CHINA. Der Brief des Papstes und die Zukunft der katholischen Kirche.
Ein Lob auf die Flexibilität
„Die Wahl der Bischöfe der lateinischen Kirche liegt beim Hl. Stuhl, der in der Vergangenheit diesbezügliche Abkommen mit Mussolini und Francisco Franco akzeptiert hat. Warum also nicht auch mit der chinesischen Regierung?“. Interview mit Bischof Aloysius Jin Luxian, „Patriarch“ von Shanghai.
Interview mit Aloysius Jin Luxian von Gianni Valente
Wenn man ihn heute zu diesem Thema befragt, verschanzt
er sich sofort hinter der Ausrede, nur ein alter Mann zu sein, der fast
nichts mehr sieht. Ganz in alter Jesuitenmanier – eine Methode, um
sich den Gesprächspartner gewogen zu machen. Dabei weiß
ohnehin jeder, dass Aloysius Jin Luxian, Bischof von Shanghai, trotz
mancher Wehwehchen durchaus noch mit einem messerscharfen Verstand gesegnet
ist. Und auch sein Blick ist wach wie eh und je.

Im Marienmonat Mai pilgert man auch zur Muttergottes
von Sheshan, dem Nationalheiligtum, das sich auf einem Berg im Umland
Shanghais erhebt. Wie ist es dieses Jahr gelaufen?
ALOYSIUS JIN LUXIAN: Seit dem 19. Jahrhundert ist Unsere Liebe Frau von Sheshan das Marienheiligtum von Shanghai – und seit den Zwanzigerjahren ist es auch Nationalheiligtum. Jedes Jahr kommen schon Mitte April Pilgergruppen aus ganz China hierher: Im vergangenen Jahr 70.000 Personen. Der Höhepunkt war der erste Mai mit mehr als 10.000 Pilgern aus dem ganzen Land. Dieses Jahr haben wir damit begonnen, der Muttergottes schon zu Füßen des Hügels Ehre zu erweisen. Den ganzen Weg wurde gebetet, gesungen, wurden Blumen dargebracht. Am Gipfel angekommen, haben wir eine feierliche eucharistische Liturgie gefeiert. In der Basilika finden mehr als dreitausend Gläubige Platz. Für die meisten Anwesenden war in der Kirche kein Platz mehr – sie mussten draußen an der Messe teilnehmen. Wenn es geregnet hätte, wäre nicht einmal der Boden nass geworden – so viele Menschen waren da.
Vor zwei Jahren haben Sie den jungen Joseph Xing zum Weihbischof geweiht – Ihren Nachfolger. Wie macht er sich?
JIN: Xing wurde von Rom ernannt und vor zwei Jahren von mir zum Weihbischof geweiht. Er macht sich sehr gut. Seine Hauptverantwortung ist die pastorale Arbeit in der Diözese. Wir haben 140 Kirchen und 150.000 Gläubige. Wir hatten ja eigentlich gehofft, dass ihn die Untergrundgemeinschaft anerkennen würde, weil er von Rom ernannt wurde. Aber die Dinge liegen leider nicht ganz so einfach. Der Untergrundbischof hat sein Gedächtnis verloren und der Repräsentant des Vatikans in Hongkong mußte einen Generalvikar für seine Untergrundgemeinschaft ernennen. Daher denken wir, dass Rom wohl die Hoffnung aufgegeben hat, diese Gemeinschaften könnten den Untergrund verlassen.
Wann wird Xing die Leitung der Diözese übernehmen?
JIN: Er selbst hofft, dass das noch dauern wird. Er ist nämlich noch sehr jung. Die Diözese Shanghai ist groß, die Situation sehr kompliziert. Außerdem ist Xing nur Weihbischof und hat kein Recht auf Sukzession. Daher warte ich auch darauf, dass ihn Rom zum Bischofskoadjutor ernennt mit Genehmigung der Regierung. Was mich angeht, würde ich ihm am liebsten morgen schon Platz machen. Ich bin ja mit meinen 91 Jahren wirklich nicht mehr der Jüngste…
Die Ernennung und die Weihe Xings schien eine Art Vorbild für ganz China zu sein: ernannt vom Hl. Stuhl, von den Repräsentanten der Diözese gewählt, von der Regierung approbiert. Dann, im Jahr 2006, wurden erneut illegitime Weihen vorgenommen.
JIN: Ich hoffe wirklich, dass das zum Vorbild wird für eine Lösung der Frage der Bischofsweihen. Aber die Sache ist nicht so einfach. Ein ausländischer Diplomat hat mir gesagt, dass man in China vor allem Geduld haben muss, wenn man etwas bewirken will. Dann gilt es, das Erreichte auch zu behalten, und da braucht man vor allem Taktik.
Im April ist Michael Fu Tieshan, Bischof von Peking, verstorben.
