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KIRCHE
Aus Nr. 06/07 - 2010

PRIMAT DES BISCHOFS VON ROM. Der Dialog zwischen Orthodoxen und Katholiken.

„Nein“ zum Protagonismus im Namen der Ökumene


Interview mit dem Dominikaner Charles Morerod, Generalsekretär der Internationalen Theologenkommission und Rektor der Päpstlichen Universität San Tommaso: „Die Repräsentanten der orthodoxen Kirchen schätzen Benedikt XVI., weil er ein Papst ist, der nicht seine Person in den Vordergrund stellt, sondern sich bei der Ausübung seines Amtes auf das Wesentliche konzentriert. So ein Papst muss den Orthodoxen ganz einfach gefallen.“


Interview mit Charles Morerod von Gianni Valente


Treffpunkt Wien. Die Mitglieder der gemischten internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche werden am kommenden 20. September in der österreichischen Hauptstadt ein Thema besprechen, das den Beziehungen zwischen Katholizismus und Orthodoxie seit Jahrhunderten zu schaffen macht: den universalen Primat des Bischofs von Rom.
Diskussionsgrundlage ist ein Dokument über die Rolle des Bischofs von Rom in der kirchlichen Gemeinschaft im ersten Jahrtausend, das schon bei der Vollversammlung der gemischten Kommission im Oktober letzten Jahres in Zypern im Mittelpunkt stand. Der Text, der in den vergangenen Monaten bei den Medien große Beachtung fand, ist noch in der Entwicklungsphase. Es gibt noch viel zu tun.
Der Dominikaner Charles Morerod, Generalsekretär der Internationalen Theologenkommission, Rektor der Päpstlichen Universität San Tommaso und seit 2005 Mitglied der gemischten Kommission für den theologischen Dialog mit den Orthodoxen, war gerne bereit, 30Tage einige Fragen zu beantworten.

Charles Morerod.

Charles Morerod.

