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Aus Nr.01 - 2004


Pisanu und der Brief Pauls VI. an die Roten Brigaden


Paul VI. mit Aldo Moro.

Paul VI. mit Aldo Moro.

„Hinter meinem Platz im Büro am Viminal [Innenministerium] hängt der Brief mit dem Appell Pauls VI. an die Roten Brigaden, jener leider gescheiterte Versuch, das Leben Aldo Moros zu retten. Ich sehe ihn mir jeden Tag an, und ich habe ihn mir auch heute morgen angesehen. Und bin jedes Mal dabei ergriffen.“ So der erste Kommentar, am 15. Januar, von Innenminister Giuseppe Pisanu zur Verhaftung zweier untergetauchter Mitglieder der Roten Brigaden, darunter auch Rita Algranati, die am 16. März 1978 an dem Überfall in der Via Fani beteiligt war, bei dem man Aldo Moro entführt und seine Leibwächter ermordet hatte.




Die Aktivisten der Erlösung


Ein Siedler wird von der israelischen Polizei verhaftet.

Ein Siedler wird von der israelischen Polizei verhaftet.

In einem Artikel in der Repubblica (23. Dezember) werden die Mitglieder der Bewegung der in Israel seit 1977 aktiven religiösen Siedler, die auf die Politik des Staates nach wie vor regen Einfluß nimmt, wie folgt definiert: „Als Kinder des Aufeinandertreffens von Zionismus und orthodoxem Judentum nähren sich die religiösen Siedler von der ‚Theologie des Bodens‘. Einer politischen Theologie, recht wenig säkularisiert, die sich auf eine besondere religiöse Glaubensüberzeugung gründet. Die, nach der nur der Besitz des gesamten Bodens Israels [...] die Wiedervereinigung des ganzen Volkes Israels unter dem Zeichen der Tora Israels ermöglichen wird. Grundbedingung für das Kommen der Erlösung, die dem Exil des Menschen von Gott ein Ende setzt und die ursprüngliche Harmonie des Universums wiederherstellt, das tikkun, das von der kosmischen Katastrophe, die das Böse geschaffen hat, unterbrochen wurde. Im Gegensatz zur jüdischen Tradition, die dem göttlichen Willen Zeit und Art der Erlösung überläßt, sind die Jünger der ‚Theologie des Bodens‘, Verfechter eines messianischen Aktivismus, der Meinung, daß die Menschen dabei eine Rolle spielen müßten, das Heilsgeschehen zu beschleunigen. Daher besiedeln sie den Boden. Der Besitz von Erez Israël wird als Katalysator eines Prozesses verstanden, der dazu bestimmt ist, das Schicksal der Welt zu entscheiden. Wer immer sich der [territorialen] Integrität von Erez Israël im Namen der Formel ‚Gebiete gegen Frieden‘ widersetzt, sei er nun Palästinenser oder Israeli, behindert nicht einen politischen Prozess, sondern ein Ereignis göttlicher Natur.“




„Neocon“ und politische Kultur des „Alten Europa“


Johannes Paul II. und José María Aznar (23. Januar 2004).

Johannes Paul II. und José María Aznar (23. Januar 2004).

Am Sonntag, dem 21. Dezember, erschien als Kommentar des Wahlergebnisses der katalanischen Generalitat (katalanisches Parlament, dessen Vorsitz an den Sozialisten Pasqual Maragall ging, und zwar dank der Unterstützung der Unabhängigkeitsverfechter von Esquerra republicana de Catalunya und der Post-Kommunisten von Initiativa per Catalunya) in der italienischen Tageszeitung la Stampa^eine interessante Analyse von Enric Juliana, stellvertretender Chefredakteur von Barcellonas Vanguardia. Hier der Schluß: „Und wie in vielen Winkeln der Erde nach dem 11. September, stehen auch in Spanien zwei verschiedene Denkweisen kurz davor, frontal zusammenzuprallen: auf der einen Seite, das „neocon“-Denken, mit seinem wichtigen Vertreter Aznar, das sich durch die Polarisierung nährt, die Auseinandersetzung nicht meidet und dazu tendiert, jedwedes Abkommen als Zeichen der Schwäche zu interpretieren; auf der anderen die politische Kultur des „Alten Europa“ (sozialdemokratisch und christdemokratisch), das zum Pakt bereit ist, auf den Föderalismus blickt, und gegen jeden frontalen Zusammenstoß ist. Die katalanische „Wende“ ist, sehr viel mehr als das schreckliche und sterile baskische Problem, der Schlüssel für eine spannende Situation, bei der ein Happy End keineswegs sicher ist.“





