Wie ein großer Rosenkranz, das Gebet der einfachen Menschen
Auszüge aus der Predigt und dem Angelusgebet anlässlich der Weihe der “Sagrada Família” in Barcelona (Sonntag, 7. November 2010).
von Benedikt XVI.
![Papst Benedikt XVI. betritt die Basilika “Sagrada Família” in Barcelona (Sonntag, 7. November 2010). <BR>[© Osservatore Romano/Associated Press/LaPresse]](/upload/articoli_immagini_interne/1298045386716.jpg)
Papst Benedikt XVI. betritt die Basilika “Sagrada Família” in Barcelona (Sonntag, 7. November 2010).
[© Osservatore Romano/Associated Press/LaPresse]
Meine Freude darüber, dieser Feier vorstehen zu dürfen, wurde noch größer, als ich erfuhr, dass dieser Sakralbau von Anfang an eng mit der Gestalt des hl. Josef verbunden war.
Besonders bewegt hat mich die Sicherheit, mit der Gaudí angesichts der zahllosen Schwierigkeiten, die er bewältigen musste, voll Vertrauen auf die göttliche Vorsehung ausrief: Der hl. Josef wird die Kirche vollenden.
Die Tatsache, dass sie jetzt von einem Papst geweiht wird, dessen Taufname Joseph ist, ist daher nicht ohne Bedeutung.
Benedikt XVI., Predigt bei der heiligen Messe
Um den Menschen das Geheimnis Gottes vor Augen zu führen, das in der Geburt, im Leiden, im Tod und in der Auferstehung Jesu Christi offenbart wird
In diesem Raum wollte Gaudí die Eingebung zusammenfassen, die er aus den drei großen Büchern erhielt, aus denen er als Mensch, als Gläubiger und als Architekt Nahrung zog: das Buch der Natur, das Buch der Heiligen Schrift und das Buch der Liturgie.
So vereinte er die Wirklichkeit der Welt und die Heilsgeschichte, wie sie uns durch die Bibel berichtet und in der Liturgie vergegenwärtigt wird.
Er nahm Steine, Bäume und menschliches Leben in den Sakralbau hinein, um die ganze Schöpfung auf das göttliche Lob auszurichten, aber gleichzeitig brachte er die Retabel hinaus, um den Menschen das Geheimnis Gottes vor Augen zu führen, das in der Geburt, im Leiden, im Tod und in der Auferstehung Jesu Christi offenbart wird.
Benedikt XVI., Predigt bei der heiligen Messe
Gott hat sich uns in Christus hingegeben
Wir haben diesen Sakralraum Gott geweiht, der sich uns in Christus offenbart und hingegeben hat, um endgültig Gott unter den Menschen zu sein.
Das offenbarte Wort, die Menschennatur Christi und seine Kirche sind die drei höchsten Ausdrücke seines Erscheinens und seiner Hingabe an die Menschen.
Benedikt XVI., Predigt bei der heiligen Messe
![Die Geburtsfassade der “Sagrada Família”. [© Osservatore Romano]](/upload/articoli_immagini_interne/1298045386763.jpg)
Die Geburtsfassade der “Sagrada Família”. [© Osservatore Romano]
Wie die Episode des Zachäus lehrt, von dem das heutige Evangelium spricht (vgl. Lk 19, 1-10), wird der Mensch, wenn er Gott in sein Leben und in seine Welt aufnimmt, wenn er Christus in seinem Herzen leben lässt, dies nicht bereuen, sondern wird sogar die Freude erfahren, als Empfänger der unendlichen Liebe Gottes an dessen eigenem Leben teilzuhaben.
Benedikt XVI., Predigt bei der heiligen Messe
Ein Lobpreis für Gott, der als Hauptfiguren die demütigsten und einfachsten Menschen haben würde
In tiefer Verehrung für die Heilige Familie von Nazaret, so wie sie der heilige José Manyanet im katalanischen Volk verbreitet hatte, und beseelt vom Eifer für seinen christlichen Glauben, ist es dem genialen Antoni Gaudí gelungen, dieses Gotteshaus als einen aus Stein gefertigten Lobpreis für Gott erstehen zu lassen.
Ein Lobpreis für Gott, der wie bei der Geburt Christi als Hauptfiguren die demütigsten und einfachsten Menschen haben würde.
In der Tat wollte Gaudí mit seinem Werk das Evangelium zum ganzen Volk bringen.
Daher hat er die drei Vorhallen an den Außenseiten der Kirche als eine Katechese über Jesus Christus entworfen, als einen großen Rosenkranz, das Gebet der einfachen Menschen, in dem sie die freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen Geheimnisse unseres Herrn betrachten können.
Benedikt XVI., Angelusgebet nach der heiligen Messe
1298041859826">So hat er seine Überzeugung in die Tat umgesetzt, die er mit den folgenden Worten zum Ausdruck brachte: „Die Armen sind immer in der Kirche willkommen, die die christliche Liebe ist.“
Benedikt XVI., Angelusgebet nach der heiligen Messe