Interview mit Eusebio Leal Spengler.
Restaurieren, auch im Sozialbereich
Interview mit Eusebio Leal Spengler von Davide Malacaria
Die Oficina del Historiador
de la ciudad ist sicherlich eines der
wichtigsten kulturellen Organe Kubas. Es überwacht die Restaurierung
der zwar zauberhaften, aber leider auch baufälligen Gebäude der
Altstadt von Havanna. Aber das ist nur eine der vielen Aktivitäten
dieses so vielseitigen Büros: einige der restaurierten Gebäude
wurden zu Museen umgewandelt, in anderen dagegen konnten bunte
Geschäfte, Werkstätten, Dienstleistungszentren entstehen, in
denen die Menschen hier Arbeit gefunden haben, die nun vielleicht auch den
Ärmsten der Stadt unter die Arme greifen. Eine Reihe von
Aktivitäten, alle vom Historiador geleitet, der die Einnahmen wiederum in den Ausbau dieses
Werkes investiert. Aber man treibt hier auch humanitäre und kulturelle
Aktivitäten voran, in dem Versuch, das soziale Wachstum dieser Zone
anzukurbeln, das oft noch im Argen liegt. So konnte die Altstadt von
Havanna zu einer Art Baustelle unter freiem Himmel werden, wo sich die
verschiedensten Bewohner des barrio mit den Touristenströmen und lärmenden
Schülergruppen vermischen. Leiter des Oficina
del Historiador ist Eusebio Leal Spengler,
eine einzigartige Persönlichkeit im politischen Panorama Kubas. Der
erklärte Katholik hat zwar keine Parteiämter inne, sitzt aber im
Staatsrat, dem höchsten politischen Organ des Landes. Eusebio Leal
konnte das von ihm geleiteten Büro zu einer Brücke zwischen Kuba
und dem Rest der Welt machen, hat so manche Geldquelle erschlossen und kann
dank seines Einfallsreichtums Massen von Touristen anziehen. Und ein
dichtes Netz von internationalen Beziehungen weben.

Seit wann gibt es die Oficina
del Historiador?
EUSEBIO LEAL SPENGLER: Seit 1937, nach dem, was uns die Chronisten Westindiens berichten, die die Geschichte der spanischen Eroberung Amerikas und der Städtegründungen erzählen. Vor diesem Datum versuchten sich verschiedene Intellektuelle als historiador, hinterließen der Stadt Havanna ein reiches Erbe. Wir wollen das unermüdliche Werk von Emilio Roig de Leuchsenring fortsetzen. So können wir dank Archiven, Museen, Veröffentlichungen und Konferenzen die Geschichte unserer Entwicklung bis zum Oktober 1994 nachvollziehen, als die Oficina del Historiador durch Gesetzesdekret 143 eine neue Dimension annahm und die Altstadtsanierung in Angriff nehmen konnte. Das alles auf der Grundlage bereits gemachter Erfahrungen und weiterer Hilfen, die mit der Entwicklung dieser Initiative einhergingen.
Wie entstand das Belén-Projekt? Welche Beziehung besteht zum Werk der Oficina del Historiador, welche zur katholischen Kirche?
LEAL SPENGLER: Der Grundgedanke ist der, dass man die Bewohner der Altstadt in ein Projekt mit einbezieht, das den Bau von Häusern vorsieht, die Schaffung von Arbeitsplätzen, eine bessere Nutzung der öffentlichen Plätze und eine gerechte Verteilung der Erträge der Arbeit. Das alles mit dem Ziel, eine Grundlage zu schaffen für die Kooperation und internationale Solidarität und eine harmonische Beziehung zu allen sozialen Kräften, die in der Gemeinschaft, in den Religions- und Wohltätigkeits-Institutionen agieren. Wir werden von wichtigen Persönlichkeiten aus der Welt der Kultur unterstützt und auch von Seiner Eminenz Ortega y Alamino, Kardinal von Havanna geschätzt.
Sie kennen Italien, unser Brauchtum und unsere Kultur gut...
LEAL SPENGLER: Italien war meiner Meinung nach eine ausgezeichnete Schule. Die Beziehungen zwischen der klassischen Welt und der Moderne, wie sie in der Kultur und Spiritualität Ihres Landes zum Ausdruck kamen, haben meiner Meinung nach ein ganz ausgezeichnetes Zivilisationsmodell geliefert. Wie viele Italiener nahmen am Unabhängigkeitskampf des kubanischen Volkes teil! Und wie sollten wir die Sympathie vergessen, die das italienische Risorgimento im kubanischen Volk geweckt hat. Auch unser Nationalheld, José Martí, hat aus seiner Bewunderung für Garibaldi keinen Hehl gemacht.
Welche Erinnerung haben Sie an die Kubareise von Papst Johannes Paul II.?