Papst/1
Diese erstaunliche Aussage, daß das Wort Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat

„An diesem ersten Sonntag des neuen Jahres, dem zweiten Sonntag nach Weihnachten, schlägt uns die Liturgie erneut den wundervollen Abschnitt aus dem Prolog des Evangeliums nach Johannes zur Meditation vor.
‚Im Anfang‘ – so schreibt er –‚ war das Wort‘ (Joh 1,1). Der griechische Begriff heißt ‚Logos‘, in den Gedanken des Apostels jedoch wird ein Bezug zur Weisheit hergestellt, die im Alten Testament als lenkende Kraft des Kosmos und der Geschichte beschrieben wird. ‚Das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott [...]. Alles ist durch das Wort geworden‘ (Joh 1,1.3).
Es folgt nun aber eine erstaunliche Aussage: ‚Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt‘ (Johý1,14). Gerade Johannes, der den Blick des Glaubens auf den göttlichen Ursprung Christi richtet, beharrt mit Nachdruck auf der Realität seiner Menschwerdung und stellt zwei scheinbar unvereinbare Begriffe nebeneinander: Wort und Fleisch. Ja! Jesus ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Er ist der eingeborene Sohn Gottes, den Johannes und die anderen Apostel ‚gehört‘, ‚gesehen‘, und ‚angefaßt‘ haben (vgl. 1Joh 1,1-3). In seiner Menschheit wohnt die ganze Fülle der Gottheit (vgl. Kol 2,9).
Meine Lieben! Nähern wir uns unter der Führung des Evangelisten Johannes dem Geheimnis des Kindes von Betlehem, in dem Gott sein Antlitz vollkommen offenbart hat. Verharren wir still mit der Jungfrau Maria vor dem ewigen Wort, das für uns zu einem kleinen Kind geworden ist. Damals wie heute gibt Er allen, die an seinen Namen glauben, die Macht, ‚Kinder Gottes zu werden‘ (Joh 1,12). Dies ist das Geheimnis und das Geschenk des Weihnachtsfestes!“ (zitiert nach L´Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 2/2004, S. 1).
Mit diesen Worten begann das Angelusgebet von Johannes Paul II. am Sonntag, dem 4. Januar.


Papst/2
Neujahrswünsche an die großen Völker des Fernen Ostens

„Die großen Völker des Fernen Ostens – vor allem Chinesen, Vietnamesen und Koreaner –, die in den kommenden Tagen freudig den Beginn des Mondjahres feiern, versichere ich meiner Nähe und ich wünsche Ihnen von Herzen eine Zeit des Friedens und Wohlergehens.“ So der Papst nach dem Angelus vom Sonntag, 18. Januar.


Kardinäle/1
Etchegaray: Weihnachten und das Staunen des Kindes

„Ist das wichtigste Fest Weihnachten?“. „Ganz ohne Zweifel, ja. Keiner hatte jemals Gott gesehen, und in Betlehem waren Maria, Josef, die Hirten und die Heiligen Drei Könige die ersten, die ihn in der Gestalt eines wehrlosen Neugeborenen sahen. Was könnte überwältigender sein? Wie sagte der Astronaut Armstrong? ‚Das Wichtige ist nicht, daß der Mensch auf dem Mond wandelte, sondern daß Gott in Jesus auf Erden wandelte.“ „Was braucht die Welt an diesem Heiligen Abend am meisten?“. „Wieder das Herz eines Kindes zu haben, das sich dem Leben öffnet und sich über alles wundern kann.“ Auszüge aus einem Interview mit Kardinal Roger Etchegaray (la Stampa am 21. Dezember).


