, die uns vorausgeht, handeln und mitwirken. Unser ganzes Tun, von dem die fünf Weisungen sprechen, ist ein Mitwirken, ein Mitarbeiten mit dem Gott des Friedens, der mit uns ist.
Aber das gilt so weit, als wir tatsächlich in diese Gegenwart eintreten, die er uns geschenkt hat, in dieses Geschenk, das in unserem Sein schon gegenwärtig ist. Seine Gegenwart, sein Mit-uns-Sein verstärkt sich natürlich. Und wir bitten den Herrn, er möge uns lehren, mit seiner vorausgehenden Gnade mitzuwirken, so daß er wirklich immer mit uns ist. Amen!“
Papst/2
Die Verwandlung der Welt liegt in der zerbrechlichen weißen konsekrierten Hostie
„Seinem ersten Buch als Papst, in dem seine Ansprachen in Köln enthalten sind und das nun in allen Buchhandlungen erhältlich ist, gab Benedikt XVI. den gewagten Titel: La rivoluzione di Dio. Aber der wahre Wagemut liegt dort, wo er schreibt, daß der big bang der göttlichen Revolution, deren ‚letztes Ziel die Verwandlung der Welt ist‘, in der zerbrechlichen, weißen konsekrierten Hostie, Sakrament der Realpräsenz Jesu Gott und Mensch liege. Das Bild Benedikts XVI., schweigend vor dem Altarsakrament kniend, ist inzwischen zum Schlüsselbild dieses Pontifikats geworden. So war es im August mit den Millionen Gläubigen in Köln. Und so war es auch Mitte Oktober mit den Hunderttausend Erstkommunionkindern auf dem Petersplatz. Und so war es auch mit den 250 Bischöfen und Kardinälen, die sich in Rom zur Bischofssynode versammelt hatten, zur feierlichen eucharistischen Anbetung vom Montag, 17. Oktober.“ So Sandro Magister im Espresso vom 27. Oktober.
Kardinäle
Caprio verstorben. Der achtzigste Geburtstag von Kardinal Falcão
Am 15. Oktober verstarb der aus Kampanien stammende Kardinal Giuseppe Caprio, 90 Jahre, emeritierter Präsident der Präfektur für die Wirtschaftsangelegenheiten des Hl. Stuhls. Am 23. Oktober konnte Kardinal José Freire Falcão, Erzbischof von Brasilia von 1984 bis 2004, seinen 80. Geburtstag feiern.
Ende Oktober setzt sich das Kardinalskollegium also aus 180 Kardinälen zusammen, 111 davon Wähler.
Kuba
Castro: „Die Kirche geht uns voraus“
„‚Die Kirche geht uns allen voraus.“ Diese vielleicht überraschendste Bemerkung Fidel Castros stammt vom vergangenen Montag in Havanna und wurde am Ende seiner Unterredung mit Kardinal Tarcisio Bertone ausgesprochen. Nach seiner Rückkehr aus Kuba erzählte der Kardinal und Erzbischof von Genua den Journalisten: „Wir unterhielten uns gerade über die Notwendigkeit, den Armen und Enterbten ihre Not lindern zu helfen, und die Pflicht, die Entwicklung der Menschen voranzutreiben: zwei Themen, die Castro sehr am Herzen liegen. An einem gewissen Punkt angelangt, bei einem Vergleich der verschiedenen Engagements zugunsten des Menschen in der kubanischen Gesellschaft, aber nicht nur in dieser, hat sich der líder máximo dann zu dieser Bemerkung hinreißen lassen.“ So der Anfang eines in Avvenire am 13. Oktober veröffentlichten Artikels über die Reise des Erzbischofs von Genua nach Kuba Anfang Oktober.
Russland
Befreiung von den Polen nimmt Platz der Oktoberrevolution ein
Oktoberrevolution, das Fest ist vorbei. Auf Beschluß Putins feiern die Russen die 1612 erfolgte Befreiung von den Polen. So der Titel eines Artikels über die Entscheidung, die Feier der russischen Revolution abzuschaffen (Corriere della Sera, 5. November).
USA/1
Cheney, Rumsfeld
und die Kabale
„George Bush?“ ‚Ein Cowboy?. Die Achse Cheney-Rumsfeld? ‚Eine geheime Kabale?“. So der ehemalige US-Außenminister Colin Powell laut seinem rechten Arm, Oberst Larry Wilkerson. Die Erklärungen des Obersts wurden in der italienischen Tageszeitung la Stampa am 21. Oktober wiederaufgegriffen. Wilkerson kritisierte die Achse Cheney-Rumsfeld auch wegen ihrer „potentiell verheerenden Beschlüsse den Irak, Nordkorea, wie auch interne Krisen wie Wirbelsturm Catherina betreffend.“
USA/2
Die geheimen Gefängnisse des CIA
in Polen
und Rumänien
So lautet der Titel eines Artikels des Corriere della Sera (4. November), in dem sich all das findet, was in den Tagen zuvor in der Washington Post und in der Financial Times veröffentlicht wurde und was die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ bezüglich der sogenannten „black sites“ enthüllte, jener Stätten nämlich, wo vermeintliche Terroristen von CIA-Agenten – außerhalb des Territoriums der USA – gefoltert wurden. Ein Umstand, der von den Autoritäten der betroffenen Ostländer dementiert wurde; entsprechende Ermittlungen seitens der EU-Kommission sind bereits im Gange.
