Archiv 30Tage
Es ist der Herr, der wirkt
„...in der Beichtzelle müssen wir nicht beweisen, wie gebildet wir sind, und wir dürfen uns auch nicht in unnötigen Erklärungen ergehen, denn so würden wir das zerstören, was der Herr wirkt.“ So lautete der Ratschlag von Pater Leopold Mandic, dem Beichtvater, der die Barmherzigkeit Gottes besaß.
von Stefania Falasca

Eines der letzten Fotos von Pater Leopold Mandic.
Leopold Mandic wurde am 16. Oktober 1983 heiliggesprochen, vox populi zur Ehre der Altäre erhoben. Seit seinem Tod waren erst 41 Jahre verstrichen; es war einer der schnellsten Heiligsprechungsprozesse unseres Jahrhunderts.
Aus altem bosnischen Adelsgeschlecht
Adeodat Mandic, 1866 bei Kotor in Dalmatien geboren, stammte aus einem alten bosnischen Adelsgeschlecht. Er nahm den Namen Leopold an und trat in das Seminar der Kapuziner in Bassano del Grappa ein. Mit 24 Jahren wurde er zum Priester geweiht. Venedig, Bassano, Thiene und schließlich Padua (von 1909 an) sind die Stationen seiner Laufbahn, und sein Dienst steht ganz im Zeichen des Sakraments der Buße. Das war die einzige Aufgabe, die seine Vorgesetzten ihm zugedacht hatten: Zu etwas anderem schien er, 1,38m klein, von schwächlicher Konstitution und mit schwerfälligem, unbeholfenem Gang, nicht geeignet zu sein... Körperlich gesehen war er ein Nichts, und außerdem „nuschelte“ er auch noch, d.h., er verschluckte Worte, was sich natürlich dann, wenn er betete oder Gebetsformeln wiederholen mußte, so negativ auswirkte, daß er nicht einmal ein „oremus“ öffentlich beten konnte. Und das war für einen, der zu einem Predigerorden wie den Kapuzinern gehörte, nun wirklich keine Kleinigkeit. „Er wunderte sich selbst oft darüber“, erinnerte sich ein Mitbruder beim Heiligsprechungsprozeß, „daß Universitätsprofessoren, einflußreiche und bedeutende Persönlichkeiten gerade zu ihm, dem ‚armen Mönch‘ kamen, und mit großer Bescheidenheit führte er das alles auf die Gnade des Herrn zurück, der „geruht hatte, durch seinen ‚geringen Diener voller Fehler‘ den Seelen Gutes zu tun.“ Wer ihn kannte, konnte sich von dieser ehrlichen Bescheidenheit voller Dankbarkeit überzeugen. So wird erzählt, daß ein junger Priester zu Ostern zu vorgerückter Stunde auf Pater Leopold traf, der so viele Stunden in der Beichtzelle verbracht hatte, daß er sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. „Pater, Sie werden wohl sehr müde sein...,“ sagte er zu ihm. „Und wie zufrieden erst!“ antwortete der Angesprochene. „Danken wir dem Herrn und bitten wir ihn um Vergebung, denn er hat es in seiner Barmherzigkeit ermöglicht, daß unsere Armseligkeit mit den Schätzen seiner Gnade in Berührung kommt.“
Vor seiner Beichtzelle wartete jeden Tag ein buntgemischtes Publikum. Analphabeten und einfache Bauern, Akademiker, Priester und Ordensleute, Industrielle und Professoren: Alle warteten geduldig bis sie an der Reihe waren, und Pater Leopold widmete sich allen mit derselben Sorge, demselben Taktgefühl, das galt ganz besonders für diejenigen, die schon lange nicht mehr gebeichtet hatten. „Da bin ich, kommen Sie nur, setzen Sie sich ... Sie müssen wissen, daß ich schon auf Sie gewartet habe“, sagte er zu einem Herrn aus Padua, der lange Zeit den Sakramenten ferngeblieben war. Dessen Überraschung und Verwirrung war groß: so groß, daß er in die Beichtzelle trat und