Feiern.
75 Jahre brasilianisches Kolleg
von Pina Baglioni
![Kardinal Gaetano Bisleti bei der Grundsteinlegung für das brasilianische Kolleg, das am 27. Oktober 1929 von Pius XI. gesegnet wurde. [© Das Päpstliche Brasilianische Kolleg „Pius“]](/upload/articoli_immagini_interne/1250085066149.jpg)
Kardinal Gaetano Bisleti bei der Grundsteinlegung für das brasilianische Kolleg, das am 27. Oktober 1929 von Pius XI. gesegnet wurde. [© Das Päpstliche Brasilianische Kolleg „Pius“]
So war es 76 Jahre später gekommen, dass sich einige brasilianische Kardinäle und Bischöfe mit dem Segen von Papst Pius XI. und dem General der Jesuiten, Pater Vladimiro Ledóchowski, darum bemüht hatten, ein eigenes Kolleg für die Seminaristen aus Brasilien ins Leben zu rufen. Ein Grund war die portugiesische Sprache, vor allem aber die vielen Studenten, die nach Rom kommen wollten. Ein Beschluss, der schon lange in der Schwebe war. Vielleicht seit dem 11. Dezember 1905; jenem Tag, an dem zum ersten Mal ein lateinamerikanischer Priester zum Kardinal kreiert wurde: der Brasilianer Joaquim Arcoverde de Albuquerque Cavalcanti, ein ehemaliger Schüler des lateinamerikanischen Kollgs „Pius“. Nach ihm hatten noch zwei weitere Brasilianer das Kardinalsbirett erhalten: Sebastiano Leme da Silveira Cintra und Alfredo Vicente Scherer, ebenfalls ein ehemaliger Schüler des lateinamerikanischen Kollegs. Der Moment, in dem man der brasilianischen Kirche das geben musste, was ihr zustand, war gekommen.
Im lichtdurchfluteten Eingang des Kollegs, wo dem Besucher sofort das große Mosaik ins Auge fällt, auf dem Nossa Senhora Aparecida, die Schutzpatronin Brasiliens, abgebildet ist, erinnern zwei kleine Büsten an die beiden Männer, denen die Entstehung des brasilianischen Kollegs zu verdanken ist: Kardinal Sebastiano Leme und den italienischen Kardinal Benedetto Aloisi Masella, damals Apostolischer Nuntius in Brasilien. Das Abkommen zwischen den beiden machte den gesamten brasilianischen Episkopat mobil, der dann – Weihnachten 1927 – einen Hirtenbrief an den Klerus und die Katholiken Brasiliens schickte, in dem man an die Großzügigkeit des Volkes appellierte, um endlich zum Bau des erwünschten Kollegs schreiten zu können.
Als Standort für den geplanten Bau wählte man Villa Maffei, ein riesiges, typisch mediterranes Gelände an der Via Aurelia, in unmittelbarer Nähe zum Vatikan. Der linke Teil des Grundstücks, Eigentum von Papst Pius IX., war seit 1859 als Unterkunft für die Studenten des lateinamerikanischen Kollegs „Pius“ genutzt worden. Den Brasilianern wurde der rechte Teil des Geländes zugeteilt, und hier, auf diesen 5.000 Quadratmetern Grundstück, schritt Kardinal Gaetano Bisleti am 27. Oktober 1929 zur von Pius XI. gutgeheißenen Grundsteinlegung. Unter den Anwesenden waren der Primas von Brasilien, Erzbischof Augusto Álvaro da Silva, und die Studenten des lateinamerikanischen Kollegs „Pius“.
Bei diesem Anlass wurde auch bestimmt, wessen Schutz das zukünftige Kolleg anvertraut werden sollte: dem Heiligsten Herzen Jesu, das dank des Werkes des Jesuitenpaters Bartolomeo Taddei in ganz Brasilien verehrt wurde. Taddei war Ende des 19. Jahrhunderts für die römische Provinz in Brasilien tätig.
Das großräumige Kolleg, das 100-130 Studenten aufnehmen kann, wurde am Tag nach der Schließung der Heiligen Pforte eröffnet – jenem Akt, mit dem Pius XI. das Heilige Jahr der Erlösung hatte ausklingen lassen. Am Vorabend der Kollegseröffnung hatten sich die Studenten des lateinamerikanischen Kollegs zusammen mit den 34 Brasilianern – 29 Seminaristen und 5 Priester –, für die es nun Abschied nehmen hieß, zum letzten Mal vor der Muttergottesstatue am Eingang des lateinamerikanischen Kollegs versammelt, um gemeinsam das Salve Regina zu singen, auf dass die Muttergottes Bleibenden wie Scheidenden ihren Schutz gewähren mochte.
Am Tag nach jenem schicksalsträchtigen 3. April, nach der Messe und der Weihe des Heiligsten Herzens Jesu, wurde das Oremus pro Pontifice gesungen und das Dokument verlesen, das Staatssekretär Eugenio Pacelli an Kardinal Bisleti geschickt hatte und in dem er ihm die Glückwünsche von Papst Pius XI. übermittelte wie auch die Genehmigung, das neugegründete Kolleg nach Papst Pius zu benennen. Unter den anwesenden Kardinälen, Bischöfen, Botschaftern, einfachen Priestern und brasilianischen Pilgern befand sich an jenem Tag übrigens auch ein einfacher Priester namens Don Luigi Orione, der Gründer des Kleinen Werkes der Göttlichen Vorsehung.