LORENZAGO. Die Begegnung Benedikts XVI. mit dem Bruder von Johannes Paul I.
„Mein großer Freund“
Mit diesen Worten erinnerte Papst Ratzinger beim letzten Angelusgebet im Umland von Belluno an seinen Vorgänger. Edoardo Luciani erzählt...
von Stefania Falasca

Benedikt XVI. begrüßt Edoardo Luciani, genannt Berto.
Als wir am Nachmittag zurück nach Canale d’Agordo fahren, wo Berto noch heute im Haus seiner Eltern wohnt, leben andere Erinnerungen an seinen Bruder wieder auf. Erinnerungen an den letzten Sommer, den Albino zu Hause verbrachte. Damals, Ende Juni 1978, als ihn Edoardo zum letzten Mal in Canale sah. „Er bat mich, mir für den Sommer nichts vorzunehmen, weil er sich endlich einen lang gehegten Wunsch erfüllen wollte. Als ich ihn fragte, was das denn wäre, antwortete er: ‚Ich würde mich freuen, wenn Du mit mir gemeinsam die französischen Marienheiligtümer besuchen würdest: ich würde gern nach Lourdes fahren, nach La Salette, dann nach Ars, Lisieux und Annecy, ans Grab des Franz von Sales… Vielleicht kannst Du auch Giovanni überreden, mitzukommen‘, fügte er noch an, ‚er könnte uns fahren‘. All diese Stätten hatten mit Persönlichkeiten zu tun, die mein Bruder ganz besonders verehrte: der Pfarrer von Ars, Therese von Lisieux, Franz von Sales, der Schutzpatron der Journalisten, waren seine Lieblingsheiligen. Aber zu dieser Reise ist es dann ja leider nicht mehr gekommen.“
Über Canale d’Agordo haben sich inzwischen wahre Ströme von Pilgern aus der ganzen Welt ergossen, die dem „lächelnden Papst“ an den Stätten seiner Kindheit ihren Ehrerweis darbringen wollen. Seit 2001 wurden stolze 32 Register mit Gebetsbitten und Gnadenwünschen gefüllt. Von Mai bis Oktober des vergangenen Jahres besuchten 35.000 Gläubige die Pfarrkirche „Giovanni Battista“, wo Papst Luciani getauft wurde. Die diözesane Phase des Seligsprechungsprozesses von Albino Luciani wurde von dem vorherigen Bischof von Belluno-Feltre, Mons. Vincenzo Savio, der Postulation der Salesianer übertragen und konnte am 10. November 2006 in Belluno abgeschlossen werden. Am 14. Mai dieses Jahres unterzeichnete Mario Paciello, Bischof von Altamura (Bari), das Dekret für die diözesanen Ermittlungen zu einer Wunderheilung, die der Fürsprache von Johannes Paul I. zu verdanken sein soll. Im kommenden Jahr jährt sich der dreißigste Todestag von Albino Luciani.