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BISCHOFSSYNODE
Aus Nr. 10 - 2005

Aus der Sicht Afrikas


Das ist auch der Grund, warum den Bischöfen der ärmsten Länder manchmal von den Gläubigen eine naive und etwas peinliche Frage gestellt wird: ob nämlich die in einem reichen Land gefeierte Eucharistie dieselbe ist wie die in einem Land, dem man alles genommen hat. Wie sollten sie auch nicht sehen, daß der Unterschied enorm ist?


Interview mit Bischof John Olorunfemi Onaiyekan von G. Cubeddu







In seiner Eigenschaft als Erzbischof von Abuja (Nigeria) und Präsident des Secam, jenes Symposiums, in dem die Bischofskonferenzen Afrikas vereint sind, nahm John Olorunfemi Onaiyekan auf päpstliche Ernennung an der Bischofssynode teil.

Exzellenz, wie würden Sie die Erfahrung als Synodenvater beschreiben?
John Olorunfemi ­Onaiyekan: Es war die fünfte Bischofssynode, an der ich teilgenommen habe, und jetzt weiß ich allmählich, was man sich erwarten darf, und was nicht.
Heute verstärkt jede Synode die Kollegialität der Bischöfe, hilft uns dabei, uns als Brüder zu fühlen, weil wir fast alle in unseren Diözesen arbeiten, aber es kann nicht vorausgesetzt werden, daß wir uns auch dessen bewußt sind, daß wir einen Leib und eine Seele bilden, vor allem dann nicht, wenn uns der Alltag in dieser Richtung alles andere als behilflich ist.
Wobei war das gewählte Thema hilfreich?
Onaiyekan: Die Eucharistie ist kein Thema am Rande, und auch kein besonderes Thema, aber sie ist das Herz der Kirche, und diese Synode hat uns über den Sinn dessen nachdenken lassen, was wir tun, weil in der Eucharistie Jesus gegenwärtig ist; da ist die Teilhabe des Volkes um den Altar herum; da ist die Kirche, die vor ihren Bräutigam tritt; da ist die Menschheitsfamilie, mit der wir die Segnung Gottes teilen, wenn wir die Kommunion empfangen. Das gesamte Leben der Kirche hat mit der Eucharistie zu tun.
John Olorunfemi Onaiyekan