Kardinäle/2
Martini: Der kleine Vorfall in Bethlehem und die Apokalypse

Die Kirche „will mit Dankbarkeit an den kleinen Vorfall in Bethlehem erinnern, der für jene, die glauben, die Weltgeschichte verändert hat und es uns ermöglicht, auch die schwierigen Momente des Lebens vertrauensvoll zu betrachten, insofern wir erleuchtet und erlöst sind von dem neuen Sinn, der den menschlichen Geschicken durch die Gegenwart des Sohnes Gottes gegeben wird. Aber man beschränkt sich nicht auf ein reines Gedenken vergangenen Geschehens. Man bekennt das Vertrauen auf das Kommen dessen, der ‚alle Tränen von ihren Augen abwischen wird‘, damit ‚der Tod nicht mehr sein wird, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal‘ (Offb 21,4), und es erneuert sich die Hoffnung, mit der wir, ‚seiner Verheißung gemäß, einen neuen Himmel und eine neue Erde erwarten, in denen die Gerechtigkeit wohnt‘ (2 Pt 3,12). Das ist auch der Grund, warum die ersten Christen, auf den letzten Seiten der Apokalypse, rufen: ‚Komm, Herr Jesus!‘.“ Ein Auszug aus einem Artikel, den Kardinal Carlo Maria Martini zu Weihnachten für la Repubblica geschrieben hat.


Kardinäle/3
Martino: Die auf das Völkerrecht vergessen

„Die Botschaft zeigt, daß eine der bedeutungsvollsten Früchte des Völkerrechtes nach der Tragödie des Zweiten Weltkrieges die Schaffung der Organisation der Vereinten Nationen war, die gerufen ist ‚über den Frieden und die Sicherheit auf globaler Ebene zu wachen, sowie das Bemühen der Staaten um die Wahrung und Gewährleistung dieser fundamentalen Güter der Menschheit zu ermutigen‘ (Nr. 6), und deren Angelpunkt ‚das Verbot der Gewaltanwendung‘ (Nr. 6) ist. Der Papst erinnert Vergeßliche daran, daß es für dieses Verbot nur zwei Ausnahmen gibt: das natürliche Recht auf legitime Verteidigung, das nach den Kriterien der Notwendigkeit und der Verhältnismäßigkeit auszuüben ist, im Rahmen der Vereinten Nationen;und das kollektive Sicherheitssystem, ‚das dem Sicherheitsrat die Zuständigkeit und Verantwortung auf dem Gebiet der Aufrechterhaltung des Friedens mit Entscheidungsvollmacht und weitgehender Ermessensfreiheit zuspricht‘ (Nr. 6).“ So lautet einer der Abschnitte der von Kardinal Renato Raffaele Martino, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, verlesenen Ansprache. Anlaß war die Vorstellung der Päpstlichen Botschaft zum am 1. Januar gefeierten 37. Weltfriedenstag.


Kardinäle/4
Ruini: In jungen Jahren im Außenfeld, um nichts anzurichten

„Ich fühle mich ihm [Kardinal Tarcisio Bertone] sehr verbunden, besonders seit er mich zum Mittelstürmer gemacht hat; in jungen Jahren wurde ich nämlich, um möglichst wenig anzurichten, immer im Außenfeld eingesetzt...“. Mit diesen „spielerischen“ Worten hat Kardinal Camillo Ruini den Erzbischof von Genua vorgestellt, der aufgefordert war, zusammen mit dem Schriftsteller Gaspare Barbiellini Amidei in der Basilica San Giovanni zu folgendem Thema Stellung zu nehmen: „Von Generation zu Generation, Familie und Weitergabe von Werten.“ Die Begegnung vom 20. Januar war Teil der Serie unter dem Motto „Dialog in der Kathedrale“. Die scherzhafte Anspielung Ruinis bezog sich auf die imaginäre „Kirchenmannschaft“ – ein Bild, das Bertone geprägt hatte, als er am 11. Januar, sozusagen als „Sportreporter“, das Spiel zwischen den italienischen Fußball-Mannschaften Sampdoria und Juventus für den regionalen Sender Telenord kommentierte (mit Gianni Vasino, bekanntes Gesicht der Sportsendung „90° minuto“). Bei dieser Gelegenheit meinte der Kardinal, auf Drängen der Journalisten, die aus Kardinälen zusammengesetzte „Mannschaft“ könnte wie folgt aussehen: Joseph Ratzinger Trainer, Angelo Sodano „Regie-Führer“, Dionigi Tettamanzi Verteidiger und Camillo Ruini Mittelstürmer...


