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„Es ist unmöglich, der Schrift treu zu sein, ohne der Person Marias die gebührende Aufmerksamkeit zu widmen“
„Es ist unmöglich, der Schrift treu zu sein, ohne der Person Marias die gebührende Aufmerksamkeit zu widmen“
Der Artikel eines der namhaftesten Mariologen unserer Zeit über die gemeinsame Erklärung der Anglikanisch/Römisch-Katholischen Internationalen Kommission (ARCIC):
Maria, Gnade und Hoffnung in Christus.
von René Laurentin

Muttergottes mit Kind, Pergamentzeichnung, um 1270, Lambeth Palace, London.
Johannes Paul II. bemühte sich zwar darum, Maria wieder einen „besseren“ Platz zukommen zu lassen, damit sich an den Universitäten wieder eine institutionelle mariologische Disziplin durchsetzen konnte (was normalerweise weder oft noch gut geschieht) und um das Geheimnis von Fatima herauszustellen, aber das konnte den bereits eingeleiteten „Rückschritt“ nur zum Teil bremsen.
Das ist auch der Grund, warum ich von 30Tage gebeten wurde, einen Artikel über die gemeinsame Erklärung der Anglikanisch/Römisch-katholischen Internationalen Kommission (ARCIC) vom 16. Mai 2005 über Maria zu schreiben: Maria, Gnade und Hoffnung in Christus. Ein Dokument, das nicht nur die Übereinstimmung hinsichtlich der Jungfrau Maria und Gottesmutter bestätigt, sondern auch die Stichhaltigkeit der beiden päpstlichen Dogmen über die Unbefleckte Empfängnis (Pius IX., 8. Dezember 1854) und über die Aufnahme Marias in den Himmel (Pius XII., 1. November 1950).
Dieses Dokument muß im Innern des nicht selten recht turbulenten Dialogs zwischen Anglikanern und Katholiken angesiedelt werden.
Die Ursprünge des Schismas
Breits im 14. Jahrhundert hatte das englische Parlament auf Initiative des Vorreformators Wyclif und der ketzerischen Lollarden damit begonnen, sich vom römischen Papsttum zu „emanzipieren.“ Als Heinrich VIII. dann aber seine Vorrangstellung über die Kirche von England erklärte (1534), hatte das Gründe persönlicher Natur, die mit der von ihm gewünschten Scheidung zusammenhingen. Eine Vorrangstellung, die dann dank Generalvikar Thomas Cromwell mit den „10 Articles“ (1536), jenem von der lutherischen Reformation inspirierten Glaubensbekenntnis, auch tatsächlich umgesetzt werden konnte. Mit der Veröffentlichung des Book of common prayer unter Eduard VI. (1547-1553) im Jahr 1552 nahm die Kirche von England dann ihre definitive Gestalt an. So wurde aus einer persönlichen, von den Herrschern ergriffenen und auf die Kontrolle der Kirche ausgerichteten Initiative eine Staatsreligion nach protestantischem Vorbild geboren.
Wir haben es hier also eher mit einem Schisma denn einer Häresie zu tun – wenn man auch sagen muß, daß sich das Schisma zunächst an die lutherische Protestantenbewegung und dann an die calvinistische Strömung angelehnt hatte und mit der Zeit immer radikaler wurde. Ein künstliches Schisma also, weil Struktur und Gebet der Kirche (die Lex orandi) in England im wesentlichen in der Formalität eines katholischen Glaubens weiter bestanden.
Ein Projekt für die Einheit
Eine Festellung, die der weitblickende Kardinal Mercier schon vor und nach dem Krieg von 1914-1918 gemacht hatte. Da der Ökumenismus für die Protestanten – mit der allmählichen Schaffung des Ökumenischen Kirchenrats – sozusagen in der Luft lag, versuchte er durch seine häufigen, intensiven und herzlichen Kontakte zu Lord Halifax, die Kirche von England wieder in die katholische Kirche zu integrieren.
Für Rom war der Ökumenismus damals kein Thema; man fürchtete Kompromisse, und der Hl. Stuhl erklärte die in der Kirche von England vorgenommenen Weihen – weil eine der ersten Weihen unabhängig von Rom und somit ungültig vorgenommen worden war – öffentlich für ungültig: ein Schock nicht nur für die Kirche von England, sondern auch für das ganze englische Volk und für die Krone, der den gerade in Gang gekommenen Dialog schlagartig zum Stocken brachte.