John Olorunfemi Onaiyekan

Konnte man bei den Synodenvätern unterschiedliche Ansätze feststellen?
Onaiyekan: In den ersten beiden Wochen haben wir den Ausführungen eines jeden Bischofs ge­lauscht, und fast alle haben das Wort ergriffen oder einen Beitrag in scriptis geleistet.
Dann, bei unseren Treffen, sind wir uns dessen bewußt geworden, daß die Eucharistie, wenn es stimmt, daß wir ein und denselben Glauben teilen, in sehr unterschiedlichen und oft komplexen Situationen gefeiert wird. So war diese Verschiedenheit in der Einheit in allen Beiträgen der Synodenväter stets präsent. So manch einer unter uns weiß nicht, wie er die Leute in die Kirche locken kann; und dann sind da wieder andere, die nicht wissen, wo sie die vielen, die um Einlaß bitten, unterbringen sollen; anderswo warten die Gläubigen ungeduldig auf einen Priester… der niemals kommen wird, weil es an Berufungen fehlt. Zu wissen, daß auch die anderen Bischöfe dieselben Probleme haben wie Du selbst, kann manchmal hilfreich sein… Und so sind wir mit frischem Mut aus Rom abgereist, nachdem wir so viele intelligente, praktische, pastorale Anregungen dahingehend hören konnten, wie man die Schwierigkeiten überwinden kann.
Exzellenz, was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Themen der Bischofssynode?
Onaiyekan: Eine theoretische, dogmatische Frage: nämlich die, wie man den Menschen unserer Zeit das Geheimnis der Eucharistie nahebringen kann. Wir Priester wiederholen die Formeln der Tradition, aber es ist nicht gesagt, daß uns jene verstehen, die uns noch immer lauschen. So ist das, was Thomas von Aquin seinerzeit vollbracht hat – dem Menschen das Geheimnis der Eucharistie nahezubringen – auch heute unsere Arbeit. Für mich als afrikanischen Bischof auf Missionsboden, ist das nichts Neues, da wir ohnehin die theologischen Konzepte in unsere jeweiligen Ortssprachen übersetzen mußten.
Sie würden gerne das Thema der Inkulturation einbringen…
Onaiyekan: Die Inkulturation der Liturgie. Die Liturgie drückt zwar den Glauben aus, aber sie tut das gemäß der Kultur der Personen. Wie sollen wir den Glauben an die Realpräsenz Jesu Christi ausdrücken? Die einen meinen, man müßte das stehend tun, andere auf Knien, die einen ziehen vor, es in aller Stille zu tun, die einen schätzen eine unaufdringliche Hintergrundmusik, andere wieder sind sogar für laute musikalische Begleitung. Vor dem Altarsakrament können wir inbrünstig, andächtig beten. Wenn ich aber meinen Gott vor mir habe, dann will ich doch meine ganze Freude aus mir hervorbrechen lassen, komme nicht umhin, daß sie sich in einem wilden Tanz entlädt: so ist das bei den Gläubigen in Afrika. Wer das nicht versteht, mag sagen: ihr habt eben keinen Sinn fürs Heilige …
Und was denken Sie darüber?
Onaiyekan: Daß man dem Heiligen Geist, der die Kirche leitet, Vertrauen schenken soll und daß wir – wenn wir festhalten an ein und demselben Glauben – auch den Mut haben müssen, zuzulassen, daß der Heilige Geist die Inspiration dazu gibt, wie sich derselbe Glaube in verschiedenen Weisen ausdrücken kann.
Und schließlich wissen wir ja auch, daß wir bei der Feier der Eucharistie mit den Engeln und den Heiligen sind, Gott vor seinem Thron lobpreisen, für die ganze Welt. Im eucharistischen Gebet werden die Bedürfnisse der Welt die unsrigen. Das ist auch der Grund, warum den Bischöfen der ärmsten Länder manchmal von den Gläubigen eine naive und etwas peinliche Frage gestellt wird: ob nämlich die in einem reichen Land gefeierte Eucharistie dieselbe ist wie die in einem Land, dem man alles genommen hat. Wie sollten sie auch nicht sehen, daß der Unterschied enorm ist? Vielleicht – so fragen sie sich – haben diejenigen recht, die, außerhalb der Kirche, sagen, daß das immer so war und immer so sein wird? Wird dieses Unbehagen in der Kirche zumindest wahrgenommen? Diese Frage hat sich in der Synodenaula vernehmen lassen – wenn auch nur unterschwellig – und ich bin sicher, daß sie demnächst wiederaufgenommen wird.
Die Medien haben sich jedoch auf andere Synodendebatten über die Eucharistie konzentriert.
Onaiyekan: Wir sind daran gewohnt zu sagen, daß es Sünder gibt, die von der Eucharistie ausgeschlossen sein müssen. Normalerweise meint man damit im Westen die wiederverheirateten Geschiedenen und, in den Missionsländern, die Polygamisten. Man hat sich gefragt, ob das die einzigen schweren Sünden seien. Ein Geschiedener darf nicht die Kommunion empfangen – und was ist mit dem Unterdrücker, dem Ausbeuter, dem Politiker, der verantwortlich ist für das Leid und den Tod von Tausenden von Menschen, der vielleicht in die Kirche kommt, vielleicht eine fromme Frau hat, und die Kommunion empfängt? Wer die öffentliche Macht gegen die Freiheit gebraucht, darf nicht die Eucharistie empfangen… Aber das ist ein heikles und gewagtes Thema.
Auch die Frage der Priesterweihe von verheirateten Männern hat hohe Wellen geschlagen.
Onaiyekan: So manch einer meint, daß wir, wenn die Seminare keinen Zulauf mehr haben, verheiratete Männer zu Priestern weihen können. Aber das ist nicht das Problem. Ob sie jetzt verheiratet sind oder nicht: gesucht sind Männer des Glaubens! Es war nützlich, der Erläuterung der Synodenväter orientalischen Ritus’ zu lauschen, die Erfahrung mit verheirateten Priestern haben, und es ist überaus interessant, daß sie uns davor warnen, das Problem im Westen einfach nur dadurch lösen zu wollen, indem man Verheiratete zu Priestern weiht. Der springende Punkt ist nämlich der des Glaubens. Wenn wir die Möglichkeit in Betracht ziehen wollen, als Alternative einen verheirateten Klerus zu haben, der mit dem nicht verheirateten Klerus zusammenarbeitet, dann müssen wir uns auch der Konsequenzen bewußt sein, weil das auch die Art der Kirchenorganisation verändert. Und dann bin ich auch nicht der Meinung, daß der Priesterzölibat ein theologisches Problem ist.
Bemerkenswert ist, daß in der Aula nie das Thema der Priesterweihe von Frauen aufgeworfen wurde, nicht einmal von den anwesenden Frauen, die die Möglichkeit hatten, das Wort zu ergreifen.
Es war die erste Bischofssynode mit Papst Benedikt…
Onaiyekan: Und dabei hat mich der persönliche Stil beeindruckt, mit dem der Heilige Vater teilgenommen hat. Die Dauer war von vier auf drei Wochen reduziert worden – und das wurde von vielen Synodenvätern geschätzt, die vier Wochen für anstrengend hielten. Und auch die Stunde der freien Diskussion fand allgemeinen Beifall, wie auch die Tatsache, daß er daran teilgenommen, das Wort ergriffen hat als Bischof unter den Bischöfen. Er hat sich als Theologe an uns gewandt, und es war schön, ihm zu lauschen, weil sein Beitrag nicht vorbereitet war, sondern vielmehr ein Anstoß war, um einen Dialog auszulösen. Oder besser: es war der Versuch einer Klärung. Normalerweise ist in einer Debatte einer gegen den anderen, weil ein jeder versucht ist, einen Aspekt herauszustreichen und dabei vergißt, auf den anderen einzugehen. Ihm dagegen ist es gelungen herauszustellen, daß zu dem jeweiligen Thema alle ihre guten Gründe vorgebracht hatten…
Was hätten Sie von den Synodenvätern gerne öfter gehört?
Onaiyekan: Wir hätten vielleicht besser daran erinnern können, daß die Eucharistie ihren vollen Sinn erst am Ende haben wird. Unsere Welt ist nur vorübergehend. In der Eucharistie beten wir stets für diejenigen, welche vor uns da waren, unsere lieben Verstorbenen, und für die Heiligen, und erwarten den Moment, in dem auch wir mit ihnen sein werden. Die Eucharistie gibt uns einen Vorgeschmack auf das messianische Mahl, das wir voller Glückseligkeit mit Jesus selbst einnehmen werden.


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