JIN: Bischof Fu Tieshan war schon über zwei Jahre krank. Und obwohl er eigentlich die Zeit dazu gehabt hätte, hat er sich nicht beizeiten um seine Nachfolge gekümmert, was sehr schade ist. Ich hoffe jetzt, dass der Hl. Stuhl und die chinesische Regierung Kontakte anknüpfen, Probleme vermieden werden können, die nicht notwendig wären.

Jetzt aber warten alle auf den Brief des Papstes an die
chinesischen Katholiken. Was erwarten Sie sich persönlich von diesem
Dokument?
JIN: Die Gläubigen der gesamten Kirche Chinas erwarten den Brief des Papstes an die Katholiken in China mit Ungeduld. Ich habe keinen Zweifel, dass der Papst weiß, wie es um die Situation der chinesischen Kirche bestellt ist. Ich kenne seine Liebe zu China, sein Vertrauen, und glaube, dass der Brief ein Meilenstein in der Geschichte der Kirche in China ist. Und ich kann nur hoffen, dass für die Kirche in China bald die „Nachbriefszeit“ kommt.
Der Missionar Jeroom Heyndrickx hat geschrieben, dass der Brief des Papstes eine wichtige Frage klären müsse, die seit den Achtzigerjahren „auf Eis liegt“: die nämlich, ob die Priester und Gläubigen der „offiziellen“ Gemeinschaften mit denen der Untergrundgemeinschaften zusammen die Eucharistie und die Sakramente feiern können oder nicht.
JIN: Ich habe den Artikel von Pater Heyndrickx gelesen. Er versteht China und liebt die Kirche Chinas. Ich hoffe, dass auch die zuständigen Beamten diesen Artikel aufmerksam lesen und seinen Inhalt gutheißen.
Kardinal Zen hofft vor allem, dass der Brief klare Regeln enthält, denen sich alle unterwerfen müssen. Man muss vermeiden, dass die missverständliche Vorstellung von einer „unabhängigen“ chinesischen Kirche auch weiterhin gepflegt wird. Sind auch Sie der Meinung, dass es an der Zeit wäre, Klarheit zu schaffen?
JIN: Ich habe den Beitrag von Kardinal Zen gelesen. Er hat darin auch über die Begegnungen berichtet, bei denen der Hl. Stuhl im Januar die Frage China behandeln wollte. Am Ende dieser Versammlungen wurde ein knapper, meiner Meinung nach sehr guter Bericht veröffentlicht. Abgesehen davon hat es keine weiteren Veröffentlichungen gegeben. Ich möchte aber noch etwas anderes sagen. Erstens einmal, dass – von einigen kleinen Ausnahmen abgesehen – alle Katholiken Chinas dem Hl. Stuhl tiefe Liebe und Gehorsam entgegen bringen; für Shanghai gesprochen würde ich zu sagen wagen, dass 100% der Gläubigen dem Papst absoluten Gehorsam entgegen bringen. Zweitens: in der Kirche Chinas gibt es die Frage der Unabhängigkeit nicht, und ich kann nur betonen, dass die chinesischen Katholiken auf keinen Fall eine Trennung der katholischen Kirche Chinas vom Papst wollen. Im Gegenteil: sie verachten all jene, die eine Spaltung der Kirche in China vorantreiben wollen, zutiefst. Drittens: die Frage der Bischofsweihen ist nicht die einzige, die geklärt werden muss. Ich hoffe, dass auch andere Fragen gelöst werden. Ich meinerseits meine, dass die sog. „acht Punkte“ des Jahres 1988 der Kongregation für die Evangelisierung der Völker [die die volle sakramentale Gemeinschaft mit Priestern und Bischöfen verbieten, die bei der Patriotischen Vereinigung eingetragen sind, Anm.d.Red.] nicht mehr nützlich sind.
Auch Sie haben sich ohne ausdrückliche Genehmigung Roms weihen lassen, galten Jahre lang als illegitimer Bischof. War es im China der Achtzigerjahre etwas anderes, eine illegitime Weihe zu akzeptieren als es das heute, 2007, ist?
JIN: Ich wurde 1985 Weihbischof, ohne vorher vom Papst ernannt worden zu sein. Aber die Umstände waren 1985 ganz anders als 2007. Damals war es unmöglich, zu Rom Kontakt aufzunehmen. Vor meiner Weihe lud ich Priester Tang Han aus Hongkong und Pater Murphy aus den Vereinigten Staaten zur Zeremonie ein. Sie sind auch wirklich gekommen, und das war mir ein großer Trost. Ich wusste, dass sie kommen würden – und das hätten sie meiner Meinung nach unmöglich tun können, wenn der Vatikan dagegen gewesen wäre.
Die internationale Gemeinschaft hat in muslimischen und kommunistischen Ländern akzeptiert, dass die Bischofsernennung beim Papst liegt, was ihrer Meinung nach keine Gefahr für die nationale Souveränität darstellt. Warum sollte man dieses Prinzip nicht auch auf China anwenden können?
