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05 - 2004 >
Ein kleines Zeichen der Leidenschaft für die Einheit der Kirche in China
L’Osservatore Romano: Nachruf auf die chinesischen Bischöfe.
Ein kleines Zeichen der Leidenschaft für die Einheit der Kirche in China
von Gianni Cardinale
Der Osservatore Romano berichtet bekanntlich auf der zweiten Seite, unter
dem Titel „Trauerfälle“ vom „frommen“ oder „plötzlichen Tod“ katholischer
Bischöfe, sobald die Nachricht desselben im Vatikan eingegangen ist. So war
auch der am 8. April erschienene Nachruf auf Michael Huang Woze, dem am 22.
März im hohen Alter von 99 Jahren verstorbenen Bischof von Nanchong, auf den
ersten Blick eigentlich nichts Besonderes. Von wegen! In Wahrheit war es ein
wirklich außergewöhnliches Ereignis. Und eine kleine journalistische „Wende“ –
und nicht nur das. Damit veröffentlichte der Osservatore Romano nämlich zum ersten Mal die offizielle Nachricht vom
Tod eines chinesischen Bischofs, der nach dem Bruch des kommunistischen Regimes
von Peking mit dem Hl. Stuhl geweiht worden war.
Bis dahin gab es die ca. 130 (*) chinesischen Bischöfe in den offiziellen vatikanischen Publikationen ganz einfach nicht – ganz egal, ob sie nun „offizielle“ (von der Regierung anerkannte“ – vom Hl. Stuhl legitimiert oder auch nicht –) oder „Untergrund“-Bischöfe waren. Keiner dieser Bischöfe wird im Annuario pontificio, dem offiziellen Who’s who des Vatikan aufgeführt. Und der Osservatore Romano veröffentlicht die Ernennungen der neuen, vom Hl. Stuhl anerkannten chinesischen Bischöfe auch nicht auf der Titelseite, wie er das für alle anderen Diözesen der Welt tut. Dasselbe galt natürlich auch für die Nachrufe. Bis zum 8. April. Jenem Tag, an dem wie bereits gesagt an Msgr. Huang Woze erinnert wurde, „offizieller“ Bischof und vom Hl. Stuhl anerkannt. Und keineswegs mit einem „Null-acht-fünfzehn“-Nachruf. So stand beispielsweise im Osservatore Romano zu lesen – nach dem Verweis darauf, daß der „unermüdliche Bischof die Pfarreien seiner weiträumigen Diözese noch in den letzten Monaten seines Lebens besuchte, obwohl er Diabetes hatte“ –: „Wer immer ihn besuchen konnte, kann bezeugen, mit welcher Liebe er das Foto von Johannes Paul II. zu zeigen pflegte, die einzige Dekoration in seinem schlichten Büro.“
Am 9. Mai erschien der Nachruf auf den 91jährigen Msgr. Francis Xaver Guo Zhengji, auch er „offizieller“ Bischof und in Gemeinschaft mit Rom. In diesem Fall brachte der Osservatore Romano (am 16. Mai) auch – gut zu sehen auf Seite 4 – einen Bericht über die Beerdigung, an der „die Gläubigen der ‚Untergrund‘-Gemeinschaft teilnahmen, „ein weiteres Zeichen dafür, daß die Kirche in China von der ‚Leidenschaft für die Einheit‘ beseelt ist“, „ein Zeichen der Hoffnung und Zusammenarbeit“. „Die Gläubigen der ‚Untergrund‘-Gemeinschaft,“ betonte der Osservatore Romano noch, „wollten ihren Respekt vor dem Bischof zum Ausdruck bringen, sich mit den Brüdern der ‚offiziellen‘ Gemeinschaft vereinen und ihre Überzeugung bekräftigen, daß die beiden Gemeinschaften eine Familie sind.“
Aber nach dem 8. April konzentrierte die Tageszeitung des Hl. Stuhls ihre Aufmerksamkeit nicht nur auf die in Gemeinschaft mit Rom stehenden, wenngleich „offiziellen“ chinesischen Bischöfe. Am 30. Mai brachte der Osservatore Romano beispielsweise eine Nachricht der Agentur Fides (der Kongregation für die Evangelisierung der Völker) über die Beerdigung von Msgr. Augustin Zhao Jing-nong am 24. Mai in der Kathedrale von Tianshui. Er war am 16. Mai im Alter von knapp 95 Jahren gestorben. In diesem Fall vermied es das Blatt, die Nachricht in der Rubrik „Trauerfälle“ zu bringen, aber bedachte Msgr. Zhao mit den Titeln „Exzellenz“ und „Bischof“. Zhao Jing-nong war der „offizielle“ Bischof von Tianshui, zwar gültig geweiht, aber nicht vom Hl. Stuhl anerkannt. Daß die vatikanische Tageszeitung ihm eine andere Behandlung angedeihen ließ, könnte auf den Umstand zurückzuführen sein, daß sich dieser Bischof in den letzten Jahren seines Lebens zwar mit dem Hl. Stuhl ausgesöhnt hatte, es aber zu keiner Legitimierung gekommen war. Der Nachruf von Fides und dem Osservatore Romano endet mit folgenden Worten: „Msgr. Augustin Zhao galt überall als guter und gerechter Mann. Die Priester von Tianshui berichteten, daß der Bischof, wenn er nicht gerade aß oder sonstwie beschäftigt war, immer einen Rosenkranz in der Hand zu halten pflegte.“
(*) Kürzlich stand in Civiltà Cattolica – deren Entwürfe bekanntlich vom Staatssekretariat eingesehen werden – zu lesen: „Die offizielle katholische patriotische Vereinigung [in China] zählt 79 Bischöfe, die Untergrundkirche 49. Doch der Hl. Stuhl erkennt viele Bischöfe der Vereinigung an. Mit anderen Worten: ca. zwei Drittel der Bischöfe sind damit also de facto von Rom anerkannt“ (6. März 2004, S. 505).
