DOM LUCIANO MENDES DE ALMEIDA
„Für euch bin ich Bischof, mit euch Christ“
Am 27. August, Fest der hl. Monica, Mutter des Augustinus, verstarb im brasilianischen São Paulo Bischof Dom Luciano Mendes de Almeida, eine der bekanntesten Persönlichkeiten der lateinamerikanischen Kirche, ein herausragender Vertreter des brasilianischen Episkopats und des demokratischen und sozialen Fortschritts seines Landes. Lesen Sie hier den Nachruf von Kardinal Geraldo Majella Agnelo, Präsident der brasilianischen Bischofskonferenz.
von Kardinal Geraldo Majella Agnelo
Vergangenen Mittwoch fand in
Mariana (Minas Gerais) der Trauergottesdienst statt, mit dem wir Mons.
Luciano Pedro Mendes de Almeida Sj die letzte Ehre erwiesen.

Seine letzten Worte, bevor er ins Koma fiel, waren:
„Gott hat uns aus Liebe geschaffen, und er weiß, was das Beste
für uns ist. Ich lege mein Leben in seine Hände.“
Der 1930 als Kind einer katholischen Familie in Rio de Janeiro geborene Luciano Mendes konnte sich bei seinem Dienst für die Kirche auf die solide Ausbildung stützen, die er bei den Jesuiten erhalten hatte, jenem Orden, dem er 1958 als Presbyter angehörte. Nach gründlichem Studium der Philosophie, Theologie und Humanistik erwarb er sein Doktorat in thomistischer Philosophie an der Universität Gregoriana in Rom. In dieser Zeit widmete er sich auch der Gefängnispastoral. Nach seiner Berufung zum Episkopat durch Papst Paul VI. wurde Mons. Luciano 1976 als Weihbischof von Kardinal Paulo Evaristo Arns der Região Belém, São Paulo, zugeteilt. 1988 erfolgte seine Versetzung in die Erzdiözese Mariana; ein Amt, dem er sich „Im Namen Jesu“ – so sein Bischofsmotto – achtzehn Jahre und drei Monate lang mit Leib und Seele widmete, bis zu seinem Tod.
Wer ihn im CNBB (Nationale Konferenz der brasilianischen Bischöfe) und den zahlreichen Aktivitäten seines Bischofsamtes erleben durfte, mußte unweigerlich den Eindruck haben, es mit einem vollkommen von Gott geprägten Mann zu tun zu haben, der stets in der Präsenz Gottes lebte. Einem Kontemplativen in Aktion.
Aus der Eucharistie und dem nächtlichen Wachen schöpfte Mons. Luciano die Kraft für sein unermüdliches, entschlossenes Handeln als Bischof, Mitglied der Direktion des CNBB und Verteidiger der Armen. Sein Eifer für die Kirche und die Menschheit zog Nahrung aus einem intensiven Leben des Gebets, der affektiven Identifizierung mit Jesus Christus, einer großen Marienfrömmigkeit und pastoralen Liebe.
Sechzehn Jahre lang war Mons. Luciano leitendes Mitglied des CNBB, sein Einsatz für die Einheit des Episkopats und die pastorale Erneuerung unserer Kirche war beispielhaft. Als engagierter Befürworter pastoraler Initiativen ermutigte er zum Dialog, den er als Weg zur Aussöhnung von Positionen sah, die unvereinbar erscheinen mochten.
Sein Geheimnis lag im Beharren auf der Einheit in den wesentlichen Dingen, stets jedoch im Respekt vor den rechtmäßigen Unterschieden, in Liebe und gegenseitiger Achtung. Er hatte ein bemerkenswert gutes Gedächtnis, erinnerte sich auch an Namen von Personen, die er schon lange nicht mehr gesehen hatte. Ein jeder fühlte sich von ihm angenommen. Er konnte stets etwas Gutes in den Ideen seiner Gesprächspartner entdecken und versuchte, das auch zu verwerten.
Als wortgewandter Mann der Synthese verstand er es, eine Vielzahl an Vorschlägen und Anregungen zu artikulieren. Dieses Charisma seinerseits war nicht selten entscheidend bei der Ausarbeitung von Texten und Erklärungen, die die Kirche in prophetischer Weise prägten, auch in der Zeit des Militärregimes und bei den großen Debatten wie der um den Schutz des Lebens von seiner Empfängnis an bis zum natürlichen Tod, der Menschenwürde, Gerechtigkeit und Frieden, Natur- und Umweltschutz, den Kampf gegen Armut und Ausgrenzung.