JIN: Die Bischöfe haben die Aufgabe, die apostolische Sukzession und die Gültigkeit der Sakramente zu gewährleisten. Sie sind keine politischen Leader einer ausländischen Macht. Ich hoffe, dass das auch die chinesische Regierung versteht und durch den Dialog eine Lösung herbeiführen kann. In der Vergangenheit hat der Hl. Stuhl zur Lösung derartiger Probleme mit Mussolinis Italien und Francisco Francos Spanien Abkommen abgeschlossen. Warum sollte das nicht auch mit der chinesischen Regierung möglich sein? Ich bin der Meinung, dass man zwar an den Prinzipien festhalten muss, bei deren Anwendung aber durchaus eine gewisse Flexibilität zeigen kann. In Sachen Christentum wird China von der Vergangenheit konditioniert. Mit der Zeit sollten gewisse Missverständnisse jedoch beigelegt sein.

Manche Beobachter meinen, dass die Normalisierung der
Beziehungen zwischen Regierung, chinesischer Kirche und Hl. Stuhl von der
Patriotischen Vereinigung vereitelt wird.
JIN: Wer weiß, vielleicht sind gewisse Mitglieder der Patriotischen Vereinigung gegen diplomatische Beziehungen zwischen China und Vatikan, weil sie darin einen Machtverlust sehen. Ich persönlich glaube, dass sich die Patriotische Vereinigung aus den politischen Entscheidungen Chinas heraushalten muss. Aber wenn ein hochrangiger Politiker beschließen würde, Beziehungen zum Vatikan anzuknüpfen, wäre das ausgestanden: dann hätte die Patriotische Vereinigung keinen Handlungsspielraum mehr.
In der Vergangenheit, ja, in gewisser Weise noch heute, gesteht der Apostolische Stuhl den Zivilregierungen manchmal ein Mitspracherecht bei der Wahl der Bischöfe zu. Welches Modell wäre für die Situation in China geeignet?
JIN: Die Wahl der Bischöfe obliegt dem Hl. Stuhl, und dieses Prinzip muss bekräftigt werden. Da sich aber der politische, historische und wirtschaftliche Kontext je nach Land verändert, schließt der Hl. Stuhl oft mit den Regierungen konkrete Übereinkünfte. Ich hoffe immer, dass die chinesische Regierung und der Vatikan ein Abkommen erreichen werden, das auch die Frage der Bischofsernennungen behandelt. Man könnte sich Vietnam zum Beispiel nehmen: der Vatikan schlägt zwei Kandidaten vor, und die Regierung wählt unter ihnen aus. Man sagt, dass der Außenminister, der Minister des zentralen Einheitsfrontsministeriums und des Nationalbüros für religiöse Angelegenheiten eine Delegation zum Kardinal von Hô Chí Minh Ville geschickt haben, um die Frage der Ernennung der Bischöfe des Vietnam mit seiner Hilfe besser verstehen zu können. Ich glaube, dass das auch in irgendeiner Weise zukunftsweisend ist.
Das Problem ist, dass viele der chinesischen Katholiken in Anbetracht der Geschichte der letzten fünfzig Jahre meinen, dass nur der wirklich glaubt, der sich nicht der bürgerlichen Macht unterwirft. Wie beurteilen Sie das?
JIN: Die meisten chinesischen Gläubigen halten es so: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ Es ist also vor allem ein Gehorsam der Lehre Jesu gegenüber. Und wir sollten auch dem folgen, was uns der Apostel Paulus im Brief an die Römer sagt: „Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam. Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott eingesetzt.“ Paulus sagt auch, dass „vor den Trägern der Macht sich nicht die gute, sondern die böse Tat zu fürchten hat.“ Seiner Meinung nach „ist es notwendig, Gehorsam zu leisten, nicht allein aus Furcht vor der Strafe, sondern vor allem um des Gewissens willen.“ Und man muss „allen geben, was man ihnen schuldig ist, sei es Steuer oder Zoll, sei es Furcht oder Ehre.“ Die Regierung der kommunistischen Partei setzte sich hier vor 60 durch, ist seit damals die effektive Regierung Chinas. Das, was in den letzten 10 Jahren geschehen ist zeigt, dass die derzeitige Regierung die beste in der Geschichte der Volksrepublik China ist. Warum sollten sich die Katholiken, die nicht einmal 1% der Bevölkerung ausmachen, gegen die chinesische Regierung stellen?
Den chinesischen Politverantwortlichen fällt es schwer, die sakramentale Natur der Kirche zu verstehen, die stets als politische Organisation betrachtet wird. Was kann Ihrer Meinung nach Missverständnisse und Vorbehalte ausräumen helfen?
JIN: Die chinesische Regierung ist materialistisch ausgerichtet: ihr Parameter ist der Marxismus. Das beeinflusst natürlich unweigerlich auch die Anschauung, die die chinesische Regierung von der Religion hat. Der plötzliche Umbruch in Osteuropa hat die Ansichten der chinesischen Regierung bezüglich der politischen Rolle der katholischen Kirche bestätigt. Ich glaube, dass die Zeit zeigen wird, dass der Vatikan keine politischen Ziele anstrebt und dass die chinesische Regierung angesichts der Fakten ihre Haltung dem Vatikan gegenüber ändern wird.