Kardinäle/5
Kardinal Tzadua verstorben, Kardinal Korec wird achtzig

Am 11. Dezember verstarb der 82jährige äthiopische Kardinal Paulos Tzadua. Von 1977 bis 1998 war er Erzbischof von Addis Abeba.
Am 22. Januar konnte der slowakische Jesuit, Kardinal Jan Korec, seit 1990 Bischof von Nitra, seinen achtzigsten Geburtstag feiern. Das Kardinalskollegium setzte sich also an diesem Datum aus 192 Kardinälen zusammen. 130 davon sind in einem eventuellen Konklave wahlberechtigt.
Im Februar erreichen drei Kardinäle die Altersgrenze von achtzig Jahren: am 5. Februar der Inder Simon Lourdusamy, am 21. der Italiener Silvano Piovanelli und am 29. der Pole Andrzej Deskur.


Heilige/1
Brief des Papstes über die marianische Lehre des hl. Louis-Marie Grignion de Montfort.
Der hl. Johannes von Avila demnächst Kirchenlehrer

Am 13. Januar wurde ein Brief veröffentlicht, den Johannes Paul II. anläßlich des 160. Jahrestages der Veröffentlichung des Traktats über die wahre Verehrung der heiligen Jungfrau Maria des hl. Louis-Marie Grignion de Montfort, geschrieben hat. „Die Lehre dieses Heiligen,“ betonte der Papst, „hat die Marienverehrung vieler Gläubiger und mein eigenes Leben nachhaltig beeinflußt.“
Nach diesem Brief scheint sich die Hypothese, daß der hl. Louis-Marie demnächst zum Kirchenlehrer proklamiert werden könnte, zu bewahrheiten.
In pole position als künftiger Kirchenlehrer liegt dagegen Johannes von Avila, der von 1500 bis 1569 lebte. Er war ein Freund von Teresa von Avila gewesen, des hl. Johannes von Gott, sowie des hl. Francesco Borgia. Der hl. Johannes von Avila, der als einer der maßgeblicýsten Theologen des Konzils von Trient gilt, ist Patron des spanischen Diözesanklerus. Er wurde 1970 heiliggesprochen; sein „Aufstieg“ zum Kirchenlehrer wird vom spanischen Episkopat (CEE) nachhaltig unterstützt. Laut Vertretern des CEE (zitiert von der katholischen Presseagentur Aciprensa, 16. Januar) stünde der Prozess, der eingeleitet wurde, um den hl. Johannes von Avila zum Kirchenlehrer zu erklären, „kurz vor der definitiven Approbation.“


Heilige/2
Karl von Habsburg bald seliggesprochen. Isabella von Kastilien dagegen nicht

Am 20. Dezember wurden die Dekrete bezüglich der Wunder promulgiert, die der Fürsprache von vier Seligen zugeschrieben werden – darunter Gianna Beretta Molla – und von sieben Dienern Gottes – darunter Karl I. von Habsburg –, sowie die für die Anerkennung der heroischen Tugenden von sieben Dienern Gottes. Die Seligsprechung Karls von Habsburg wird voraussichtlich im Laufe des Jahres 2004 erfolgen.
Der Tag, an dem Isabella von Kastilien, die durch und durch katholische Begründerin der spanischen Monarchie, zur Ehre der Altäre erhoben wird, scheint dagegen noch in weiter Ferne zu liegen. Und das, obwohl sich in diesem Jahr ihr 500. Todestag jährt. Der Hl. Stuhl scheint in diesem Falle die Absicht zu haben, mit äußerster Vorsicht vorzugehen. Und das aus zwei Gründen: zum einen wird diese Seligsprechung nicht einhellig vom gesamten spanischen Episkopat befürwortet (die baskischen und katalanischen Bischöfe scheinen nicht dafür zu sein). Zum anderen könnte die Erinnerung an die gerade unter der Herrschaft Isabellas erfolgte Vertreibung der Juden und Schwarzen aus Spanien mit der islamischen und jüdischen Welt Probleme schaffen.