LEAL SPENGLER: Johannes Paul II. wird immer dafür in Erinnerung bleiben, dass er Kuba stets große Aufmerksamkeit gewidmet hat. Sein Besuch war ein denkwürdiger Moment für die Insel. Den Weg geebnet hatten ihm andere religiöse Persönlichkeiten, deren Werk sehr dazu beigetragen hat, dass es zum Besuch des Papstes kommen konnte. Man denke nur an die sel. Mutter Teresa von Kalkutta oder Mutter Thekla Famiglietti, Generalobere des Ordens der heiligen Brigitta. Die Beziehungen zur Kirche erleben einen Moment außergewöhnlicher Kreativität. Beziehungen, die sich auf gegenseitigen Respekt und die unermüdliche Suche nach dem Wohlergehen des kubanischen Volkes stützen. Ein Gedanke, der auch oft von Fidel Castro zum Ausdruck gebracht wurde: kämpfen, um die Gerechtigkeit zu erlangen, die im Bereich unserer Möglichkeiten liegt und für die zukünftigen Generationen die Erfolge und sozialen Errungenschaften der Revolution bewahren. Darauf gründen wir unsere Hoffnung.

Das Kloster der Brigittinnen in Havanna (bisher unveröffentlichtes Foto aus dem persönlichen Archiv von Fidel Castro.)
EUSEBIO LEAL SPENGLER: Seit 1937, nach dem, was uns die Chronisten Westindiens berichten, die die Geschichte der spanischen Eroberung Amerikas und der Städtegründungen erzählen. Vor diesem Datum versuchten sich verschiedene Intellektuelle als historiador, hinterließen der Stadt Havanna ein reiches Erbe. Wir wollen das unermüdliche Werk von Emilio Roig de Leuchsenring fortsetzen. So können wir dank Archiven, Museen, Veröffentlichungen und Konferenzen die Geschichte unserer Entwicklung bis zum Oktober 1994 nachvollziehen, als die Oficina del Historiador durch Gesetzesdekret 143 eine neue Dimension annahm und die Altstadtsanierung in Angriff nehmen konnte. Das alles auf der Grundlage bereits gemachter Erfahrungen und weiterer Hilfen, die mit der Entwicklung dieser Initiative einhergingen.
Wie entstand das Belén-Projekt? Welche Beziehung besteht zum Werk der Oficina del Historiador, welche zur katholischen Kirche?
LEAL SPENGLER: Der Grundgedanke ist der, dass man die Bewohner der Altstadt in ein Projekt mit einbezieht, das den Bau von Häusern vorsieht, die Schaffung von Arbeitsplätzen, eine bessere Nutzung der öffentlichen Plätze und eine gerechte Verteilung der Erträge der Arbeit. Das alles mit dem Ziel, eine Grundlage zu schaffen für die Kooperation und internationale Solidarität und eine harmonische Beziehung zu allen sozialen Kräften, die in der Gemeinschaft, in den Religions- und Wohltätigkeits-Institutionen agieren. Wir werden von wichtigen Persönlichkeiten aus der Welt der Kultur unterstützt und auch von Seiner Eminenz Ortega y Alamino, Kardinal von Havanna geschätzt.
Sie kennen Italien, unser Brauchtum und unsere Kultur gut...
LEAL SPENGLER: Italien war meiner Meinung nach eine ausgezeichnete Schule. Die Beziehungen zwischen der klassischen Welt und der Moderne, wie sie in der Kultur und Spiritualität Ihres Landes zum Ausdruck kamen, haben meiner Meinung nach ein ganz ausgezeichnetes Zivilisationsmodell geliefert. Wie viele Italiener nahmen am Unabhängigkeitskampf des kubanischen Volkes teil! Und wie sollten wir die Sympathie vergessen, die das italienische Risorgimento im kubanischen Volk geweckt hat. Auch unser Nationalheld, José Martí, hat aus seiner Bewunderung für Garibaldi keinen Hehl gemacht.
Welche Erinnerung haben Sie an die Kubareise von Papst Johannes Paul II.?
LEAL SPENGLER: Johannes Paul II. wird immer dafür in Erinnerung bleiben, dass er Kuba stets große Aufmerksamkeit gewidmet hat. Sein Besuch war ein denkwürdiger Moment für die Insel. Den Weg geebnet hatten ihm andere religiöse Persönlichkeiten, deren Werk sehr dazu beigetragen hat, dass es zum Besuch des Papstes kommen konnte. Man denke nur an die sel. Mutter Teresa von Kalkutta oder Mutter Thekla Famiglietti, Generalobere des Ordens der heiligen Brigitta. Die Beziehungen zur Kirche erleben einen Moment außergewöhnlicher Kreativität. Beziehungen, die sich auf gegenseitigen Respekt und die unermüdliche Suche nach dem Wohlergehen des kubanischen Volkes stützen. Ein Gedanke, der auch oft von Fidel Castro zum Ausdruck gebracht wurde: kämpfen, um die Gerechtigkeit zu erlangen, die im Bereich unserer Möglichkeiten liegt und für die zukünftigen Generationen die Erfolge und sozialen Errungenschaften der Revolution bewahren. Darauf gründen wir unsere Hoffnung.