Eine Aussöhnung der beiden Gemeinschaften ist aus zweierlei Gründen schwierig. Einmal, weil die Mitglieder der Untergrundkirche nicht selten wie „Arbeiter der ersten Stunde“ fürchten, neu Angeworbene könnten dieselbe Bezahlung erhalten wie sie selbst. Die Anhänger der offenen Kirchen dagegen betrachten die Untergrundgemeinschaften manchmal als „verlorene Söhne“, die zugeben müssen, dass ihre Entscheidung für ein Leben des Glaubens außerhalb der staatlichen Kontrolle falsch war. Wie soll es da zu einer Aussöhnung kommen?
JIN: Die Aussöhnung und die Rückkehr zur Einheit der beiden Gemeinschaften – der registrierten und der nicht registrierten – birgt große Schwierigkeiten. Auch die Erwartungen, die wir in den Brief des Papstes setzen, sind nicht dieselben. Wir sind voller Hoffnung und optimistisch, erwarten ihn sozusagen mit Ungeduld. Die Untergrundgemeinschaften dagegen sicher mit einer gewissen Sorge, ja gar der Angst, abgelehnt zu werden. Was auch gewisse Artikel voller Bitterkeit zeigen – beispielsweise die einiger Priester Taiwans. Ich glaube, dass derartige Sorgen überflüssig sind. Wir glauben fest daran, dass die Kirche eine barmherzige Mutter ist, dass uns der Hl. Stuhl mit dem Herzen eines barmherzigen Vaters behandeln wird. Die Sorge, abgelehnt zu werden, ist unbegründet.

In China gibt es junge Menschen, die jetzt Christen
werden und nichts über die Geschichte der chinesischen Kirche wissen.
In Anbetracht der weiter anhaltenden Teilung kann auch die ruhmreiche
Vergangenheit des Martyriums und des Zeugnisses zur Last werden.
JIN: Im heutigen China gibt es viele junge Menschen, die sich ernsthaft mit den großen Fragen der menschlichen Existenz auseinandersetzen. Mit den Tugenden der antiken Sittenlehre sind sie kaum in Berührung gekommen. Nach der Befreiung wurden die traditionellen Tugenden nicht bewahrt und gepflegt. Jetzt, in der Gesellschaft des Kommunismus, wo die Wirtschaftsmacht das Sagen hat, empfinden viele junge Menschen eine innere Leere. Sie würden Christus gerne kennen lernen, und wenn sie ihn kennen gelernt haben, werden manche von ihnen Christen. Diese Menschen kennen die Geschichte des Christentums in China nicht. Die Zeit bleibt nicht stehen, wir müssen hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Ich selbst glaube, dass man diesen jungen Menschen nicht von unserer bewegten Vergangenheit erzählen muss. Vielmehr hoffe ich, dass wir mit dem Geist Christi in unserer zukünftigen Gesellschaft leben und an deren Bau mitarbeiten können.
Man hat Sie Jahre lang missverstanden, als „roten Bischof“ bezeichnet, ja sogar als „gelben Papst“… Wenn Sie die Befindlichkeit der chinesischen Kirche heute betrachten, was bereitet Ihnen da aufgrund Ihrer Erfahrung Sorgen, was ist Ihnen ein Trost?
JIN: Es wurde auch schon gesagt, dass ich ein Rätsel sei. Fast alle der alten Bischöfe hier waren im Gefängnis, sind nach ihrer Entlassung Bischöfe geworden. Normalerweise wird nicht über sie geredet, sie sind im Ausland alle sehr geachtet. Und auch mich beurteilt man in China normalerweise positiv: Man schätzt es, dass ich meine Meinung offen sage, meint, ich sei politisch transparent. Aber im Ausland werden noch immer unglaublich viele Lügen verbreitet. Ich kann mir das nicht erklären und eigentlich nur darüber lachen. Ich will auch gar nichts dazu sagen. Was mich beunruhigt, sind die Gegenwart und Zukunft der Kirche in China. Derzeit werden viele Anforderungen an sie gestellt. Wir müssen unsere Priester, die Seminaristen und die Schwestern schützen, damit sie wahre Zeugen Christi sein können: das ist das Wichtigste, und darauf konzentrieren wir unsere ganze Energie. Außerdem macht China in Politik und Wirtschaft enorme Fortschritte. Ich glaube, dass China weltweit eine wirklich wichtige Rolle spielen wird. Eine Milliarde 300 Millionen Chinesen hoffen, eine harmonische Gesellschaft zu schaffen. Ich hoffe, dass die Kirche ihren Beitrag dazu leisten kann. Und ich hoffe nicht, dass es gerade jetzt zu Teilungen, zu Disharmonie in der Kirche kommt. Gerade jetzt, wo alle Chinesen an der Schaffung eines großen Gesellschafts- und Wirtschaftswunders beteiligt sind, hoffe ich, dass sich die zehn Millionen Katholiken Chinas nicht selbst ausgrenzen, weil sie nicht mit den anderen an einem Strang ziehen. Ich bitte Sie, Gott für uns anzuflehen. Ich hoffe, dass ein jeder seinen Einfluss geltend macht, um unsere Kirche in China zu einer inneren Harmonie zu führen, zur Harmonie der ganzen Kirche Chinas mit der universalen Kirche, damit wir auch hier wie Glieder in Gemeinschaft mit einem einzigen Leib sein können.

