Das Bündnis, das die Welt in Staunen versetzte
Interview mit Ibrahim Kanaan von Davide Malacaria und Lorenzo Biondi
Ibrahim Kanaan ist ein namhafter Vertreter der Freien Patriotischen Bewegung, jener Partei, die von General Michel Aoun geleitet wird und bei den
libanesischen Christen hoch im Kurs steht. Das Bündnis zwischen der Partei Aouns und Hisbollah hat die ganze Welt in Staunen
versetzt.
![Ibrahim Kanaan. [© Lorenzo Biondi]](/upload/articoli_immagini_interne/1286976531290.jpg)
Man sagt, der letzte Krieg mit Israel hätte Christen und Muslime einander angenähert…
IBRAHIM KANAAN: Das ist nicht der einzige Faktor, aber wenn eine Gesellschaft einer allgemeinen Aggression ausgesetzt wird, schafft das Solidarität zwischen den Parteien. Es ist das Zeichen dafür, dass es einen Sinn für nationale Zusammengehörigkeit gibt. Einheit und Vielfalt geben dem Libanon im Nahen Osten einen besonderen Stellenwert.
In einer Welt, die vom „Zusammenprall der Kulturen“ erschüttert wird, ist das Bündnis zwischen der christlichen Freien Patriotischen Bewegung, und Hisbollah ein Beispiel der Gegentendenz…
KANAAN: Politische Bündnisse werden auf der Grundlage politischer Programme gemacht, jenseits aller religiösen Verschiedenheit. Die intergemeinschaftlichen Beziehungen, die von der Eintracht herrühren, helfen, den Sinn für nationale Zusammengehörigkeit zu stärken.
Wie kam es zum Bündnis zwischen Ihrer Partei und Hisbollah?
KANAAN: Es war eigentlich etwas ganz Natürliches, kein Bündnis, das „gegen“ andere Gemeinschaften geschlossen wurde. Entstanden war es als Abkommen, das sich auf einen Geist der Aussöhnung gründete und das wir auf alle politischen Gruppierungen auszuweiten hofften. Im Februar 2006 hatte General Aoun vorausgesagt, dass der Libanon nach dem Rückzug der Syrer schwere Zeiten erleben würde. Man musste den Syrien nahestehenden Parteien die Hand reichen und durfte sich nicht nur auf einen Sieg im Innern beschränken: das wäre für die Stabilität der nationalen Einheit sehr gefährlich gewesen. Es geschah im Namen des Friedens, und die allgemeine Einschätzung hat sich als richtig erwiesen.
Hisbollah ist eine recht ungewöhnliche Partei, und zwar sowohl, was ihre Konflikt geladenen Beziehungen zu Israel angeht als auch ihre Militanz. Manche sagen, dass sie eine Bedrohung für die libanesische Demokratie ist...
KANAAN: Demokratie bedeutet, verschiedene Meinungen zu akzeptieren: kann man sich als demokratisch bezeichnen und sich weigern, eine Partei wie Hisbollah anzuerkennen? Die christliche Botschaft – die uns Johannes Paul II. vermittelt hat – ist die Aufgeschlossenheit dem anderen gegenüber, ohne Furcht zu haben.
Hisbollah wird bezichtigt, eine terroristische Gruppe zu sein …
KANAAN: Im Libanon erkennen alle, auch wer mit Hisbollah nicht einverstanden ist an, dass sie eine Partei ist, die an den Wahlen teilnimmt und fast die Gesamtheit der schiitischen Gemeinschaft repräsentiert. Hisbollah gehört der Regierung und dem Parlament an: diese Vorwürfe, die von außen kommen, schaffen nur Spaltungen und sind daher inakzeptabel: wir lassen uns von niemandem an der Nase herumführen, weder vom Osten noch vom Westen.
Hisbollah wird von so mancher Seite aufgefordert, die Waffen niederzulegen.
KANAAN: Das klingt ja fast wie eine militärische Niederlage. Wir müssen darauf abzielen, in den einzelnen Regionen einen Frieden zu schaffen, der auf die Rechte der Libanesen gegründet ist, vor allem das, keinen ständigen, kontinuierlichen Aggressionen ausgesetzt zu sein. Was wir wollen, ist Stabilität, ein vereinter Staat und eine vereinte Armee, aber das kann man nur erreichen, wenn alle an einem Strang ziehen.
Was macht eine Entspannung zwischen arabischer Welt und Israel im Moment noch so schwer?
KANAAN: Der fehlende Respekt vor dem Naturrecht und dem Völkerrecht seitens Israels, die fehlende Achtung aller Völker der Region. Man hat nicht wirklich den Wunsch, einen palästinensischen Staat zu schaffen. Das fängt nämlich bei der Achtung dieser Rechte an, einschließlich dem, die Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren zu lassen. Die Weigerung Israels ist deutlich und zielt nicht auf den Frieden ab, sondern schafft nur neue Spannungen.
Die westliche Welt fürchtet den muslimischen Fundamentalismus.
