Rubriken
Aus Nr.11 - 2004




KARDINÄLE/1 Ratzinger: „Die Kirche kann sich nicht mit der Kategorie ‚Westen‘ identifizieren“
„Die Kirche kann sich wesensgemäß nicht mit der Kategorie ‚Westen‘ identifizieren. Das wäre nicht nur historisch, sondern auch empirisch und theologisch falsch. Historisch betrachtet wissen wir, daß das Christentum am Schnittpunkt von Europa, Asien und Afrika entstanden ist, und das sagt auch etwas über sein inneres Wesen [...]. Am Anfang bewegte sich die Ausbreitung des Christentums gleicherweise nach Osten – in Richtung China, Indien, Persien, Arabien – wie auch nach Westen. Bedauerlicherweise ist ein großer Teil dieser östlichen Christengemeinden nach dem Aufkommen des Islam untergegangen; wenn auch nicht gänzlich – immerhin gibt es noch Reste dieser historischen Christengemeinden, die Zeugnis geben für dessen Universalität. Auch das europäische Christentum teilt sich in ein westliches und in ein östliches [...]. Empirisch gesehen haben wir nicht nur dieses große historische Erbe – das Christentum ist, als Minderheit von anerkannter spiritueller Kraft, in allen Kontinenten anwesend. Die Achse des Christentums verschiebt sich zusehends nach den neuen Kontinenten: Afrika, Asien, Lateinamerika. Europa ist für die Entwicklung des Christentums immer noch eine wesentliche Quelle, doch nun stellt sich Europa mit der Diskussion um seine Identität selbst an den Rand. Theologisch betrachtet sollte die Kirche, da sie von ihrem Wesen her die Kulturen übersteigt, ein Faktum sein, das nicht an eine bestimmte Kultur gebunden ist, sondern die Befreiung aus dem Kerker einer Kultur und die Kommunikation unter den Kulturen begünstigt.“ So Kardinal Joseph Ratzinger, Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, bei einem Dialogstreffen mit Professor Ernesto Galli della Loggia im Palazzo Colonna in Rom am 25. Oktober 2004. Die Debatte leitete Ing. Gaetano Rebecchini, Präsident des Zentrums für politische Orientierung, das die Begegnung organisiert hatte.


KARDINÄLE/2 López Trujillo: „Bushs Sieg wichtiger Moment für uns“
„Dieser Moment ist ein sehr wichtiger für uns, weil der Sieg Bushs nur auf moralische Werte gegründet ist.“ So der Kommentar des kolumbianischen Kardinals Alfonso López Trujillo bei der Plenarversammlung des Päpstlichen Rates für die Familie (Vatikan, 18.-20. November). Die Stellungnahme López Trujillos, der dem vatikanischen Dikasterium seit 1990 vorsteht, wurden vom Catholic News Service wiederaufgegriffen, Presseagentur des US-Episkopats (18. November).


KARDINÄLE/3 Kardinäle Joos und Aramburu verstorben
Am 2. November verstarb der belgische Kardinal Gustaaf Joos. Den 81jährigen verband eine langjährige Freundschaft mit Karol Wojtyla, von dem er am 21. Oktober 2003 den Kardinalspurpur erhalten hatte.
Am 18. November verstarb der argentinische Kardinal Juan Carlos Aramburu im Alter von 92 Jahren. Aramburu, von 1975 bis 1990 Erzbischof von Buenos Aires, war 1976 von Paul VI. zum Kardinal kreiert worden.
Ende November setzte sich das Kardinalskollegium also aus 185 Kardinälen zusammen, von denen 122 in einem eventuellen Konklave wahlberechtigt wären, da noch nicht 80 Jahre alt. Ein Alter, das Kardinal Giovanni Saldarini, Erzbischof von Turin von 1989 bis 1999, am 11. Dezember erreichen wird.