Bischof Aloysius Jin Luxian zelebriert eine Messe im Marienheiligtum von Sheshan (Mai 2007).
ALOYSIUS JIN LUXIAN: Seit dem 19. Jahrhundert ist Unsere Liebe Frau von Sheshan das Marienheiligtum von Shanghai – und seit den Zwanzigerjahren ist es auch Nationalheiligtum. Jedes Jahr kommen schon Mitte April Pilgergruppen aus ganz China hierher: Im vergangenen Jahr 70.000 Personen. Der Höhepunkt war der erste Mai mit mehr als 10.000 Pilgern aus dem ganzen Land. Dieses Jahr haben wir damit begonnen, der Muttergottes schon zu Füßen des Hügels Ehre zu erweisen. Den ganzen Weg wurde gebetet, gesungen, wurden Blumen dargebracht. Am Gipfel angekommen, haben wir eine feierliche eucharistische Liturgie gefeiert. In der Basilika finden mehr als dreitausend Gläubige Platz. Für die meisten Anwesenden war in der Kirche kein Platz mehr – sie mussten draußen an der Messe teilnehmen. Wenn es geregnet hätte, wäre nicht einmal der Boden nass geworden – so viele Menschen waren da.
Vor zwei Jahren haben Sie den jungen Joseph Xing zum Weihbischof geweiht – Ihren Nachfolger. Wie macht er sich?
JIN: Xing wurde von Rom ernannt und vor zwei Jahren von mir zum Weihbischof geweiht. Er macht sich sehr gut. Seine Hauptverantwortung ist die pastorale Arbeit in der Diözese. Wir haben 140 Kirchen und 150.000 Gläubige. Wir hatten ja eigentlich gehofft, dass ihn die Untergrundgemeinschaft anerkennen würde, weil er von Rom ernannt wurde. Aber die Dinge liegen leider nicht ganz so einfach. Der Untergrundbischof hat sein Gedächtnis verloren und der Repräsentant des Vatikans in Hongkong mußte einen Generalvikar für seine Untergrundgemeinschaft ernennen. Daher denken wir, dass Rom wohl die Hoffnung aufgegeben hat, diese Gemeinschaften könnten den Untergrund verlassen.
Wann wird Xing die Leitung der Diözese übernehmen?
JIN: Er selbst hofft, dass das noch dauern wird. Er ist nämlich noch sehr jung. Die Diözese Shanghai ist groß, die Situation sehr kompliziert. Außerdem ist Xing nur Weihbischof und hat kein Recht auf Sukzession. Daher warte ich auch darauf, dass ihn Rom zum Bischofskoadjutor ernennt mit Genehmigung der Regierung. Was mich angeht, würde ich ihm am liebsten morgen schon Platz machen. Ich bin ja mit meinen 91 Jahren wirklich nicht mehr der Jüngste…
Die Ernennung und die Weihe Xings schien eine Art Vorbild für ganz China zu sein: ernannt vom Hl. Stuhl, von den Repräsentanten der Diözese gewählt, von der Regierung approbiert. Dann, im Jahr 2006, wurden erneut illegitime Weihen vorgenommen.
JIN: Ich hoffe wirklich, dass das zum Vorbild wird für eine Lösung der Frage der Bischofsweihen. Aber die Sache ist nicht so einfach. Ein ausländischer Diplomat hat mir gesagt, dass man in China vor allem Geduld haben muss, wenn man etwas bewirken will. Dann gilt es, das Erreichte auch zu behalten, und da braucht man vor allem Taktik.
Im April ist Michael Fu Tieshan, Bischof von Peking, verstorben.
JIN: Bischof Fu Tieshan war schon über zwei Jahre krank. Und obwohl er eigentlich die Zeit dazu gehabt hätte, hat er sich nicht beizeiten um seine Nachfolge gekümmert, was sehr schade ist. Ich hoffe jetzt, dass der Hl. Stuhl und die chinesische Regierung Kontakte anknüpfen, Probleme vermieden werden können, die nicht notwendig wären.

Das Marienheiligtum von Sheshan, bei Shanghai, das unserer Lieben Frau Hilfe der Christen geweiht ist.