sich prompt auf den Priesterstuhl setzte, anstatt sich hinzuknien. Pater Leopold tat, als wäre nichts geschehen, kniete anstelle des bußfertigen Sünders nieder und hörte die Beichte. So groß war sein Feingefühl, daß er niemanden unnötig verletzen wollte und nur allzu viel Verständnis für die menschlichen Schwächen hatte. „Sehen Sie, auch wenn ich Kapuziner und Priester bin, so bin ich doch nur armselig“, sagte er zu einem anderen Büßer. „Wenn Gott, unser Vater, mich nicht im Zaum hielte, dann würde ich noch mehr anstellen als andere ... Sie brauchen wirklich keine Bedenken zu haben.“ Und zu einem, der schwere Schuld auf sich geladen hatte und sich schämte, sein Herz zu erleichtern, sagte er: „Wir sind alle nur arme Sünder: Gott erbarme sich unser...“ Und das sagte er in einem so ungezwungenen Ton, daß der Mann sofort Mut faßte und in aller Offenheit seine Sünden bekannte. Pater Leopold wurde nie müde, den Büßenden zu sagen, daß die Barmherzigkeit Gottes alle Erwartungen übertrifft. „Gott zieht den Fehler, der demütig macht, der stolzen Perfektion vor .“

Die Kirche und der Kapuzinerkonvent in Padua vor der Zerstörung beim Luftangriff vom 14. Mai 1944.
Sein Glaube an die Wirksamkeit der Gnade, die Gott durch die Sakramente mitteilt, war unerschütterlich; allein von einer Überzeugung war er nicht abzubringen: Von der Wichtigkeit der Kürze der Beichte. Es stimmt zwar, daß er manchmal, an etwas ruhigeren Tagen, auch einmal jemandem eine halbe Stunde widmete, aber das geschah dann, wenn er mit dem Betroffenen über dessen Studium oder Arbeit sprach, oder wenn er sich mit Klerikern oder solchen, die seinen geistlichen Rat suchten, unterhielt. Aber die Beichte selbst war nie von langer Dauer. Und die bußfertigen Sünder berichteten immer wieder von dieser Kürze und von seinen schlichten Worten. Ein Monsignore aus Padua schrieb: „Die Beichte bei Pater Leopold war ausgesprochen kurz. Er hörte zu, und sprach los, keine großen Worte, manchmal sprach er zu einfachen Leuten auch im Dialekt, ein paar Leitsätze, ein Blick aufs Kruzifix, manchmal ein Seufzer. Er wußte nur zu gut, daß lange Beichten nur der Reue abträglich sind und nicht selten die Eigenliebe befriedigen; daher hielt er sich an den vom Katechismus der christlichen Lehre vorgegebenen Beichtablauf.“ In einem Brief an einen Priester schrieb Pater Leopold: „Verzeihen Sie, wenn ich mir eine Anmerkung erlaube .... aber sehen Sie, wir hier in der Beichtzelle müssen nicht beweisen, wie gebildet wir sind, wir dürfen nicht über Dinge sprechen, denen manch einfache Seele nicht folgen kann, und wir dürfen uns auch nicht in unnötigen Erklärungen ergehen, denn so würden wir durch üßen müssen... aber immer noch besser das Fegefeuer als die Hölle. Wenn jemand, der bei uns beichtet, mit einer leichten Buße ins Fegefeuer kommt, besteht dann nicht die Gefahr, daß er vor den Kopf gestoßen wird, wenn man ihm eine schwere Buße auferlegt, so daß er noch in der Hölle endet?“ Und so ließ er normalerweise drei Ave Maria und drei Gloria Patri beten. Wenig gab er den vom kirchlichen Leben weit entfernten Laien auf und ebensowenig denjenigen, die aufgrund ihrer Berufung jeden Tag viele Gebete sprechen müssen. Ein Priester hat ihn einmal gefragt, ob es nicht angebracht wäre, dem Wunsch eines Mädchens nachzukommen, das ein Bußwerkzeug tragen wollte. Der gute Pater winkte ab und meinte, das sei ganz und gar kein Wunsch, den man erfüllen dürfe. „Aber Pater, Sie kennen sie nicht, sie ist eine Seele von Mensch, grundanständig...