KURIE/1 Erzbischof Sardi Vize-Camerlengo
Am 23. Oktober wurde Erzbischof Paolo Sardi, apostolischer Nuntius mit Sonderaufgaben im Staatssekretariat, zum Vize-Camerlengo der Heiligen Römischen Kirche ernannt. Er trat damit an die Stelle des 99jährigen Ettore Cunial, ehemaliger Vicegerente des Vikariats Rom. Der 70jährige Sardi, aus der Diözese Acqui, praktisch der Ghostwriter des Papstes, wird also nun auch Vize des Camerlengo, Kardinal Eduardo Martínez Somalo. Der 77jährige war in der Vergangenheit Präfekt der Kongregation für die Institute geweihten Lebens. Mit der Figur des Vize-Camerlengo befaßt sich Artikel 171 der apostolischen Konstitution Pastor Bonus, wo es unter Paragraph 1 heißt: „Die Apostolische Kammer, der ein Kardinal als Camerlengo der hl. Römischen Kirche vorsteht, den der Vize-Camerlengo gemeinsam mit den übrigen Prälaten der Kammer unterstützt, erfüllt vor allem die Aufgaben, die ihm in dem Spezialgesetz über die Sedisvakanz zugewiesen werden.“


KURIE/2 Neuer Prälat-Auditor bei der Römischen Rota
Am 24. November wurde Msgr. Abdou Yaacoub, libanesischer Maronit, zum Prälat-Auditor der Römischen Rota ernannt. Er wird damit Nachfolger des Spaniers Francisco López-Illana, der am 18. November 75 Jahre alt wurde.


DIPLOMATIE Neue Botschafter des Iran und Irak am Hl. Stuhl
Am 29. Oktober überreichte Mohammad Javad Faridzade, neuer Botschafter des Iran am Hl. Stuhl, dem Papst sein Beglaubigungsschreiben. Der Repräsentant Teherans ist 51 Jahre alt, hat in Deutschland Philosophie, in seiner Heimat Literatur studiert, und war in den letzten drei Jahren Sonderrepräsentant des Staatspräsidenten für kulturelle und internationale politische Angelegenheiten. In seiner Ansprache sagte der Papst u.a.: „Der Hl. Stuhl zählt auf die Unterstützung der iranischen Behörden bei dem Bemühen, den im Iran lebenden katholischen Gläubigen – wie auch den anderen Christen – die Freiheit zu ermöglichen, ihre Religion zu bekennen und die Anerkennung der Rechtspersönlichkeit der kirchlichen Einrichtungen voranzutreiben...“ Der neue iranische Botschafter dagegen meinte: „Die religiösen Denker können, auf der Grundlage der heiligen Bücher, nicht nur ein tiefes Verständnis der Menschenrechte erlangen, sondern sind sogar in der Lage, deren theologische und theosophische Ursachen zu erklären.“ Der Osservatore Romano hat – was keine Selbstverständlichkeit ist – beide Ansprachen, die des Papstes und die des iranischen Botschafters – in italienischer Übersetzung veröffentlicht (30. Oktober).
Am 15. November war der neue Botschafter des Irak an der Reihe. Der 45jährige Albert Edward Ismail Yelda, Christ der alt-assyrischen Kirche (Monophysiten), leistete von 1987 bis 2003 irakischen Einwanderern in London Rechtsbeistand. Zu ihm sagte der Papst u.a.: „Möge die Regierung Ihres Landes unermüdlich daran arbeiten, Kontraste und Konflikte durch Dialog und Verhandlungen zu lösen, und nur im Extremfall auf die militärische Kraft zurückgreifen.“ Am 4. November empfing Johannes Paul II. auch den irakischen Ministerpräsidenten Ayad Allawi.


IRAK Die Flucht der Christen
„Es wäre recht paradox, wenn unter dem Konsulat von George W. Bush, der keine Ministerratssitzung ohne ein Gebet beginnt, eine der ältesten christlichen Gemeinschaften des Ostens verschwinden würde.“ So endet ein Artikel im Pariser Le Figaro (29. November), der der „beunruhigenden Flucht der Christen“ aus dem „Irak nach Saddam“ gewidmet war.


