ORTHODOXIE. Der Besuch des Primas der Kirche von Griechenland bei der Kirche von Rom.
Pilger auf den Spuren von Petrus und Paulus
„Mitte des Lebens eines jeden Christen ist das Gebet. Es ist wie ein Fenster, das zu Gott hin offen ist. Ohne das Gebet wäre auch die Ökumene wie ein Baum ohne Wurzeln.“ Interview mit Christodoulos, Erzbischof von Athen, nach dessen Begegnung mit dem Papst.
Interview mit dem Erzbischof von Athen, Christodoulos von Gianni Valente
Seine Seligkeit Christodoulos, Erzbischof von Athen,
macht keinen Hehl daraus, einen energischen, leicht aufbrausenden Charakter
zu haben. Und so waren viele nicht wenig überrascht, ihn am 14.
Dezember 2006 fast zu Tränen gerührt zu sehen, als ihm
Kardinalerzpriester Andrea Cordero Lanza di Montezemolo in der Basilika St.
Paul vor den Mauern zwei Ringe der Kette überreichte, an die Paulus
der Überlieferung nach in seinem römischen Gefängnis
gekettet war.
Nur zwei Wochen nach der Reise Benedikts XVI. in die Türkei wurden die hoffnungsvollen Erwartungen bezüglich der Beziehung Kirche von Rom-Orthodoxie von dem Besuch, den Christodoulos der Kirche von Rom abstattete, neu geschürt. Einem Besuch, der nicht nur eine Begegnung mit dem Papst und die Verleihung des Ehrendoktortitels für Rechtswissenschaften an der Päpstlichen Lateran-Universität beinhaltete, sondern auch das Verweilen in den römischen Basiliken und Katakomben.

Seligkeit, seit der Zeit des Morgenländischen
Schismas sind Sie der erste Erzbischof von Athen, der der Kirche von Rom
und ihrem Bischof einen Besuch abstattet…
CHRISTODOULOS: Wir sind als Pilger auf den Spuren der heiligen Apostel Petrus und Paulus nach Rom – Sitz unseres verehrten Bruders Papst Benedikt XVI. – gekommen; als lebendiges Zeichen für Aussöhnung, Frieden und Liebe. Wir sind gekommen, um in einem Europa, das dabei ist, seine christliche Identität zu verlieren, Zusammenarbeit anzubieten und hoffentlich auch selbst zu erhalten. Wir reisen sehr zufrieden wieder ab: der Bischof von Rom hat uns nämlich zu verstehen gegeben, daß er mit den derzeitigen Problematiken gut vertraut ist und sich uns gerne anschließen will, um der säkularisierten europäischen Gesellschaft ein gemeinsames Zeugnis zu geben.
Bei der Begegnung mit dem Papst stellten Sie heraus, daß Sie nach Rom gekommen sind, um an den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus zu beten.
CHRISTODOULOS: Für uns Orthodoxe ist das Beten an den Gräbern der Apostel und Märtyrer eine Quelle des Lebens, eine Stütze unseres christlichen Lebens und die Aufforderung dazu, – dem Evangelium Christi gemäß – nach christlicher Vollkommenheit zu streben. Die ersten Christen taten inmitten der Verfolgungen alles, um die Reliquien derer, die als Augenzeugen die ersten Verkündiger des Evangeliums Christi geworden waren – wie Lukas schreibt –, wie einen wertvollen Schatz zu hüten. Seit der ersten Jahrhunderte des Christentums waren die Pilger, die nach Rom kamen, von dem Wunsch getrieben, an den Gräbern der Apostel zu beten. Ein unvergeßlicher Höhepunkt meiner spirituellen Erfahrung war der Besuch an den Gräbern des Petrus und des Paulus, den ersten unter den Aposteln. Und schließlich gründete Paulus unsere heilige und apostolische Kirche von Athen und ganz Griechenland. Wir haben voller Inbrunst und Zuversicht an diesen, für die Christenheit heiligen Stätten gebetet.
