Dankbarkeit
Céline Martin, Schwester der hl. Therese, trat 1894 unter dem Namen Geneviève vom Heiligen Antlitz in den Karmel ein. Sie kümmerte sich 1951 persönlich um die Überarbeitung ihrer Tagebuchnotizen und der Aussagen für den Selig- und Heiligsprechungsprozess ihrer Schwester. Diese Aufzeichnungen, die zum Teil noch zu Lebzeiten Thereses entstanden, sind in folgendem Buch enthalten: Die kleine Therese von Lisieux. Aufzeichnungen und Erinnerungen ihrer Schwester. Lesen Sie hier das Kapitel „Dankbarkeit“. (Verlag Neue Stadt, München 1985, SS. 55-56).
ein Kapitel des Buches von Céline Martin

Die kleine Therese vom kinde Jesus.
Meine liebe kleine Schwester sagte mir: „Das, was die meisten Gnaden von Gott anzieht, ist die Dankbarkeit. Wenn wir ihm für eine Wohltat danken, ist er gerührt und beeilt sich, uns zehn weitere zu erweisen. Wenn wir ihm dann wieder mit derselben Aufrichtigkeit danken, welche unberechenbare Vermehrung der Gnaden! Ich selbst habe diese Erfahrung gemacht; versuche es, und du wirst sehen! Meine Dankbarkeit ist grenzenlos für alles, was er mir gibt, und ich beweise sie ihm auf tausend Arten.“
Sie war auch dankbar für den geringsten Dienst, den man ihr erwies, ganz besonders aber für das Gute, das ihr widerfahren war durch die Priester, denen sie sich hatte anvertrauen können.
Nicht am lieben Gott zweifeln
Ich klagte darüber, dass der liebe Gott mich verlassen zu haben schien… Schwester Therese antwortete heftig: „Sag das nicht! Siehst du, selbst wenn ich nicht begreife, was geschieht, lächle ich, danke ich und erscheine immer zufrieden vor dem lieben Gott. Man darf an ihm nicht zweifeln, das hieße Feingefühl vermissen lassen. Nein, niemals ‚Verwünschungen‘ gegen die Vorsehung, sondern immer nur Dankbarkeit.“
„Erinnere dich...“
Ich trat in den Karmel ein mit der Überzeugung, Jesus viel geschenkt zu haben. Deshalb bat ich meine kleine Therese, auf die Melodie des „Erinnere dich“ ein Gedicht zu verfassen, das Jesus an alles „erinnern“ sollte, was ich ihm meiner Ansicht nach geopfert hatte, und auch an alles, was unsere Familie gelitten hatte. Sie nahm den Vorschlag mit Vergnügen auf, um mir eine kleine Lektion zu erteilen. In zahlreichen Strophen hob sie nicht das hervor, was ich für Jesus, sondern das, was er für mich getan hatte.
Ich fühlte mich an das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner erinnert: Hatte ich es nicht dem ersten gleichgetan, der sich brüstete, den Zehnten all seiner Habe zu geben?... So wollte mich Therese lehren, mich vollständig zu vergessen und nur zu lieben und zu danken.