Bis dahin gab es die ca. 130 (*) chinesischen Bischöfe in den offiziellen vatikanischen Publikationen ganz einfach nicht – ganz egal, ob sie nun „offizielle“ (von der Regierung anerkannte“ – vom Hl. Stuhl legitimiert oder auch nicht –) oder „Untergrund“-Bischöfe waren. Keiner dieser Bischöfe wird im Annuario pontificio, dem offiziellen Who’s who des Vatikan aufgeführt. Und der Osservatore Romano veröffentlicht die Ernennungen der neuen, vom Hl. Stuhl anerkannten chinesischen Bischöfe auch nicht auf der Titelseite, wie er das für alle anderen Diözesen der Welt tut. Dasselbe galt natürlich auch für die Nachrufe. Bis zum 8. April. Jenem Tag, an dem wie bereits gesagt an Msgr. Huang Woze erinnert wurde, „offizieller“ Bischof und vom Hl. Stuhl anerkannt. Und keineswegs mit einem „Null-acht-fünfzehn“-Nachruf. So stand beispielsweise im Osservatore Romano zu lesen – nach dem Verweis darauf, daß der „unermüdliche Bischof die Pfarreien seiner weiträumigen Diözese noch in den letzten Monaten seines Lebens besuchte, obwohl er Diabetes hatte“ –: „Wer immer ihn besuchen konnte, kann bezeugen, mit welcher Liebe er das Foto von Johannes Paul II. zu zeigen pflegte, die einzige Dekoration in seinem schlichten Büro.“
Am 9. Mai erschien der Nachruf auf den 91jährigen Msgr. Francis Xaver Guo Zhengji, auch er „offizieller“ Bischof und in Gemeinschaft mit Rom. In diesem Fall brachte der Osservatore Romano (am 16. Mai) auch – gut zu sehen auf Seite 4 – einen Bericht über die Beerdigung, an der „die Gläubigen der ‚Untergrund‘-Gemeinschaft teilnahmen, „ein weiteres Zeichen dafür, daß die Kirche in China von der ‚Leidenschaft für die Einheit‘ beseelt ist“, „ein Zeichen der Hoffnung und Zusammenarbeit“. „Die Gläubigen der ‚Untergrund‘-Gemeinschaft,“ betonte der Osservatore Romano noch, „wollten ihren Respekt vor dem Bischof zum Ausdruck bringen, sich mit den Brüdern der ‚offiziellen‘ Gemeinschaft vereinen und ihre Überzeugung bekräftigen, daß die beiden Gemeinschaften eine Familie sind.“
Aber nach dem 8. April konzentrierte die Tageszeitung des Hl. Stuhls ihre Aufmerksamkeit nicht nur auf die in Gemeinschaft mit Rom stehenden, wenngleich „offiziellen“ chinesischen Bischöfe. Am 30. Mai brachte der Osservatore Romano beispielsweise eine Nachricht der Agentur Fides (der Kongregation für die Evangelisierung der Völker) über die Beerdigung von Msgr. Augustin Zhao Jing-nong am 24. Mai in der Kathedrale von Tianshui. Er war am 16. Mai im Alter von knapp 95 Jahren gestorben. In diesem Fall vermied es das Blatt, die Nachricht in der Rubrik „Trauerfälle“ zu bringen, aber bedachte Msgr. Zhao mit den Titeln „Exzellenz“ und „Bischof“. Zhao Jing-nong war der „offizielle“ Bischof von Tianshui, zwar gültig geweiht, aber nicht vom Hl. Stuhl anerkannt. Daß die vatikanische Tageszeitung ihm eine andere Behandlung angedeihen ließ, könnte auf den Umstand zurückzuführen sein, daß sich dieser Bischof in den letzten Jahren seines Lebens zwar mit dem Hl. Stuhl ausgesöhnt hatte, es aber zu keiner Legitimierung gekommen war. Der Nachruf von Fides und dem Osservatore Romano endet mit folgenden Worten: „Msgr. Augustin Zhao galt überall als guter und gerechter Mann. Die Priester von Tianshui berichteten, daß der Bischof, wenn er nicht gerade aß oder sonstwie beschäftigt war, immer einen Rosenkranz in der Hand zu halten pflegte.“
(*) Kürzlich stand in Civiltà Cattolica – deren Entwürfe bekanntlich vom Staatssekretariat eingesehen werden – zu lesen: „Die offizielle katholische patriotische Vereinigung [in China] zählt 79 Bischöfe, die Untergrundkirche 49. Doch der Hl. Stuhl erkennt viele Bischöfe der Vereinigung an. Mit anderen Worten: ca. zwei Drittel der Bischöfe sind damit also de facto von Rom anerkannt“ (6. März 2004, S. 505).