Kurznachrichten
VERGEBUNG.
Totti und die Muttergottes von der göttlichen Liebe

Die Muttergottesdarstellung im Marienheiligtum Divino Amore.
„Heilige Muttergottes von der göttlichen Liebe, ich bitte dich um Vergebung und bete, daß du mich nie verläßt. Dein Francesco.“ Dieses Gebet hat der Spieler [der Fußballelf „Roma“] mit der Nr. 10 auf einen Zettel geschrieben, den er in das Trikot eingewickelt hatte, das er am 14. Juni trug. Totti gab einem Priester, Don Fernando Altieri (der den Fußballstar schon von Kindesbeinen an kennt), das Trikot und den Zettel mit der Bitte, es zum Sanktuarium zu bringen. Totti hat den Weg des Glaubens gewählt, um seinen Fauxpax wieder gut zu machen. „Die schönste Weise, um Entschuldigung zu bitten,“ wie er erklärte, „ist, sich an den einzigen zu wenden, der wirklich verzeihen kann. Und gerade deshalb war es mir ein Anliegen, der Muttergottes von der göttlichen Liebe mein Trikot zu bringen. Ihr vertraue ich mich an, und bin im Frieden mit Gott und mit den Menschen.“ So la Repubblica am Sonntag, 4. Juli.
Papst/1
Ich teile Euren Wunsch nach einem Patriarchat, aber...
„Ich teile Euren auch im kanonischen Recht und den Weisungen des Konzils gründenden Wunsch nach einer vollständigen kirchenrechtlichen Konfiguration. Ich teile ihn im Gebet und auch im Leiden, in der Erwartung des von Gott bestimmten Tages, an dem ich als Nachfolger Petri die reife Frucht der kirchlichen Entwicklung bestätigen kann. In der Zwischenzeit könnt Ihr versichert sein, daß Eurer Anliegen einer genauen Überprüfung unterzogen wird, auch im Licht der Beurteilungen anderer christlicher Kirchen.“ Das sagte Johannes Paul II. zu den Mitgliedern des Ständigen Synods der griechisch-katholischen ukrainischen Kirche – unter der Leitung von Kardinal Lubomyr Husar –, die er am 3. Juni in Audienz empfangen hat. Der Papst hat es zwar nicht genau präzisiert, aber der hier angesprochene Wunsch ist die Schaffung eines Patriarchats mit Sitz in Kiew.
Papst/2
Besonderes Jahr der Eucharistie für 2004-2005 angekündigt
„Mit Freude kündige ich jetzt ein ‚besonderes Jahr der Eucharistie‘ an. Es wird mit dem Eucharistischen Weltkongress beginnen, der für die Zeit vom 10. bis 17. Oktober 2004 in Guadalajara (Mexiko) vorgesehen ist, und wird mit der nächsten Ordentlichen Versammlung der Bischofssynode enden, die im Vatikan vom 2. bis 29. Oktober stattfinden wird.“ So der Papst am 10. Juni am Hochfest des Leibes und Blutes Christi (zitiert nach L’Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 18. Juni 2004, S. 7).
Kirche
Erdogan: Begegnung mit den katholischen Bischöfen
Am 21. Juni empfing der muslimische Minister Recep Tayyip Erdogan zum ersten Mal die katholischen Bischöfe der Türkei. So zu lesen in der on-line-Rubrik des Espresso von Sandro Magister. „Erdogan hat die Bischöfe bei der Begegnung gebeten, den Beitritt der Türkei zur Europäischen Union zu unterstützen,“ weiß der Journalist zu berichten. „Er war sichtlich erfreut, als sie ihm mitteilten, daß ihre Bischofskonferenz bereits dem Rat der Bischofskonferenzen Europas angehört. Er versicherte, daß die Schaffung einer bilateralen Kommission vorgesehen sei, die sich mit der Frage des rechtlichen Status der Kirche befassen wird und kündigte ein Dekret an, mit dem den Assumptionisten-Padres die in der Vergangenheit konfiszierten Gebäude wieder zurückgegeben werden würden.“
Kardinäle/1
Sodano Päpstlicher Legat bei der Beerdigung Reagans
Am 9. Juni veröffentlichte der Osservatore Romano das vom Papst unterzeichnete Beileidstelegramm zum Tode des ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan. Reagan war am 5. Juni verstorben. Unter dem Telegramm-Text wurde die Ernennung von Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano zum „Päpstlichen Legaten“ bei der am 11. Juni in Washington stattfindenden Beerdigung angekündigt. Es kommt nicht oft vor, daß der Kardinalstaatssekretär vom Papst zur Beerdigung kirchlicher oder weltlicher Persönlichkeiten geschickt wird. Der Fall war das zum letzten Mal 1993 bei der Beerdigung von König Baudouin, der von Mutter Teresa von Kalkutta im Jahr 1997 sowie der des Kardinals von New York, John Joseph O’ Connor im Jahr 2000.
