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BISCHOFSSYNODE
Aus Nr. 10 - 2005

Für eine dem Buchstaben des II. Vatikanischen Konzils treue Liturgie


Nach der Umsetzung der Konzilsanregungen ist es zu Mißbräuchen gekommen. Einige konnten beseitigt werden, andere nicht. Die Kirche will, daß die Liturgie stets dem Buchstaben des Konzils treu ist, und nicht den phantasievollen Interpretationen desselben.


Interview mit Kardinal Justin Francis Rigali von G. Cardinale


Justin Francis Rigali, Erzbischof von Philadelphia mit toskanischen Wurzeln, war der einzige Kardinal in der von der amerikanischen Bischofskonferenz gestellten Delegation, die für die Teilnahme an der Bischofssynode ausgesucht worden war. Der amerikanische Kardinal hatte vor seiner Ernennung zum Erzbischof von Saint Louis 1994 und Philadelphia 2003 wichtige Ämter in der römischen Kurie inne (er war Präsident der Päpstlichen Diplomatenakademie und Sekretär der Kongregation für die Bischöfe), arbeitete von 1964 bis 1966, und dann noch einmal von 1970 bis 1985, im Staatssekretariat. In der Zeit zwischen diesen beiden Amtsperioden war er bei englischsprachigen Kirchenmännern und Persönlichkeiten gewährten Audienzen auch als „Dolmetscher“ für die Päpste Paul VI. und Johannes Paul I. tätig. Kardinal Rigali ist Mitglied der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, sowie die Apsa (Verwaltung der Güter des Hl. Stuhls).

