Erzbischof Giovanni Lajolo: Kurzbiographie.
Wenn Diplomatie mit eutrapelía einhergeht
von Gianni Cardinale
Erzbischof
Giovanni Lajolo wurde am 7. Oktober zum Sekretär für die Beziehungen mit den
Staaten („Außenminister“) und Nachfolger des frischgebackenen Kardinals
Jean-Louis Tauran ernannt. Der 69jährige, aus Novara stammende Lajolo, ist seit
1960 Priester. Nachdem er sein Doktorat in Kirchenrecht erworben hatte, trat er
1970 in den diplomatischen Dienst des Hl. Stuhls ein. Er war nicht nur in der
päpstlichen Vertretung in Deutschland und als Mitarbeiter von Nuntius Corrado
Bafile (bis November 1974) tätig, sondern auch beim damaligen Rat für die
öffentlichen Angelegenheiten der Kirche. In jener Zeit hat er die Verhandlungen
hautnah miterlebt, die 1984 zur Unterzeichnung der Revision des Konkordats
zwischen Italien und Hl. Stuhl führten. 1988 wurde er zum Sekretär der
Verwaltung der Güter des Apostolischen Stuhls und zum Titular-Erzbischof von
Cesariana ernannt. Seine Tätigkeit bei der APSA dauerte bis 1995, dem Jahr, in
dem er zum Apostolischen Nuntius bei der Bundesrepublik Deutschland ernannt
wurde. Während dieses achtjährigen Aufenthalts in Deutschland hat er sich nicht
nur um den Pavillon des Hl. Stuhls bei der Expo 2000 in Hannover und um die
Verlagerung der Nuntiatur von Bonn nach Berlin gekümmert, sondern auch
zahlreiche Abkommen diplomatischer Art zwischen Hl. Stuhl und den deutschen
Bundesländern unter Dach und Fach gebracht: 1996 mit Sachsen, 1997 mit
Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern, 1998 mit Sachsen-Anhalt, und zuletzt,
2003, mit Brandenburg und der freien Hansestadt Bremen.
Lajolo trat sein neues Amt am 24. November an. Sein erster „öffentlicher Auftritt“ als „Außenminister“ fand am 12. Februar an der Päpstlichen Universität Gregoriana statt, wo er bei der 50-Jahr-Feier der diplomatischen Beziehungen zwischen Hl. Stuhl und Iran einen Vortrag hielt. Seine erste Mission im Ausland dagegen erfüllte er vom 11. bis 13. Mai in Großbritannien. In London hatte er Gelegenheit, die wichtigsten Persönlichkeiten der katholischen Kirche zu treffen, angefangen beim Kardinal von Westminster, Cormac Murphy O’Connor, und dem Primas der anglikanischen Gemeinschaft, Rowan Williams, sowie namhafter Vertreter der Regierung Blair, wie Außenminister Jack Straw und Schatzkanzler James Gordon Brown.
Zwei interessante Bemerkungen am Rande. Msgr. Lajolo ist, obwohl Piemonteser par excellence, auch Bürger einer amerikanischen Stadt. Kurz nach seiner Ernennung hatte er der Presseagentur des US-Episkopats, dem Catholic News Service gegenüber erklärt, daß seine Mutter – vor ihrer Heirat – mit ihrer Familie nach Übersee ausgewandert war und auch die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten hätte, „auf die sie so stolz war, daß sie sie auch nach ihrer Rückkehr nach Italien beibehalten hat“. Und dann pflegt Msgr. Lajolo auch noch eine Tugend, die in griechischer Sprache eutrapelía genannt wird. Verraten hat er das in einer Erinnerung an seinen „unvergeßlichen Vorgesetzten“, Kardinal Corrado Bafile, die vergangenes Jahr in einem von Msgr. Francesco Di Felice zum 100. Geburtstag des Kardinals aus den Abruzzen (der am 4. Juli 101 Jahre alt wird) herausgegebenen Sammelwerk veröffentlicht wurde. Am Ende hatte Lajola geschrieben: „Die Tugend eutrapelía ist auch dazu angetan, jeden Dienst, vor allem kirchlicher Art, menschlicher, froher und effizienter zu gestalten, und kann auch beträchtlich zum Erfolg der Aktivität eines Diplomaten des Hl. Stuhls beitragen – wie wir bei Nuntius Bafile gesehen haben. Auch sie ist letzten Endes ein lieblicher Strahl des Lichtes Christi.