“ Aber Pater Leopold war nicht zu erweichen. Und als der andere nicht nachgeben wollte, meinte er: „Entschuldigen Sie, aber tragen Sie vielleicht einen Bußgürtel?“ „Nein!“ „Na also! Lieber Pater, sehen wir zu, daß die Büßer den Geboten Gottes folgen und ihre Pflicht erfüllen ... das reicht! Und solche Flausen treiben wir ihnen besser aus!“
Großmütig war Pater Leopold auch bei der Lossprechung von den Sünden: er hat sie niemandem verwehrt. Und die wenigen Male, die das doch geschehen war, hat er bitter bereut. Ein paar Tage vor seinem Tod hat ihn ein Priester gefragt: „Pater, gibt es etwas, das Ihnen Kummer bereitet?“ „Leider ja“, gab er zur Antwort: „Als ich noch jung war, in meinen ersten Jahren als Priester, habe ich drei- oder viermal die Sündenvergebung verweigert.“

Der Beichtstuhl von Pater Leopoldo, dem die Bombardierung der Kapuzinerkirche von Padua 1944 nichts anhaben konnte.
Er war überall wegen seiner Güte bekannt: el padre Leopoldo, o benedeto! Queo sì ch’el xe bon! L’è un santo sagten die Leute. Das ging soweit, daß im Jahre 1923, als die Oberen Pater Leopold nach Fiume versetzten, die ganze Stadt Padua Trauer trug. Und so groß waren die Proteste, so hartnäckig die Bürger, daß sich die Oberen schon bald gezwungen sahen, ihre Entscheidung rückgängig zu machen und ihn wieder nach Padua zurückzuholen. Auch bei den jungen Klerikern war er sehr beliebt: Im Jahr 1910, ein Jahr nach seiner Ankunft in Padua, wurde Pater Leopold zum Direktor der Kleriker des Priesterseminars der Kapuziner ernannt. Ein Amt, von dem er allerdings schnell wieder entbunden wurde. Ein Mitbruder weiß zu berichten: „Er war den Seminaristen väterlich zugetan, ermunterte sie, und hielt sie zur Hoffnung an. Unsere Regel war sehr streng. Um ein Uhr nachts standen wir auf, um die Matutin zu beten, und im Winter, wenn es bitterkalt war, war das alles andere als leicht ... Er hatte Mitleid mit den jungen Männern ... Ich erinnere mich, daß Pater Leopold mehr als einmal zum Oberen ging und ihn bat, die Matutin auf den Abend vorzuverlegen: „Pater Oberer, heute nacht wird es sehr kalt werden...“ „Aber Pater, wir haben nicht unter Null Grad.“ „Ja, aber heute nacht wird es bestimmt kalt werden...“ „Lassen wir sie schlafen“, sagte er zum Superior. „Sie sollen sich ausruhen... ich werde für sie aufstehen.“ Und er kümmerte sich darum, daß sie gesund waren, genug zu essen hatten und während des Essens nicht vom Superior wegen einer Verfehlung zurechtgewiesen wurden, was durchaus üblich war.“ Der damalige Generalsuperior der Kapuziner schreibt: „Da er genau wußte, wie sehr ich ihn mochte, hatte er großes Vertrauen zu mir und oft sagte er: ‚Pater Provinzial, gewähren Sie mir die Bitte, das Gewissen der Brüder, besonders der jüngeren, nicht unnötig mit Vorschriften zu belasten, denn diese Vorschriften der Oberen müssen ja auch beachtet werden. Wenn sie nicht unbedingt notwendig sind, werden sie doch nur den Schwachen zum Verhängnis... Verzeihen Sie meine Offenheit, verzeihen Sie...‘.“