An welchem Punkt sind die Arbeiten angelangt? Was sind die nächsten Schritte?
CHARLES MOREROD: Der erste Schritt wurde mit der Unterzeichnung des Dokuments von Ravenna vor drei Jahren getan, das sich mit der Frage beschäftigt, ob es eine theoretische Definition des universalen Primats gibt, die auch von den orthodoxen Synoden anerkannt werden könnte. Normalerweise wird anerkannt, dass der Bischof von Rom primus inter pares ist. Aus dem Dokument von Ravenna ging hervor, dass man sich über die Rolle der Bischöfe weitgehend einig ist, die in keiner Hinsicht pares sind, nicht einmal im Innern der orthodoxen Kirchen. Auf regionaler, sozusagen „patriarchaler“, Ebene spielen einige Bischöfe eine wichtigere Rolle als andere, üben einen Primat aus, auch wenn sie sakramental gesehen Bischöfe sind wie alle anderen. Seit der Begegnung in Zypern im Oktober letzten Jahres versucht man herauszufinden, ob das einem besseren gemeinsamen Verständnis der Rolle des Bischofs von Rom dienlich sein kann. Man will praktisch ergründen, ob und wie man das, was bezüglich eines gewissen regionalen „Primats“ festgehalten wurde, auf universaler Ebene anwenden kann. Bei der Klärung dieser Frage stützt man sich auf historische Daten und das theologische Denken des ersten Jahrtausends, also auf die Zeit des Schismas und davor.
Der Grundsatz ist klar: man muss sich das Vergangene vor Augen halten und es an die neuen Kontexte anpassen. Was bedeutet das?
MOREROD: Schon im ersten Jahrtausend hatte der Osten eine andere Auffassung von der Rolle des Bischofs von Rom als der Westen. Man konnte sich auf Folgendes einigen: Rom wird als Prima Sedes anerkannt, der Sitz von Rom ist für die Lösung der Konflikte zuständig. Es gab Momente, in denen der Bischof von Rom nachdrücklich eingeschritten ist, beispielsweise im Falle des so genannten Tomus Leonis von Papst Leo I. an den Patriarchen von Konstantinopel im Jahr 449 (ein Dokument, das der christologischen Definition des Konzils von Chalcedon (451) den Weg ebnete). Es stimmt jedoch, dass sich die Bischöfe des Ostens und des Westens nicht einig werden konnten, welche Bedeutung man ihm beimessen sollte. Deutlich geworden war das schon beim Konzil von Chalcedon: Kanon 28 des Konzils wurde vom Papst nicht approbiert, während der Kanon, mit dem die Jurisdiktion Konstantinopels als Neues Rom definiert wird, von den Griechen sofort akzeptiert wurde. Allen Differenzen zum Trotz blieb die Gemeinschaft intakt. Unsere Aufgabe ist es nun, sicherzugehen, dass die Verschiedenheit nicht zu Lasten der sakramentalen Gemeinschaft geht – sie kann als Vorbild dienen, um in unserer Zeit zur vollen Einheit zurückzufinden.
„Wo Eucharistie ist, ist Kirche“, sagte der russische Theologe Nicolai Afanasieff. Die Orthodoxen bekräftigen, dass die Kontroversen in Sachen Primat erst dann beigelegt werden können, wenn man anerkennt, dass jede Sonderkirche, die sich um ihren Bischof versammelt und die Eucharistie gültig feiert, im vollen Sinne Kirche ist. Wird dieses Kriterium von katholischer Seite in Frage gestellt?
MOREROD: Gewiss, wo Eucharistie ist, ist Kirche. Einer Gemeinde, die nicht in voller Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom steht, fehlt aus katholischer Sicht etwas. Das Zweite Vatikanisches Konzil besagt: „Glied der Körperschaft der Bischöfe wird man durch die sakramentale Weihe und die hierarchische Gemeinschaft mit Haupt und Gliedern des Kollegiums “ (Konstitution Lumen gentium, § 22). Bischof wird man mit der Bischofsweihe, nicht mit der Ernennung durch den Papst: die sakramentale Dimension ist die grundlegendste Dimension, und die einzig unabdingbare. Aber ohne Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom kann der Bischof nicht wirklich Teil des Bischofskollegiums werden, was auch die Rolle beeinträchtigt, die er in der universalen Kirche spielt.
Dieses Dokument besagt auch, dass der Anspruch Roms, seinen Primat mit der Beziehung zu Petrus zu begründen, der in der Ewigen Stadt gelebt hat, gestorben und begraben ist, von den Kirchen des Orients zwar nie gutgeheißen, am Anfang aber auch nicht strikt abgelehnt wurde. Man beschränkte sich vielmehr darauf, die Auffassung herauszustellen, dass alle Bischöfe Nachfolger Petri sind und somit an dessen Primat Anteil haben, weil sie ihr Amt im gemeinsamen Glauben der Apostel ausüben. Ist es korrekt zu sagen, dass diese Auffassung nicht der Lehre der katholischen Kirche entspricht?
MOREROD: Die Orthodoxen erkennen an, dass der Papst der Bischof einer Kirche ist, die von Petrus gegründet wurde, und das ist wichtig für sie. Sie erkennen auch an, dass die Position des Bischofs der petrinischen Kirche von Rom der des Patriarchen von Antiochia übergeordnet ist, obwohl Petrus diese Kirche noch vor der Kirche von Rom gegründet hat. Aber sie sehen die Rolle der Kirche von Rom vor allem in Verbindung mit der politischen Rolle, die die Stadt Rom im Römischen Reich spielte: aus demselben Grund rechtfertigen sie die Rolle Konstantinopels, wenn sie auch den Bezug auf die Gestalt des hl. Andreas hinzufügen (womit sie gleichzeitig die wichtige Position der Stadt und die Rolle eines Apostel herausstellen). Für die Katholiken äußert sich die Beziehung zwischen diesen beiden Aspekten auf eine andere Weise. Dem Bischof von Rom wird ein Primat zuerkannt, weil er auf einzigartige Weise der Nachfolger des Apostelfürsten ist, der unter den Aposteln und im Neuen Testament eine Sonderstellung einnimmt. Wahrscheinlich sind Petrus und Paulus gerade deshalb nach Rom gekommen, weil die Stadt eine so große politische Bedeutung hatte. Das ist aber nicht der Grund für die herausragende Rolle, die der Bischof von Rom heute unter allen Bischöfen einnimmt.
<I>Das Letzte Abendmahl</I>, Fresko aus dem 12. Jahrhundert, Karanlik Kilise, Göreme, Kappadokien, Türkei.