Mons. Luciano interessierte sich für alle Fragen, die den Glauben, das Leben, die Gesundheit und das allgemeine Wohl Brasiliens und der Welt betrafen. Ich möchte einige dieser Themen herausstellen, wahre Leidenschaften, von denen sein Herz eines Apostels beseelt war.
Seine erste Leidenschaft waren die Armen, alle Armen und Leidenden, besonders die Straßenkinder. Als Weihbischof von São Paulo, in der Região Belém, schuf er Hunderte von Aufnahmezentren für Kinder und Obdachlose. Nicht selten ging er schon früh morgens aus dem Haus, sprach mit Straßenkindern und Bettlern und brachte sie in eines dieser Zentren.
Aber Dom Luciano war nicht nur von dieser Leidenschaft beseelt; er liebte auch die Kirche von ganzem Herzen, und diese Liebe zeigte sich in einem tiefen Glauben, der manchmal auch auf Unverständnis, menschliche Schwächen und Grenzen – seine eigenen und die der anderen – stoßen mochte. Mit seiner aktiven, weitsichtigen Präsenz bei Begegnungen und Kongressen, durch spirituelle Einkehrtage und Vermittlung in schwierigen Situationen stellte er seine Charismen in den Dienst dieser Kirche.
Eine weitere Leidenschaft seinerseits war die Kommunikation und Evangelisierung durch die Medien. Die Schaffung des ersten katholischen Fernsehsenders, Rede Vida, haben wir hauptsächlich ihm zu verdanken. Wieviele Nächte hat er daran gearbeitet, an wieviele Türen hat er geklopft! Er wollte einfach nicht einsehen, warum die Kirche Brasiliens – neben einem Radiosender und Zeitungen – nicht auch einen eigenen Fernsehsender haben sollte. Seit 1983 schrieb Mons. Luciano jede Woche einen Artikel für die Zeitschrift Folha de S. Paulo.
In allem, was Mons Luciano tat, den zahlreichen Initiativen, denen er sein Leben widmete, blieb er stets jenen Prinzipien treu, die ihm die Zuneigung und Wertschätzung eines jeden sicherten, der ihn kennenlernen durfte: sanft im Wort, unbeugsam im Prinzip, stark im Handeln.
So wollen wir ihn in Erinnerung behalten. Gesegnet sei Gott für das große Geschenk, das Leben und Werk von Mons. Luciano Mendes de Almeida für die Kirche und für die Welt waren.

Dom Luciano Mendes de Almeida.
Der 1930 als Kind einer katholischen Familie in Rio de Janeiro geborene Luciano Mendes konnte sich bei seinem Dienst für die Kirche auf die solide Ausbildung stützen, die er bei den Jesuiten erhalten hatte, jenem Orden, dem er 1958 als Presbyter angehörte. Nach gründlichem Studium der Philosophie, Theologie und Humanistik erwarb er sein Doktorat in thomistischer Philosophie an der Universität Gregoriana in Rom. In dieser Zeit widmete er sich auch der Gefängnispastoral. Nach seiner Berufung zum Episkopat durch Papst Paul VI. wurde Mons. Luciano 1976 als Weihbischof von Kardinal Paulo Evaristo Arns der Região Belém, São Paulo, zugeteilt. 1988 erfolgte seine Versetzung in die Erzdiözese Mariana; ein Amt, dem er sich „Im Namen Jesu“ – so sein Bischofsmotto – achtzehn Jahre und drei Monate lang mit Leib und Seele widmete, bis zu seinem Tod.
Wer ihn im CNBB (Nationale Konferenz der brasilianischen Bischöfe) und den zahlreichen Aktivitäten seines Bischofsamtes erleben durfte, mußte unweigerlich den Eindruck haben, es mit einem vollkommen von Gott geprägten Mann zu tun zu haben, der stets in der Präsenz Gottes lebte. Einem Kontemplativen in Aktion.