Salesianer/1
Don dal Covolo Generalpostulator der Salesianer

Am 10. Dezember wurde die Ernennung von Don Enrico dal Covolo zum neuen Generalpostulator der Salesianer bekanntgegeben. Der Großrektor, Don Pascual Chávez, machte ihn damit zum Nachfolger des Ende Oktober plötzlich verstorbenen Don Pasquale Liberatore. Der 53jährige, aus Venetien stammende Don dal Covolo wurde 1979 Priester. Seit 1986 ist er Dozent an der Fakultät für christliche und klassische Literatur der Päpstlichen Salesianer-Universität, und in diesen Jahren war er als Konsultor bei der Kongregation für die Glaubenslehre tätig. Don dal Covolo war auf begrenzte Zeit ernannt worden, war also die ganze Zeit weiterhin in die Salesiana eingebunden. Seine Aufgabe war es, die laufenden Causen und andere eventuelle dringende Fälle voranzutreiben. Eine der Causen, die Don dal Covolo von Don Liberatore „geerbt“ hat, ist die Papst Johannes Pauls I. In diesem Zusammenhang erinnert Don Enrico gern an seinen Onkel väterlicherseits, Msgr. Antonio dal Covolo, der zusammen mit Albino Luciani, übrigens ein enger Freund der Familie, Theologie studiert hatte.


Salesianer/2
Gouverneur Fazio wird Ehrendoktor

Dem Gouverneur von Bankitalia, Antonio Fazio, wurde von der Päpstlichen Salesianer-Universität der Ehrendoktortitel für Moral- und Sozialtheologie verliehen. Die Zeremonie fand am 13. Dezember statt. Anwesend waren die Kardinäle Roger Etchegaray, Agostino Cacciavillan und Antonio María Javierre Ortas, sowie Cesare Geronzi, Präsident von Capitalia. Als musikalischer Auftakt wurde ein Motett aus dem 16. Jahrhundert gesungen: Estote fortes in bello et pugnate. Vor seiner Doktoratsvorlesung zum Thema „Wirtschaft und Moralwissenschaften“ erinnerte Fazio an den Salesianer Don Domenico Villani, dem er – wie er sagte – „als geistlichem und kulturellem Ratgeber“, viel verdanke.


Krise Parmalat/1
Der Bischof von Parma

„Wir können heute nicht so tun, als gäbe es die Parmalat-Krise nicht, oder als stünde sie außerhalb der Kirche.“ Worte von Msgr. Silvio Cesare Bonicelli, Bischof von Parma, bei der Homilie der in Collecchio gefeierten Messe. Der Beitrag des Bischofs stand am 19. Januar in der Repubblica zu lesen.


Krise Parmalat/2
Ruini an die CEI

In einem von Leonardo Zega gezeichneten Artikel (veröffentlicht in la Stampaýam 20. Januar) wurden einige Stellungnahmen von namhaften Kirchenvertretern zur Krise Parmalat wiederaufgegriffen, insbesonders die Worte des Bischofs von Parma und die von Kardinal Camillo Ruini. Ruini betonte, daß „bittere Überraschungen dieser Art unweigerlich dazu führen, den Wert der Ethik wiederzuentdecken; nicht einfach als einen außerhalb der wirtschaftlichen Aktivitäten stehenden Faktor, sondern als grundlegende Bedingung für deren gesunde und konstruktive Ausübung.“ Der Artikel schließt mit folgenden Worten: „Die italienische Kirche hat wachsam und hellhörig auf eine Degenerationserscheinung aufmerksam gemacht, die schwer auf dem Leben und der Moral der Bürger liegt. Und machte auch das ein oder andere unverschuldet „Versäumte“ wieder gut. Es gab einmal eine Zeit, als ‚Cavalier‘ Tanzi von allen, Klerus eingeschlossen, hofiert wurde. Aber wer hätte etwas wissen sollen, wo selbst die Kontrolleure, Tanzi und seine engsten Mitarbeiter erklären, nie etwas bemerkt zu haben?“.