KOSOVO Noch immer Klöster im Visier
Am 13. Oktober wurde in Rom der Dokumentarfilm Enklave Kosovo von Elisabetta Valgiusti vorgestellt. Die Initiative ging von der Vereinigung „Rettet die Klöster“ aus (im Internet: www.salvaimonasteri.org). Daran teilgenommen haben u.a. Tomás Spidlik, der Botschafter Serbiens und Montenegros beim Hl. Stuhl, Darko Tanaskovic, die Abgeordneten Gustavo Selva (AN, Präsident der Kommission für Äußeres der Abgeordnetenkammer) und Luana Zanella (Grüne-Olivenbaum), sowie Frau Professor Marie-Paule Roudil. Außer der Französin, die das für den Balkan zuständige UNESCO-Büro in Venedig leitet, waren auch die Mönche Sava und Xenofon des orthodoxen Klosters von Decani und Msgr. Miguel Maury Buendía anwesend, der seit kurzem in der Zweiten Sektion des Staatssekretariats für den Balkan zuständig ist. Der fragliche Dokumentarfilm liefert ein beeindruckendes Bild der systematischen Zerstörung der orthodoxen Klöster in der Provinz des derzeit unter UNO-Administration stehenden, ehemaligen Jugoslawien. Erst im März dieses Jahres wurden 35 Klöster von albanischen Extremisten zerstört.


ITALIEN Msgr. Marino Bischof von Avellino
Am 13. November wurde der 49jährige Msgr. Francesco Marino, aus dem Klerus von Aversa, zum Bischof von Avellino ernannt. Der in der Provinz Caserta geborene Marino, seit 1979 Priester, bekleidet das Amt des Pfarrers, des Dechanten und des Diözesanassistenten der katholischen Aktion.


POLITIK/1 Bertinotti und der hl. Franz
„Wenn die Kirche in Krise ist, muß der hl. Franz her, eine leise, keine gewalttätige Revolution, wenn auch stets eine radikale, die dich unweigerlich mit dem Thema der Armen und der Gleichheit konfrontiert.“ So Fausto Bertinotti in einem Interview über die Identität der Linken (la Repubblica, 9. November).


POLITIK/2 Taufe im Latium
Am 16. November wurde in der Kapelle der Region Latium eine außergewöhnliche Taufe gefeiert. Ein Neugeborenes konnte dank einer Vereinigung getauft werden, die in Schwierigkeiten befindlichen Müttern hilft, anonym zu entbinden. Getauft wurde das Kleine von Kardinal Giovanni Battista Re, Präfekt der Kongregation für die Bischöfe; als Taufpate fungierte kein Geringerer als der Vorsitzende der Region, Francesco Storace. Die Nachricht von der Taufe stand tags darauf in der Repubblica zu lesen, in einem Artikel mit dem Titel: Taufe in der Region. Storace fungiert als „Papalino“ [Päpstlicher Soldat zu Zeiten des Kirchenstaates].


POLITIK/3 Pannella, Solidarität und Nekrophilie
Marco Pannella hat bei einer Debatte mit Giuliano Ferrara geleugnet, daß Rocco Buttiglione, der mit seiner Kandidatur für das Amt des Europakommissars eine Abfuhr erhielt, Opfer eines „antikatholischen Vorurteils“ geworden sei. Pannella fragte die Laien dann: „Wie habt ihr es geschafft“, in Solidarität „auf dem Blut Buttigliones zu unterzeichnen? Die Nekrophilie ist ein Wesenszug der Faschisten.“ Die Worte des radikalen Leaders standen am 9. November in der Unità zu lesen.