KANAAN: Fundamentalismus ist immer gefährlich, ganz gleich, ob er nun von Muslimen, Juden oder Christen ausgeht. Die Angriffspolitik nährt ihn noch und zielt darauf ab, neue Spannungen zu schaffen. Frieden und Stabilität kann man in der Region erst dann erreichen, wenn man Einheit und Toleranz anstrebt.
![Ibrahim Kanaan. [© Lorenzo Biondi]](/upload/articoli_immagini_interne/1286976531290.jpg)
Ibrahim Kanaan. [© Lorenzo Biondi]
IBRAHIM KANAAN: Das ist nicht der einzige Faktor, aber wenn eine Gesellschaft einer allgemeinen Aggression ausgesetzt wird, schafft das Solidarität zwischen den Parteien. Es ist das Zeichen dafür, dass es einen Sinn für nationale Zusammengehörigkeit gibt. Einheit und Vielfalt geben dem Libanon im Nahen Osten einen besonderen Stellenwert.
In einer Welt, die vom „Zusammenprall der Kulturen“ erschüttert wird, ist das Bündnis zwischen der christlichen Freien Patriotischen Bewegung, und Hisbollah ein Beispiel der Gegentendenz…
KANAAN: Politische Bündnisse werden auf der Grundlage politischer Programme gemacht, jenseits aller religiösen Verschiedenheit. Die intergemeinschaftlichen Beziehungen, die von der Eintracht herrühren, helfen, den Sinn für nationale Zusammengehörigkeit zu stärken.
Wie kam es zum Bündnis zwischen Ihrer Partei und Hisbollah?
KANAAN: Es war eigentlich etwas ganz Natürliches, kein Bündnis, das „gegen“ andere Gemeinschaften geschlossen wurde. Entstanden war es als Abkommen, das sich auf einen Geist der Aussöhnung gründete und das wir auf alle politischen Gruppierungen auszuweiten hofften. Im Februar 2006 hatte General Aoun vorausgesagt, dass der Libanon nach dem Rückzug der Syrer schwere Zeiten erleben würde. Man musste den Syrien nahestehenden Parteien die Hand reichen und durfte sich nicht nur auf einen Sieg im Innern beschränken: das wäre für die Stabilität der nationalen Einheit sehr gefährlich gewesen. Es geschah im Namen des Friedens, und die allgemeine Einschätzung hat sich als richtig erwiesen.
Hisbollah ist eine recht ungewöhnliche Partei, und zwar sowohl, was ihre Konflikt geladenen Beziehungen zu Israel angeht als auch ihre Militanz. Manche sagen, dass sie eine Bedrohung für die libanesische Demokratie ist...
KANAAN: Demokratie bedeutet, verschiedene Meinungen zu akzeptieren: kann man sich als demokratisch bezeichnen und sich weigern, eine Partei wie Hisbollah anzuerkennen? Die christliche Botschaft – die uns Johannes Paul II. vermittelt hat – ist die Aufgeschlossenheit dem anderen gegenüber, ohne Furcht zu haben.
Hisbollah wird bezichtigt, eine terroristische Gruppe zu sein …
KANAAN: Im Libanon erkennen alle, auch wer mit Hisbollah nicht einverstanden ist an, dass sie eine Partei ist, die an den Wahlen teilnimmt und fast die Gesamtheit der schiitischen Gemeinschaft repräsentiert. Hisbollah gehört der Regierung und dem Parlament an: diese Vorwürfe, die von außen kommen, schaffen nur Spaltungen und sind daher inakzeptabel: wir lassen uns von niemandem an der Nase herumführen, weder vom Osten noch vom Westen.
Hisbollah wird von so mancher Seite aufgefordert, die Waffen niederzulegen.
KANAAN: Das klingt ja fast wie eine militärische Niederlage. Wir müssen darauf abzielen, in den einzelnen Regionen einen Frieden zu schaffen, der auf die Rechte der Libanesen gegründet ist, vor allem das, keinen ständigen, kontinuierlichen Aggressionen ausgesetzt zu sein. Was wir wollen, ist Stabilität, ein vereinter Staat und eine vereinte Armee, aber das kann man nur erreichen, wenn alle an einem Strang ziehen.
Was macht eine Entspannung zwischen arabischer Welt und Israel im Moment noch so schwer?
KANAAN: Der fehlende Respekt vor dem Naturrecht und dem Völkerrecht seitens Israels, die fehlende Achtung aller Völker der Region. Man hat nicht wirklich den Wunsch, einen palästinensischen Staat zu schaffen. Das fängt nämlich bei der Achtung dieser Rechte an, einschließlich dem, die Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren zu lassen. Die Weigerung Israels ist deutlich und zielt nicht auf den Frieden ab, sondern schafft nur neue Spannungen.
Die westliche Welt fürchtet den muslimischen Fundamentalismus.
KANAAN: Fundamentalismus ist immer gefährlich, ganz gleich, ob er nun von Muslimen, Juden oder Christen ausgeht. Die Angriffspolitik nährt ihn noch und zielt darauf ab, neue Spannungen zu schaffen. Frieden und Stabilität kann man in der Region erst dann erreichen, wenn man Einheit und Toleranz anstrebt.