Krise Parlamat/3
Görings Boot

„Sie sagen, daß es Hermann Göring gehört hätte, und daß es nach dem Krieg als Kriegsbeute in die USA gebracht worden wäre. Sie sagen, daß der Name, Te Vega, von der schwedischen Frau des Feldmarschalls und Nazis inspiriert gewesen sei. Sie sagen auch, daß es kein Glück bringe.“ So la Repubblica am 7. Januar über das von Calisto Tanzi erworbene Boot.


Italien/1
Caffarra Erzbischof von Bologna und Nachfolger Biffis

Am 16. Dezember wurde Carlo Caffarra zum Erzbischof von Bologna ernannt. Sein Vorgänger Giacomo Biffi war am 13. Juni 2003 75 Jahre alt geworden. Caffarra ist 65 Jahre alt, stammt aus Busseto (wie Giuseppe Verdi) und ist seit 1961 Priester. Der Experte für Ehemoral und für mit der Fortpflanzung zusammenhängende Themen der Bioethik wurde 1974 von Paul VI. in die Internationale Theologenkommission gerufen, wo er zwei 5-Jahres-Mandate lang blieb. 1981 ernannte ihn Papst Wojtyla zum Leiter des neuernannten Päpstlichen Instituts „Johannes Paul II.“ für die Studien zu Ehe und Familie; 1995 ernannte er ihn zum Erzbischof von Ferrara-Comacchio, ein Amt, das er bis zur Ernennung für Bologna innehatte. Er ist einer der wenigen Kirchenmänner, die eine eigene Internet-Seite haben – www.caffarra.it –, auf der seine Fans seine Homilien und Beiträge veröffentlichen.
Bei der Kommentierung seiner Ernennung wurde festgehalten, daß die Erzdiözese Ferrara – laut eigenen Aussagen – gut 40 Priesterseminaristen hat, eine stolze Zahl, vor allem, wenn man die Größe der Diözese bedenkt (276.000 Gläubige); Bologna (919.000 Gläubige) dagegen hat 34.


Italien/2
Menichelli Erzbischof von Ancona, Pascarella Koadjutor in Pozzuoli

Am 8. Januar wurde Edoardo Menichelli zum Erzbischof von Ancona-Osimo ernannt. Der 64jährige Menichelli stammt aus der italienischen Provinz Macerata und war seit 1994 Erzbischof von Chieti-Vasto. Zuvor hatte er als Beamter der Apostolischen Signatur und der Kongregation für die Orientalischen Kirchen in der Römischen Kurie gearbeitet, wo er u.a. als Sondersekretär von Kardinal Achille Silvestrini tätig war.
Am 10. Januar wurde Gennaro Pascarella aus Cervino zum Bischof-Koadjutor von Pozzuoli ernannt. Der 56Jährige, der 1974 zum Priester geweiht wurde, war seit 1998 Bischof von Ariano Irpino-Lacedonia.


Arabien
Weihbischof für Msgr. Gremoli ernannt

Am 20. Dezember wurde der Schweizer Kapuziner Paul Hinder zum Weihbischof für das Apostolische Vikariat Arabien ernannt. Er wird dem Titular des Vikariats, dem toskanischen Kapuziner Giovanni Bernardo Gremoli, zur Seite stehen. Der 77Jährige ist seit 1975 in Abu Dhabi tätig. Nachdem Hinder seine Pastoralaktivität in der Schweiz ausgeübt hatte, war er von 1993 bis 2000 Vizepräsident der Capuchin Friars International gewesen; seit 2001 ist er Generaldefinitor seines Ordens.