BÜCHER/1 Bianchi: „In der Kirche mehr Militante denn Jünger“
So lautet der Titel einer Buchbesprechung von Enzo Bianchi, die am 6. November in la Stampa zu lesen stand. Besagtes Buch stammt von Alberto Melloni und heißt Chiesa madre, Chiesa matrigna (Einaudi, Euro 7,00). Bianchi stellt vor allem den der Vergebung gewidmeten Teil heraus. Und schreibt: „Der wahre Knoten, den es zu lösen gilt, scheint der einer Kirche zu sein, die sich, nachdem sie alle mit ihrer Fähigkeit überrascht hat, für die im Laufe der Jahrhunderte von ‚einigen ihrer Söhne‘ – auch sehr illustren – begangenen Fehler um Vergebung zu bitten, dennoch immer schwerer dabei tut, zu vergeben, die Frohe Botschaft von der Barmherzigkeit Gottes den Männern und Frauen unserer Zeit zu verkünden. Allzu oft werden die Gläubigen, und nicht nur sie, mit ihren Schwächen und Ängsten kategorischen Imperativen gegenüber alleingelassen [...]. Und hier erklärt der Verfasser, die Grenzen der heutigen Pastoral herausstellend, die vielleicht allzu sehr damit beschäftigt ist, Militante zu schaffen, anstatt Jünger heranzubilden, daß die ‚Erfahrung der Kirche als aktive Mutter – die Kirche, die uns in den Jahreszeiten unseres Lebens begleitet, uns in das innere Leben einführt – immer seltener wird.


BÜCHER/2 Wenn der Teufel Petrus bezwingt

So lautet der Titel der langen Rezension (Corriere della Sera, 25. November) des Romans Angels and Demons, jüngstes Werk von Dan Brown, ein Thriller mit symbolisch-religiösem Hintergrund, der in Rom spielt, während des Konklaves. Brown ist auch der Verfasser des Bestsellers The da Vinci Code.




KIRCHE.

Die Übergabe der Reliquien


Der ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., und Papst Johannes Paul II.

Der ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., und Papst Johannes Paul II.

Am Samstag, 27. November, überreichte Johannes Paul II. im Rahmen einer ökumenischen Feier in der vatikanischen Basilika Bartholomaios I. einen Teil der seit Jahrhunderten in St. Peter verehrten Reliquien der Heiligen Gregor von Nazianz und Johannes Chrysostomos, Bischöfe von Konstantinopel und Kirchenlehrer. Bei der Feier, die mit griechischen, lateinischen und italienischen Gesängen angereichert war, wurde auch das Gedicht Zu Christus von Gregor von Nazianz verlesen: „Was für eine Tyrannei soll das sein? / Ich bin zu Leben gekommen – gut / aber warum schüttelt es mich mit seinen gewaltigen Wogen? / Ein kühnes Wort möchte ich sagen, ja, ein kühnes, aber ich will es sagen: / wenn ich nicht Dein wäre, oh mein Christus, welch Ungerechtigkeit! / Wir werden geboren, gehen zugrunde, erreichen das Ende. / Ich schlafe, ruhe, bin wach, schreite einher. / Da sind wir nun, krank, da gesund, / da sind wir, im Vergnügen, da in der Plage. / Wir haben Anteil an den sonnigen Jahreszeiten und an den Früchten der Erde. / Wir sterben und unser Fleisch verwest: / das ist das Los der Tiere / die, wie niedrig auch immer, doch ohne Schuld sind. / Was habe ich also mehr als sie? / Nichts, außer Gott: / wenn ich nicht Dein wäre, oh mein Christus, welch Ungerechtigkeit!“.




KIRCHE.

Tettamanzi und Don Gnocchi


Don Gnocchi mit kriegsversehrten Kindern.

Don Gnocchi mit kriegsversehrten Kindern.