Zu wieviel Barmherzigkeit, wieviel Liebe – auch zu denen, die sie nicht verdienten – dieser kleine Kapuziner fähig war, wird besonders an der Geschichte eines Klerikers deutlich, der sich schwerer Vergehen schuldig gemacht hatte und mit Schimpf und Schande aus dem Konvent geworfen worden war. Ein Priester erzählt: „Er war gerade zu mir in den Konvent gebracht worden, als ich Pater Leopold traf, der erst vor kurzem aus dem Krankenhaus entlassen worden war. Er rief mich zu sich in die Beichtzelle und flehte mich im Namen Gottes an, den ‚armen Kerl‘ doch aufzunehmen und den Superior zu bitten, ihn gut zu behandeln, um wenigstens seinen Glauben zu retten. Unter Tränen beschwor er mich mehrmals: ‚Den Glauben retten, den Glauben retten!‘ Vor lauter Aufregung verhaspelte er sich mehrmals, als er fortfuhr: ‚Sagen Sie dem armen Kerl, daß ich für ihn beten werde. Sagen Sie ihm, daß ich morgen bei der Heiligen Messe seiner gedenken werde, oder besser: ... sagen Sie ihm, daß ich die Messe für ihn lesen werde und daß ich ihn segnen werde. Sagen Sie ihm, daß Pater Leopold ihn immer noch gern hat!.. ‘ Bei soviel evangeliumsgemäßer Nächstenliebe kam auch ich nicht umhin, ehrlich berührt zu sein. Normalerweise hört man solche Worte nur aus dem Mund einer Mutter, deren mißratener Sohn sich von ihr entfernt.“ Dennoch gab es Personen, die diese grenzenlose Güte als ein unangebracht großes Entgegenkommen empfanden und darüber die Nase rümpften.

Pater Leopold in seiner Beichtzelle.
Und so kam es zu ersten Kritiken an der Großzügigkeit, mit der er selbst die unverbesserlichsten Büßer behandelte, denen er nie die Vergebung versagte. Man warf ihm vor, oberflächlich zu sein und sich mit allzu schnellen und knappen Sündenbekenntnissen zufriedenzugeben. Man ging sogar so weit, ihm vorzuwerfen, er hätte laxe Moralprinzipien. Man riet den Klerikern entschieden davon ab, bei ihm zu beichten. Die Kritiken kamen dem kleinen Kapuziner zu Ohren, und eines Tages sagte ein Priester zu ihm: „Pater, Sie sind zu gut ... Sie werden sich vor dem Herrn rechtfertigen müssen! ... Haben Sie denn keine Angst, daß Gott Sie wegen Ihrer übertriebenen Großzügigkeit zurechtweisen wird?“ „Er hat uns sein Beispiel vorgelebt“, antwortete er und deutete auf das Kruzifix. „Nicht wir sind für die Errettung der Seelen gestorben, sondern Er war es, der sein göttliches Blut vergossen hat. Daher müssen wir die Seelen so behandeln, wie Er es uns durch sein Beispiel gezeigt hat. Warum sollten wir die Seelen, die sich uns zu Füßen werfen, unnötig demütigen? Sind sie nicht bereits genug gedemütigt? Hat etwa Jesus den Zöllner gedemütigt, die Ehebrecherin, Maria Magdalena?“ Und seine Arme ausbreitend fuhr er fort: „Wenn mir der Herr zu große Großzügigkeit vorwerfen sollte, könnte ich ihm entgegnen: ‚Paron benedeto, dieses schlechte Beispiel habt Ihr selbst mir gegeben, der Ihr aus göttlicher Nächstenliebe am Kreuz für die Errettung der Seelen gestorben seid‘.“
„Man sagt mir, ich wäre zu gut“, schreibt er an einen befreundeten Priester. „Aber wenn jemand zu mir kommt und niederkniet, ist das nicht schon genug Beweis dafür, daß er die Verzeihung Gottes ersehnt?“