Hl. Stuhl/1
De Paolis Sekretär der Signatur, Di Mauro Delegat der APSA

Am 30. Dezember wurde der Scalabrinianer Velasio de Paolis aus dem italienischen Sonnino (Provinz Latina) zum Sekretär des Obersten Gerichtshofs der Apostolischen Signatur ernannt. Er tritt an die Stelle von Francesco Saverio Salerno, der am 27. August seinen 75. Geburtstag feiern konnte. De Paolis, seit 1961 Priester, hat sein Doktorat in Kirchenrecht an der Gregoriana absolviert; sein Studium der Jurisprudenz schloß er an der römischen Universität Sapienza ab. Seit 1971 unterrichtet er an der römischen Universität Gregoriana, und seit 1987 auch an der Urbaniana, wo er seit 1998 Dekan der Fakultät für Kirchenrecht ist. Darüber hinaus ist er Konsultor an zahlreichen Dikasterien der Römischen Kurie.
Am 2. Januar wurde Msgr. Vincenzo De Mauro zum Delegierten der ordentlichen Sektion der Verwaltung der Güter des Hl. Stuhls ernannt. Der 52jährige Di Mauro, der seit 1976 Priester ist und einen Doktor in Literatur hat, war Bürochef beim Päpstlichen Rat für die Laien von 1995 bis 1998, dem Jahr, in dem er Pfarrer von Santa Maria del Caravaggio in Mailand wurde.


Hl. Stuhl/2
Stiglitz Mitglied der Akademie für Sozialwissenschaften

Am 20. Dezember wurde der 60jährige Joseph Stiglitz, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Columbia University, zum ordentlichen Mitglied der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften ernannt. Von 1993 bis 1997 war Stiglitz Chef der Wirtschaftsberater von US-Präsident Bill Clinton, sowie Vizepräsident der Wirtschaftsfachleute der Weltbank (von 1995 bis 2000). Im Jahr 2001 erhielt er den Nobelpreis für Wirtschaft.


Diplomatie/1
Erzbischof Courtney, Nuntius in Burundi, ermordet. Sein Nachfolger heißt Gallagher

Am 29. Dezember wurde der irische Erzbischof Michael Aidan Courtney, Nuntius in Burundi, ermordet. Er kehrte gerade in die Hauptstadt Bujumbura zurück, als auf seinen Jeep geschossen wurde. Courtney, der seit 2000 in dem afrikanischen Land Nuntius war, wurde dabei tödlich getroffen. Am selben Tag war im vatikanischen Staatssekretariat ein offizielles Schreiben der Behörden in Havanna eingegangen, in dem Courtneys Ernennung zum Nuntius in Kuba gutgeheißen wurde.
Zum ersten Mal – zumindest in unserer Zeit –, erlitt ein Nuntius damit einen gewaltsamen Tod. In der Vergangenheit war es höchstens vorgekommen, daß ein Nuntius ausgewiesen oder mißhandelt worden war – wie beispielsweise Anfang der Neunzigerjahre in Haiti der damalige Nuntius Giuseppe Leanza.
Am 22. Januar wurde der Name von Courtneys Nachfolger bekanntgegeben. Es handelt sich um Paul Richard Gallagher, der am Tag nach seiner Ernennung seinen 50. Geburtstag feiern konnte. Der im englischen Liverpool Geborene wurde gleichzeitig in den Erzbischofsrang erhoben. Gallagher, seit 1977 Priester, trat 1984 in den diplomatischen Dienst des Vatikan und war in Tansania, Uruguay, auf den Philippinen und in jener Sektion des Staatssekretariats tätig, die mit den Beziehungen zu den Staaten befaßt ist. Seit 2000 war er Ständiger Beobachter beim Europarat in Straßburg.


Diplomatie/2
Causero Nuntius in der Tschechischen Republik, Moliner in Äthiopien und Dschibuti

Am 10. Januar wurde Erzbischof Diego Causero zum apostolischen Nuntius in der Tschechischen Republik ernannt. Der 64jährige Causero, der 1963 zum Priester geweiht wurde, trat 1973 in den diplomatischen Dienst des Vatikans. Stationen seiner Laufbahn waren die päpstlichen Vertretungen in: Nigeria, Spanien, Syrien, Australien, Genf (UNO), Albanien. 1993 wurde er zum Erzbischof und apostolischen Nuntius in der Zentralafrikanischen Republik und im Kongo ernannt. Seit 1999 bekleidet er das Amt des Päpstlichen Vertreters in Syrien.
Am 17. Januar wurde der spanische Erzbischof Ramiro Moliner Inglés zum apostolischen Nuntius in Äthiopien und Dschibuti ernannt, sowie zum apostolischen Delegaten in Somalia. Der 63Jährige, der seit 1973 im diplomatischen Dienst tätig ist, hat bereits für die Nuntiaturen in Neuseeland, Ecuador, Costa Rica, Brasilien, Uruguay, Sudan und Großbritannien gearbeitet. 1993 wurde er Erzbischof und apostolischer Nuntius in Papua-Neuguinea und den Salomonen. Seit 1997 war er als päpstlicher Vertreter in Guatemala tätig. Bemerkenswert ist der Umstand, daß das Amt des apostolischen Delegaten in Somalia vor dieser Ernennung mit dem des Nuntius im Sudan verbunden war.