Im September nahm die Gemischte Kommission für den theologischen Dialog zwischen Katholiken und Orthodoxen ihre Arbeit wieder auf. Wie sollte man Ihrer Meinung nach das schwierige Thema des Primats und der Autorität in der Kirche behandeln?
CHRISTODOULOS: Die Gemischte Kommission für den theologischen Dialog zwischen römisch-katholischer Kirche und orthodoxer Kirche schreitet geduldig und konsequent voran. Die schwierigen Arbeiten der Kommission werden von der Primatskirche des Ökumenischen Patriarchats Konstantinopel koordiniert und überwacht. Und als Kirche von Griechenland treiben wir diese Arbeiten im Bewußstein unserer großen Verantwortung der Geschichte gegenüber voran.
Was den Bischof von Rom angeht, fühlen wir uns „in guten Händen“: schließlich hat Papst Benedikt stets betont, daß Rom, was die Primatslehre betrifft, nicht mehr vom Osten fordern könne als was im 1. Jahrtausend formuliert und gelebt wurde.
Auf orthodoxer Seite kam es – auch am Rande der Arbeiten der Gemischten Kommission – zu einer lebhaften Diskussion über die Rolle des Ökumenischen Patriarchats…
CHRISTODOULOS: Die orthodoxen Kirchen müssen ihre Entscheidungen in synodaler Weise treffen, auch im Dialog mit der katholischen Kirche. Innerhalb der Orthodoxie hat das Ökumenische Patriarchat jedoch die Aufgabe, zu koordinieren und zu begünstigen, daß bei der Umsetzung dieser Entscheidungen an einem Strang gezogen wird.
Metropolit Ioannis von Pergamon, Co-Präsident der Gemischten Kommission, schlägt zum Thema Primat folgende zwei Axiome vor: „Wo die Eucharistie ist, ist Kirche“, und „ohne Primat kann es keine Synodalität geben und ohne Synodalität keinen Primat“...
CHRISTODOULOS: Das sind zwei gute Richtlinien dafür, einen Dialog zu einem so umstrittenen Punkt zu beginnen.
Manchmal scheint das Interesse an der Einheit der Christen nur auf Kirchenkreise begrenzt zu sein. Wie kann der Weg zur Einheit von allen Gläubigen vorangetrieben werden?
CHRISTODOULOS: Mitte des Lebens eines jeden Christen ist das Gebet. Es ist wie ein Fenster, das zu Gott hin offen ist. Ohne das Gebet wäre auch die Ökumene wie ein Baum ohne Wurzeln, der früher oder später zum Sterben verurteilt ist. Ich beglückwünsche 30Tage zu jeder schönen und nützlichen Initiative in dieser Richtung!
Sie haben Papst Ratzinger als einen „herausragenden Theologen“ beschrieben, der „sich eifrig dem Studium der griechischen Väter des Ostens widmet.“ Wie beurteilen Sie die Haltung Benedikts XVI. und seiner Mitarbeiter den orthodoxen Kirchen gegenüber?
CRHISTODOULOS: Papst Benedikt XVI. ist ein Intellektueller, der sich weltweit einen Namen machen konnte, ein Weiser unserer Zeit. Er ist ein großer Kenner und Freund der orthodoxen Welt. Wir erwarten uns viel von ihm und sind sicher, daß er die Beziehung von uns Christen untereinander mit seiner Energie und seinem Charisma nachhaltig prägen wird. An seiner Seite hat er einen sehr gelehrten, fähigen, kompetenten und zuverlässigen Mann: Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone. Einen wahren Freund. Wir sind sicher, daß er der Beziehung zwischen katholischer Kirche und orthodoxer Kirche sehr zuträglich sein wird! Beide schließen wir nur allzu gerne in unser unaufhörliches Gebet zum Herrn mit ein, von dem alles Gute kommt!
Hatten Sie vielleicht Gelegenheit, Benedikt XVI. zu einer Pilgerreise auf den Spuren des Paulus nach Griechenland einzuladen?