Lord Halifax und andere Repräsentanten der Anglikaner waren damals gerade ans Sterbebett von Kardinal Mercier nach Mechelen geeilt und konnten miterleben, wie er vor ihnen eine private Messe zelebrieren ließ, „die Messe Mariä Mittlerin“ – die Erlaubnis dazu hatte er als Privileg von Rom erhalten. Für ihn schloß die dem Ökumenismus eingeräumte Priorität die spirituelle Priorität der Jungfrau Maria nicht aus. Dieses tiefe Band zwischen Ökumenismus und Maria, Mutter der Einheit, mußte als Zeichen der großen Absichten und der großen Initiativen im Hinblick auf die Einheit der Kirche von Rom und der Kirche von England gesehen werden – Initiativen, die jedoch leider unter keinem glücklichen Stern standen.
Die Erklärung Roms zur Ungültigkeit der Weihen legte das Einheitsprojekt zwar dauerhaft auf Eis, brachte aber doch auch einen Vorteil: den nämlich, daß die anglikanischen Bischöfe, denen die auf historische Dokumente gegründete Erklärung des Hl. Stuhls Kopfzerbrechen bereitete, zusahen, daß ihre Weihen von gültigen, wenngleich schismatischen Bischöfen, vorgenommen wurden. Nicht den Orthodoxen, die einen derartigen „Kompromiß“ abgelehnt hätten, sondern den holländischen „Altkatholiken“. Viele anglikanische Bischöfe verweisen heute – zumindest bei ihren Kontakten mit Katholiken und Orthodoxen – darauf, daß ihre Weihen streng genommen durch die große Zahl der Weihen Gültigkeit erlangt hätten, die unter Teilnahme von laut katholischer Tradition gültigen Bischöfen erfolgt wären.
Trotz dieser „Unterbrechung“ des Projekts Mercier konnte der Dialog im Rahmen des ökumenischen Aufschwungs wieder aufgenommen werden, den Johannes XXIII. seit Anbeginn seines Pontifikats gefördert hatte.
Doch dann ließen sich die Anglikaner – ansonsten der Tradition treu – von den femministischen Strömungen dazu hinreissen, die Priester- und Bischofsweihe von Frauen voranzutreiben.
Dieser Beschluß der anglikanischen Gemeinschaft schuf das größte und am schwersten zu überwindende Hindernis; ein Hindernis, das nicht mehr viel Raum für die Hoffnung auf Einheit ließ – immerhin hatte Johannes Paul II. die Weihe von Frauen eindeutig abgelehnt, wie es darüber hinaus auch die apostolische Tradition der orthodoxen Kirche tut.
Im Jahr 2003 verschärfte sich die Situation dann noch, als die Episkopal- (anglikanische) Kirche der Vereinigten Staaten die Weihe eines homosexuellen Bischofs guthieß. Der Hl. Stuhl sah sich gezwungen, die Veröffentlichung einer „gemeinsamen Glaubenserklärung“ zwischen den beiden Kirchen „zurückhalten“. Dazu, den Dialog weiterzuführen, verpflichtete man sich aber dennoch.

René Laurentin.
Ein wichtiges Abkommen
Besagtes Dokument hier zusammenfassen zu wollen, würde zu weit führen. Es zeugt nicht nur von einer positiven Beurteilung Marias, sondern von einer ihr entgegengebrachten geradezu leidenschaftlichen Verehrung. Das Abkommen besagt: „Bei der Ausarbeitung dieser gemeinsamen Stellungnahme haben wir aus der Schrift und aus der gemeinsamen Tradition geschöpft, die aus der Zeit vor der Reformation und der Gegenreformation stammt.“ (16. Jahrhundert). Schrift und Tradition sind eine Konstante des Dokuments. „Es ist unmöglich, der Schrift treu zu sein, ohne der Person Marias die gebührende Aufmerksamkeit zu widmen“.
Dem Lukasevangelium folgend, kann man in dem Dokument bezüglich der „Verkündigung und dem Besuch bei Elisabet“ sehen, daß „diese Bibelstellen deutlich machen, dass Maria in einzigartiger Weise Empfängerin der Erwählung und der Gnade Gottes ist“.