Diplomatie/3
Neue Botschafter in Paraguay, der Dominikanischen Republik, Elfenbeinküste und Indonesien

Am 9. Dezember überreichte der neue Botschafter von Paraguay beim Hl. Stuhl sein Beglaubigungsschreiben. Es handelt sich um Marcos Martínez Mendieta. Der 64jährige Karrierediplomat (seit 1967) war bereits Repräsentant in den USA und in Deutschland, und ist seit 2001 als Vizeminister für äußere Angelegenheiten tätig.
Am 15. Dezember stellte sich der neue Botschafter der Dominikanischen Republik vor, Carlos Rafael Conrado Marion-Landais Castillo. Der 63jährige Universitätsdozent war seit 1999 als Leiter des Programms für den Bau von Grundschulen in seinem Land tätig.
Am 10. Januar überreichten die neuen Botschafter von Elfenbeinküste und Indonesien ihre Beglaubigungsschreiben. Der neue Repräsentant des afrikanischen Landes heißt Kouamé Benjamin Konan. Der 54jährige Karrierediplomat war in den letzten vier Jahren erster Botschaftsrat in Südafrika. Bei dem asiatischen Repräsentanten dagegen handelt es sich um Bambang Prayitno. Der 58Jährige, auch er Karrierediplomat, war in der vergangenen Dreijahresperiode Botschaftsminister in Österreich.
Es muß noch angefügt werden, daß am 12. Dezember vier Botschafter beim Hl. Stuhl ihre Beglaubigungsschreiben überreicht haben, die nicht in der Ewigen Stadt wohnen werden. Es handelt sich um den neuen Botschafter Dänemarks (Birger Dan Nielsen, 60 Jahre, wohnhaft in der Schweiz), Singapurs (Walter Woon, 47 Jahre, Belgien), Qatars (Mohammad Jaham Abdulaziz Al-Kawari, 45 Jahre, Frankreich), Estlands (Priit Kolbre, 47 Jahre, der in seiner Heimat lebt).


Diplomatie/4
Balboni Acqua neuer Botschafter Italiens

Am 9. Januar überreichte der neue Botschafter Italiens beim Hl. Stuhl sein Beglaubigungsschreiben. Sein Name ist Giuseppe Balboni Acqua. Der 63Jährige stammt aus den Marken, genau gesagt aus Osimo, ist Karrierediplomat, verheiratet und zweifacher Vater. Von 1993 bis 1997 war er als Botschafter in Warschau tätig. „Diese Mission wird mir unvergeßlich bleiben,“ erinnerte er sich in seiner Ansprache. „Nie werde den übergroßen christlichen Eifer des polnischen Volkes vergessen, den großzügigen pastoralen Einsatz der zahlreichen kirchlichen Einrichtungen, mit denen ich Gelegenheit hatte, in Berührung zu kommen, sowie den großen Einsatz der nationalen und lokalen Zivilbehörden für das Allgemeinwohl.“


Diplomatie/5
Modifizierung des Währungsabkommens zwischen Italien und Hl. Stuhl

Am 22. Dezember kam es in der Farnesina (italienisches Außenministerium, Anm.d.Red) zum Austausch der Noten zur Modifizierung des Währungsabkommens zwischen Italien, stellvertretend für die Europäische Union, und dem Staat der Vatikanstadt (unterzeichnet im Dezember 2000). Durch diese Modifizierung wird dem Hl. Stuhl zuerkannt, sein Kontingent an Euro-Münzen mit seiner Rückseite im Vergleich zu der vor drei Jahren festgelegten Stückzahl aufzustocken (von 670tausend auf eine Million).



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