CHRISTODOULOS: Ein Besuch des Papstes in Griechenland hängt nicht nur von unseren guten Absichten ab, sondern auch vom Programm und den pastoralen Erfordernissen des Papstes selbst. Griechenland ist ein Land, das bekannt ist für seine Gastfreundschaft und Aufgeschlossenheit. Zum gegebenen Zeitpunkt wird er sicher das Richtige tun und den historischen Gegebenheiten gewachsen sein – wie es 2001 schon der große Papst seligen Angedenkens Johannes Paul II. war.
Nur zwei Wochen nach der Reise Benedikts XVI. in die Türkei wurden die hoffnungsvollen Erwartungen bezüglich der Beziehung Kirche von Rom-Orthodoxie von dem Besuch, den Christodoulos der Kirche von Rom abstattete, neu geschürt. Einem Besuch, der nicht nur eine Begegnung mit dem Papst und die Verleihung des Ehrendoktortitels für Rechtswissenschaften an der Päpstlichen Lateran-Universität beinhaltete, sondern auch das Verweilen in den römischen Basiliken und Katakomben.

Benedikt XVI. und Seine Seligkeit Christodoulos, Erzbischof von Athen und ganz Griechenland, unterzeichnen die Gemeinsame Erklärung (Vatikanischer Apostolischer Palast, 14. Dezember 2006).
CHRISTODOULOS: Wir sind als Pilger auf den Spuren der heiligen Apostel Petrus und Paulus nach Rom – Sitz unseres verehrten Bruders Papst Benedikt XVI. – gekommen; als lebendiges Zeichen für Aussöhnung, Frieden und Liebe. Wir sind gekommen, um in einem Europa, das dabei ist, seine christliche Identität zu verlieren, Zusammenarbeit anzubieten und hoffentlich auch selbst zu erhalten. Wir reisen sehr zufrieden wieder ab: der Bischof von Rom hat uns nämlich zu verstehen gegeben, daß er mit den derzeitigen Problematiken gut vertraut ist und sich uns gerne anschließen will, um der säkularisierten europäischen Gesellschaft ein gemeinsames Zeugnis zu geben.
Bei der Begegnung mit dem Papst stellten Sie heraus, daß Sie nach Rom gekommen sind, um an den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus zu beten.
CHRISTODOULOS: Für uns Orthodoxe ist das Beten an den Gräbern der Apostel und Märtyrer eine Quelle des Lebens, eine Stütze unseres christlichen Lebens und die Aufforderung dazu, – dem Evangelium Christi gemäß – nach christlicher Vollkommenheit zu streben. Die ersten Christen taten inmitten der Verfolgungen alles, um die Reliquien derer, die als Augenzeugen die ersten Verkündiger des Evangeliums Christi geworden waren – wie Lukas schreibt –, wie einen wertvollen Schatz zu hüten. Seit der ersten Jahrhunderte des Christentums waren die Pilger, die nach Rom kamen, von dem Wunsch getrieben, an den Gräbern der Apostel zu beten. Ein unvergeßlicher Höhepunkt meiner spirituellen Erfahrung war der Besuch an den Gräbern des Petrus und des Paulus, den ersten unter den Aposteln. Und schließlich gründete Paulus unsere heilige und apostolische Kirche von Athen und ganz Griechenland. Wir haben voller Inbrunst und Zuversicht an diesen, für die Christenheit heiligen Stätten gebetet.
Im September nahm die Gemischte Kommission für den theologischen Dialog zwischen Katholiken und Orthodoxen ihre Arbeit wieder auf. Wie sollte man Ihrer Meinung nach das schwierige Thema des Primats und der Autorität in der Kirche behandeln?
CHRISTODOULOS: Die Gemischte Kommission für den theologischen Dialog zwischen römisch-katholischer Kirche und orthodoxer Kirche schreitet geduldig und konsequent voran. Die schwierigen Arbeiten der Kommission werden von der Primatskirche des Ökumenischen Patriarchats Konstantinopel koordiniert und überwacht. Und als Kirche von Griechenland treiben wir diese Arbeiten im Bewußstein unserer großen Verantwortung der Geschichte gegenüber voran.