Der neue, Maria gegebene Name (auf griechisch Kecharitoméne), schließt „eine vorhergehende Heiligung durch die göttliche Gnade im Hinblick auf ihre Berufung ein“. Es ist ein bemerkenswerter, für die Unbefleckte Empfängnis offener Kommentar.
Das Dokument stützt sich kontinuierlich auf die jungfräuliche Empfängnis Jesu, die von Matthäus und Lukas mit sehr verschiedenen, aber perfekt konvergierenden und umso bedeutungsvolleren Begriffen zum Ausdruck gebracht wird: „Die jungfräuliche Empfängnis kann in erster Linie wie ein Fehlen erscheinen, d.h. das Fehlen eines menschlichen Vaters. Dies ist jedoch in Wirklichkeit ein Zeichen der Gegenwart und des Wirkens des Heiligen Geistes. [...] Für gläubige Christen ist dies ein beredtes Zeichen für die göttliche Sohnschaft Christi und eines neuen Lebens durch den Heiligen Geist.“
Laut dem Dokument ist die jungfräuliche Empfängnis Jesu nicht nur ein grundlegendes Faktum der Offenbarung, sondern auch ein Zeichen, das zahlreiche Konsequenzen für unser Leben hat, wie schon von den Kirchenvätern herausgestellt wurde, für die die Mutter Gottes nur Jungfrau, und nur eine Jungfrau Mutter Gottes sein konnte.
Einige französische Theologen und Laien haben die immer währende Jungfräulichkeit Mariens bestritten, in ihr eine Mutter mit vielen Kindern gesehen, wozu sie die biblischen Texte entsprechend verzerrt haben. In dem Abkommen mit den Anglikanern heißt es, daß Maria „‚immer währende Jungfrau‘ geblieben war. In ihren Betrachtungen [denen der Anglikaner und Katholiken] wurde Jungfräulichkeit nicht nur als leibliche Unversehrtheit verstanden, sondern als innere Bereitschaft zu Offenheit, Gehorsam und aufrichtiger Treue gegenüber Christus, welche christliche Jüngerschaft formen und zu geistlicher Fruchtbarkeit führen“.
Und gerade hier liegt die – leider unverstandene – Problematik der Kirchenväter.
Das ARCIC-Dokument erwähnt auch das „Bewusstsein für die Rolle Marias bei der Erlösung der Menschheit […]. Sie [die „neue Eva“, wie der Text präzisiert] ist mit ihrem Sohn verbunden im Sieg über den alten Feind […]. Der Gehorsam der Jungfrau Maria ebnet den Weg zum Heil.“
Man kann also ein gutes Stückchen Weg mit den Anglikanern gehen – solange man den, auch unter Katholiken umstrittenen, Titel „Miterlöserin“ vermeidet. Johannes XXIII. hatte die Lehrkommission des Konzils – bei der ich als Experte mitwirkte – diskret darum gebeten, diesen Ausdruck zu vermeiden.
In dem Dokument wird auch auf den Stellenwert eingegangen, der der Verehrung Mariens eingeräumt werden soll: „Im Gefolge der [..] Konzilien von Ephesus und Chalcedon wurde nach und nach eine Tradition des Betens mit Maria und zum Lobpreis Marias eingeführt. Dies wurde seit dem 4. Jahrhundert, insbesondere im Osten, mit der Bitte um ihren Schutz verbunden.“ Was noch heute in der anglikanischen Kirche gebräuchlich ist.
Akzeptiert werden auch „Feste zu ihren Ehren “. Wie auch die Rechtmäßigkeit des im Osten im 7. Jahrhundert entstandenen Festes Mariä Empfängnis, das dann, seit dem 11. Jahrhundert, auch auf den britischen Inseln Einzug halten konnte.
Anerkannt wird die Fürsprache Mariens und „ihre Stellung“ im Leben der Kirche, wenn auch nicht gewisse Übertreibungen des Mittelalters, das Maria in zweideutiger Weise „Mittlerin beim Mittler Christus“ nannte; betont wird mit dem II. Vatikanischen Konzil, daß Christus der einzige Mittler ist und daß Maria nur „in Christus“ Mittlerin ist, wie schon Johannes Paul II. in Anlehnung der vor dem Konzil von dem deutschen Lutheraner Hans Asmussen 1950 angenommenen Formel schrieb, worauf ich schon vor dem Konzil in meinem Court traité sur la Vierge Marie hinweisen konnte.