Aus der Eucharistie und dem nächtlichen Wachen schöpfte Mons. Luciano die Kraft für sein unermüdliches, entschlossenes Handeln als Bischof, Mitglied der Direktion des CNBB und Verteidiger der Armen. Sein Eifer für die Kirche und die Menschheit zog Nahrung aus einem intensiven Leben des Gebets, der affektiven Identifizierung mit Jesus Christus, einer großen Marienfrömmigkeit und pastoralen Liebe.
Sechzehn Jahre lang war Mons. Luciano leitendes Mitglied des CNBB, sein Einsatz für die Einheit des Episkopats und die pastorale Erneuerung unserer Kirche war beispielhaft. Als engagierter Befürworter pastoraler Initiativen ermutigte er zum Dialog, den er als Weg zur Aussöhnung von Positionen sah, die unvereinbar erscheinen mochten.
Sein Geheimnis lag im Beharren auf der Einheit in den wesentlichen Dingen, stets jedoch im Respekt vor den rechtmäßigen Unterschieden, in Liebe und gegenseitiger Achtung. Er hatte ein bemerkenswert gutes Gedächtnis, erinnerte sich auch an Namen von Personen, die er schon lange nicht mehr gesehen hatte. Ein jeder fühlte sich von ihm angenommen. Er konnte stets etwas Gutes in den Ideen seiner Gesprächspartner entdecken und versuchte, das auch zu verwerten.
Als wortgewandter Mann der Synthese verstand er es, eine Vielzahl an Vorschlägen und Anregungen zu artikulieren. Dieses Charisma seinerseits war nicht selten entscheidend bei der Ausarbeitung von Texten und Erklärungen, die die Kirche in prophetischer Weise prägten, auch in der Zeit des Militärregimes und bei den großen Debatten wie der um den Schutz des Lebens von seiner Empfängnis an bis zum natürlichen Tod, der Menschenwürde, Gerechtigkeit und Frieden, Natur- und Umweltschutz, den Kampf gegen Armut und Ausgrenzung.
Mons. Luciano interessierte sich für alle Fragen, die den Glauben, das Leben, die Gesundheit und das allgemeine Wohl Brasiliens und der Welt betrafen. Ich möchte einige dieser Themen herausstellen, wahre Leidenschaften, von denen sein Herz eines Apostels beseelt war.
Seine erste Leidenschaft waren die Armen, alle Armen und Leidenden, besonders die Straßenkinder. Als Weihbischof von São Paulo, in der Região Belém, schuf er Hunderte von Aufnahmezentren für Kinder und Obdachlose. Nicht selten ging er schon früh morgens aus dem Haus, sprach mit Straßenkindern und Bettlern und brachte sie in eines dieser Zentren.
Aber Dom Luciano war nicht nur von dieser Leidenschaft beseelt; er liebte auch die Kirche von ganzem Herzen, und diese Liebe zeigte sich in einem tiefen Glauben, der manchmal auch auf Unverständnis, menschliche Schwächen und Grenzen – seine eigenen und die der anderen – stoßen mochte. Mit seiner aktiven, weitsichtigen Präsenz bei Begegnungen und Kongressen, durch spirituelle Einkehrtage und Vermittlung in schwierigen Situationen stellte er seine Charismen in den Dienst dieser Kirche.
Eine weitere Leidenschaft seinerseits war die Kommunikation und Evangelisierung durch die Medien. Die Schaffung des ersten katholischen Fernsehsenders, Rede Vida, haben wir hauptsächlich ihm zu verdanken. Wieviele Nächte hat er daran gearbeitet, an wieviele Türen hat er geklopft! Er wollte einfach nicht einsehen, warum die Kirche Brasiliens – neben einem Radiosender und Zeitungen – nicht auch einen eigenen Fernsehsender haben sollte. Seit 1983 schrieb Mons. Luciano jede Woche einen Artikel für die Zeitschrift Folha de S. Paulo.
In allem, was Mons Luciano tat, den zahlreichen Initiativen, denen er sein Leben widmete, blieb er stets jenen Prinzipien treu, die ihm die Zuneigung und Wertschätzung eines jeden sicherten, der ihn kennenlernen durfte: sanft im Wort, unbeugsam im Prinzip, stark im Handeln.
So wollen wir ihn in Erinnerung behalten. Gesegnet sei Gott für das große Geschenk, das Leben und Werk von Mons. Luciano Mendes de Almeida für die Kirche und für die Welt waren.