Die kritischen Stimmen verstummten bald. Ein damaliger Domherr von Padua, Monsignor Guido Bellincini, beeilte sich, einen Brief an den Konvent Pater Leopolds zu schicken: „Eure Großherzigkeit, verehrter Vater, ist nicht Laxheit moralischer Prinzipien, sondern Verständnis für die menschliche Schwäche und Vertrauen in die unerschöpflichen Schätze der Gnade: Es ist kein Entgegenkommen oder Gleichgültigkeit der Schuld gegenüber, sondern dem Sünder gewährter Großmut, nicht daran zu zweifeln, daß er wieder auf den rechten Weg zurückfinden kann. Danken wir dem Herrn, daß er die Dinge recht macht: Er hat gewollt, daß ein einfacher Mensch Beichtvater und Richter sei, und nicht ein Engel des Himmels. Wir hätten wenig zu lachen, wenn der Engel Beichtvater wäre: Wie streng und furchtbar wäre er doch! Ein Mensch dagegen hat Verständnis für einen anderen Menschen, und die Sakramente sind schließlich für die Menschen!“
Im Mai 1935 feiert Pater Leopold den fünfzigsten Jahrestag seines Eintritts in den Orden. Es muß wohl nicht betont werden, wieviele Zuneigungsbeweise er an diesem Tag erhalten hat. Er hätte nicht im Traum daran gedacht, das alles zu erleben, wo er doch die Zurückhaltung in Person war. Honor sequitur fugientes! In der Tat hat die Tatsache, daß er überall im Ruf stand, heilig zu sein, niemals – weder zu seinen Lebzeiten noch nach seinem Tod – öffentliches Aufsehen erregt oder Fanatismus ausgelöst. Und die außerordentlichen Gaben und großen Werke, die der Herr durch ihn wirken wollte, geschahen in der Stille, fast ohne daß man es merkte. Selbst vielen seiner Mitbrüder wurde es, wie sie beim Heiligsprechungsprozeß zugaben, erst nach seinem Tod bewußt. „Ich hätte es nie vermutet, denn ich konnte nichts Außergewöhnliches an ihm feststellen. Pater Leopoldo war zwar sicher ein beispielhafter Kapuziner, aber nicht mehr.“
Aber gerade diesem ‚nicht mehr‘ hatten viele zu seinen Lebzeiten Gnadenbeweise und Wunder zu verdanken; wieviele „chronische Sünder“ konnten durch ihn endlich wieder befreiende Tränen über die Schuld weinen, die sie auf sich geladen hatten; wieviele waren in diese Beichtzelle gekommen; ... wieviele werden ihr Leben lang nicht diese Umarmung, diesen Blick vergessen ... Und er vertraute sie alle Maria an. Wieviele nächtliche Stunden hat er für diese Seelen gebetet? Wie oft hat ihn der Pater Guardian beim Morgengrauen im Halbdunkel der Kapelle auf dem Boden kniend vor der Muttergottesstatue angetroffen! Ihr war er wie einer Mutter zärtlich zugetan, er küßte sie und flehte sie an mit Tränen in den Augen wie ein Kind.
In den letzten Wochen seines Lebens, als er bereits vom Speiseröhrenkrebs gezeichnet war, wurden seine Gebete zu seiner „cara Parona celeste“ noch eindringlicher: „Es ist außerordentlich wichtig für mich“, schrieb er einem Freund „daß meine liebreiche himmlische Mutter sich erbarmt und Mitleid mit mir hat.“ Und seine Vertrauten bat er, zu ihr zu beten, daß die Schmerzen ihn nicht daran hindern mögen, Beichte zu hören. „Bittet Sie eindringlich darum!“ bat er. „Rührt an Ihr Mutterherz, auf daß ich mein Amt bis zum Ende ausüben und dem Herrn Jesus Christus bis zum Ende dienen kann.... Für die Rettung der Seelen ... Zur Ehre Gottes!“
Im Morgengrauen jenes 30. Juli wollte er die Messe zelebrieren, aber er war so schwach, daß er ins Bett zurückgebracht werden mußte. Als er spürte, daß ihn die Kräfte verließen, bat er seine Mitbrüder, das Salve Regina zu singen. Bei den Schlußtönen richtete er sich mit Tränen in den Augen auf ... Dulcis Virgo Maria, liebreiche Jungfrau Maria. Dann tat er seinen letzten Atemzug. Am Vorabend hatte er fünfzig Beichten gehört! Die letzte um Mitternacht.