Kardinäle/2
Kardinal Lehman und Hans Küng
„Das Ereignis ist, daß der Kritiker-Fürst Küng zum ersten Mal bei einem hochoffiziellen kirchlichen Ereignis wie dem Treffen der Katholiken an einer Debatte mit einem Kirchenfürsten teilnimmt. Zum Thema: Konzil und Zukunft der Katholizität.“ So Marco Politi in einem Artikel (la Repubblica), in dem der Journalist zum Katholikentag Bilanz zog, an dem Tausende von Gläubigen teilnehmen und der dieses Jahr in Ulm abgehalten wurde (16. bis 20. Juni). In dem am 20. Juni veröffentlichten Artikel mit dem Titel Und der Häretiker traf den Kardinal wurde der Höhepunkt des Meetings herausgestellt, nämlich die Debatte zwischen dem Theologen Hans Küng und Kardinal Karl Lehmann, Präsident der deutschen Bischofskonferenz. Hier der Schluß des Artikels: „Das Publikum lauscht gebannt, applaudiert, lärmt, pfeift mal den einen, mal den anderen der höflich Duellierenden aus. Als Küng sagt, er hätte gern einen Papst, der weniger reist und stattdessen die Interkommunion der Christen zuläßt und die Kultusdiener der verschiedenen Kirchen nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit anerkennt, wurde unwilliges Murmeln laut angesichts dieser unverblümten Kritik an den Papstreisen, aber auch Applaus für den Gedanken einer gemeinsamen Kommunion mit Protestanten und Orthodoxen. Am Ende der Debatte verlangt die Menge lautstark einen Händedruck; ein Wunsch, dem die beiden auch gerne nachkommen. Küng gibt dem Wunsch Ausdruck, daß im Konklave viele Kardinäle sind, die so denken wie Lehmann und einen Johannes XXIV. wählen. Sachlicher dagegen der Kardinal, der einräumt, von strittigen Punkten einmal abgesehen, nie an dem gezweifelt zu haben, was Küng auf dem Gebiet der Theologie geleistet hat. Und auf die Frage, ob er die Konfrontation nicht gefürchtet hätte, meint er, daß es wichtig sei, eine Kirche zu zeigen, die Dialog und Diskussion nicht fürchtet. Ob sie wohl wirklich einen Johannes XXIV. wählen werden? Wer weiß, welchen Namen er haben wird, meint er da nur lachend.“ Was natürlich – wie wir noch anfügen wollen – noch in weiter Ferne liegt.
Kardinäle/3
Tettamanzi: Demut, Mut und Weisheit
„Natürlich wissen wir, wie komplex die politische Situation in Israel ist, und doch sind wir hierher nach Jerusalem gekommen mit dem Traum vom Frieden, beseelt von einem Verlangen, das christlich, aber auch zutiefst menschlich ist. Der Frieden hat einen Preis, man kann ihn nur erreichen, wenn jeder der Kontrahenten nachgibt und zu einer Versöhnungsgeste bereit ist.“. Ein Auszug aus der Ansprache des Kardinals von Mailand, Dionigi Tettamanzi, an der israelischen Knesset (Parlament), wiederaufgegriffen in einem Artikel der italienischen Tageszeitung la Repubblica (22. Juni). Hier ein weiterer Auszug: „Ich habe in diesen Tagen viel Leid gesehen – sagte der Kardinal zu den Abgeordneten – aber auch viele kleine Momente des Friedens und der Aussöhnung. Der Bau des Friedens auf der Welt ist unser aller Pflicht. Eine notwendige und große Pflicht. Die Komplexität der Realität darf nicht durch die Träumerei derer banalisiert werden, die den Frieden wollen, sondern jeder der Kontrahenten in diesem Konflikt muß fähig sein, nachzugeben, einen Schritt in Richtung Dialog und Aussöhnung zu gehen. Und dazu braucht man Demut, Mut und Weisheit.“
Kardinäle/4
Scola: Verlangendes Ich und Opfer