Das Letzte Abendmahl, Fresko aus dem 12. Jahrhundert, Karanlik Kilise, Göreme, Kappadokien, Türkei.

In einer Ansprache aus dem Jahr 2004 zitiert der russische Bischof Hilarion Simeon von Thessaloniki: „Der Papst soll nur zeigen, dass er dem Glauben Petri und der Nachfolger Petri treu bleibt; und dass er in diesem Sinne alle Voraussetzungen des Petrus besitzt, dass er der erste unter allen, das Oberhaupt aller und deren Vater ist.“ Ist das nicht auch das, was die Katholiken sagen?
MOREROD: Das gilt für alle Christen, darin sind wir uns einig. Der Ausgangspunkt des Glaubens der Christen ist nicht der Umstand, auf der Seite des Papstes zu sein. Der Ausgangspunkt ist die Begegnung mit Jesus, wie Benedikt XVI. am Anfang seiner Enzyklika Spe salvi schreibt. Und jeder Christ – wenn er tatsächlich ein solcher ist – tut eigentlich nichts anderes, als im Glauben des Petrus und der Apostel zu bleiben. Als Katholik kann man sich an diesem Punkt aber fragen: woher wissen wir, ob wir den Glauben der Apostel teilen? Gibt es „Überprüfungsmethoden“, wie beispielsweise die Übereinstimmung dessen, was jemand heute behauptet mit dem, was im Neuen Testament geschrieben steht, oder mit den Stellungnahmen der ersten Konzile, der Kirchenväter, usw. Manchmal löst diese Übereinstimmung Debatten aus. Und das ist dann der Punkt, an dem die Katholiken betonen, dass ihre Nähe zum Papst „ein großes Glück und ein großer Trost“ ist, wie Paul VI. schrieb.
Wann hat er das gesagt?
MOREROD: Am 22. Januar 1964, bei der Gebetswoche für die Einheit der Christen: „Wenn ihr klug genug seid, das Problem der Wiederherstellung der von Christus gewollten Einheit der Christen zu erkennen, wenn ihr seine Bedeutung und seine geschichtliche Entwicklung versteht, dann werdet ihr aus den Tiefen eurer Seele ein wunderbares, präzises Zeugnis jener katholischen Sicherheit aufsteigen spüren, die eure innere Stimme sagen lässt: ich bin bereits in der von Christus gewollten Einheit, ich bin bereits in seiner Nähe, weil ich Katholik bin, weil ich mit Petrus bin. Und das ist ein großes Glück, ein großer Trost, den ihr Katholiken zu schätzen wissen solltet. Gläubige, seid euch eurer privilegierten Situation bewusst, die ihr sicher nicht euch selbst zu verdanken habt, sondern der Güte Gottes, der euch ein solch glückliches Schicksal beschieden hat.“
Hilarion machte auch darauf aufmerksam, dass es gerade die wesentliche Einheit im Glauben, die in Abwesenheit einer hierarchischen Rechtsstruktur von den orthodoxen Kirchen bewahrt wird, offensichtlich macht, dass diese Einheit ein Wunder des Herrn ist.
MOREROD: Es ist schön, dieses Ausharren im Glauben in der orthodoxen Kirche sehen zu können. Aber man kann nicht sagen, dass die orthodoxen Kirchen keine Struktur hätten. Das können vielleicht die Mitglieder der Pfingstkirchen sagen, nicht aber die Orthodoxen, die eine sehr robuste Struktur haben und diese auch seit Jahrhunderten bewahren konnten. Auf der anderen Seite rechtfertigt nicht einmal die katholische Kirche ihren Bestand mit ihrer Struktur. Niemand kann glauben, dass die Quelle der Einheit die „zentrale Macht“ des Papstes sei. In Wahrheit können wir Katholiken über die Struktur und die vom Heiligen Geist bewirkte wunderbare