JIN: Die Gläubigen der gesamten Kirche Chinas erwarten den Brief des Papstes an die Katholiken in China mit Ungeduld. Ich habe keinen Zweifel, dass der Papst weiß, wie es um die Situation der chinesischen Kirche bestellt ist. Ich kenne seine Liebe zu China, sein Vertrauen, und glaube, dass der Brief ein Meilenstein in der Geschichte der Kirche in China ist. Und ich kann nur hoffen, dass für die Kirche in China bald die „Nachbriefszeit“ kommt.
Der Missionar Jeroom Heyndrickx hat geschrieben, dass der Brief des Papstes eine wichtige Frage klären müsse, die seit den Achtzigerjahren „auf Eis liegt“: die nämlich, ob die Priester und Gläubigen der „offiziellen“ Gemeinschaften mit denen der Untergrundgemeinschaften zusammen die Eucharistie und die Sakramente feiern können oder nicht.
JIN: Ich habe den Artikel von Pater Heyndrickx gelesen. Er versteht China und liebt die Kirche Chinas. Ich hoffe, dass auch die zuständigen Beamten diesen Artikel aufmerksam lesen und seinen Inhalt gutheißen.
Kardinal Zen hofft vor allem, dass der Brief klare Regeln enthält, denen sich alle unterwerfen müssen. Man muss vermeiden, dass die missverständliche Vorstellung von einer „unabhängigen“ chinesischen Kirche auch weiterhin gepflegt wird. Sind auch Sie der Meinung, dass es an der Zeit wäre, Klarheit zu schaffen?
JIN: Ich habe den Beitrag von Kardinal Zen gelesen. Er hat darin auch über die Begegnungen berichtet, bei denen der Hl. Stuhl im Januar die Frage China behandeln wollte. Am Ende dieser Versammlungen wurde ein knapper, meiner Meinung nach sehr guter Bericht veröffentlicht. Abgesehen davon hat es keine weiteren Veröffentlichungen gegeben. Ich möchte aber noch etwas anderes sagen. Erstens einmal, dass – von einigen kleinen Ausnahmen abgesehen – alle Katholiken Chinas dem Hl. Stuhl tiefe Liebe und Gehorsam entgegen bringen; für Shanghai gesprochen würde ich zu sagen wagen, dass 100% der Gläubigen dem Papst absoluten Gehorsam entgegen bringen. Zweitens: in der Kirche Chinas gibt es die Frage der Unabhängigkeit nicht, und ich kann nur betonen, dass die chinesischen Katholiken auf keinen Fall eine Trennung der katholischen Kirche Chinas vom Papst wollen. Im Gegenteil: sie verachten all jene, die eine Spaltung der Kirche in China vorantreiben wollen, zutiefst. Drittens: die Frage der Bischofsweihen ist nicht die einzige, die geklärt werden muss. Ich hoffe, dass auch andere Fragen gelöst werden. Ich meinerseits meine, dass die sog. „acht Punkte“ des Jahres 1988 der Kongregation für die Evangelisierung der Völker [die die volle sakramentale Gemeinschaft mit Priestern und Bischöfen verbieten, die bei der Patriotischen Vereinigung eingetragen sind, Anm.d.Red.] nicht mehr nützlich sind.
Auch Sie haben sich ohne ausdrückliche Genehmigung Roms weihen lassen, galten Jahre lang als illegitimer Bischof. War es im China der Achtzigerjahre etwas anderes, eine illegitime Weihe zu akzeptieren als es das heute, 2007, ist?
JIN: Ich wurde 1985 Weihbischof, ohne vorher vom Papst ernannt worden zu sein. Aber die Umstände waren 1985 ganz anders als 2007. Damals war es unmöglich, zu Rom Kontakt aufzunehmen. Vor meiner Weihe lud ich Priester Tang Han aus Hongkong und Pater Murphy aus den Vereinigten Staaten zur Zeremonie ein. Sie sind auch wirklich gekommen, und das war mir ein großer Trost. Ich wusste, dass sie kommen würden – und das hätten sie meiner Meinung nach unmöglich tun können, wenn der Vatikan dagegen gewesen wäre.
Die internationale Gemeinschaft hat in muslimischen und kommunistischen Ländern akzeptiert, dass die Bischofsernennung beim Papst liegt, was ihrer Meinung nach keine Gefahr für die nationale Souveränität darstellt. Warum sollte man dieses Prinzip nicht auch auf China anwenden können?
JIN: Die Bischöfe haben die Aufgabe, die apostolische Sukzession und die Gültigkeit der Sakramente zu gewährleisten. Sie sind keine politischen Leader einer ausländischen Macht. Ich hoffe, dass das auch die chinesische Regierung versteht und durch den Dialog eine Lösung herbeiführen kann. In der Vergangenheit hat der Hl. Stuhl zur Lösung derartiger Probleme mit Mussolinis Italien und Francisco Francos Spanien Abkommen abgeschlossen. Warum sollte das nicht auch mit der chinesischen Regierung möglich sein? Ich bin der Meinung, dass man zwar an den Prinzipien festhalten muss, bei deren Anwendung aber durchaus eine gewisse Flexibilität zeigen kann. In Sachen Christentum wird China von der Vergangenheit konditioniert. Mit der Zeit sollten gewisse Missverständnisse jedoch beigelegt sein.