„Die Schwäche des derzeitigen christlichen Angebots liegt in der Unfähigkeit, die anthropologische, soziale und kosmologische Implikation der Geheimnisse unseres Glaubens aufzuzeigen.“ Ein Auszug aus dem Interview, das der Patriarch von Venedig, Angelo Scola, Marco Politi gewährte (la Repubblica, 27. Juni). In dem Interview sprach der Patriarch das Thema der Lust und des Genusses an: „‚Es geht darum, zu akzeptieren, daß die Erfüllung des Verlangens nicht in der Reichweite meines verlangenden Ichs liegt. Das ist der springende Punkt. Die Tatsache, daß der Horizont meines Verlangens das Unendliche ist, bedeutet nicht, daß ich es auch befriedigen kann.‘ Was bedeutet? ‚Um es zu befriedigen, muß ich über den anderen gehen, mein Verlangen begegnet dem Opfer, weil der andere mir stets gleichgültig ist. Das Geheimnis liegt darin, zu verstehen, daß das Verlangen nicht dort endet, wo das Opfer anfängt und das Wollen nicht endet, wo die Pflicht beginnt. Das Opfer ist die Wahrheit des Verlangens. Die Pflicht gehört zum Wollen‘.“ Tags darauf kommentierte Sandro Magister in der von ihm betreuten on-line-Rubrik des Espresso: „Das Interview wird als Auftakt zu einer neuen Serie mit den‚neuen italienischen Kardinälen‘ angekündigt. Und da ist es nur recht und billig, daß man mit Scola beginnt, dessen Stern im Steigen begriffen ist und der zusehends als Top-Papst-Anwärter gehandelt wird.“
Religion
„Nächtlicher Hammerer“ in Venedig
Sommerlicher Vandalismus in Venedig. Beschädigt wurden das Kapitell der Iustitia im Palazzo Ducale und zwei Statuen einer Kirche. In La Stampa vom 29. Juni stand zu lesen, wie ein Geistesgestörter gegen die Darstellung von „Gott, der dem Moses die Tafel der 10 Gebote reicht, wütete. Durch die Hammerschläge wurden den beiden Figuren die Arme abgeschlagen, wie auch die Gesetzestafel. Der ‚nächtliche Hammerer‘ hat auch den Statuen desMarkus und Franziskus die Arme abgehackt“, die sich an der Außenfassade der Erlöserkirche befinden. Tags darauf wurde von einem weiteren Vandalismus berichtet, dieses Mal gegen ein Basrelief, die sog. ‚Madonna di Quintavalle‘, nahe der Kirche San Pietro di Castello, auf der das Jesuskind im Arm der Muttergottes dargestellt ist, die dem Petrus die Schlüssel des Himmelreiches reicht. Dieses Mal fielen den Hammerschlägen „die Tiara und die Hand des Petrus zum Opfer, die Hand der Muttergottes, die das Kind hält, der Heiligenschein und der Schlüssel, den letztere dem Menschenfischer überreicht.“ Am 30. Juni wurde der „Hammerer“ gefaßt. Es handelte sich um einen Ingenieur mit psychischen Problemen.
Bush/1
Auszeichnung für Wojtyla
Bei seinem Besuch im Vatikan hat der US-Präsident den Papst mit der wichtigsten Auszeichnung der Staaten geehrt, der „Presidential Medal of Freedom“. Nach seiner Rückkehr in die Staaten zeichnete Bush auch andere Persönlichkeiten mit dieser Medaille aus, darunter den Journalisten Norman Podhoretz, einen New Yorker Intellektuellen jüdischer Herkunft, der als „Großvater“ der Neokonservativen gilt. Podhoretz, der 35 Jahre lang die Zeitschrift Commentary leitete, hat bei dieser Gelegenheit nicht nur betont, die Lehre des Präventivkrieges zu befürworten, sondern mit einem Buch, das er zu schreiben beabsichtigt, noch weitergehen zu wollen. Die New York Times vom 24. Juni schrieb, daß sich der provisorische Titel des Buches auf die Ära bezieht, die mit den Attentaten vom 11. September eingeleitet wurde: Der vierte Weltkrieg: wie er begonnen hat, welche Bedeutung ihm zukommt und warum wir ihn gewinnen müssen.
