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TURINER GRABTUCH
Aus Nr. 06/07 - 2008

EINLEITUNG. In Erwartung neuer Untersuchungen

Indizien für den Triumph Seiner Passion


Nach der letzten Ausstellung im Heiligen Jahr 2000 und den Restaurierungsarbeiten des Jahres 2002 wurde nun bekannt, dass für Frühjahr 2010 eine neue Ausstellung des Turiner Grabtuchs geplant ist.


von Lorenzo Bianchi


Ein Detail des Grabtuchs, als Positivbild, vor den Restaurierungsarbeiten des Jahres 2002.

Ein Detail des Grabtuchs, als Positivbild, vor den Restaurierungsarbeiten des Jahres 2002.

Am 2. Juni kündigte Papst Benedikt XVI. für das Frühjahr 2010 eine neue Ausstellung des Turiner Grabtuchs an, jenes Leinentuch, das nach der Bestattung und vor der Auferstehung den Leib Jesu umhüllt haben soll. Zum letzten Mal war es im Heiligen Jahr 2000 ausgestellt worden.
Die Ankündigung kam nur wenige Wochen nach der Debatte, die um einen BBC-Dokumentarfilm über die Geschichte des Grabtuches entbrannt war (der dann, am 24. März, auch im italienischen Fernsehen ausgestrahlt wurde). Darin war ein Interview mit dem neuen Leiter des Labors Oxford, Prof. Christopher Bronk Ramsey zu sehen, in dem die Bekanntgabe neuer Erkenntnisse angekündigt wurde. Das Labor Oxford war eines der drei Labors (neben Tucson und Zürich), an denen 1988 der berühmte Radiokarbontest an dem Grabtuch vorgenommen wurde. Das von Kardinal Anastasio Ballestrero am 13. Oktober 1988 verkündete (und dann in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Nature am 16. Februar 1989 veröffentlichte) Ergebnis ist allseits bekannt: das Grabtuch schien – laut dieser Datierungsmethode, deren Ergebnis als definitiv galt – mittelalterlichen Ursprungs zu sein, genau genommen auf den Zeitraum zwischen 1260 und 1390 zurück zu gehen.
Ramsey, einer der 21 Unterzeichner des damals verhängten Urteilsspruchs, soll in einem Interview durchblicken haben lassen, dass es ein Fehlurteil gewesen sein könnte. Wie sich dann aber herausstellte, hatte es sich nicht darum gehandelt, sondern einzig um die Bereitschaft, neue Elemente – sofern sich solche ergeben sollten – in Betracht zu ziehen, die das Testergebnis beeinflusst haben könnten. Aber auch das zeugt schließlich von einer konstruktiven Öffnung einem Ergebnis gegenüber, das vielen Gelehrten schon von Anfang an inakzeptabel schien. Und das nicht zuletzt deshalb, weil es, auch was die Datierung betrifft, im Widerspruch zu den zahlreichen Ergebnissen stand, die man 1978 auf Initiative des Sturp (Shroud of Turin Research Project, zusammengesetzt aus etwa dreißig, hauptsächlich amerikanischen Wissenschaftlern) in den verschiedensten Wissenschaftszweigen erlangt hatte oder noch zu erlangen hoffte. Forschungen, die nach der Veröffentlichung des Radiokarbon-Testergebnisses von 1988 zum Erliegen gekommen waren, da man sich seither hauptsächlich auf die Analyse besagten Testergebnisses konzentrierte.
Die angekündigte Ausstellung könnte vielleicht eine gute Gelegenheit sein, neue, wissenschaftlich breit gefächerte Untersuchungen einzuleiten, von denen sich die Forscher neue Erkenntnisse erwarten. Und vielleicht darf man nun auch endlich auf die Veröffentlichung der Ergebnisse der Restaurierung von 2002 hoffen, bei der man die nach dem Brand von Chambéry 1534 angebrachten Flicken entfernt, die versengten Stellen weggekratzt und mit Hilfe eines Scanners mit hoher Auflösung die Rückseite des Grabtuchs gelesen hatte.


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