In der der Unbefleckten Empfängnis geweihten „Kirche des Südens“ (Nantang) wird der Rosenkranz gebetet.
JIN: Wer weiß, vielleicht sind gewisse Mitglieder der Patriotischen Vereinigung gegen diplomatische Beziehungen zwischen China und Vatikan, weil sie darin einen Machtverlust sehen. Ich persönlich glaube, dass sich die Patriotische Vereinigung aus den politischen Entscheidungen Chinas heraushalten muss. Aber wenn ein hochrangiger Politiker beschließen würde, Beziehungen zum Vatikan anzuknüpfen, wäre das ausgestanden: dann hätte die Patriotische Vereinigung keinen Handlungsspielraum mehr.
In der Vergangenheit, ja, in gewisser Weise noch heute, gesteht der Apostolische Stuhl den Zivilregierungen manchmal ein Mitspracherecht bei der Wahl der Bischöfe zu. Welches Modell wäre für die Situation in China geeignet?
JIN: Die Wahl der Bischöfe obliegt dem Hl. Stuhl, und dieses Prinzip muss bekräftigt werden. Da sich aber der politische, historische und wirtschaftliche Kontext je nach Land verändert, schließt der Hl. Stuhl oft mit den Regierungen konkrete Übereinkünfte. Ich hoffe immer, dass die chinesische Regierung und der Vatikan ein Abkommen erreichen werden, das auch die Frage der Bischofsernennungen behandelt. Man könnte sich Vietnam zum Beispiel nehmen: der Vatikan schlägt zwei Kandidaten vor, und die Regierung wählt unter ihnen aus. Man sagt, dass der Außenminister, der Minister des zentralen Einheitsfrontsministeriums und des Nationalbüros für religiöse Angelegenheiten eine Delegation zum Kardinal von Hô Chí Minh Ville geschickt haben, um die Frage der Ernennung der Bischöfe des Vietnam mit seiner Hilfe besser verstehen zu können. Ich glaube, dass das auch in irgendeiner Weise zukunftsweisend ist.
Das Problem ist, dass viele der chinesischen Katholiken in Anbetracht der Geschichte der letzten fünfzig Jahre meinen, dass nur der wirklich glaubt, der sich nicht der bürgerlichen Macht unterwirft. Wie beurteilen Sie das?
JIN: Die meisten chinesischen Gläubigen halten es so: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ Es ist also vor allem ein Gehorsam der Lehre Jesu gegenüber. Und wir sollten auch dem folgen, was uns der Apostel Paulus im Brief an die Römer sagt: „Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam. Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott eingesetzt.“ Paulus sagt auch, dass „vor den Trägern der Macht sich nicht die gute, sondern die böse Tat zu fürchten hat.“ Seiner Meinung nach „ist es notwendig, Gehorsam zu leisten, nicht allein aus Furcht vor der Strafe, sondern vor allem um des Gewissens willen.“ Und man muss „allen geben, was man ihnen schuldig ist, sei es Steuer oder Zoll, sei es Furcht oder Ehre.“ Die Regierung der kommunistischen Partei setzte sich hier vor 60 durch, ist seit damals die effektive Regierung Chinas. Das, was in den letzten 10 Jahren geschehen ist zeigt, dass die derzeitige Regierung die beste in der Geschichte der Volksrepublik China ist. Warum sollten sich die Katholiken, die nicht einmal 1% der Bevölkerung ausmachen, gegen die chinesische Regierung stellen?
Den chinesischen Politverantwortlichen fällt es schwer, die sakramentale Natur der Kirche zu verstehen, die stets als politische Organisation betrachtet wird. Was kann Ihrer Meinung nach Missverständnisse und Vorbehalte ausräumen helfen?
JIN: Die chinesische Regierung ist materialistisch ausgerichtet: ihr Parameter ist der Marxismus. Das beeinflusst natürlich unweigerlich auch die Anschauung, die die chinesische Regierung von der Religion hat. Der plötzliche Umbruch in Osteuropa hat die Ansichten der chinesischen Regierung bezüglich der politischen Rolle der katholischen Kirche bestätigt. Ich glaube, dass die Zeit zeigen wird, dass der Vatikan keine politischen Ziele anstrebt und dass die chinesische Regierung angesichts der Fakten ihre Haltung dem Vatikan gegenüber ändern wird.