Überlieferung des Glaubens über so viele Jahrhunderte hindurch dasselbe sagen wie die Orthodoxen. Es geht nicht darum, die Strukturen und die vom Heiligen Geist bewirkten Wunder einander gegenüber zu stellen. Es ist vielmehr wesentlich anzuerkennen, dass keine Autorität in der Kirche durch sich selbst gegeben ist. Nicht einmal die Kirche geht aus MOREROD: Ich verstehe, warum er sich so ausgedrückt hat: er bezieht sich auf das Erste Vatikanische Konzil, laut dem eine Definition des Papstes  – wenn er sich in unfehlbarer Weise äußert – aufgrund der eigene Autorität und nicht wegen des Konsenses der Kirche bindend ist. Wenn das aber geschieht, beschränkt sich der Papst darauf, auf diese Weise den Glauben der Kirche zum Ausdruck zu bringen. Und dieser Glaube ist niemals das Ergebnis einer Meinungsumfrage, bei der die Mehrheit das Sagen hat. Auch die Orthodoxen beharren, wenn sie ihr Panorthodoxes Konzil abhalten, nicht darauf, dass der Glaube der Meinung der Mehrheit entspricht. Sehr klare und verständliche Stellungnahmen hierzu stehen in dem Dokument über die Gabe der Autorität zu lesen, das die Internationale Anglikanisch /Römisch-Katholische Kommission in ihrer Gemeinsamen Erklärung des Jahres 1998 ausgearbeitet hat.
Was steht dort geschrieben?
MOREROD: In besagtem Dokument heißt es, dass „jede feierliche Definition, die vom Stuhl Petri in der Kirche St. Peter und Paul verkündet wird, jedoch nur den Glauben der Kirche zum Ausdruck bringen kann.“ Und weiter: „Es ist dieser Glaube, der Glaube aller in der Gemeinschaft Getauften. […] Es ist dieser Glaube, den der Bischof von Rom unter bestimmten Umständen zu erkennen und deutlich zu machen die Pflicht hat. […]. Die Annahme des Primats des Bischofs von Rom bedeutet auch die Anerkennung dieses besonderen Amtes des universalen Primats. Wir glauben, dass dies eine Gabe ist, die von allen Kirchen angenommen werden sollte.“
Verschiedene Bereiche der Orthodoxie beschreiben den Primat des Bischofs von Rom noch immer als etwas, das mit Herrschsucht zu tun hat. Aber würde ein mit diesem Ziel ausgeübter Primat denn überhaupt der katholischen Lehre entsprechen?
MOREROD: Der Primat, wie übrigens jede Autorität in der Kirche, kann nur nach dem Kriterium der caritas interpretiert und ausgeübt werden, die auch in rechtlicher Form zum Ausdruck kommt. Für Thomas von Aquin wurden die Tugenden auf eine gewisse Weise in der Liebe verkörpert, der einzigen Tugend, die im Himmel bleibt. Und der Primat wird aufgrund seiner besonderen Natur gemäß der caritas ausgeübt. Der Titel Servus servorum Dei, den Papst Gregor der Große angenommen hat, bringt das zum Ausdruck. Es handelt sich nicht um eine Definition, die man als eine Art ökumenische Höflichkeitsfloskel bezeichnen kann. Der Papst dient, weil er liebt. Und das kann man unter den derzeitigen historischen Umständen immer deutlicher erkennen. Wenn das Papsttum in der Vergangenheit mit einem unleugbaren Prestige und gesellschaftlicher Macht verbunden war, steht es heute oft im Kreuzfeuer der Kritik.
Benedikt XVI. betet mit dem Ökumenischen Patriarchen von  Konstantinopel, Bartholomaios I., vor dem Grab des Apostels Petrus (Vatikanische Grotten,  29. Juni 2008). [© Associated Press/LaPresse]