Bush/2
Ja zu Kondomen
„Von der Kanzel der Baptistenkirche in Philadelphia, vor einer schwarzen, applaudierenden Versammlung, schlägt George W. Bush, Apostel der Sexabstinenz als Mittel gegen Aids, zum ersten Mal in Amerika auch den Rückgriff auf Kondome vor, um dem Übel Einhalt zu gebieten. Er tut das zwar mit einem gewissen Widerstreben, rät zuerst und vor allem die sog. ABC-Formel an, die sich in Uganda – wie er betont – bewährt hat: erstens Abstinenz, dann eheliche Treue, und schließlich ‚wenn angebracht, Kondome‘.“ So beginnt ein Artikel des Corriere della Sera vom 25. Juni, in dem erklärt wird, daß ABC von abstain (sei abstinent), be faithful (sei treu), und condoms (Kondome) kommt.“
Bush/3
Türkei in Europa und die Theorie vom Zusammenprall der Zivilisationen
Bush: Europa ist kein christlicher Club, laßt die Türken rein. So lautet der Titel eines Artikels, der am 30. Juni in La Stampa veröffentlicht wurde, anläßlich des Besuches Bushs in der Türkei. In besagtem Artikel wird die Ansprache des US-Präsidenten an der Universität von Galatasaray wiederaufgegriffen. La Stampa gibt die Worte Bushs wie folgt wider: „Der Eintritt Ankaras wird beweisen, daß Europa kein exklusiver Club einer einzigen Religion ist und wird die Theorie des Konflikts der Zivilisationen als einen von der Geschichte überholten Mythos erscheinen lassen.“ Eine Erklärung, auf die der französische Präsident Jacques Chirac entgegnete: „Wir sind die Alliierten, nicht die Diener der Amerikaner.“
Europäische Wahlen
Der Papst und die Propaganda der Radikalen
Im Laufe der Wahlpropaganda für die europäischen Wahlen wurde vielen Italienern ein Propaganda-Pamphlet der radikalen Partei mit einem großen Foto geschickt, auf dem Emma Bonino und Marco Pannella im Gespräch mit Papst Wojtyla zu sehen sind. Keine gute Idee, angesichts der Tatsache, daß die Radikalen erst in jüngster Vergangenheit im Europäischen Parlament eine Kampagne ins Rollen gebracht hatten, die darauf abzielte, den Hl. Stuhl seiner Rolle als Beobachter bei den Vereinten Nationen zu entledigen.
Spanien
Barcelona neu gegliedert, Tarragona ans Opus Dei
Am 15. Juni wurde die Neugliederung der Erzdiözese Barcelona angekündigt. Sie zerfällt mit den neuen Diözesen in drei Teile: Terrassa und Sant Feliu de Llobregat. Zugleich wurde Barcelona, bisher direkt dem Hl. Stuhl unterstellt, Metropolitan-Erzdiözese mit den beiden neu geschaffenen Diözesen als Suffraganbistümern. Ebenfalls am 15. Juni wurde dem Rücktrittsgesuch von Kardinal Ricardo María Carles Gordó stattgegeben. Er wird im November 78 Jahr alt und hat bisher die katalanische Erzdiözese geleitet. Zu seinem Nachfolger wurde Lluis Martínez Sistach ernannt. Der 67jährige gebürtige Barceloner war 1987 bereits Weihbischof seiner Stadt, 1991 Bischof von Tortosa und seit 1997 Erzbischof von Tarragona. Für die Leitung letzterer Erzdiözese wurde Jaume Pujol Balcells ernannt. Der 60jährige Priester ist der erste Angehörige des vom sel. Josemaría Escrivá de Balaguer gegründeten Klerus des Opus Dei auf spanischem Boden.
Diplomatie/1
Neuer Botschafter Spaniens
Am 18. Juni überreichte der neue Botschafter Spaniens beim Hl. Stuhl sein Beglaubigungsschreiben: Jorge Dezcallar de Mazarredo ist ein 59jähriger Karrierediplomat. Er war bereits Botschafter in Marokko und im letzten Vierjahresmandat als Direktor des Oberen Informationszentrums für die Verteidigung tätig. In seiner Ansprache an den neuen Botschafter betonte der Papst u.a. das Recht, „in einem Elternhaus geboren zu werden und aufzuwachsen, in dem Stabilität herrscht und die Worte Vater und Mutter mit Freude und ohne Täuschung ausgesprochen werden können.“ „Die wahren ‚sozialen Errungenschaften‘, meinte der Papst dann noch, „sind jene, die das Leben eines jeden und gleichzeitig auch das Gemeinwohl der Gesellschaft fördern und schützen.“
Am 21. Juni empfing Johannes Paul II. den neuen spanischen Ministerpräsidenten in Audienz, den Sozialisten José Luis Rodríguez Zapatero.
Diplomatie/2
Hl. Stuhl: Aufgepaßt auf die nicht anerkannten Ritterorden
Es ist üblich, daß die im Vatikan akkreditierten Diplomaten „davon absehen, Ritterorden beizutreten, die nicht an den Hl. Stuhl gebunden sind, auch wenn sie Heiligen gewidmet sind oder religiöse Namen haben.“ So ein kürzlich in Umlauf gebrachtes Rundschreiben der Ersten Sektion des Staatssekretariats, das an alle am Vatikan akkreditierten diplomatischen Vertretungen geschickt wurde und in dem es um „die Traditionen bezüglich des Umgangs mit Ehrungen und der Annahme derselben“ geht. In dem Rundschreiben wird betont, daß es sich bei den vom Hl. Stuhl anerkannten Ritterorden um folgende zwei handelt: Den souveränen militärischenMalteser Ritterorden und den Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Außerdem wird auch daran erinnert, daß traditionsgemäß „hohe Regierungsvertreter während ihres Aufenthalts in Rom für die Papst-Audienzen keine Ehrenauszeichnungen annehmen, die nicht vom Hl. Stuhl anerkannt sind.“ Besagtes, auf französisch abgefaßtes Rundschreiben trägt das Datum des 27. April.