Kardinal Dionigi Tettamanzi zeichnet für die Vorstellung des Buches verantwortlich, das Giorgio Cosmacini über das Lebenswerk Don Gnocchis geschrieben hat: La mia baracca. Storia della Fondazione Don Gnocchi (Laterza-Verlag, 28 Euro). Die italienische Tageszeitung Corriere della Sera berichtete am 23. November in einem Artikel mit dem Titel Auf der Seite der Kinder darüber. Hier ein Auszug: „Es ist immer wieder ergreifend zu lesen, wie Don Gnocchi erkannte, wie wertvoll und notwendig es war, daß er sein Leben so vollkommen in den Dienst verwaister und kriegsversehrter Kinder stellte. Er hatte einmal den kleinen Marco im Krankenhaus aufgesucht, ‚das einzige überlebende der vier Kinder, die unglückseligerweise auf einem Minenfeld gespielt hatten‘. Der Junge war schrecklich zugerichtet [...]. Don Carlo fragte ihn, an wen er denke, wenn er all die schmerzlichen Behandlungen über sich ergehen lassen müsse. ‚An niemanden,‘ hatte der Kleine geantwortet. Und als Don Carlo nicht locker ließ, ihm den Gedanken an Gott nahe bringen wollte, hatte Marco, eingeschüchtert und verwirrt, geantwortet: ‚Ich verstehe nicht, was Sie meinen!‘. Und da verstand Don Carlo: ‚Genau in diesem Moment hatte ich die untrügliche, fast schon materielle Erkenntnis eines nicht wieder gutzumachenden Unheils: des Verlusts eines Schatzes, wertvoller noch als das Gemälde eines berühmten Malers oder als ein Diamant von unschätzbarem Wert.‘ Wie konnte man ihn wiedererlangen? Für Don Carlo – den Priester, den Gläubigen, den Heiligen, der er war – gab es nur eine Antwort: ‚Der gekreuzigte Christus, in dem der Schmerz eines Unschuldigen einen Wert erhalten und Rechtfertigung finden kann‘.“




AUSSTELLUNGEN.

Die Gestalt Marias


Die von Silvio Capparoni 
gemalte Unbefleckte Empfängnis, die Papst 
Pius IX. den Konzeptionisten-Patres schenkte.

Die von Silvio Capparoni gemalte Unbefleckte Empfängnis, die Papst Pius IX. den Konzeptionisten-Patres schenkte.

Zum 150. Jahrestag der Verkündigung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis durch Papst Pius IX. (8. Dezember 1854) wurde eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst (Werke auf Papier) zur Gestalt Marias organisiert. Dabei wird eine Begegnung mit Pater Basilio Gavazzeni zu folgendem Thema stattfinden: „Die Gestalt Marias in Mel Gibsons The passion of Christ.“ Die Ausstellung, unter Schirmherrschaft der erzbischöflichen Kurie von Matera-Irsina, ist vom 4. bis zum 27. Dezember geöffnet und findet im Pfarrsaal der Immaculata in Matera, Via Cererie, statt. Öffnungszeiten: 9.00-11.00 und 16.00-19.00.




DIALOG.

Scalfari und das Vaterunser


Ein Bild aus dem italienischen Katechismus-Büchlein Dottrina Cristiana.

Ein Bild aus dem italienischen Katechismus-Büchlein Dottrina Cristiana.

Im Venerdi vom 9. November, Wochenbeilage der italienischen Tageszeitung la Repubblica, antwortet Eugenio Scalfari auf einen Leserbrief wie folgt: „Ihren Verweis auf die Gebete, die auch ich als Kind so eifrig betete, habe ich hoch interessant gefunden. Ich weiß also, was Sie meinen, wenn Sie vom Vaterunser sprechen. In dem, nach Bekräftigung der Transzendenz, zwei moralisch wesentliche ‚Anrufungen‘ enthalten sind. Die erste ist die zur Vergebung der Sünden: vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern, und hier ist in wenigen Worten das Prinzip der Solidarität und der Nächstenliebe zusammengefasst. Die zweite Anrufung ist die letzte: liberas nos a malo, erlöse uns von dem Bösen, unterstütze uns in dem Kampf, den wir mit eigener Kraft angehen müssen, in dem Wissen, daß Du, Herr, unsere Stütze sein wirst. Wenn die Katholiken, die einzelnen Katholiken, aus diesem Stoff gemacht sind, ist der Dialog auch mit den nicht an die Religionen Glaubenden, nicht nur möglich, sondern auch wünschenswert und fruchtbar.“


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