Irak/1
„Warum haben wir 18 Kinder getötet?“
Das Weiße Haus ermittelt gerade im Massaker von Ramadi, wo mehr als 70 irakische Zivilisten, darunter 18 Kinder, von US-Bomben getötet wurden. „Das hat der Pressesprecher des Weißen Hauses, Scott McClennan, bekanntgegeben, beim briefing im Weißen Haus von der Journalistin Helen Thomas in die Enge getrieben, die ihm viermal dieselbe eindringliche Frage stellte: „Warum haben wir 18 Kinder getötet?“ (La Repubblica, 19. Oktober).
Irak/2
Die Dokumente Saddams
und Mussolinis
Am 19. Oktober erschien in der Stampa ein Artikel aus der Feder von Igor Man über den Saddam Hussein im Irak gemachten Prozess. Hier ein Auszug: „Beim Prozess kann man ihn also ruhig reden lassen, ohne Furcht: die Schuld des Westens, der ihn (schlecht) benutzte, um Khomeini loszuwerden, kennen wir, wir haben sie bereits verdaut und es sind keine ‚kompromittierenden‘ Dokumente mehr im Umlauf, wie jene (angeblichen oder wahren), mit denen Mussolini, wenn man ihm den Prozess gemacht hätte, den ein oder anderen angelsächsischen Leader in Verlegenheit gebracht hätte (warum man sich auch davor hütete, ihn reden zu lassen). Das ist eine andere Geschichte, düster, aber leicht zu interpretieren.“
Ernennungen/1
Pater Lombardi
Generaldirektor
von Radio Vatikan
Am 5. November ernannte der Papst den neuen Generaldirektor von Radio Vatikan: Pater Federico Lombardi (63 Jahre), aus dem italienischen Saluzzo, seit 1991 Direktor der Programme dieses Radiosenders. Pater Lombardi tritt damit die Nachfolge des 72jährigen Paters Pasquale Borgomeo an. Der Neapolitaner leitete Radio Vatikan seit 1985.
Ebenfalls am 5. November ernannte der Kardinalstaatssekretär den neuen Programmdirektor: den 65jährigen Polen Pater Andrzej Koprowski, seit 2003 Vize von Pater Lombardi.
ErnennuNgen/2
Valentinetti
Erzbischof von
Pescara-Penne
Am 4. November wurde der 53jährige Tommaso Valentinetti, seit 2000 Bischof von Termoli-Larino, zum Erzbischof von Pescara-Penne ernannt. Valentinetti, seit 1977 Priester seiner Heimatdiözese Lanciano-Ortona, war Student des Almo Collegio Capranica.
Diplomatie
Neuer russischer Repräsentant beim Hl. Stuhl
Am 28. Oktober empfing der Papst den neuen Repräsentanten der Russischen Föderation beim Hl. Stuhl in Audienz: Nikolay Sadchikov (59 Jahre), Karrierediplomat, seit 2001 Botschafter in Schweden. Da die russische Vertretung im Vatikan bisher noch nicht über den Rang der Botschaft verfügt, blieben der rituelle Austausch von Grußadressen zwischen Papst und neuem Diplomaten aus.
KIRCHE
Die Krankensalbung darf nur von Priestern (Bischöfe und Presbyter) gespendet werden

Die Krankensalbung auf einer Miniatur aus dem 15. Jh.
Der Osservatore Romano vom 21.Oktober (italienischsprachige Ausgabe, S. 5) veröffentlichte die folgende Note über das Spenden des Sakraments der Krankensalbung: „Der Codex des kanonischen Rechtes greift in can. 1003 § 1 (vgl. auch can. 739 § 1 des Codex der Kanones der Orientalischen Kirchen) genau die vom Konzil von Trient formulierte Lehre auf (Sessio XIV, Kanon 4: DS 1719; vgl. auch Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1516), gemäß der nur Priester (Bischöfe und Presbyter) die Spender des Sakraments der Krankensalbung sind.
Diese Lehre ist endgültig zu halten (definitive tenenda). Weder Diakone noch Laien können deshalb den genannten Dienst ausüben und jegliche Handlung in diesem Sinn stellt eine Vortäuschung des Sakraments dar.“
Fragliche Note trägt das Datum des 11. Februar und die Unterschrift des damaligen Kardinals und Präfekten Joseph Ratzinger, sowie des Sekretärs, Erzbischof Angelo Amato. Die Note wurde im Osservatore Romano zusammen mit einem nicht gezeichneten Kommentar veröffentlicht.