Der Glaube an die Fürsprache Mariens geht – wie es heißt – auf die Zeit des Konzils von Ephesus (431) zurück. Von dem seit dem 5. Jahrhundert verbreiteten Gebrauch des Ave Maria heißt es: „Die englischen Reformatoren übten Kritik an dieser Anrufung sowie an ähnlichen Formen des Gebets, weil sie glaubten, daß sie eine Gefährdung der einzigen Mittlerschaft Jesu Christi darstellten“. Das Dokument bezeichnet hier also eine entscheidende Etappe. Dann wird noch betont, daß das II. Vatikanische Konzil das ungebrochene Brauchtum der Gläubigen bestätigt, sich an Maria zu wenden, damit sie für sie Fürsprache einlege. Festgehalten wird folgendes: „Marias mütterliche Aufgabe gegenüber den Menschen aber verdunkelt oder mindert diese einzige Mittlerschaft Christi in keiner Weise“ (Lumen gentium, 60).
Diese positive Anerkennung sollte herausgestellt werden. Einer der letzten Absätze (S. 34) trägt den Titel: „Fürbitte und Vermittlung in der Gemeinschaft der Heiligen “.

Die Jungfrau Maria, Miniatur aus dem Book of the Hours of the Blessed Virgin Mary, geschrieben und illustriert in Frankreich , 15. Jh., Kathedrale von Canterbury.
Neu und bemerkenswert ist die Übereinkunft hinsichtlich der beiden päpstlichen Definitionen (1854 und 1950) in Sachen Jungfrau Maria – Definitionen, die nicht nur von der Reformation, sondern auch von den Orthodoxen so sehr bestritten wurden.
Zum 150. Jahrestag der Definition Pius’ IX. hinsichtlich des unbefleckten Ursprungs Mariens betont das Dokument, daß Maria „Jesus Christus brauchte“. Ein Punkt, der für Pius IX. wesentlich und grundlegend war, weil er nicht nur die ursprüngliche Reinheit Mariens definierte. Er definierte auch, daß Maria durch Bewahrung erlöst wurde (entgegen jenen, die denken, daß dieses Privileg der neuen Eva geschuldet wäre, die schließlich der ersten Schöpfung angehörte und so der Nachkommenschaft Adams entrissen war).
Das Dokument erkennt auch an, daß die lakonische Definition Pius’ XII. fundiert ist, weil sie sich an das Wesentliche gehalten hat. Er wollte den Tod Mariens nicht definieren, sondern nur bekräftigen, daß sie „nach Vollendung des irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde“.
Die Anglikaner anerkennen, daß dies eine harmonische Formulierung des gemeinsamen Glaubens ist, weil da ja alle Christen zur Auferstehung gerufen sind, nichts dagegen spricht, daß diese Verheißung bereits für jene eingetreten sei, die den auferstandenen Christus leiblich geboren hat (Karl Rahner dagegen wollte dieses Privileg im Gegensatz zu Schillebeeckx auf alle Christen ausdehnen).
Der in dem Dokument zum Ausdruck gebrachte Glaube ist für uns vollkommen gemeinsam, mit folgendem Unterschied: für die Anglikaner stellen diese beiden Definitionen insofern ein Problem dar, als sie für die Katholiken ein Glaubensdogma sind. Auch sie glauben diese Dinge gern als rechte Interpretation des Glaubens, nicht aber als etwas durch die Offenbarung zwingend Gebotenes, weil diese beiden Lehraussagen in der Heiligen Schrift nicht explizit vorhanden sind. Einige Katholiken dagegen sagen, Schwierigkeiten dabei zu haben, sie biblisch zu rechtfertigen, ohne dafür kritisiert zu werden. Aufgrund genauen Studiums der Heiligen Schrift konnte ich beweisen, daß diese beiden Lehren nicht nur implizit, sondern formal in der Heiligen Schrift vorhanden sind.