Benedikt XVI. betet mit dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., vor dem Grab des Apostels Petrus (Vatikanische Grotten, 29. Juni 2008). [© Associated Press/LaPresse]

In den Reflexionen über die Ökumene wird oft die so genannte „Ratzinger-Formel“ zitiert: in den Dingen, die den Primat des Papstes angehen, darf Rom von den orthodoxen Kirchen nicht mehr verlangen als das, was im ersten Jahrtausend festgelegt und gelebt wurde. Was aber ist mit den dogmatischen Definitionen des zweiten Jahrtausends?
MOREROD: Die Dogmen, die während des zweiten Jahrtausends in der katholischen Kirche definiert wurden, werden als Teil der Glaubenslehre von uns anerkannt. Und dort, wo einige glauben, dass die unbefleckte Empfängnis und die Aufnahme Mariens in den Himmel Teil des Glaubens sind, andere aber nicht, kann es keine volle Gemeinschaft geben. Was hier besondere Probleme macht, ist natürlich vor allem die Definition der Unfehlbarkeit des Nachfolgers Petri. Aber wenn der theologische Dialog fortgeführt werden sollte, wird man auch darüber sprechen können.
Welchem Kurs soll man also diesbezüglich folgen?
MOREROD: In dem von mir zitierten Dokument über den katholisch-anglikanischen Dialog wird anerkannt, dass der Bischof von Rom unter besonderen Umständen auch allein den Glauben der ganzen Kirche zum Ausdruck bringen kann. Diese Möglichkeit wird als eine Gabe betrachtet, die alle Kirchen als solche annehmen sollten. Den Orthodoxen müsste als Ausgangspunkt gezeigt werden, dass gerade das Erste Vatikanische Konzil ein wichtiger Schritt in Richtung eines rechten Verständnisses der Unfehlbarkeit war und dass die Anwendung dieses Prinzips drastisch eingeschränkt worden ist. Zuvor haben manche gedacht, dass der Papst in vielen seiner Stellungnahmen unfehlbar wäre .
Und was ist mit den anderen dogmatischen Definitionen?
MOREROD: Auch hier kann der Vergleich mit der Situation des ersten Jahrtausends hilfreich sein, als es zwischen der Kirche des Westens und der des Ostens verschiedene Differenzen gab, die allerdings nicht zu einer Spaltung führten. Man muss anerkennen, dass es verschiedene Arten gibt, denselben apostolischen Glauben zum Ausdruck zu bringen. Nehmen wir beispielsweise das Filioque: auch der Papst hat manchmal das Glaubensbekenntnis ohne das Filioque gesprochen, und das tun seit einigen Jahrzehnten auch die Katholiken des lateinischen Ritus in Griechenland und die Katholiken des griechischen Ritus in Süditalien, einem von Papst Benedikt XIV. im Jahr 1742 anerkanntem Brauch entsprechend. Das heißt, dass der Glaube an die Dreifaltigkeit mit oder ohne Filioque zum Ausdruck gebracht werden kann. Und das daher die Anfügung des Filioque keinen Bruch mit der Gemeinschaft bedeutet, die diesen Glauben gemeinsam bekennt.
Manche Beobachter sind der Meinung, dass die Orthodoxen für Benedikt XVI. eine besondere Sympathie hegen. Können Sie das bestätigen?
MOREROD: Das habe ich bei meinen Begegnungen mit den Repräsentanten verschiedener orthodoxer Kirchen auch feststellen können. Sie schätzen den Heiligen Vater sehr, vielleicht auch, weil er für sie eine Art monastisches Ideal verkörpert; schließlich sind alle orthodoxen Bischöfe Mönche. Wenn der Papst nicht sich selbst in den Vordergrund stellt, sondern nur das wiederholt, was er selbst empfangen hat, wenn er sein Amt vor seine Person stellt, dann ist das der Ökumene sehr hilfreich. Ein Papst, der in sein Amt sowenig Persönliches wie möglich mit einbringt und sich stattdessen auf das Wesentliche beschränkt, kann den Orthodoxen nur gefallen.


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