Was den Bischof von Rom angeht, fühlen wir uns „in guten Händen“: schließlich hat Papst Benedikt stets betont, daß Rom, was die Primatslehre betrifft, nicht mehr vom Osten fordern könne als was im 1. Jahrtausend formuliert und gelebt wurde.
Auf orthodoxer Seite kam es – auch am Rande der Arbeiten der Gemischten Kommission – zu einer lebhaften Diskussion über die Rolle des Ökumenischen Patriarchats…
CHRISTODOULOS: Die orthodoxen Kirchen müssen ihre Entscheidungen in synodaler Weise treffen, auch im Dialog mit der katholischen Kirche. Innerhalb der Orthodoxie hat das Ökumenische Patriarchat jedoch die Aufgabe, zu koordinieren und zu begünstigen, daß bei der Umsetzung dieser Entscheidungen an einem Strang gezogen wird.
Metropolit Ioannis von Pergamon, Co-Präsident der Gemischten Kommission, schlägt zum Thema Primat folgende zwei Axiome vor: „Wo die Eucharistie ist, ist Kirche“, und „ohne Primat kann es keine Synodalität geben und ohne Synodalität keinen Primat“...
CHRISTODOULOS: Das sind zwei gute Richtlinien dafür, einen Dialog zu einem so umstrittenen Punkt zu beginnen.
Manchmal scheint das Interesse an der Einheit der Christen nur auf Kirchenkreise begrenzt zu sein. Wie kann der Weg zur Einheit von allen Gläubigen vorangetrieben werden?
CHRISTODOULOS: Mitte des Lebens eines jeden Christen ist das Gebet. Es ist wie ein Fenster, das zu Gott hin offen ist. Ohne das Gebet wäre auch die Ökumene wie ein Baum ohne Wurzeln, der früher oder später zum Sterben verurteilt ist. Ich beglückwünsche 30Tage zu jeder schönen und nützlichen Initiative in dieser Richtung!
Sie haben Papst Ratzinger als einen „herausragenden Theologen“ beschrieben, der „sich eifrig dem Studium der griechischen Väter des Ostens widmet.“ Wie beurteilen Sie die Haltung Benedikts XVI. und seiner Mitarbeiter den orthodoxen Kirchen gegenüber?
CRHISTODOULOS: Papst Benedikt XVI. ist ein Intellektueller, der sich weltweit einen Namen machen konnte, ein Weiser unserer Zeit. Er ist ein großer Kenner und Freund der orthodoxen Welt. Wir erwarten uns viel von ihm und sind sicher, daß er die Beziehung von uns Christen untereinander mit seiner Energie und seinem Charisma nachhaltig prägen wird. An seiner Seite hat er einen sehr gelehrten, fähigen, kompetenten und zuverlässigen Mann: Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone. Einen wahren Freund. Wir sind sicher, daß er der Beziehung zwischen katholischer Kirche und orthodoxer Kirche sehr zuträglich sein wird! Beide schließen wir nur allzu gerne in unser unaufhörliches Gebet zum Herrn mit ein, von dem alles Gute kommt!
Hatten Sie vielleicht Gelegenheit, Benedikt XVI. zu einer Pilgerreise auf den Spuren des Paulus nach Griechenland einzuladen?
CHRISTODOULOS: Ein Besuch des Papstes in Griechenland hängt nicht nur von unseren guten Absichten ab, sondern auch vom Programm und den pastoralen Erfordernissen des Papstes selbst. Griechenland ist ein Land, das bekannt ist für seine Gastfreundschaft und Aufgeschlossenheit. Zum gegebenen Zeitpunkt wird er sicher das Richtige tun und den historischen Gegebenheiten gewachsen sein – wie es 2001 schon der große Papst seligen Angedenkens Johannes Paul II. war.