Ich teile Euren Wunsch nach einem Patriarchat, aber...
„Ich teile Euren auch im kanonischen Recht und den Weisungen des Konzils gründenden Wunsch nach einer vollständigen kirchenrechtlichen Konfiguration. Ich teile ihn im Gebet und auch im Leiden, in der Erwartung des von Gott bestimmten Tages, an dem ich als Nachfolger Petri die reife Frucht der kirchlichen Entwicklung bestätigen kann. In der Zwischenzeit könnt Ihr versichert sein, daß Eurer Anliegen einer genauen Überprüfung unterzogen wird, auch im Licht der Beurteilungen anderer christlicher Kirchen.“ Das sagte Johannes Paul II. zu den Mitgliedern des Ständigen Synods der griechisch-katholischen ukrainischen Kirche – unter der Leitung von Kardinal Lubomyr Husar –, die er am 3. Juni in Audienz empfangen hat. Der Papst hat es zwar nicht genau präzisiert, aber der hier angesprochene Wunsch ist die Schaffung eines Patriarchats mit Sitz in Kiew.
Papst/2
Besonderes Jahr der Eucharistie für 2004-2005 angekündigt
„Mit Freude kündige ich jetzt ein ‚besonderes Jahr der Eucharistie‘ an. Es wird mit dem Eucharistischen Weltkongress beginnen, der für die Zeit vom 10. bis 17. Oktober 2004 in Guadalajara (Mexiko) vorgesehen ist, und wird mit der nächsten Ordentlichen Versammlung der Bischofssynode enden, die im Vatikan vom 2. bis 29. Oktober stattfinden wird.“ So der Papst am 10. Juni am Hochfest des Leibes und Blutes Christi (zitiert nach L’Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 18. Juni 2004, S. 7).
Kirche
Erdogan: Begegnung mit den katholischen Bischöfen
Am 21. Juni empfing der muslimische Minister Recep Tayyip Erdogan zum ersten Mal die katholischen Bischöfe der Türkei. So zu lesen in der on-line-Rubrik des Espresso von Sandro Magister. „Erdogan hat die Bischöfe bei der Begegnung gebeten, den Beitritt der Türkei zur Europäischen Union zu unterstützen,“ weiß der Journalist zu berichten. „Er war sichtlich erfreut, als sie ihm mitteilten, daß ihre Bischofskonferenz bereits dem Rat der Bischofskonferenzen Europas angehört. Er versicherte, daß die Schaffung einer bilateralen Kommission vorgesehen sei, die sich mit der Frage des rechtlichen Status der Kirche befassen wird und kündigte ein Dekret an, mit dem den Assumptionisten-Padres die in der Vergangenheit konfiszierten Gebäude wieder zurückgegeben werden würden.“
Kardinäle/1
Sodano Päpstlicher Legat bei der Beerdigung Reagans
Am 9. Juni veröffentlichte der Osservatore Romano das vom Papst unterzeichnete Beileidstelegramm zum Tode des ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan. Reagan war am 5. Juni verstorben. Unter dem Telegramm-Text wurde die Ernennung von Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano zum „Päpstlichen Legaten“ bei der am 11. Juni in Washington stattfindenden Beerdigung angekündigt. Es kommt nicht oft vor, daß der Kardinalstaatssekretär vom Papst zur Beerdigung kirchlicher oder weltlicher Persönlichkeiten geschickt wird. Der Fall war das zum letzten Mal 1993 bei der Beerdigung von König Baudouin, der von Mutter Teresa von Kalkutta im Jahr 1997 sowie der des Kardinals von New York, John Joseph O’ Connor im Jahr 2000.