Eine Aussöhnung der beiden Gemeinschaften ist aus zweierlei Gründen schwierig. Einmal, weil die Mitglieder der Untergrundkirche nicht selten wie „Arbeiter der ersten Stunde“ fürchten, neu Angeworbene könnten dieselbe Bezahlung erhalten wie sie selbst. Die Anhänger der offenen Kirchen dagegen betrachten die Untergrundgemeinschaften manchmal als „verlorene Söhne“, die zugeben müssen, dass ihre Entscheidung für ein Leben des Glaubens außerhalb der staatlichen Kontrolle falsch war. Wie soll es da zu einer Aussöhnung kommen?
JIN: Die Aussöhnung und die Rückkehr zur Einheit der beiden Gemeinschaften – der registrierten und der nicht registrierten – birgt große Schwierigkeiten. Auch die Erwartungen, die wir in den Brief des Papstes setzen, sind nicht dieselben. Wir sind voller Hoffnung und optimistisch, erwarten ihn sozusagen mit Ungeduld. Die Untergrundgemeinschaften dagegen sicher mit einer gewissen Sorge, ja gar der Angst, abgelehnt zu werden. Was auch gewisse Artikel voller Bitterkeit zeigen – beispielsweise die einiger Priester Taiwans. Ich glaube, dass derartige Sorgen überflüssig sind. Wir glauben fest daran, dass die Kirche eine barmherzige Mutter ist, dass uns der Hl. Stuhl mit dem Herzen eines barmherzigen Vaters behandeln wird. Die Sorge, abgelehnt zu werden, ist unbegründet.

Ein Mädchen betritt die Pekinger Kirche der Unbefleckten Empfängnis, um dort die Messe zu besuchen.
JIN: Im heutigen China gibt es viele junge Menschen, die sich ernsthaft mit den großen Fragen der menschlichen Existenz auseinandersetzen. Mit den Tugenden der antiken Sittenlehre sind sie kaum in Berührung gekommen. Nach der Befreiung wurden die traditionellen Tugenden nicht bewahrt und gepflegt. Jetzt, in der Gesellschaft des Kommunismus, wo die Wirtschaftsmacht das Sagen hat, empfinden viele junge Menschen eine innere Leere. Sie würden Christus gerne kennen lernen, und wenn sie ihn kennen gelernt haben, werden manche von ihnen Christen. Diese Menschen kennen die Geschichte des Christentums in China nicht. Die Zeit bleibt nicht stehen, wir müssen hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Ich selbst glaube, dass man diesen jungen Menschen nicht von unserer bewegten Vergangenheit erzählen muss. Vielmehr hoffe ich, dass wir mit dem Geist Christi in unserer zukünftigen Gesellschaft leben und an deren Bau mitarbeiten können.
Man hat Sie Jahre lang missverstanden, als „roten Bischof“ bezeichnet, ja sogar als „gelben Papst“… Wenn Sie die Befindlichkeit der chinesischen Kirche heute betrachten, was bereitet Ihnen da aufgrund Ihrer Erfahrung Sorgen, was ist Ihnen ein Trost?
JIN: Es wurde auch schon gesagt, dass ich ein Rätsel sei. Fast alle der alten Bischöfe hier waren im Gefängnis, sind nach ihrer Entlassung Bischöfe geworden. Normalerweise wird nicht über sie geredet, sie sind im Ausland alle sehr geachtet. Und auch mich beurteilt man in China normalerweise positiv: Man schätzt es, dass ich meine Meinung offen sage, meint, ich sei politisch transparent. Aber im Ausland werden noch immer unglaublich viele Lügen verbreitet. Ich kann mir das nicht erklären und eigentlich nur darüber lachen. Ich will auch gar nichts dazu sagen. Was mich beunruhigt, sind die Gegenwart und Zukunft der Kirche in China. Derzeit werden viele Anforderungen an sie gestellt. Wir müssen unsere Priester, die Seminaristen und die Schwestern schützen, damit sie wahre Zeugen Christi sein können: das ist das Wichtigste, und darauf konzentrieren wir unsere ganze Energie. Außerdem macht China in Politik und Wirtschaft enorme Fortschritte. Ich glaube, dass China weltweit eine wirklich wichtige Rolle spielen wird. Eine Milliarde 300 Millionen Chinesen hoffen, eine harmonische Gesellschaft zu schaffen. Ich hoffe, dass die Kirche ihren Beitrag dazu leisten kann. Und ich hoffe nicht, dass es gerade jetzt zu Teilungen, zu Disharmonie in der Kirche kommt. Gerade jetzt, wo alle Chinesen an der Schaffung eines großen Gesellschafts- und Wirtschaftswunders beteiligt sind, hoffe ich, dass sich die zehn Millionen Katholiken Chinas nicht selbst ausgrenzen, weil sie nicht mit den anderen an einem Strang ziehen. Ich bitte Sie, Gott für uns anzuflehen. Ich hoffe, dass ein jeder seinen Einfluss geltend macht, um unsere Kirche in China zu einer inneren Harmonie zu führen, zur Harmonie der ganzen Kirche Chinas mit der universalen Kirche, damit wir auch hier wie Glieder in Gemeinschaft mit einem einzigen Leib sein können.