“ Und was man unter dieser Tugend nun wirklich versteht, erläutert Msgr. Lajolo den Lesern von 30Tage gerne: „Die eutrapelía kann man als Tugend der Heiterkeit definieren, wie sie Philip Neri und Giovanni Bosco hatten. Sozusagen ein Ent-Spannen des in der physischen oder spirituellen Tension allzu gespannten Bogens. Mit einem modernen Wort könnte man auch sagen: die Kunst des Ausspannens. Thomas von Aquin spricht in seiner Summa theologica mehrfach davon und schreibt, daß die menschliche Seele zerbricht, wenn sie sich nie von ihren Sorgen ‚erholt‘. Durch die Tugend der eutrapelía können Worte und Handlungen zu Momenten der Entspannung werden. Sie äußert sich in fröhlichem Spiel, scheint aber auch aus einer witzigen Bemerkung durch, einer lustigen Geschichte oder einer geistreichen Unterhaltung. Für uns greifbare Beispiele für eutrapelía sind Johannes XXIII., Johannes Paul II. und auch der derzeitige Papst.“
Lajolo trat sein neues Amt am 24. November an. Sein erster „öffentlicher Auftritt“ als „Außenminister“ fand am 12. Februar an der Päpstlichen Universität Gregoriana statt, wo er bei der 50-Jahr-Feier der diplomatischen Beziehungen zwischen Hl. Stuhl und Iran einen Vortrag hielt. Seine erste Mission im Ausland dagegen erfüllte er vom 11. bis 13. Mai in Großbritannien. In London hatte er Gelegenheit, die wichtigsten Persönlichkeiten der katholischen Kirche zu treffen, angefangen beim Kardinal von Westminster, Cormac Murphy O’Connor, und dem Primas der anglikanischen Gemeinschaft, Rowan Williams, sowie namhafter Vertreter der Regierung Blair, wie Außenminister Jack Straw und Schatzkanzler James Gordon Brown.
Zwei interessante Bemerkungen am Rande. Msgr. Lajolo ist, obwohl Piemonteser par excellence, auch Bürger einer amerikanischen Stadt. Kurz nach seiner Ernennung hatte er der Presseagentur des US-Episkopats, dem Catholic News Service gegenüber erklärt, daß seine Mutter – vor ihrer Heirat – mit ihrer Familie nach Übersee ausgewandert war und auch die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten hätte, „auf die sie so stolz war, daß sie sie auch nach ihrer Rückkehr nach Italien beibehalten hat“. Und dann pflegt Msgr. Lajolo auch noch eine Tugend, die in griechischer Sprache eutrapelía genannt wird. Verraten hat er das in einer Erinnerung an seinen „unvergeßlichen Vorgesetzten“, Kardinal Corrado Bafile, die vergangenes Jahr in einem von Msgr. Francesco Di Felice zum 100. Geburtstag des Kardinals aus den Abruzzen (der am 4. Juli 101 Jahre alt wird) herausgegebenen Sammelwerk veröffentlicht wurde. Am Ende hatte Lajola geschrieben: „Die Tugend eutrapelía ist auch dazu angetan, jeden Dienst, vor allem kirchlicher Art, menschlicher, froher und effizienter zu gestalten, und kann auch beträchtlich zum Erfolg der Aktivität eines Diplomaten des Hl. Stuhls beitragen – wie wir bei Nuntius Bafile gesehen haben. Auch sie ist letzten Endes ein lieblicher Strahl des Lichtes Christi.“ Und was man unter dieser Tugend nun wirklich versteht, erläutert Msgr. Lajolo den Lesern von 30Tage gerne: „Die eutrapelía kann man als Tugend der Heiterkeit definieren, wie sie Philip Neri und Giovanni Bosco hatten. Sozusagen ein Ent-Spannen des in der physischen oder spirituellen Tension allzu gespannten Bogens. Mit einem modernen Wort könnte man auch sagen: die Kunst des Ausspannens. Thomas von Aquin spricht in seiner Summa theologica mehrfach davon und schreibt, daß die menschliche Seele zerbricht, wenn sie sich nie von ihren Sorgen ‚erholt‘. Durch die Tugend der eutrapelía können Worte und Handlungen zu Momenten der Entspannung werden. Sie äußert sich in fröhlichem Spiel, scheint aber auch aus einer witzigen Bemerkung durch, einer lustigen Geschichte oder einer geistreichen Unterhaltung. Für uns greifbare Beispiele für eutrapelía sind Johannes XXIII., Johannes Paul II. und auch der derzeitige Papst.“