In der Erklärung steht diesbezüglich zu lesen: „Jedoch impliziert nach römisch-katholischem Verständnis, wie es in diesen beiden Definitionen zum Ausdruck kommt, die Verkündigung jeglicher Lehre als Dogma, dass die betreffende Lehre als ‚von Gott geoffenbart‘ erklärt wird und daher von allen Gläubigen ‚fest und beständig‘ zu glauben ist “. Das birgt für die Anglikaner, wie auch für andere christliche Konfessionen, ein Problem. Sie fragen sich, ob diese verpflichtende Strenge notwendig sei. Sie können problemlos den beiden Lehrinhalten zustimmen, wie sie in der dogmatischen Konstitution Lumen gentium zum Ausdruck gebracht werden, aber in einer weniger juridischen Formulierung und gemäß der Lehre der dogmatischen Konstitution Dei Verbum über den Zeugnischarakter der Heiligen Schrift.
Weiter heißt es in der Erklärung: „Die Anglikaner haben die Frage aufgeworfen, ob es eine Bedingung für die künftige Wiederherstellung der vollen Einheit sei, dass sie die Definitionen von 1854 und 1950 anerkennen müssten. Römisch-katholische Christen halten es für schwierig, sich eine Wiederherstellung der Einheit vorzustellen, bei der die Anerkennung bestimmter Lehren für einige erforderlich ist und für andere nicht. Als wir uns mit diesen Fragen beschäftigten, war uns bewusst, dass ,als eine Folge unserer Trennung ... sowohl bei Anglikanern als auch bei römischen Katholiken eine Tendenz [entstand], den marianischen Dogmen als solchen einen auf Kosten anderer, der Grundlage des christlichen Glaubens näher stehender Wahrheiten zu hohen Stellenwert einzuräumen‘ (Autorität II, 30). Anglikaner und römisch-katholische Christen stimmen darin überein, dass die Lehren von der Aufnahme [in den Himmel] und der Unbefleckten Empfängnis Marias im Lichte der zentraleren Wahrheit ihrer Eigenschaft als Theotókos verstanden werden müssen, die ihrerseits vom Glauben an die Inkarnation abhängt“.

Die Verkündigung, Heures de Beaufort, Anfang 15. Jh., Ms. Royal 2 A. XVIII, f. 23, British Library, London.
„Umgekehrt hätten die Anglikaner zu akzeptieren, dass die Definitionen einen legitimen Ausdruck des katholischen Glaubens darstellen und als solcher zu respektieren sind, auch wenn diese Formulierungen nicht von ihnen verwendet werden. Es gibt Beispiele für ökumenische Vereinbarungen, in denen das, was ein Partner als de fide definiert hat, von einem anderen Partner in unterschiedlicher Weise zum Ausdruck gebracht werden kann, wie z.B. in der Gemeinsamen Erklärung der römisch-katholischen Kirche und der Assyrischen Kirche des Ostens (1994) über die Definition von Chalcedon oder die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre der römisch-katholischen Kirche und des Lutherischen Weltbundes“ (1999). Die Unterzeichner des Abkommens sind also der Meinung, nicht nur ein Dokument der Aussöhnung oder der Annäherung unterzeichnet zu haben, sondern eine „Übereinstimmung, die wir in Bezug auf die Stellung Marias in der Ökonomie der Hoffnung und der Gnade erzielt haben.“
Die letzten Worte lauten: „Es ist unsere Hoffnung, dass wir, da wir gemeinsam an dem einen Geist teilhaben, durch den Maria für ihre einzigartige Berufung bereitet und geheiligt wurde, zusammen mit ihr und allen Heiligen am nicht endenden Lob Gottes teilnehmen dürfen. “
Das spirituelle und lehrmäßige Abkommen zwischen Anglikanern und Katholiken über Maria geht weiter als man zu denken gewagt hätte, trotz aller Unbeugsamkeit und jenseits aller Hochs und Tiefs und all der ökumenischen Stolpersteine, von denen so viel gesprochen wurde und deren Konsequenzen für jene volle Gemeinschaft, die Kardinal Mercier zu recht mit soviel Nachdruck gewollt hat, unserem gemeinsamem Willen entsprechend, der auch der Wille Jesu Christi ist: „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin“ (Joh 17,21).