Kardinäle/2
Kardinal Lehman und Hans Küng
„Das Ereignis ist, daß der Kritiker-Fürst Küng zum ersten Mal bei einem hochoffiziellen kirchlichen Ereignis wie dem Treffen der Katholiken an einer Debatte mit einem Kirchenfürsten teilnimmt. Zum Thema: Konzil und Zukunft der Katholizität.“ So Marco Politi in einem Artikel (la Repubblica), in dem der Journalist zum Katholikentag Bilanz zog, an dem Tausende von Gläubigen teilnehmen und der dieses Jahr in Ulm abgehalten wurde (16. bis 20. Juni). In dem am 20. Juni veröffentlichten Artikel mit dem Titel Und der Häretiker traf den Kardinal wurde der Höhepunkt des Meetings herausgestellt, nämlich die Debatte zwischen dem Theologen Hans Küng und Kardinal Karl Lehmann, Präsident der deutschen Bischofskonferenz. Hier der Schluß des Artikels: „Das Publikum lauscht gebannt, applaudiert, lärmt, pfeift mal den einen, mal den anderen der höflich Duellierenden aus. Als Küng sagt, er hätte gern einen Papst, der weniger reist und stattdessen die Interkommunion der Christen zuläßt und die Kultusdiener der verschiedenen Kirchen nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit anerkennt, wurde unwilliges Murmeln laut angesichts dieser unverblümten Kritik an den Papstreisen, aber auch Applaus für den Gedanken einer gemeinsamen Kommunion mit Protestanten und Orthodoxen. Am Ende der Debatte verlangt die Menge lautstark einen Händedruck; ein Wunsch, dem die beiden auch gerne nachkommen. Küng gibt dem Wunsch Ausdruck, daß im Konklave viele Kardinäle sind, die so denken wie Lehmann und einen Johannes XXIV. wählen. Sachlicher dagegen der Kardinal, der einräumt, von strittigen Punkten einmal abgesehen, nie an dem gezweifelt zu haben, was Küng auf dem Gebiet der Theologie geleistet hat. Und auf die Frage, ob er die Konfrontation nicht gefürchtet hätte, meint er, daß es wichtig sei, eine Kirche zu zeigen, die Dialog und Diskussion nicht fürchtet. Ob sie wohl wirklich einen Johannes XXIV. wählen werden? Wer weiß, welchen Namen er haben wird, meint er da nur lachend.“ Was natürlich – wie wir noch anfügen wollen – noch in weiter Ferne liegt.
Kardinäle/3
Tettamanzi: Demut, Mut und Weisheit
„Natürlich wissen wir, wie komplex die politische Situation in Israel ist, und doch sind wir hierher nach Jerusalem gekommen mit dem Traum vom Frieden, beseelt von einem Verlangen, das christlich, aber auch zutiefst menschlich ist. Der Frieden hat einen Preis, man kann ihn nur erreichen, wenn jeder der Kontrahenten nachgibt und zu einer Versöhnungsgeste bereit ist.“. Ein Auszug aus der Ansprache des Kardinals von Mailand, Dionigi Tettamanzi, an der israelischen Knesset (Parlament), wiederaufgegriffen in einem Artikel der italienischen Tageszeitung la Repubblica (22. Juni). Hier ein weiterer Auszug: „Ich habe in diesen Tagen viel Leid gesehen – sagte der Kardinal zu den Abgeordneten – aber auch viele kleine Momente des Friedens und der Aussöhnung. Der Bau des Friedens auf der Welt ist unser aller Pflicht. Eine notwendige und große Pflicht. Die Komplexität der Realität darf nicht durch die Träumerei derer banalisiert werden, die den Frieden wollen, sondern jeder der Kontrahenten in diesem Konflikt muß fähig sein, nachzugeben, einen Schritt in Richtung Dialog und Aussöhnung zu gehen. Und dazu braucht man Demut, Mut und Weisheit.“
Kardinäle/4
Scola: Verlangendes Ich und Opfer
„Die Schwäche des derzeitigen christlichen Angebots liegt in der Unfähigkeit, die anthropologische, soziale und kosmologische Implikation der Geheimnisse unseres Glaubens aufzuzeigen.“ Ein Auszug aus dem Interview, das der Patriarch von Venedig, Angelo Scola, Marco Politi gewährte (la Repubblica, 27. Juni). In dem Interview sprach der Patriarch das Thema der Lust und des Genusses an: „‚Es geht darum, zu akzeptieren, daß die Erfüllung des Verlangens nicht in der Reichweite meines verlangenden Ichs liegt. Das ist der springende Punkt. Die Tatsache, daß der Horizont meines Verlangens das Unendliche ist, bedeutet nicht, daß ich es auch befriedigen kann.‘ Was bedeutet? ‚Um es zu befriedigen, muß ich über den anderen gehen, mein Verlangen begegnet dem Opfer, weil der andere mir stets gleichgültig ist. Das Geheimnis liegt darin, zu verstehen, daß das Verlangen nicht dort endet, wo das Opfer anfängt und das Wollen nicht endet, wo die Pflicht beginnt. Das Opfer ist die Wahrheit des Verlangens. Die Pflicht gehört zum Wollen‘.“ Tags darauf kommentierte Sandro Magister in der von ihm betreuten on-line-Rubrik des Espresso: „Das Interview wird als Auftakt zu einer neuen Serie mit den‚neuen italienischen Kardinälen‘ angekündigt. Und da ist es nur recht und billig, daß man mit Scola beginnt, dessen Stern im Steigen begriffen ist und der zusehends als Top-Papst-Anwärter gehandelt wird.“