Justin Francis Rigali, Erzbischof von Philadelphia

Justin Francis Rigali, Erzbischof von Philadelphia

Eminenz, das Thema der viri probati und das der wiederverheirateten Geschiedenen war das meistgehörte bei der Bischofssynode. Zumindest, wenn man den Massenmedien glauben darf…
JUSTIN FRANCIS RIGALI: Man kann nicht sagen, daß sie die meistgehörten waren. Aber es stimmt, daß sie Reflexionen unter den Synodenvätern ausgelöst haben. Und das auch, weil es Themen sind, die die pastorale Sorge der Kirche allen Gläubigen gegenüber auf den Plan rufen. Und es ist wichtig, daß sich keine Gruppe von dieser Sorge ausgeschlossen fühlt. Die Kirche trägt Sorge dafür, daß jeder Gläubige jeden Sonntag an einer richtigen Messe teilnehmen kann. Und bei der Synode wurde darüber diskutiert, was die Kirche für die Gläubigen tun kann, die nicht regelmäßig die Messe besuchen können, und was nicht.
Bezüglich des Problems des Priestermangels waren vor allem die Worte beeindruckend, die der brasilianische Kardinal Cláudio Hummes für das Schicksal der Kirche in seinem Land gefunden hat, wo inzwischen auf einen katholischen Priester zwei protestantische Pastoren kommen…
RIGALI: Man muß das alles im Kontext sehen. Kardinal Hummes sprach von Brasilien und Lateinamerika, von den Bemühungen der Sekten, in einem traditionell katholischen Land, auf einem traditionell katholischen Kontinent an Boden zu gewinnen. Es handelt sich um Statistiken, die Besorgnis auslösen, aber die Synode ist zu dem Schluß gekommen, daß der der viri probati kein zu beschreitender Weg ist.
Bezüglich der wiederverheirateten Geschiedenen wurden bei der Synode Stimmen laut, die ein in Sachen Ehenichtigkeitsverfahren funktionelleres Vorgehen der Kirchengerichte wünschen…
RIGALI: Die Kirche lebt und handelt in der Liebe und in der Wahrheit. Die Liebe und Sorge der Kirche gilt für alle, einschließlich die wiederverheirateten Geschiedenen. Wenn diese Situationen von den Kirchengerichten gelöst werden können, muß es natürlich Sorge der Kirche sein, daß das auch ohne unnötigen Ballast geschehen kann. Aber es gibt Fälle, die man nicht auf diese Art lösen kann; dann muß die Kirche der Lehre Jesu über die Unauflöslichkeit der Ehe gehorchen.
Von einem Beitrag in extremis einmal abgesehen, wurde in der Synodenaula nicht über die der sogenannten Messe Pius’ V. treuen Gläubigen gesprochen. Heißt das, daß dieses Thema die Kirche nicht beschäftigt?
RIGALI: Ich habe auch in der letzten Nummer von 30Tage ein Interview zu diesem Thema gesehen. Auch das zeigt das große Interesse der Kirche für jene Gläubigen, die sich der alten Liturgie verbunden fühlen, sowohl jene in voller Gemeinschaft mit Rom als auch die sogenannten Lefebvrianer, die sich in einer irregulären Situation befinden. Auch in diesem Fall wird die Kirche alles tun, um die Frage dem Gebot der Wahrheit und Liebe entsprechend zu lösen, gemäß der großen Disziplin der Kirche.
Ein Thema, das bei den Synodenvätern dagegen größeres Echo gefunden hat, war das der katholischen Politiker und Gesetzgeber, die Gesetze vorantreiben und unterstützen, die im Gegensatz zur Lehre der Kirche stehen…
RIGALI: Es handelt sich um eine wichtige Frage, und zwar nicht nur für die Vereinigten Staaten. Unsere Bischofskonferenz hat dieses Thema lange diskutiert, in dem Versuch, gültige praktische Lösungen für konkrete Situationen zu finden. Normen gibt es, und es sind Normen, die göttlicher Natur sind, aber es ist nicht einfach, eine universell gültige Anwendungsmodaliät für sie zu finden Daher hat die Synode an die Stärke und Umsicht eines jeden Bischofs bei der Behandlung dieser Frage – wo immer sie sich auch stellen mag – appelliert.
Wie beurteilte die Synode die postkonziliare Liturgiereform in ihrer Gesamtheit?
RIGALI: Das II. Vatikanische Konzil, einschließlich der Konstitution über die Liturgie, war ein großer Segen. Das hat die Synode nachdrücklich bekräftigt. Nach der Umsetzung der Konzilsanregungen ist es zu Mißbräuchen gekommen. Einige konnten beseitigt werden, andere nicht. Die Kirche will, daß die Liturgie stets dem Buchstaben des Konzils treu ist, und nicht den phantasievollen Interpretationen desselben.
Bei diese Synode hat es zwei die Prozedur betreffende Neuheiten gegeben. Die erste war eine abendliche Stunde der freien Debatte…
RIGALI: Eine sehr schöne Innovation: dadurch war die Möglichkeit gegeben, prompt und effizient einzuschreiten. Eine optimale Initiative, die noch gefehlt hatte.
Die zweite Neuheit war, daß der Papst mehrfach seine persönlichen Reflexionen kundgetan hat…
RIGALI: Es war stets eine Freude, Papst Ratzinger zu lauschen. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie geschickt er den Faden seiner Argumentation entwickelt. In seinem zweiten Beitrag behandelte er ein Thema – das der Eucharistie als Opfer und Mahl – das er, wie er selbst erklärte, fünfzig Jahre lang studiert hat. Wir können uns glücklich schätzen, daß wir Reflexionen lauschen durften, die Frucht eines so langen und gründlichen Studiums sind.
Zur Bischofssynode wurden auch vier chinesische Bischöfe eingeladen, die allerdings nicht kommen konnten. Sie haben jedoch geschrieben, und einer dieser Briefe wurde in der Aula verlesen…
RIGALI: In China gibt es Millionen von Gläubigen, die sich ihren Glauben in einer nahezu rührenden Weise bewahrt haben. Aber China war auch dieses Mal bei der Synode nicht dabei. Die von den chinesischen Bischöfen geschickten Briefe waren ein Segen, ein wichtiges Zeichen der spirituellen Einheit der Kirche. Seit Jahrzehnten ist das besondere Augenmerk der Kirche auf das chinesische Volk gerichtet. Besonders unter Johannes Paul II., aber auch unter Papst Montini. Ich kann mich noch daran erinnern, daß Paul VI., bei seinem Besuch in Manila im November 1970, genau vor 35 Jahren, über Radio Veritas zum gesamten asiatischen Kontinent sprach. Ich war damals dabei und kann die Freude bezeugen, mit der der Papst aus den nahen Philippinen auch in China seine Stimmer erklingen ließ.
Eminenz, bei der Synode wurde auch über die Homilien gesprochen und erklärt, daß ein Handbuch über dieses Thema wünschenswert wäre. Wird es zur Veröffentlichung vorgefertigter Homilien kommen, bereit zum Gebrauch in allen Kirchen der Welt?
RIGALI: Es wurde darüber gesprochen, wie man bewirken kann, daß die Homilien eine wahre Hilfe und ein wahrer Trost für die Gläubigen sind, und wie man den Priestern in diesem Punkt helfen kann. Eine Hypothese kann die der pastoralen Hilfsmittel sein, die von den Zelebranten konsultiert werden können. Gewiß nicht die, „vorgekochte“ Homilien zusammenzustellen.


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