Religion
„Nächtlicher Hammerer“ in Venedig
Sommerlicher Vandalismus in Venedig. Beschädigt wurden das Kapitell der Iustitia im Palazzo Ducale und zwei Statuen einer Kirche. In La Stampa vom 29. Juni stand zu lesen, wie ein Geistesgestörter gegen die Darstellung von „Gott, der dem Moses die Tafel der 10 Gebote reicht, wütete. Durch die Hammerschläge wurden den beiden Figuren die Arme abgeschlagen, wie auch die Gesetzestafel. Der ‚nächtliche Hammerer‘ hat auch den Statuen desMarkus und Franziskus die Arme abgehackt“, die sich an der Außenfassade der Erlöserkirche befinden. Tags darauf wurde von einem weiteren Vandalismus berichtet, dieses Mal gegen ein Basrelief, die sog. ‚Madonna di Quintavalle‘, nahe der Kirche San Pietro di Castello, auf der das Jesuskind im Arm der Muttergottes dargestellt ist, die dem Petrus die Schlüssel des Himmelreiches reicht. Dieses Mal fielen den Hammerschlägen „die Tiara und die Hand des Petrus zum Opfer, die Hand der Muttergottes, die das Kind hält, der Heiligenschein und der Schlüssel, den letztere dem Menschenfischer überreicht.“ Am 30. Juni wurde der „Hammerer“ gefaßt. Es handelte sich um einen Ingenieur mit psychischen Problemen.
Bush/1
Auszeichnung für Wojtyla
Bei seinem Besuch im Vatikan hat der US-Präsident den Papst mit der wichtigsten Auszeichnung der Staaten geehrt, der „Presidential Medal of Freedom“. Nach seiner Rückkehr in die Staaten zeichnete Bush auch andere Persönlichkeiten mit dieser Medaille aus, darunter den Journalisten Norman Podhoretz, einen New Yorker Intellektuellen jüdischer Herkunft, der als „Großvater“ der Neokonservativen gilt. Podhoretz, der 35 Jahre lang die Zeitschrift Commentary leitete, hat bei dieser Gelegenheit nicht nur betont, die Lehre des Präventivkrieges zu befürworten, sondern mit einem Buch, das er zu schreiben beabsichtigt, noch weitergehen zu wollen. Die New York Times vom 24. Juni schrieb, daß sich der provisorische Titel des Buches auf die Ära bezieht, die mit den Attentaten vom 11. September eingeleitet wurde: Der vierte Weltkrieg: wie er begonnen hat, welche Bedeutung ihm zukommt und warum wir ihn gewinnen müssen.
Bush/2
Ja zu Kondomen
„Von der Kanzel der Baptistenkirche in Philadelphia, vor einer schwarzen, applaudierenden Versammlung, schlägt George W. Bush, Apostel der Sexabstinenz als Mittel gegen Aids, zum ersten Mal in Amerika auch den Rückgriff auf Kondome vor, um dem Übel Einhalt zu gebieten. Er tut das zwar mit einem gewissen Widerstreben, rät zuerst und vor allem die sog. ABC-Formel an, die sich in Uganda – wie er betont – bewährt hat: erstens Abstinenz, dann eheliche Treue, und schließlich ‚wenn angebracht, Kondome‘.“ So beginnt ein Artikel des Corriere della Sera vom 25. Juni, in dem erklärt wird, daß ABC von abstain (sei abstinent), be faithful (sei treu), und condoms (Kondome) kommt.“
Bush/3
Türkei in Europa und die Theorie vom Zusammenprall der Zivilisationen
Bush: Europa ist kein christlicher Club, laßt die Türken rein. So lautet der Titel eines Artikels, der am 30. Juni in La Stampa veröffentlicht wurde, anläßlich des Besuches Bushs in der Türkei. In besagtem Artikel wird die Ansprache des US-Präsidenten an der Universität von Galatasaray wiederaufgegriffen. La Stampa gibt die Worte Bushs wie folgt wider: „Der Eintritt Ankaras wird beweisen, daß Europa kein exklusiver Club einer einzigen Religion ist und wird die Theorie des Konflikts der Zivilisationen als einen von der Geschichte überholten Mythos erscheinen lassen.“ Eine Erklärung, auf die der französische Präsident Jacques Chirac entgegnete: „Wir sind die Alliierten, nicht die Diener der Amerikaner.“
Europäische Wahlen
Der Papst und die Propaganda der Radikalen
Im Laufe der Wahlpropaganda für die europäischen Wahlen wurde vielen Italienern ein Propaganda-Pamphlet der radikalen Partei mit einem großen Foto geschickt, auf dem Emma Bonino und Marco Pannella im Gespräch mit Papst Wojtyla zu sehen sind. Keine gute Idee, angesichts der Tatsache, daß die Radikalen erst in jüngster Vergangenheit im Europäischen Parlament eine Kampagne ins Rollen gebracht hatten, die darauf abzielte, den Hl. Stuhl seiner Rolle als Beobachter bei den Vereinten Nationen zu entledigen.
Spanien
Barcelona neu gegliedert, Tarragona ans Opus Dei
Am 15. Juni wurde die Neugliederung der Erzdiözese Barcelona angekündigt. Sie zerfällt mit den neuen Diözesen in drei Teile: Terrassa und Sant Feliu de Llobregat. Zugleich wurde Barcelona, bisher direkt dem Hl. Stuhl unterstellt, Metropolitan-Erzdiözese mit den beiden neu geschaffenen Diözesen als Suffraganbistümern. Ebenfalls am 15. Juni wurde dem Rücktrittsgesuch von Kardinal Ricardo María Carles Gordó stattgegeben. Er wird im November 78 Jahr alt und hat bisher die katalanische Erzdiözese geleitet. Zu seinem Nachfolger wurde Lluis Martínez Sistach ernannt. Der 67jährige gebürtige Barceloner war 1987 bereits Weihbischof seiner Stadt, 1991 Bischof von Tortosa und seit 1997 Erzbischof von Tarragona. Für die Leitung letzterer Erzdiözese wurde Jaume Pujol Balcells ernannt. Der 60jährige Priester ist der erste Angehörige des vom sel. Josemaría Escrivá de Balaguer gegründeten Klerus des Opus Dei auf spanischem Boden.
Diplomatie/1
Neuer Botschafter Spaniens
Am 18. Juni überreichte der neue Botschafter Spaniens beim Hl. Stuhl sein Beglaubigungsschreiben: Jorge Dezcallar de Mazarredo ist ein 59jähriger Karrierediplomat. Er war bereits Botschafter in Marokko und im letzten Vierjahresmandat als Direktor des Oberen Informationszentrums für die Verteidigung tätig. In seiner Ansprache an den neuen Botschafter betonte der Papst u.a. das Recht, „in einem Elternhaus geboren zu werden und aufzuwachsen, in dem Stabilität herrscht und die Worte Vater und Mutter mit Freude und ohne Täuschung ausgesprochen werden können.“ „Die wahren ‚sozialen Errungenschaften‘, meinte der Papst dann noch, „sind jene, die das Leben eines jeden und gleichzeitig auch das Gemeinwohl der Gesellschaft fördern und schützen.“
Am 21. Juni empfing Johannes Paul II. den neuen spanischen Ministerpräsidenten in Audienz, den Sozialisten José Luis Rodríguez Zapatero.
Diplomatie/2
Hl. Stuhl: Aufgepaßt auf die nicht anerkannten Ritterorden
Es ist üblich, daß die im Vatikan akkreditierten Diplomaten „davon absehen, Ritterorden beizutreten, die nicht an den Hl. Stuhl gebunden sind, auch wenn sie Heiligen gewidmet sind oder religiöse Namen haben.“ So ein kürzlich in Umlauf gebrachtes Rundschreiben der Ersten Sektion des Staatssekretariats, das an alle am Vatikan akkreditierten diplomatischen Vertretungen geschickt wurde und in dem es um „die Traditionen bezüglich des Umgangs mit Ehrungen und der Annahme derselben“ geht. In dem Rundschreiben wird betont, daß es sich bei den vom Hl. Stuhl anerkannten Ritterorden um folgende zwei handelt: Den souveränen militärischenMalteser Ritterorden und den Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Außerdem wird auch daran erinnert, daß traditionsgemäß „hohe Regierungsvertreter während ihres Aufenthalts in Rom für die Papst-Audienzen keine Ehrenauszeichnungen annehmen, die nicht vom Hl. Stuhl anerkannt sind.“ Besagtes, auf französisch abgefaßtes Rundschreiben trägt das Datum des 27. April.
EUROPÄISCHE UNION.
Die jüdische Gemeinschaft und die jüdisch-christlichen Wurzeln

Amos Luzzatto.
GESCHICHTE
Zweiter Weltkrieg: Zehn Millionen Bitten um Hilfe an Pius XII.

Pius XII.